Читать книгу Kampf um SANTOR, Teil 2 - Die Befreiung - K. B. Stock - Страница 14
Kapitel 9 Das Logbuch des Saatschiffes
ОглавлениеAm darauffolgenden Tag ging das Absetzen des ehemaligen Saatschiffs MINOKA ohne größere Probleme über die Bühne. Wozu unter anderem das heitere, vor allem aber auch von Windstille geprägte Wetter am Lake Pyramid einen, die ganze Aktion erleichternden Beitrag leistete.
Während sich viele larojanische Spezialisten, zusammen mit einem Großteil der lemurischen und terranischen Wissenschaftler, unter der Führung von Großadmiral Dagmund-Thor und seiner Schwester Admiral Anuk um die Inspektion der TAIFUN sowie der übrigen vormals auf dem MOND eingelagerten Kugelschiffe kümmerte, waren von der MARKON abgesetzte mandoranische Expertenteams dabei, die Reste der MINOKA zu erforschen.
„Es wird wohl noch etliche Zeit dauern, bis wir vor allem hinsichtlich des Verbleibs der seinerzeit ausgeschleusten Crew der MINOKA klarer sehen“, meinte Flottenmarschall Baldur in einer Lagebesprechung Mitte Mai, in der man sich wöchentlich gegenseitig über den Fortschritt der laufenden Projekte informierte.
„Was den Zweck ihres Flugs angeht, besteht allerdings inzwischen Klarheit. Denn wie wir den geborgenen Logbuch-Dateien der MINOKA bislang schon entnehmen konnten, war dieses Schiff damals tatsächlich als sogenanntes Saatschiff unterwegs, um die Lage auf den Welten der MILCHSTRASSE zu überprüfen, auf denen unsere Vorfahren früher menschliches Leben angesiedelt hatten.
Vor allem galt es dabei offensichtlich, möglichen Aktivitäten der aus ANDROMEDA geflohenen STYXX nachzuspüren und eventuellen Opfern zu helfen.
Ich werde die offenen Fragen aber später noch eingehender mit General Amal erörtern, wenn ich sie zusammen mit Großfürst Kendo-Khar und seiner mittlerweile auf die ERDE zurückgekehrten Regierungschefin Shira-Khor besuche.
Vor diesem Hintergrund freut es mich zudem sehr, euch mitteilen zu können, dass die Kommandantin der MINOKA vorgestern wieder aus ihrem Koma aufgewacht und von ihren großartigen Ärzten kaum noch im Bett zu halten ist“, beendete der mandoranische Flottenchef an dieser Stelle sein kurzes Statement.
„Das ist großartig, Baldur. Wenn du gestattest, werde ich dich nach dieser Besprechung begleiten, um Amal auf der ERDE zu begrüßen“, warf der regionale Befehlshaber der JDEF Amerika umgehend ein.
„Und Kendo und ich kommen sowieso mit, mein lieber Bart. Wir beide sie nämlich endlich auch mal kennenlernen“, schloss sich Mora Kranz diesem Wunsch sofort an.
„Geht klar – aber nur, sofern die gute Amal schon soviel Besuch auf einmal empfangen darf“, sagte General Blackhorse mit scheinbar nachdenklich gerunzelter Stirn, wobei er sich jedoch ein betontes Lächeln in Richtung seines Oberbefehlshabers nicht verkneifen konnte.
„Da mach‘ dir mal keine Gedanken, Bart. Wenn’s für die Patientin zu heftig wird, schmeißt uns mein Mediziner-Cousinchen ohnehin raus, da kannst du drauf wetten.“
„Gut, dass wir das dann ebenfalls geklärt hätten“, ergriff jetzt der ebenfalls vor sich hin schmunzelnde Kendo-Khar das Wort.
„Nun zu unserem anderen Projekt, womit ich die Bergung der Mondflotte meine. Die TAIFUN haben wir ja bereits gestern mit einer Notbesatzung unter dem Befehl von Kommodore Brigid-Thor in die von der FREYA inzwischen freigeräumte Werft am Mount Hope überführt. Brigid, du hast das Wort.“
„Erstmal bin ich meinem Vater sehr dankbar, dass er mir die Führung dieses wundervollen 500-Meter-Raumers anvertraut hat. Das Schiff fliegt sich einfach nur großartig und die Reservecrew der FREYA musste gar nicht erst extra umgeschult werden“, begann Brigid-Thor ihren Kurzbericht, als sie auch schon weitersprach:
„Momentan haben Admiral Hakar-Luns Ingenieure und Techniker mit der technischen Überprüfung meines künftigen Schiffs begonnen. Er schätzt, dass wir etwa ab Ende nächster Woche mit der Modernisierung der TAIFUN auf den Standard der FREYA-Technik anfangen können.
Sofern wir die Besatzung danach rasch weiter bis auf Soll-Stärke erhöhen können, ist mein neuer Kugelraumer voraussichtlich bis Mitte Juni soweit einsatzbereit, um mit ihm im Verband trainieren zu können. Und danach wird sich die Werft im Mount Hope der Modernisierung der übrigen 30 Kugelraumer aus der Vorserie der ODIN widmen.“
„Danke, Brigid – das hört sich doch schon mal sehr vielversprechend an ...“, meinte Kendo-Khar, als er von der soeben hereineilenden larojanischen Großkanzlerin Shira-Khor unterbrochen wurde.
„Entschuldigt meine Verspätung – aber wir haben erst vor wenigen Minuten den ersten Kreuzabgleich der MIKOKA-Datenbank mit den larojanischen – und vor allem mit den noch erhaltenen altlemurischen Archiven abgeschlossen. Zum Ergebnis komme ich gleich noch – doch soviel erst mal vorweg:
Wie ihr alle wisst, bin ich erst in der gestrigen Nacht mit meinem Flaggschiff LHARO-X nach TERRA zurückgekehrt. Mein Wissenschaftsminister Fürst Lando-Shar, der zudem mal wieder die LHARO-X kommandiert, hat mich dabei mit etlichen seiner Altertumsforscher hierher begleitet.
Unseren larojanischen Spezialisten ist es inzwischen gelungen, die noch vorhandenen historischen Dokumente aus der Zeit der Flucht nach LARO 5 bei uns daheim in eine datenverarbeitungstaugliche Form zu bringen. Und das ist auch der Grund, warum ich erst jetzt zu euch stoße, denn die dabei zu Tage geförderten Fakten sind ziemlich erstaunlich.“
„Jetzt spann‘ uns nicht länger auf die Folter, verehrte Erzherzogin und Stiefmutter. Erzähl‘ uns endlich, was ihr dabei herausgefunden habt und schüttle zudem mal Brigids Vater die Hand. Ihr kennt euch ja noch nicht“, meldete sich in diesem Augenblick Mora Kranz ganz ungeduldig zu Wort.
„Nun, meine neugierige Fürstin, das tue ich sehr gerne“, erwiderte die larojanische Großkanzlerin, während sie den alten phaetonischen Minister freundlich mit einer festen Umarmung begrüßte. Gleich darauf setzte sie ihre angefangene Rede wieder fort.
„Wir haben ja im ersten Datenabgleich vor allem gezielt nach dem Schicksal der seinerzeit aus der MINOKA evakuierten Besatzung gesucht. Und dazu haben wir in Zusammenarbeit mit Marschall Baldurs Experten und einigen terranischen Wissenschaftlern Hinweise gefunden. Und zwar sowohl in unseren, als auch in den lemurischen Archiven.
Auch wenn wir das alles noch genauer mit der Kommandantin der MINOKA verifizieren müssen, sieht es momentan so aus, als ob die Rettungskapseln des mandoranischen Saatschiffs damals an mehreren Punkten auf der ERDE landeten.
Das muss anscheinend genau in dem kurzen Zeitfenster zwischen dem Start unserer von TERRUM fliehenden larojanischen Vorfahren und dem Einschlag des Asteroiden im Golf von Mexiko passiert sein. Wobei sie sich vermutlich nach ihrer Ankunft größtenteils den mangels ausreichendem Schiffsraum auf unserem Ursprungsplaneten zurückgebliebenen Menschen anschlossen.“
„Das ist eine berechtigte Annahme, die auch von meinen Experten bestätigt wird, die das Wrack der MINOKA momentan untersuchen“, warf an diesem Punkt Flottenmarschall Baldur in das Gespräch ein.
„Alle Rettungsschleusen des Schiffs stehen nämlich noch immer offen. Bis auf den Kommandoteil auf dem vorderen Rumpf, war das Innere der MINOKA also bereits geflutet und komplett ohne Sauerstoff, noch ehe das Schiff am Ende seines Flugs auf dem MOND aufschlug.
Den Log-Dateien zufolge hatte die MINOKA eine Mannschaftsstärke von 600 Mandoranern, die auf Befehl von Kommandantin Amal mit jeweils 10 Leuten und 2 Piloten in die 50 vorhandenen Rettungskapseln des Schiffes einstiegen.
Und so, wie meine Wissenschaftler das sehen, hatten diese für Fernflüge ungeeigneten Boote danach überhaupt keine andere Chance, als die ERDE oder vielleicht auch den MARS anzufliegen. Denn wohin hätten sie angesichts der tobenden Raumschlacht und der anschließenden Explosion von PHAETON sonst auch wenden sollen?“
„Danke Marschall Baldur, das deckt sich mit den Aufzeichnungen, die meine Leute in den larojanischen – und vor allem in den altlemurischen Archiven der beiden Werftkomplexe aufgespürt haben“, meldete sich jetzt der mit am Konferenztisch sitzende Fürst Lando-Shar erstmals zu Wort. Umgehend fuhr Shira-Khors oberster larojanischer Wissenschaftler fort:
„Vergessen wir nicht – auch der MARS war von dem Kampfgeschehen betroffen und verlor darüber hinaus wegen des zusammenbrechenden Magnetfelds rasch seine Atmosphäre. Als Fluchtziel kam also dieser Planet nur bedingt in Frage. Deshalb stimmt es, was Baldurs Experten im Moment nur vermuten.
Die ausgewerteten lemurischen Dokumente sprechen nämlich an mehreren Stellen von Fremden, die aus dem Weltall kamen und den Vorfahren der Lemurer in dem riesigen Chaos halfen, unter der Erdoberfläche Schutz vor den einschlagenden Trümmerstücken PHAETONS zu suchen.“
„Das würde ja bedeuten, dass die von der MINOKA geflohenen Mandoraner mitverantwortlich dafür sind, dass die Vorfahren unseres Volkes auf TERRA überleben konnten“, murmelte Kommodore Brigid-Thor im gleichen Moment.
„Dem kann ich nur beipflichten, liebe Nichte“, nahm Admiral Anuk-Thor den Gesprächsfaden an dieser Stelle auf. „Mich würde allerdings interessieren, was aus den Rettungskapseln der MINOKA geworden ist. Die waren doch sicher ziemlich robust. Konntet ihr etwas über deren Bauweise und Bewaffnung herausfinden?“
„Tja, das ist kein großes Geheimnis, Admiral Anuk“, antwortete Marschall Baldur sofort. „Die Boote der damaligen Saatschiffe waren gut 30 Meter hohe Pyramiden mit einer Grundfläche von 15 x 15 Metern und sie waren zur Selbstverteidigung mit einer einzigen, an der Pyramidenspitze eingebauten Strahlkanone bewaffnet.“
„Mit Desintegratoren bewaffnete kleine Pyramiden, aha. Das wundert mich jetzt nicht wirklich“, murmelte die ehemalige Archäologieprofessorin Mora Kranz umgehend. „Das erklärt, wie sie in relativ kurzer Zeit unterirdische Kavernen anlegen und bewohnbar machen konnten.
Und das erklärt möglicherweise darüber hinaus den späteren Götter- und Pyramidenkult seitens unserer terranischen Vorfahren und vielleicht auch, warum es derartige Bauwerke noch heute an vielen Stellen der ERDE gibt. Das ist also ein Punkt, dem wir bei der Erforschung der Pyramiden weiter nachgehen müssen.“
Damit wandte sich Mora Kranz Brigids Tante Anuk zu und fragte sie ganz unverblümt: „Du weißt doch noch etwas – das seh‘ ich dir doch an deiner Nasenspitze an.
Liebe Anuk, es gibt doch einen Grund, warum du grad‘ so explizit nach der Form der mandoranischen Rettungskapseln gefragt hast. Du kennst diese Boote – stimmt‘s?“
Nun ja – sagen wir mal – ich kenne wahrscheinlich das, was von ihnen noch übrig ist. Allein in meinem Werftkomplex befinden sich in einer abgelegenen Halle fünf dieser seltsamen Kleinschiffe. Jedoch sind sie völlig ausgeschlachtet und nur deren leergeräumte Hüllen haben die Zeit überdauert. Deshalb habe ich mich bisher auch nie um diese alten Dinger gekümmert.“
„Was sich jetzt ändern wird – denn in der FREYA-Werft im Mount Hope stehen ebenfalls drei dieser abgewrackten Miniraumer“, warf jetzt der ehemalige Kommandeur der FREYA-Werft, Admiral Hakar-Lun überraschend in die Debatte ein.
„Ich gebe nachher gleich Anweisung, eine dieser Schiffshüllen aus meiner Werft zu den mit der MINOKA beschäftigten mandoranischen Wissenschaftlern hinaus zu bringen und ich schlage vor, dass die Kollegin Anuk dasselbe in ihrem Verantwortungsbereich in die Wege leitet.“
„Das ist eine gute Idee, Hakar. Dann wissen wir hoffentlich schon bald, ob es sich tatsächlich um alte Rettungsschiffe mandoranischer Herkunft handelt, die zu diesem Saatschiff passen“, sagte Mora Kranz sogleich, ehe sie noch anmerkte:
„Wobei sich außerdem die Frage stellt, was aus den übrigen 42 Rettungskapseln geworden ist. Ich wäre jedoch nicht allzu überrascht, wenn wir auch in anderen Pyramidenbauwerken der ERDE auf derart leergeräumte Schiffshüllen stoßen würden. Das ist damit ein weiterer Grund, warum wir uns nach der Erkundung des MARS die großen Pyramiden auf TERRA später einmal genauer ansehen müssen.“
„Kein Widerspruch zu deiner Idee, Mora. Allerdings kannst du den Mount Destiny auf der schottischen Insel Skye und den Großtransmitter in Irland von deiner Liste der zu untersuchenden Objekte streichen. Denn dort gibt es ganz sicher keine pyramidenförmigen Miniraumer, andernfalls wüssten Thure und ich davon“, sagte Kommodore Brigid-Thor jetzt mit nachdenklicher Miene.“
„Das ist auch nicht weiter verwunderlich, Brigid“, stimmte Admiral Mero-Khan seiner Vorrednerin nach kurzem Überlegen zu. „Immerhin war dein Stützpunkt auf Skye ja vormals die Heimat eines phaetonischen Erprobungs- und Kampfgeschwaders – und eigentlich nur am Rande eine kleine Werft.“
„Korrekt, Mero. Und ich kann durchaus nachvollziehen, warum man sich in unseren wenigen damaligen Großwerften später nicht weiter für diesen, in der hintersten Ecke lagernden Weltraumschrott interessierte“, meinte Großadmiral Dagmund-Thor, ehe er noch anfügte:
„Wenn es euch recht ist, sollten wir aber jetzt zunächst einmal mit General Amal reden. Wie wir von Marschall Baldur gehört haben, ist sie ja schon ganz ungeduldig und scheint darauf zu brennen, mehr über den Ausgang ihres damaligen Unternehmens zu erfahren. Lassen wir sie also nicht länger warten.“