Читать книгу Kampf um SANTOR, Teil 2 - Die Befreiung - K. B. Stock - Страница 10
Kapitel 5 Bericht Großadmiral Dagmund-Thor
ОглавлениеEine gute Woche war vergangen, in der die beiden vom Seegrund des Rock Lake geretteten Lemurer im großen Bordlazarett der THIKAL-X, vor allem von den Ärzten Mora-Sher und Alec MacLeod behandelt wurden.
Anuk-Thor und ihre Nichte Brigid wechselten sich von Beginn an täglich an den Krankenbetten des Großadmirals und seiner jungen Adjutantin ab, wobei die beiden meist nur mit sanfter Gewalt dazu zu bringen waren, auch mal selber eine Ruhepause einzulegen.
„Ist das nicht großartig? Da pennt Brigids Vater die ganze Zeit in seinem Eiskübel, während wir eigentlich einen Flug zum MARS vorzubereiten hätten“, meinte Mora Kranz bei einem ihrer Krankenbesuche zu ihrem Chef Kendo-Khar, der jetzt immer häufiger an der Seite der schönen Admiralin anzutreffen war.
„Mora, Mora – vorlaut, wie immer“, erwiderte der Großfürst jetzt mit einem nachhaltigen Schmunzeln in Richtung der Explorerkommandantin und ihres neben ihr stehenden Ehemanns Alex.
„Seien wir doch lieber froh, dass er uns als ehemaliges phaetonisches Regierungsmitglied, vor allem als Wissensträger des ehemaligen lemurischen Rats, schon bald bei unseren Forschungsprojekten helfen kann.“
„Richtig, das wird er ganz sicher tun, vor allem wenn er über all die Ereignisse Bescheid weiß, die sich seit seiner Havarie in dieser Transmitter-Schaltstation in unserer Galaxis zugetragen haben“, pflichtete ihm jetzt die Schwester des Großadmirals, Anuk-Thor, spontan bei.
An dieser Stelle ergriff Kendo-Khar noch einmal das Wort: „Meine Freundin Anuk, Bart Blackhorse und ich haben vorhin schon mit seiner Adjutantin reden können. Senior Commander Runa-Lhun ist ja noch ziemlich jung und sie hat sich daher anscheinend viel rascher erholt, als Anuks Bruder.
Ihr geht es mittlerweile schon so gut, dass wir sie mit einer grundlegenden Hypnoschulung über die heutigen Verhältnisse informieren konnten. Nur wollte sie danach ihrem Chef nicht vorgreifen. Sie meint aber, dass der Großadmiral uns schon bald berichten wird, warum er seinerzeit auf der Erde war und was damals im Einzelnen passiert ist.“
Einige Tage später versammelten sich die Führungspersonen der JDEF erneut in der Krankenstation der THIKAL-X. Und auch die beiden mandoranischen Botschafter Rhea und Ares sowie US-Präsident Glenn Parker waren aus New York bzw. Washington zu dieser ersten Unterredung angereist.
Doch vor allem hatte die ehemalige Archäologieprofessorin Mora Kranz ihre wissenschaftlichen Kollegen Professor Dr. Jack Grant und Professor Dr. Thomas Bergers Team für etwaige Fragen des lemurischen Verteidigungsministers ebenfalls zu der Besprechung hinzugebeten.
Zu allererst ergriff Präsident Parker zur Begrüßung das Wort: „Sir, Madam, herzlich willkommen zurück im Leben. Wie Sie beide ja inzwischen wissen, befinden Sie sich auf der ERDE, auch wenn dieser Planet heute ein wenig anders ausschaut, als Sie ihn wahrscheinlich in Erinnerung haben.
Heute bezeichnen wir unsere Heimat, die jetzt auch die ihre ist, in Abwandlung des Ihnen geläufigen Namens immer öfter auch mit dem Namen TERRA, was übersetzt eben ERDE bedeutet.
Ich bin übrigens der für diese Region unseres Planeten zuständige Regierungschef und ich freue mich, dass es Ihnen gesundheitlich schon wieder soviel besser geht. Vor allem aber bin ich froh, dass unsere Verbündeten mit Ihnen und Ihrer Begleiterin erneut Angehörige der Ersten Menschheit aus dem Kälteschlaf befreien konnten.“
Der energisch wirkende Großadmiral, der in einer bequemen dunkelblauen Tunika am Tisch des neben seinem Krankenzimmer kurzerhand freigeräumten Besprechungsraums saß, stand jetzt auf und gab allen Anwesenden der Reihe nach die Hand.
Nur bei Admiral Mero-Khan, seiner Tochter Brigid und seiner Schwester Anuk hielt er sich ein bisschen länger auf, um alle drei bei der Begrüßung einen Augenblick lang fest zu umarmen. Gleich danach fing der silberhaarige ehemalige Verteidigungsminister des Sol-Systems zu sprechen an.
„Danke, Herr Präsident. Auch ich freue mich sehr, dass meine Adjutantin und ich schon so viele alte Bekannte an meinem Krankenbett wiedersehen durften. Das alleine grenzt schon an ein unglaubliches Wunder, für das ich den Göttern von TARES dankbar bin.
Aus meiner Hypnoschulung weiß ich darüber hinaus, wer die meisten der hier anwesenden Personen sind. Leider habe ich dabei aber auch erkennen müssen, wie zerrissen dieser Planet heutzutage regiert wird. Ich habe jedoch ebenfalls gelernt, dass Sie mit Ihrer UNO und den Allianznationen der JDEF auf dem richtigen Weg sind, die im galaktischen Maßstab eher klein zu nennenden zwischenstaatlichen Streitigkeiten zu überwinden. Und das ist auch gut so.
Herr Präsident, der uns dankenswerterweise gewährte Informationstransfer hat uns beiden zudem bestätigt, dass die Leute eurer Allianz schon früher eine ganze Reihe meiner Landsleute vor dem sicheren Tod gerettet haben. Sie sagten das ja bereits. Und dafür danke ich euch allen ebenfalls ganz herzlich, vor allem weil sich darunter auch meine Tochter und meine Schwester sowie mein alter Freund Mero-Khan befunden haben.
Jedoch macht mich das, was ich in der Zwischenzeit über das traurige Schicksal von Millionen meiner übrigen Landsleute zur Kenntnis nehmen musste, noch immer äußerst traurig und betroffen. Aber ich denke, dass ich und mein Senior Commander damit zurechtkommen werden. Vor allem, weil die bewohnten Planeten des Sol-Systems damals ja nicht allesamt untergegangen sind.
Von meinem ehemaligen Flottenchef Mero-Khan habe ich während seiner Besuche an meinem Krankenbett von unserer Niederlage gegen die übermächtigen Pyramidenraumer der STIXX-Invasoren und vom tragischen Ende PHAETONS sowie der sich anschließenden galaktischen Katastrophe erfahren. Einen Teil davon – vor allem die ersten Auswirkungen des auf Kollisionskurs mit TERRUM befindlichen Asteroiden – haben Runa-Lhun und ich damals ja noch selber miterlebt.
Allerdings hat mir Admiral Mero ebenfalls eine ganze Menge über die gelungene Flucht vieler unserer Menschen ins Laro-System erzählt. Das war für das Überleben der Menschheit sicher ein wichtiger, wenn nicht der entscheidende Faktor. Dass mit meinem Ministerkollegen Kendo-Khar inzwischen ein Larojaner eure JDEF-Flotte anführt, ist dafür der sichtbare Beweis.
Und dass das alles so gekommen ist, haben wir anscheinend einem mutigen Ehepaar zu verdanken, das erst vor wenigen Jahren den Kontakt zum Herkunftsplaneten ihrer larojanischen Vorfahren gesucht und schließlich auch gefunden hat. Wo sind diese beiden eigentlich, ich meine damit Fürstin Mora Kranz und ihren Ehemann Fürst Alex?“
„Hier, Herr Admiral – verzeihen Sie, Herr Großadmiral“, antwortete die aufgesprungene Mora Kranz prompt, während sie gleichzeitig ihren Ehemann am Arm hochzog und ihm zuraunte: „Steh auf, du Stockfisch, damit dich unsere beiden Gäste besser sehen können.“
„Nicht so förmlich, verehrte Fürstin – und die Dienstgrade und das Sie lassen wir am besten ab sofort weg“, lachte der sympathisch wirkende Dagmund-Thor die Kommandantin der MHORA-X noch im selben Moment an.
„Ich habe schon von meinem Freund Mero erfahren, dass es du und deine Crew der uralten KUNTUR wart, die ihn und seine überlebenden Leute auf eurem Weg nach LARO 5 aus seiner ehemaligen Flottenkommandantur gerettet haben6. Aber soweit mich meine Augen nicht trügen, scheint ihr beide mit meinem behandelnden Ärzteteam verwandt zu sein. Ihr gleicht euch nämlich fast so, als ob ihr deren Zwillinge wärt.“
„Nur Cousin und Großcousine, wobei du aber unsere Kinder noch nicht zu Gesicht bekommen hast. Die beiden sind nämlich wirkliche Zwillinge und sie sind – noch mehr, als ihre Eltern – paranormal begabt“, stellte Alex Kranz knapp fest, während er seiner Frau und den ebenfalls anwesenden Ärzten ein Grinsen zuwarf.
„Und die in erster Linie ärztlich gebildeten Verwandten der MacLeod-Sippe beenden diese Unterredung sofort, sobald mein Mann und ich merken, dass es unseren beiden Patienten zu viel werden sollte. Denkt also daran, den Großadmiral und seine junge Adjutantin nicht überzustrapazieren“, rief an dieser Stelle die ehemalige larojanische Gesundheitsministerin Mora-Sher in die Runde der Besprechungsteilnehmer.
„Ist ja schon gut, verehrte Fürstin – ich denke, dass die hier Anwesenden schon darauf achten werden. Und falls es mir zu viel wird, sage ich rechtzeitig Bescheid. Schließlich haben wir alle noch viele gemeinsam zu erledigende Aufgaben vor uns.
Was mich aber brennend interessiert, Fürst Alex – was genau hast du gerade mit paranormalen Fähigkeiten gemeint? Dass einige von euch darüber verfügen, habe ich schon bei meiner Hypno-Schulung erfahren. Aber letztlich bleibt das momentan für mich dennoch ein Rätsel, über das ich vor allem bald mal mit euren mandoranischen Freunden reden muss. Nur führt uns das im Moment nicht weiter, weshalb wir die Beantwortung dieser Frage auf einen späteren Zeitpunkt verschieben sollten.
Darüber hinaus muss ich anerkennen, dass eure mittlerweile geschmiedete JDEF-Allianz schon mehrfach auf anderen, von Menschen bewohnten Welten erfolgreich gegen diese STYXX-Bestien vorgegangen ist. Und auch das hat seine Ursache in dem couragierten Flug der KUNTUR, ohne den das alles nicht möglich geworden wäre.
Deshalb werde ich euch in Zukunft gerne helfen, vor allem, wenn es irgendwann um die finale Vernichtung dieser mörderischen Insektenrasse geht. Wobei ich hoffe, dass das schon bald der Fall sein wird. Doch nun zu meiner Geschichte, soweit ich sie in Erinnerung habe:
Ihr wisst bereits, dass ich auf PHAETON als Verteidigungsminister gedient und dort dem Regierenden Rat angehört habe. Zu meinen Aufgaben gehörte es damals, regelmäßig die geheimen Einrichtungen auf unseren Nachbarplaneten MARS und TERRUM zu inspizieren. Als Ziel meiner letzten Inspektionsreise stand kurz vor dem Angriff der STYXX auf das Sol-System der Ort, den ihr heute Mount Hope nennt, am Ende meiner Besuchsliste.
Dort wollte ich nämlich sehen, wie weit der Bau unseres Großkampfschiffs FREYA gediehen war. Bis dahin hatte ich bereits die Anlagen zur Rohstoffgewinnung und die geheime Werft in unserer von euch so bezeichneten Fliegenden Stadt an der südwestlichen Küste des ehemaligen Superkontinents GONDWANA7 inspiziert. Von meiner Schwester Anuk wusste ich, dass sie zu der Zeit gerade selbst zur THOR-Werft wollte, um den dortigen Kommandeur wegen seiner Verfehlungen zu entlassen. Allerdings habe ich sie dort nicht angetroffen, da sie kurz vor meiner Stippvisite zu unseren Einrichtungen im Landesinneren aufgebrochen war. Da ich nur wenig Zeit hatte, flog ich deshalb umgehend zur FREYA-Werft weiter.
Bereits auf dem Flug nach Norden empfingen wir den Großalarm, der alle verfügbaren Kampfschiffe zur Abwehr der Invasion in den Raum beorderte. Und schon kurz darauf riss die Funkverbindung zu meinem Flottenkommando auf PHAETON völlig ab.
Wir konnten die Explosion unseres Kriegs- und Werftplaneten zwar von unserer Position aus nicht wahrnehmen, aber wir erkannten bei einem Blick auf unser Radar schnell, dass TERRUM in Kürze von einem gewaltigen Trümmerregen getroffen werden würde. Wozu auch der riesige Asteroid gehörte, der in direktem Anflug auf TERRUM war.
Wir flohen in unserem winzigen Jäger deshalb mit höchstmöglicher Geschwindigkeit nach Norden. Doch der Großtranstransmitter in der Nähe der FREYA-Werft war bereits ausgefallen und wir konnten darüber hinaus auch keine Verbindung zur benachbarten Werft herstellen.
Eine Flucht in den Raum schien uns wegen der in Richtung TERRUM stürzenden Trümmer unmöglich – und sie wäre auch viel zu gefährlich gewesen. Da mittlerweile auch alle auf diesem Planeten stationierten Raumschiffe gestartet waren, blieb uns nur noch der Kleintransmitter als Fluchtpunkt, in dessen Schaltstation ihr uns vor einigen Tagen gefunden habt. Unsere Absicht war es nämlich, von dort aus den Trabanten TERRUMS zu erreichen. Warum uns aber am Ende auch dieser Fluchtweg verwehrt blieb, habe ich schon während unserer Bergung berichtet.“
„Verstehe. Ihr wolltet also zum MOND, aber was zur Hölle wolltet ihr dort?“, fragte Mora Kranz jetzt in einem Zwischenruf ziemlich erstaunt.
„Unser MOND ist doch nur ein toter Himmelskörper, den wir Terraner schon vor etlichen Jahren mehrfach besucht und partikular erforscht haben. Und dabei wurde meines Wissens nach bislang nichts allzu Spektakuläres entdeckt.“
„Was so nicht ganz stimmt, liebe Fürstin Mora“, warf an dieser Stelle der amerikanische Professor Dr. Jack Grant in die Debatte ein.
„Wie ihr alle wisst, arbeite ich mittlerweile eng mit den Spezialisten unserer früheren NASA8 zusammen, die inzwischen mit all ihren Organisationsanteilen komplett in die JDEF integriert wurde. Daher kann ich euch zu dieser Angelegenheit Folgendes sagen. Und am Nicken meines Präsidenten sehe ich, dass ich über diese bislang geheim gehaltenen Sachverhalte sprechen darf.“
„Na los, jetzt spann‘ uns nicht länger auf die Folter, Jack. Und wenn wir beide wieder zurück auf meinem Schiff sind, erklärst du mir mal, warum du deiner neuen Kommandantin bisher noch nichts darüber erzählt hast. Immer diese Geheimniskrämerei – verdammt nochmal, sowas kann ich überhaupt nicht leiden“, erwiderte Mora Kranz vehement.
„Nun, verehrte Fürstin – ich hätte das sicher noch getan. Aber ich bin ja auch erst seit kurzer Zeit Mitglied deiner Explorercrew. Einiges von dem, was ich gleich sage, ist übrigens bereits im Internet zu sehen und zu lesen gewesen – und diese Dinge betreffen vor allem die erdabgewandte Seite unseres Trabanten, die wir ja bisher nur von den wenigen veröffentlichten Fotografien der Apollo-Missionen und von den Aufnahmen einiger russischer und chinesischer Sonden her kennen.
Auf der Rückseite des MONDS wurde nämlich beim Überflug eines mehrerer NASA-Sonden eine Gebäudeformation fotografiert, deren offensichtlich künstlichen Bauwerke als Mondbasis unbekannter Herkunft einzustufen sind.
Selbst die Apollo 11-Crew hat über dreißig Jahre nach der geglückten ersten Mondlandung darüber berichtet, dass man nicht nur mehrere zigarrenförmige Gebilde gesehen habe, sondern dass sogar humanoid wirkende Wesen auf der Mondoberfläche mit ihnen in Kontakt getreten seien. Nur wurden ihre diesbezüglich per Funk an das Flugkontrollzentrum in Houston abgesetzten Meldungen aus den Protokollen gelöscht und niemals veröffentlicht.
Du brauchst nur mal dein vor dir stehendes Notebook aufzuklappen und in einer Suchmaschine nach den Geheimnissen auf der Mondrückseite zu fahnden. Auch wenn dabei viel Blödsinn angezeigt wird, steckt in einigen der Beiträge dennoch ein Körnchen Wahrheit.
Zum Beispiel gehört dazu das von Apollo 15 veröffentlichte Bild, das möglicherweise ein abgestürztes Raumschiff auf der Mondrückseite zeigt. Außerdem stimmt es, dass der Kommandant von Apollo 11 in einem Interview im Jahr 2012 andeutete, seine Crew sei von humanoiden Wesen gewarnt und zugleich aufgefordert worden, den MOND schnellstens wieder zu verlassen.“
„So ein Quatsch! Davon hätte man nach so langer Zeit doch schon mal früher etwas erfahren. Ich kann das wirklich nicht glauben“, erwiderte Mora Kranz nach kurzem Überlegen.
„Doch Mora, man hat es gewusst – denn die in diesem Zusammenhang nicht veröffentlichten Teile des Funkverkehrs der Apollo-Missionen wurden seinerzeit auch von anderen Radiostationen auf TERRA empfangen. Nur haben auch die dort jeweils zuständigen Regierungen seinerzeit deren Existenz und Inhalt stets abgestritten.
Aber ein Teil davon ist dennoch durchgesickert – vor allem, weil – wie ich schon sagte – der ehemalige Kommandant von Apollo 11 kurz vor seinem Tod im Jahr 2012 in einem TV-Interview davon berichtete. Wobei aber unklar blieb, warum man ihn und seinen Piloten der Landefähre schon damals vom MOND verjagen wollte.“
„Nun, das alles wundert mich überhaupt nicht“, griff jetzt wieder der mittlerweile still vor sich hinlächelnde Großadmiral Dagmund-Thor in das Gespräch ein.
„Auch ohne die genaueren Umstände zu kennen, ist es sehr wahrscheinlich, dass eure früheren Mondmissionen unsere, nur noch von Astor-Androiden besetzte Basis auf der Rückseite eures Trabanten entdeckt und sogar fotografiert haben. Und es waren auch die Androiden, die sich danach gegen die weitere Erforschung des MONDS gewehrt haben.
Und dass unsere Androiden eure damaligen Raumfahrer vor über 50 Jahren verjagen wollten, liegt ganz sicher daran, dass eure Leute mit ziemlich primitiven Raumfahrzeugen unterwegs waren. Damit waren sie nicht diejenigen, auf die unsere Astor-Androiden entsprechend ihrer Programmierung als Retter der phaetonischen Zivilisation warten sollten.“
„Das leuchtet mir ein. Danke, Dagmund – wobei ich dich künftig viel lieber Dag nennen würde, falls du das erlaubst“, lächelte die rothaarige Mora Kranz ihren Vorredner jetzt mit einem tiefgründigen Aufblitzen ihrer jadegrünen Augen an.
„Tja Leute, ich habe grad mal ein bisschen in meinem Computer geblättert. Das, was uns der gute Professor Grant eben erzählt hat, ist tatsächlich korrekt. Soviel kann ich schon mal sagen. Fragt sich nur, wie die Astor-Kameraden reagieren, wenn wir in Kürze zu einer Mondmission aufbrechen. Vor allem bin ich schon ziemlich neugierig, was wir dort auf der lunaren Rückseite nach so langer Zeit vorfinden werden.“
„Das ist doch ziemlich offensichtlich, Mora“, meldete sich an dieser Stelle Großfürst Kendo-Khar erstmals zu Wort.
„Seit wir im Anschluss an euren wagemutigen Flug nach LARO 5 hier auf der ERDE ankamen, war euer MOND noch nie ein Thema. Zumal es in unseren larojanischen Archiven auch keinerlei Anhaltspunkte über dessen frühere Funktion gab.
Doch es ist vorstellbar, dass die Erste Menschheit, die den MARS und PHAETON besiedelte, sich seinerzeit auch den Erdenmond zunutze machte. Deshalb bitte ich meinen Kollegen Minister jetzt abschließend darüber zu berichten, welche lemurischen Geheimnisse noch immer auf dem MOND verborgen liegen.“
„Das will ich gerne tun, Großfürst Kendo. Also hört mir nur noch einen Augenblick lang zu:
LUNA, so hieß euer Trabant zu meiner Zeit, war schon viele Jahrtausende vor der Vernichtung PHAETONS ein geheimer Stützpunkt unserer Flotte. Ursprünglich war dieser Außenposten nur als Erprobungsbasis gedacht, auf der wir interplanetare Raumschiffe zur Erforschung des Universums zu testen gedachten. Doch letztlich erwies sich das als viel zu aufwändig, weshalb wir die geheimen Projekte zur Entwicklung neuartiger Schiffe an ausgesuchte Stellen auf TERRUM verlegten.
Was übrig blieb, war eine lunare Basis, von der aus wir die Vorserien neu entwickelter Prototypen über Jahre hinweg erprobten. Und zugleich lagerten wir diese noch nicht bis in letzte Detail zu Ende entwickelten Kampfraumer auf der von TERRUM aus nicht sichtbaren Rückseite von LUNA ein.
Die ODIN, die meine Tochter zum Zeitpunkt der Katastrophe gerade weiteren Flug- und Waffentests unterzog, war der erste serienreife Kugelraumer seiner Klasse, der – vor der schon vorbereiteten weiteren Serienfertigung auf PHAETON – letztendlich ebenfalls dort eingemottet worden wäre. Nur kam uns dann bekanntlich der Angriff der mörderischen Insektenrasse zuvor.
Und damit wisst ihr auch den Grund, warum ich mit Senior Commander Runa-Lhun genau dorthin fliehen wollte. Denn der inzwischen für unsere kleinen Kugelraumer aus den Vorserien nahezu fertig entwickelte Hyperblaster bot die Chance, zusammen mit einer Androidenbesatzung entscheidend in die Raumschlacht mit den STYXX einzugreifen.
Das hätte sicher auch mit einem der auf unserer lunaren Basis bereits eingelagerten Vorserienmodelle geklappt. Nur blieb uns der Weg dorthin, nach unserer Ankunft in der Schaltstation des kleinen Transmitters, wegen des einsetzenden Trümmerregens versperrt.
Wenn wir damals so, wie einige von euch, weitreichende Teleporterfähigkeiten besessen hätten, wäre die Sache vielleicht anders ausgegangen – aber leider war das nicht der Fall, wie das aus Admiral Mero-Khans Kommandantur auf CERES gerettete Bild- und Videomaterial beweist. Aber seht selbst ...“
Die bisher still zuhörende Runa-Lhun, die sich bisher nur mit blassem Antlitz und bei den Worten ihres früheren Chefs nur hin und wieder heftig nickend die Aufmerksamkeit der Runde zugezogen hatte, schrie noch vor dem Ende des in diesem Moment noch einmal gezeigten Videofilms zum damaligen Schlachtgeschehen wie ein gepeinigtes Tier auf, wonach sie sofort von der neben ihr sitzenden mandoranischen Botschafterin Rhea einfühlsam in den Arm genommen wurde.
„Mein liebes Kind, ich fühle deinen Schmerz überdeutlich und ich will dir helfen, deine unsägliche Trauer über den Verlust all deiner Angehörigen und Freunde auf PHAETON sowie in eurer chancenlos kämpfenden Flotte zu überwinden. Ich weiß ja aus deinen Gedanken, dass dein bester Freund damals Kapitän eines eurer Kampfschiffe war.
Und jetzt hast du die Gewissheit, dass er in der Schlacht um dieses Sonnensystem, wie so unendlich viele seiner Kameradinnen und Kameraden, ums Leben gekommen ist. Glaube mir bitte, dass auch mein Partner Ares und ich Trauer empfinden, denn wir Mandoraner tragen an dem, was damals in diesem Sternensystem geschehen ist, eine gewisse Mitschuld.
Warum? Nun wir dachten nämlich vor vielen Jahrmillionen ein friedliches Leben in eurer Milchstraße gesät zu haben. Aber dann wurden wir selbst in unserer Heimatgalaxis ANDROMEDA eines Besseren belehrt.
Denn auch wir Mandoraner wurden vor langer Zeit bereits mehrere Male in unserer heimatlichen Galaxis von diesen STYXX-Bestien angegriffen. Zuvor hatten diese grausamen Mörder die Besatzungen einiger unserer Forschungsschiffe überwältigt. Diese Explorer waren zur Erforschung der beiden Zwerggalaxien unterwegs, die von den Terranern MAGELLANSCHE WOLKEN genannt werden.
Und danach zwangen diesen Killerinsekten die dort gefangengenommenen Besatzungen unserer Pyramidenschiffe, mit ihnen in unsere Galaxis zurückzufliegen. Wobei es ihnen danach sogar gelang, einen Teil der auf lebenswerten Planeten von uns hinterlassenen technischen Errungenschaften zu stehlen.
Als wir das bemerkten, vertrieben wir die STYXX-Rasse aus Andromeda, wobei sich diese Bestien dann anscheinend eure Milchstraße als neues Ziel für ihre Raubzüge aussuchten. Deshalb tragen wir Mandoraner eine Mitverantwortung für das, was daraufhin auch in eurer Galaxis an etlichen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten geschehen ist.
Liebe Runa, es tut mir vor diesem Hintergrund sehr leid, dass auch deine Familie zu den Betroffenen gehört, die seinerzeit Opfer der STYXX wurden. Und deshalb werden wir Mandoraner mit unseren Machtmitteln alles tun, um dieser STYXX-Plage endlich ein Ende zu bereiten.“
Noch während der Erklärung der Mandoranerin war der bisher am Eingang der Offiziersmesse des Lazarettschiffs zuhörende Shuttle-Pilot der MHORA-X, Lieutenant Clark Rodgers, zu der jungen Lemurerin Runa-Lhun hingeeilt, um ihr Trost zu spenden und ihre Tränen mit seinem Taschentuch abzuwischen.
„Senior Commander, bitte hör auf zu weinen. Versprich mir, dass du uns hilfst, die Nachfahren der Mörder deiner Familie zur Strecke zu bringen. Du bist jetzt bei uns in Sicherheit. Ich bin zwar erst vor kurzem als Juniorpilot zur JDEF gewechselt, aber ich verpflichte mich hiermit, dir bei der Bewältigung deiner Trauer zu helfen.“
Bei diesen Worten fasste Clark Rodgers die noch immer schluchzende Adjutantin des Großadmirals bei ihren Schultern und hielt sie solange fest in seinen Armen, bis sich die in eine unvorteilhafte Schiffskombination der THIKAL-X gehüllte junge Lemurerin endlich wieder beruhigt hatte.
„Ist schon gut, Clark – ich nehme dein freundliches Angebot gerne an. Schon allein deshalb, weil diese Killerinsekten nicht ungestraft davonkommen dürfen“, erwiderte die dunkelhaarige Senior Commander Runa-Lhun mit fester Stimme, nachdem sie sich wieder einigermaßen gefangen hatte.
„Das ist die richtige Herangehensweise, Madam Senior Commander“, ließ sich jetzt auch Botschafter Ares zum ersten Mal vernehmen, ehe er sogleich fortfuhr:
„Ich habe übrigens vorhin bereits eine Subraumbotschaft an unsere mandoranische Regierung abgeschickt. Und so, wie ich unseren Rat kenne, wird Flottenmarschall Baldur mit einem kampfkräftigen Kontingent seiner gewaltigen Dreadnoughts9 schon bald bei uns auftauchen, um zusammen mit der JDEF den endgültigen Kampf zur Vernichtung dieser Mordinsekten zu üben und zu planen.“
„Ich finde, ihr habt meine Patienten für heute mal genug genervt. Und deshalb lasst ihr jetzt Brigids Vater und seine Begleiterin erstmal in Ruhe. Die beiden brauchen schließlich noch Ruhe, um sich ordentlich zu erholen.
Außerdem ist in den nächsten Tagen ja noch genug Zeit für einen weitergehenden Gedankenaustausch“, rief in diesem Augenblick die larojanische Ärztin Mora-Sher in die versammelte Runde, während sie gleichzeitig ihren anwesenden Mara-Androiden den Befehl zum Hinausführen ihrer beiden lemurischen Patienten gab.
„Immer muss meine ärztliche Großcousine das letzte Wort haben. Gerade wenn’s interessant wird, mischt sie sich ein“, knurrte Mora Kranz ihren Ehemann Alex beim sanft erzwungenen Verlassen der THIKAL-X an.
„Sie hat aber Recht – und das weißt du auch, mein vorlauter Schatz“, erwiderte Alex Kranz spontan, während er danach mit seiner Frau die ausgefahrene Rampe des Lazarettschiffs THIKAL-X hinunterschritt.
„Ja, mein Fürst – du hast ja Recht. Bin schon mal sehr gespannt, wie unser Exploreroperationen in Kürze weitergehen. Es gibt gegenwärtig ja noch viele Dinge, die wir vom zeitlichen Ablauf her neu organisieren müssen. Zum Beispiel ist es sicherlich notwendig, unseren Flug zum MARS noch ein wenig zu verschieben.
Denn sobald Dag und Runa wieder gesund sind, müssen wir wohl als nächstes erstmal zum MOND fliegen. Unsere alte Projektplanung ist damit wohl obsolet“, meinte Mora Kranz umgehend.
„Mach dir keinen Kopf, Mora. Kendo, weiß das schließlich genauso, wie wir. Er lächelt zwar meistens – aber auch unser großartiger JDEF-Boss hat sicher einen Plan B, mit dem wir ab morgen früh weitermachen werden. Ich schätze deshalb ebenfalls, dass wir bereits in naher Zukunft auf der Rückseite unseres guten alten MONDS im dortigen Staub herumkrabbeln werden.“