Читать книгу Die Legende vom Feuermal - Ivonne Hufnagl - Страница 5

Kapitel 3 – Ein kleiner Rundgang

Оглавление

Hier mache ich einen kleinen Zeitsprung. Das Aufrufen der einzelnen Schüler würde euch nur einschläfern und das ist nicht meine Absicht. Deshalb kommen wir gleich dazu, wie Nami ihrer Lehrkraft, einer netten Dame mit hochgestecktem Haar, über das Schulgelände folgte. Sie und ihre neuen drei Kameradinnen bekamen eine kleine Führung. Ihnen wurde keineswegs alles gezeigt, das wäre ja auch unnötig. Nur das Wichtigste, was sie in den nächsten Tagen finden sollten, wurde angesteuert. Gerade standen sie vor einer hohen Halle aus Backstein.

»Dies ist unsere Sporthalle. Hier werdet ihr oft trainieren, denn nicht nur der Geist, auch der Körper muss gestählt werden,« erklärte Miss Prudou. Nami schluckte. Sie war nicht besonders sportlich und hatte Angst, zu versagen.

Klars hingegen, welcher die Halle fünf Minuten vor Nami gesehen hatte, war begeistert. Er war die letzten zwei Jahre im Fußballverein und in seiner Freizeit gerne mit seinem Vater beim Klettern gewesen. Ihm hingegen gefiel das Unterrichtsgebäude nicht. Es war acht Stockwerke hoch und hatte so viele verschiedene Räume, dass er missmutig wurde. Er war nicht gerade ein Freund von vielem Lernen und sorgte sich um seine Freizeit. Vielleicht würde keine Zeit mehr für Hobbys bleiben, wenn er den ganzen Tag lernen würde müssen.

Natürlich machten sich beide viel zu viele Gedanken. Wie ihr es euch wohl auch gemacht hättet. Neues erscheint einem oft unmöglich, aber trotzdem darf man nicht sofort den Kopf hängen lassen, sondern sollte sich einfach erst einmal darauf einlassen.

Als Letztes kamen sie zu den Wohngebäuden. Es waren drei an der Zahl, zwei für die Schüler – natürlich nach Geschlechtern getrennt – und eines für die nicht ortsansässigen Angestellten. Das für die Buben befand sich neben dem Wald, gegenüber von dem Unterrichtsgebäude, daneben war das der Angestellten. Das der Mädchen war auf der anderen Seite des Schulgeländes direkt neben dem Sportplatz. Jedes Gebäude war aus rotem Backstein mit weißen Fensterrahmen und großen reflektierenden Fenstern. Diese fand Klars besonders interessant. Sie spiegelten so stark, dass man von außen nicht hindurch sehen konnte, von innen jedoch waren es ganz normale Fenster.

Bevor sie in das Gebäude traten, erklärte ihnen ihr Vertrauenslehrer Mister Trine: »Um Rivalitäten bezüglich der Zimmeraufteilung zu vermeiden, sind die Räume nach Klassenstufen aufgeteilt. Da ihr die Jüngsten seid, wohnt ihr ganz unten. Dort habt ihr auch einen eigenen Gemeinschafts- und einen Speiseraum. Die Abläufe erkläre ich euch, wenn es so weit ist. Zunächst zeige ich euch aber euren Schlafraum, damit ihr euch die nächste halbe Stunde erst mal einleben könnt.«

Er schritt ihnen voraus durch den doppeltürigen Eingang aus Eichenholz. Ihnen offenbarten sich holzgetäfelte Wände und ein roter Teppichboden. Geradeaus war eine Wendeltreppe und davor verzweigte sich der Gang nach beiden Seiten hin.

»Hier braucht ihr keine Angst haben, euch zu verlaufen. Es sind nur zwei Gänge, die für euch relevant sind. Links befinden sich die Gemeinschaftsräume und rechts die Schlafsäle,« fuhr Mister Trine mit seiner Erklärung fort. Gemeinsam schritten sie nach rechts. Der Gang war nicht sonderlich lang. Zwei Türen rechts, zwei Türen links und eine hinten und genau durch diese gingen sie nun. Die Jungen konnten gar ihren Augen nicht trauen. Sie hatten sich ihr Zimmer vorgestellt, wie in diesen Jugendherbergen, vielleicht wart ihr mal in einem: Stockbetten, wenig Platz und ein Badezimmer für alle.

Aber nein, dies war eine Eliteschule und deshalb bekamen sie nur das Beste. Denn nur wer sich wohlfühlt, kann gut lernen und gewissermaßen wollte man einen Anreiz schaffen, dass die Kinder die meiste Zeit in der Schule waren und nicht bei sich Zuhause. Denn so konnte man ihren Weg leichter lenken. Ob dies nun gut sei, mögen sich die Geister streiten. Ein kleines Sprichwort, welches ich gerne verwende. Schließlich bringt es nichts, wenn sich die Lebenden über Dinge streiten, bei denen es keine eindeutige Wahrheit gibt. Überlassen wir dies lieber der Zeit, zu der wir sie unendlich zur Verfügung haben.

Aber nun zurück zum Schlafraum oder eher Schlafsaal. Es war ein großer Schlafsaal. Wenn man hineinkam, führte ein Gang nach hinten. Dieser hatte fünf Öffnungen: zwei vorne, zwei hinten und in der Mitte eine kleine Leiter. Oben sah es genau gleich aus. Natürlich ohne nach oben führende Leiter. Ging man durch eine Öffnung kam man in einen kleinen Raum. In jedem war ein Bett, ein Schrank und ein Schreibtisch, zudem eine Tür in der Ecke, dort befanden sich eine Dusche und eine Toilette. Sozusagen hatte also jeder seinen eigenen Raum, der Unterschied war nur, dass die Öffnungen in den Gängen breiter waren als eine Türöffnung es wäre und es gab eben keine Türen. Dies sollte zwar das Gemeinschaftsgefühl stärken, aber gleichzeitig jedem eine Form der Privatsphäre gönnen. Es waren acht Räume aber nur sieben Kinder, denn ein Raum gleich oben rechts war leer: keine Möbel und auch kein Bad. Diesen Raum durften sie so nutzen, wie sie wollten.

»Okay Jungs, dann sucht sich jetzt jeder ein Bett. Ich will keinen Streit! In einer halben Stunde hole ich euch für den Küchendienst,« verabschiedete sich Mister Trine.

Als er weg war, herrschte völlige Stille im Saal. Klars brach diese sehr schnell: »Also, ich bin Klars Fings und hätte gern ein Fensterzimmer.« Die anderen lachten und stellten sich dann der Reihe nach vor. Klars konnte sich nicht sofort alle Namen merken, doch diese lernte er in den nächsten Stunden sehr schnell.

Da war der kleine blonde Ted Paxton, welcher etwas schüchtern war und ein weiterer kleiner Junge, welcher vom Wesen genau das Gegenteil war: Brian Gelbro. Er erklärte den anderen sofort: »Ich will ein Zimmer ohne Fenster, denn die schöne Aussicht würde nur meine Konzentration stören und schließlich will ich der Beste sein.«

Brian hatte braune zurückgegelte Haare und trug ein extrem glattes weißes Hemd.

Dann gab es noch Thomas Morgan, er war etwas stämmiger als die anderen. Ihn fand Klars sofort freundlich, schließlich dachte Thomas bei der Zimmerwahl gar nicht an sich. Er wollte das Zimmer nehmen, welches am Ende übrig bleiben würde.

Philippé Dubois hingegen musste zunächst seine Herkunft klarmachen: »Meine Blutlinie lässt sich bis zu den ersten Zauberern zurückverfolgen, als dieses Handwerk noch den Besten überlassen war und natürlich bekomme ich das Fensterzimmer unten rechts. Ich will stets das Schulgebäude im Auge haben, um nichts zu verpassen.«

Als Vorletztes in der Reihe stand ein sportlicher Junge, er überragte die anderen Kinder und hieß Derrick Walsh. »Gebt mir ein Zimmer hier vorne, dann kann ich immer als Erster raus.«

Der Letzte schließlich war ein dunkelhaariger blasser Junge, welcher seinen hellen Teint durch dunkle Kleidung noch unterstützte. Er stellte sich kurz und bündig vor: »Mako Raidor. Will ein Zimmer mit Fenster.«

Ihr müsst wissen, die Zimmer vorne hatten keine Fenster und die hinten schon, das heißt, es gab vier mit und drei ohne Fenster. Die Aufteilung war schnell geklärt, Klars schlief oben rechts gegenüber von Mako. Zusammen mit ihnen oben war Thomas. Unten hatten Philippé und Ted ein Zimmer mit Fenster und Derrick und Brian waren, wie gewünscht, beim Eingang.

Klars war zufrieden mit seinem Zimmer. Durch die großen Fenster, die bis zum Boden gingen, konnte er einerseits über den Schulzaun in einen Wald sehen und andererseits die ersten Etagen des Unterrichtsgebäudes erblicken. Nach der Zimmeraufteilung setzte er sich auf das Bett, welches sehr weich war und hing seinen Gedanken nach. Er war gespannt auf den Unterricht und den Tagesablauf, hatte aber auch Angst. Er musste an seinen Wutanfall im Badezimmer denken. Viel wusste er nicht mehr darüber, er war wütend gewesen und alles hatte gebrannt. Das Badezimmer musste komplett erneuert werden. Aber er hatte keine Verletzung davon getragen. Doch wie war das alles passiert? Er wusste es nicht mehr und das machte ihm noch mehr Angst. Bei seiner Mutter oder Schwester hatte er kein Wort darüber fallen lassen. Seine Mutter hatte am nächsten Tag Handwerker zu sich bestellt und etwas von einem Kabelbrand gesprochen. Sie hatte Klars zwar in den folgenden Tagen nicht aus den Augen gelassen, aber gesprochen hatte keiner etwas darüber. Vermutlich wollten sie es alle verdrängen und so tun, als ob nichts geschehen wäre.

»Hey, wie geht’s so? Gefällt dir dein Zimmer?« Mako hatte ihn aus seinen Gedanken gerissen. Er lehnte am Eingang und starrte ihn neugierig an. Klars brauchte kurz, um sich zu sammeln.

»Ja … ja klar. Voll coole Aussicht. Nur noch etwas langweilig eingerichtet. Keine Farben. Selbst das Bett haben sie weiß überzogen.«

Sie lachten.

»Hast du Geschwister hier an der Schule?,« fragte Klars.

Mako schüttelte den Kopf: »Meine Eltern waren an dieser Schule. Haben sich hier kennengelernt,« dabei verdrehte er die Augen, »aber sonst kenne ich niemanden. Deine Schwester hab ich ja schon gesehen. Wie heißt sie?«

»Nami.«

Ihr Gespräch wurde von unten unterbrochen. Mister Trine rief nach den Schülern. Als sie alle vor ihm versammelt waren, erklärte er ihnen: »So, es ist fast 12. Euer Unterricht wird immer um diese Uhrzeit enden. Dann werdet ihr euch in die Küche begeben und dort das Essen zubereiten. Jeweils zwei von euch haben Küchendienst, die anderen haben solange frei. Um 13 Uhr wird dann gemeinsam im Speisesaal gegessen und der Küchendienst spült anschließend ab. Um 14 Uhr geht der Unterricht für euch weiter.«

Klars war erschrocken, am Nachmittag noch Schule – das kannte er bisher nicht. Deswegen fragte er: »Könnten Sie uns bitte den kompletten Tagesablauf schildern? Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber diese Spannung macht mich fertig.« Die anderen nickten.

Mister Trine lächelte, ein älterer Mentor hätte sich den Ablauf nicht von den Kindern ändern lassen, aber er war vor ein paar Jahren selbst noch Schüler gewesen und wusste daher genau, wie man sich in solchen Situationen fühlt.

»Ihr habt Glück, das Essen habe ich für euch schon vorbereitet. Es gibt nur ein paar Sandwiches, aber während ihr sie verspeist, kann ich euch den ungefähren Ablauf erklären.«

Der Speiseraum war klein, es standen dort fünf Tische für je vier Personen. Klars saß neben Mako. Thomas und Ted saßen ihnen gegenüber. Die Brote waren gefüllt mit einer leckeren Soße, Gurken, Feta und einem Salatblatt. Klars verputzte gleich drei von ihnen. Währenddessen erläuterte ihnen Mister Trine: »Also, euer Tag beginnt um halb 7. Ihr macht euch für die Schule fertig, zieht euch angemessen an, meistens eure Schuluniform, welche jetzt gerade in euer Zimmer gebracht wird und findet euch um 7 im Speiseraum ein. Da werde ich oder ein Vertreter euch schon erwarten. Um 8 beginnt dann der Unterricht. Die erste Einheit bis 10 vor 10. und die zweite von 10 bis 12 Uhr. Von 14 bis 16 Uhr habt ihr dann nochmal Unterricht außer am Freitag, da ist nachmittags frei. Bis zum Abendessen, welches um 18 Uhr in der großen Halle gegenüber stattfindet, wird von euch erwartet, dass ihr übt und lernt. Schlafenszeit ist dann um 22 Uhr. Am Wochenende und in der freien Zeit habt ihr die Möglichkeit, euch für Sport- oder andere Schulgruppen einzuschreiben. Oder ihr besucht eure Eltern.«

»So schlecht klingt das alles gar nicht,« nuschelte Derrick mit vollem Mund. Die anderen lachten und beendeten ihre Mahlzeit.

Klars wurde für den ersten Küchendienst eingeteilt, was ihn erzürnte. Wieso musste er gleich in der ersten Woche an der Reihe sein? Doch er fügte sich seinem Schicksal und freute sich schon auf die nächste Woche.

Die Legende vom Feuermal

Подняться наверх