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EINE BIS HEUTE UNBEWIESENE THEORIE

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Unmittelbar nach Erscheinen von Charles Darwins Über die Entstehung der Arten im Jahr 1859 führte die breite Akzeptanz seiner Theorie zu einer Suche nach physischen Beweisen: nach »missing links« [fehlenden Bindegliedern] zwischen Arten, denn man nahm an, dass diese »missing links« in Gestalt von Fossilfunden nachweisbar sein müssten. Wenn Wissenschaftler diese Fossilien fänden, so die Logik, dann müssten sie auch in der Lage sein, den Stammbaum unserer Entwicklung in der Urzeit zu rekonstruieren. Genau wie wir unsere individuelle familiäre Abstammung zurückverfolgen können, wenn wir von unseren Eltern über unsere Großeltern zu den Urgroßeltern und so weiter zurückgehen, wäre es, wie man annahm, eines Tages möglich, einen Familienstammbaum aller unserer gemeinsamen Ahnen zu erstellen.

Abbildung 1.1 zeigt die gegenwärtige Auffassung über unseren menschlichen Stammbaum. Auf diesem Schaubild werden moderne Menschen durch den Homo sapiens dargestellt, den dicken Punkt links oben. Die gestrichelten Linien bilden die Zweige, die uns mit anderen gefundenen Schädeln weiter unten im Baum verbinden; sie stehen für die verschiedenen Entwicklungslinien – die evolutionären Wege –, von denen die Wissenschaftler glauben, dass sie von den frühen Primaten zu uns heutigen Menschen geführt haben.

Mutmaßlicher Stammbaum der menschlichen Evolution

LEGENDE

-------- vermutete Beziehungen

Abb. 1.1. Ein Beispiel für den traditionellen menschlichen Stammbaum. Das Problem an dem durch diesen Baum verdeutlichten Denken besteht darin, dass physische Belege, die eine Verbindung zwischen den Fossilien bestätigen, noch immer der Entdeckung harren. Dieser Mangel an Funden ist der Grund, warum die Linien, die den Stammbaum bilden, als »mutmaßliche Beziehungen« bezeichnet werden.

Ein kurzer Blick auf Abbildung 1.1 zeigt allerdings, dass die Verbindungen zwischen den Fossilien als gestrichelte und nicht als durchgezogene Linien dargestellt werden. Dies bedeutet, dass die Linien spekulative oder vermutete Verbindungen und keine wirklich bewiesenen Beziehungen veranschaulichen.

Obwohl man die Existenz dieser Verbindungsglieder annimmt, ist sie auch nach hundertfünfzigjähriger Suche noch immer nicht durch Funde, die sie bestätigen, bewiesen worden.

Leitsatz 8Obwohl man vermutet, dass die Verbindungen zwischen urzeitlichen Primaten und modernen Menschen im evolutionären Stammbaum existieren, sind sie noch nie als Tatsache festgestellt worden – es sind bislang nur mutmaßliche und spekulative Beziehungen.

Mit anderen Worten: Die physischen Funde, welche die evolutionären Zwischenglieder bezeugen, die Aspekte unseres Lebens von der Gesundheitsvorsorge über die moralische Rechtfertigung von Hassverbrechen, Selbstmord, Sterbehilfe bis hin zur Todesstrafe sowie zu den Maßstäben unseres Selbstbildes und unserer intimen Beziehungen beeinflussen, sind noch immer nicht entdeckt!

Von der Zeit, in der die Evolutionstheorie 1859 als Erklärungsmodell vorgeschlagen wurde, bis zum Tag der Niederschrift dieses Buches ist nach bestem Wissen des Autors noch kein eindeutiger Beweis für eine Übergangsspezies, die zu uns führen würde – also ein Fossilienfund, der eine evolutionäre Reise von primitiven zu moderneren Wesen widerspiegelt – entdeckt worden! Thomas H. Morgan, der Gewinner des Nobelpreises von 1933 für Physiologie und Medizin, ließ für die Leser seines Buches Evolution and Adaption (»Evolution und Anpassung«) keinen Zweifel daran. Wenn moderne Wissenschaft das zugrunde legt, was Morgen als »die strengsten … angewandten Überprüfungen zur Unterscheidung wilder Arten« bezeichnet, dann – so erklärt er –, »wissen wir in der Epoche der Menschheitsgeschichte von keinem einzigen Fall eines Übergangs von einer Spezies zur nächsten«.39

Angesichts der leidenschaftlichen wissenschaftlichen Debatten und der »futuristischen« Technologie, die heute die tiefsten Mysterien des Lebens entschlüsselt, bleibt die nackte Tatsache von Morgans Beobachtung eine Warnung vor der rückhaltlosen Bejahung der menschlichen Evolutionstheorie. Trotzdem wird diese Lehre weiterhin in öffentlichen Klassenräumen unterrichtet, als wäre sie eine unbestrittene Tatsache!

In Über die Entstehung der Arten gab Darwin die Ironie des Fehlens physischer Belege zugunsten seiner Theorie zu. Er merkte auch an, dass der Grund dieses Fehlens einer physischen Evidenz möglicherweise auf eine von zwei Weisen erklärt werden könnte: Entweder interpretieren die Geologen die Erdgeschichte falsch, oder er selbst hat die Beobachtungen, die zur Grundlage seiner Theorie wurden, falsch interpretiert.

In Darwins eigenen Worten:

»Warum bietet nicht jede Fossiliensammlung einen klaren Beweis für die Stufenfolge und die Mutation der Lebensformen? Wir begegnen keinem solchen Beweis, und dies ist der offensichtlichste und überzeugendste der vielen Einwände, die gegen meine Lehre erhoben werden können.«40

Vor dem Hintergrund dieser Ideen und Einwände gab eine erstaunliche Entdeckung im ausgehenden 20. Jahrhundert den Wissenschaftlern die Möglichkeit, einige der am zähesten verteidigten Argumente für die Evolution zu überprüfen. Wenn menschliche Evolution tatsächlich auftrat, wie Darwins Lehre hypothetisch annimmt, dann bestünde der beste Weg, diese Theorie zu beweisen, darin, uns im tiefsten Inneren unserer Zellen mit unseren Vorfahren zu vergleichen. Doch dazu müssten die Wissenschaftler die DNA unserer frühen Ahnen mit der DNA unserer heutigen Körper vergleichen können, was ein Problem darstellt, da sich moderne Menschen bereits seit 200.000 Jahren auf der Erde befinden. Und weil die DNA empfindlich ist, hält sie nicht so lange.

Ist es möglich, dass DNA aus dem Leben früher Primaten noch immer existiert? Und wenn es sie noch gäbe, könnten wir sie auf dieselbe Weise testen, wie wir das heute routinemäßig mit unserer DNA tun? Obwohl diese Fragen klingen, als entstammten sie der Handlung von Jurassic Park – einem Film, der in heutiger Zeit anhand ihrer DNA wiedererweckte Dinosaurier zeigt –, ergab sich die Antwort auf sie in Gestalt einer einmaligen Entdeckung im Jahre 1987. Die aus diesem Fund gewonnenen Erkenntnisse werfen noch mehr Fragen auf, stellen uns vor noch größere Rätsel und öffnen das Tor zu einer Möglichkeit, die für die traditionelle Wissenschaft verbotenes Gelände darstellt.

MENSCH:GEMACHT

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