Читать книгу Die Anatomie des Schicksals - Johannes Huber - Страница 11
Gute Politik, schlechte Politik
ОглавлениеSchicksalhaft ist es aber zum Beispiel auch, in welchem Staatsgefüge wir leben. Ist es ein guter, sozialer, gerechter, ein lebenswerter Staat oder das Gegenteil davon? Ein höchst moderner Aspekt, aber bereits das älteste Epos der Welt widmete sich ihm. Ein 4.000 Jahre alter Text, geschrieben auf Sumerisch. Entdeckt wurden die Tafeln im heutigen Irak. Das älteste Epos der Menschheitsgeschichte. Das Gilgamesch-Epos.
Im Gilgamesch-Epos, das übrigens bereits etwas thematisiert, was derzeit in Silicon Valley Hochkonjunktur hat, nämlich die Relativierung der Todesangst und des Sterbens, war es schicksalhaft, ob man einen guten oder einen schlechten König hatte. Die Politik schwingt immer mit. Das war schon in der Odyssee so und wurde im Rathaus von Siena im zwölften Jahrhundert noch einmal wunderschön als Fresko verewigt: die gute Regierung und die schlechte Regierung. Welche man bekommt, ist auch Frage des Schicksals. Das hat sogar einen gewissen Zeitgeist.
Es ist schicksalhaft, welchem politischen System wir angehören oder ausgeliefert sind. Zu Platons Zeit war schon die Demokratie in Griechenland eingezogen, vor allem in Athen, die Kultur wurde hochgehalten und über all dem stand sein berühmter Satz: »Jeden Tag danke ich den Göttern, dass ich als Mensch, als Mann, als Grieche und als Bürger Athens geboren wurde.«
Es hat nach wie vor eine große Bedeutung, in welchem politischen System wir aufwachsen. Nordkorea? Tibet? Berlin? Meidling?
Im Gilgamesch-Epos, in der Unterwelt, gibt es übrigens auch einen bösen Geist namens Namtaru, der mehr oder weniger alles durcheinanderbringt und auch den guten Herrscher zum bösen macht. Namtaru wirft üble Schicksale auf die Menschen: Sie haben Wasser, aber er bewirkt, dass es nicht trinkbar ist. Sie haben etwas zu essen, aber er bewirkt, dass die Nahrungsmittel ungenießbar werden und alle daran sterben.
Dazu gibt es eine Analogie in der Gegenwart, in der Wasser kaum mehr trinkbar ist ohne Filter und in der uns viele Nahrungsmittel krank machen, weil sie mit zu viel Salz und Zucker versetzt und geschmacksverstärkt sind. Namtaru wäre heute Lebensmittelchemiker.