Читать книгу Kampf um SANTOR, Teil 2 - Die Befreiung - K. B. Stock - Страница 12
Kapitel 7 Friedhof der Raumschiffe
ОглавлениеAls das Forschungskommando die drei gelandeten Schiffe bis auf eine Notbesatzung verlassen hatte und sich langsam dem Rand der zum Teil verschütteten Bauwerke näherte, murmelte Brigids Vater in sein Helmmikrofon:
„Das ist unsere alte Basis – kein Zweifel. Auch wenn von ihr kaum noch etwas zu sehen ist. Ein kreisrundes Zentrum mit fünf rechteckigen Anbauten, wobei das Dach des aufrecht stehenden Zylinders damals die Landefläche für an- und abfliegende Schiffe war. Und Teile des ursprünglich gut 100 Meter hohen Kontrollturms stehen ebenfalls noch, auch wenn dessen oberes Ende und die darauf montierten Antennen abgebrochen zu sein scheinen.“
„Ja, Dagmund. Das ist die Basis, wenn auch nicht ganz so unversehrt, wie ich sie in Erinnerung habe“, pflichtete ihm seine Schwester Admiral Anuk-Thor in diesem Moment bei.
„Möglicherweise hat das abstürzende Schiff der Mandoraner den oberen Teil des Turms mitsamt aller Hyperfunkantennen bei der Notlandung abgerissen“, meinte Brigid-Thor, während sie sich nach einem Eingang in eins der nicht ganz so arg verschütteten Gebäude der Mondbasis umschaute.
„Sehe ich ebenfalls so, Brigid. Deshalb haben wir wahrscheinlich auch keine Antwort auf unsere Identifizierungsanrufe aus der ODIN und der SOL erhalten“, bejahte Oberst Thure-Pan die Meinung seiner ehemaligen Chefin, während er sich den Kraterring genauer betrachtete.
„Seht ihr – dort hinten. Da hat das mandoranische Schiff den Einschnitt im Ringwall verursacht und ist danach unmittelbar hinter der Station aufgeschlagen und dann bis zu seiner heutigen Position weitergeschliddert. Die rechts von uns beginnende Schleifspur ist unverkennbar.“
„Thure hat Recht. Aber jetzt sollten wir versuchen, in einen der kastenförmigen Gebäudeflügel einzudringen. Dort vorne an dieser fast völlig freien Wand sieht es ganz gut aus – da liegt nur wenig Schutt“, drängte jetzt Mora-Kranz ihre Begleiter zur Eile.
„Okay – schalten wir unsere persönlichen Identifikationsgeräte ein. Volle Sendeleistung, Leute. Ewig halten die Energie- und Sauerstoffvorräte unserer Raumanzüge schließlich nicht“, ergriff in diesem Moment Brigid-Thors Vater das Wort, als er sich bereits in Richtung der scheinbar fugenlosen Gebäudewand auf den Weg machte.
Wenige Minuten später stand das gesamte Forschungskommando vor der absolut glatten Wand des westlichen Anbaus der Station, als Alex Kranz unvermittelt fragte:
„Was glaubt ihr – hatten die alten Lemurer hier möglicherweise auch einen Minitransmitter, über den man in dieses Bauwerk hineingelangt?“
„Du meinst wohl, so wie im Rock Lake?“, fragte Mora Kranz gerade zurück, als überraschenderweise eine zuvor nicht sichtbare Öffnung in der Wand entstand, aus der fünf Astor-Androiden mit Handstrahlern im Anschlag nach draußen traten.
„Wer seid ihr?“, wurden sie von dem zuvorderst gehenden Androiden noch im selben Augenblick per Funk angerufen.
„Da ihr unsere alte Flottenfrequenz benutzt und wir auf derselben Welle senden, sollte dir das eigentlich klar sein, Astor 1. Oder könnt ihr unsere Identifikationen nicht empfangen?“, fragte Großadmiral Dagmund-Thor ziemlich unwirsch zurück.
„Identifikationen kann man fälschen. Und wer weiß, wie ihr an die beiden Kugelraumer dort hinten gekommen seid“, erwiderte der augenscheinliche Chefandroide der Mondbasis lapidar, während er auf das gerade entstandene Tor der von ihm und seinen Leuten bewachten Anlage deutete.
„Wir bringen euch jetzt in die Schleuse, damit wir euch ohne eure Raumanzüge betrachten können. Keine Sorge, dort drinnen läuft gleich das Erhaltungssystem für organische Lebensformen an. Los, kommt mit, schließlich wollen wir wissen, um wen es sich bei euch handelt.“
Damit trat Astor 1 einen Schritt zur Seite und deutete auf den noch immer offenen Eingang zur Basis, während seine Kameraden seitlich und hinter den Besuchern Stellung bezogen.
„Okay Leute, wir gehen mit. Und kommt ja nicht auf die Idee, hier ‘ne Schießerei anzufangen – also lasst eure Strahler stecken. Schließlich machen die Androiden unserer Vorfahren nur ihren Job
Ich bin mir darüber hinaus sicher, dass wir von diesem Wachkommando nichts zu befürchten haben. Mein Vater und meine Tante waren schließlich schon früher des Öfteren hier und ihre Physiognomie und ihre Gehirnwellenmuster sind sicher noch immer in den Datenbanken der Station gespeichert“, sagte Kommodore Brigid-Thor mit fester Stimme.
Als sich die Angehörigen des Forschungskommandos ihrer Raumhelme entledigt hatte, nahm der Sprecher der Androiden sofort Haltung an.
„Waffen runter“, schnarrte er seine Kameraden unmittelbar an, während er bereits mit viel freundlicherer Stimme weitersprach:
„Bei den Göttern von TARES, zwei von euch kenne ich tatsächlich. Dafür brauche ich keine Bestätigung von unserem Robotgehirn. Großadmiral Dagmund-Thor und Admiral Anuk-Thor, wo zum Teufel kommt ihr nach so langer Zeit her? Wie konntet ihr die Katastrophe vor 65 Millionen Jahren überleben? Und wer sind eure Begleiter?“
„Ja, Astor 1 – das ist für euch sicher unglaublich. Aber nicht nur ich, sondern auch einige meiner Landsleute haben den Angriff der fremden Rasse seinerzeit überlebt, weil wir uns gerade noch rechtzeitig in Kältetanks retten konnten. Und, dass wir jetzt wieder unter den Lebenden weilen, haben wir vor allem unseren Nachfahren zu verdanken, zu denen auch unsere Begleiter gehören.“
Kurz danach sorgten die mittlerweile herbeigerufenen Androiden der ODIN und der SOL für ein schnelles Datenupdate ihrer auf der Mondbasis stationierten Kameraden. Somit konnte ein detailliertes Faktenbriefing über die Entwicklung der Situation auf der ERDE und über den Aufbau der interplanetarischen Allianz sowie der neuen Streitmacht JDEF entfallen.
Parallel dazu gab der Chefandroide der Station sein Wissen über das von seinem Stützpunkt aus beobachtete damalige, und bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt andauernde Geschehen preis.
„Auch wenn es noch immer unglaublich erscheint, dass einige Menschen der totalen Vernichtung entgangen sind, freuen wir uns darüber, dass das Gegenteil der Fall ist. Die auf unserem Stützpunkt vormals noch anwesenden zwanzig Lemurer hatten uns ja bereits gleich zu Beginn des Vernichtungskampfs per Transmitter in Richtung TERRUM verlassen“, begann Astor 1 seinen an Großadmiral Dagmund-Thor adressierten Bericht. Umgehend fuhr er sodann fort:
„Wir wissen zwar schon seit einer geraumen Weile, dass es auf TERRUM seit über 50 Jahren wieder raumfahrende Menschen gibt. Jedoch schien es uns bisher so, dass eure dort überlebenden Nachfahren bei ihren diversen Mondlandungen noch nicht reif genug waren, mit der altlemurischen Technologie konfrontiert zu werden.
Deshalb haben wir sie hin und wieder auch ein bisschen erschreckt und ihnen geraten, LUNA schnellstens wieder zu verlassen. Was sie aufgrund ihrer primitiven Technik nach ihren relativ kurzen Aufenthalten ohnehin tun mussten.
Warum haben wir so gehandelt? Nun, wir konnten ja mit unseren reparierten Notantennen auch einige der von TERRUM ausgestrahlten Radio- und Fernsehsendungen – wenn auch in schlechter Qualität und mit zeitlicher Verzögerung empfangen.
Und aus diesen Quellen wussten wir über die bis vor wenigen Jahren andauernden Kriege und Konflikte der neuen Menschheit Bescheid. Euer Datentransfer hat uns aber bestätigt, dass sich die Lage auf TERRUM vor wenigen Jahren rasant verändert hat. Ein Teil davon war uns schon bekannt, auch wenn unser Rechengehirn gewisse Zweifel hegte, dass all das, was wir abhören und in TV-Übertragungen sehen konnten, tatsächlich der Wahrheit entsprach.
Ich muss mich deshalb entschuldigen, dass wir euch so unfreundlich empfangen haben. Aber wir hatten die strikte Anweisung, diesen Außenposten auf gar keinen Fall in unbefugte Hände fallen zu lassen. Und wenn ihr heute nicht die beiden Kugelraumer dabeigehabt hättet, wären wir euch noch sehr viel unfreundlicher begegnet.“
„Warum zum Teufel, habt ihr dann aber nicht mit den hier eingelagerten Schiffen in den Kampf gegen die STYXX eingegriffen?“, fragte Kommodore Brigid-Thor nach diesen Worten des Androiden mit ärgerlichem Gesicht.
„In einigen von denen waren doch sicher schon die Vorserienversionen des neu entwickelten Hyperblasters eingerüstet. Damit hättet ihr doch wenigstens noch einige lemurische Leben retten können, verdammt nochmal.“
Auf den verletzt wirkenden Blick des Androiden hin, fing sich die junge Lemurerin aber sofort wieder und sagte leise: „Entschuldige meinen Ausbruch. Bitte, Astor 2 – es tut mir leid. Aber mein damaliger Verlobter und viele aus meiner Familie sind beim Angriff der Invasoren im Kampf oder bei der Explosion von PHAETON ums Leben gekommen.“
„Das war sicher sehr schlimm für dich – daher verstehe ich deine Reaktion. Du bist die Tochter des Großadmirals, Kommodore Brigid-Thor. Zumindest dein Name ist mir bekannt, auch wenn du meine Basis selbst niemals betreten hast.
Und unseren Aufzeichnungen zufolge warst du die Kommandantin des auf TERRUM stationierten 3. Phaetonischen Erprobungs- und Kampfgeschwaders“, nahm der Sprecher der Androiden seinen unterbrochenen Bericht wieder auf, während er die traurig schauende Brigid-Thor freundschaftlich bei den Händen fasste.
„Glaub‘ mir bitte – ich begreife deinen Kummer über die unsäglichen Opfer sehr gut. Aber bezüglich deiner gerade gestellten Frage, weißt du als früherer Flottenoffizier und ehemaliger Geschwaderkommodore doch selbst, dass man mehr als nur einen der neuen Kugelraumer gebraucht hätte, um erfolgreich in die Verteidigung des Sol-Systems einzugreifen. In dieser Anlage waren jedoch damals wie heute stets nur 80 von uns Androiden eingesetzt“, erwiderte der Chefandroid der Station jetzt mit gefurchter Stirn.
„Hör‘ mir aber bitte – was ein Einschreiten unsererseits betrifft, noch einen Moment lang weiter zu“, nahm der Astor 1 der Mondbasis seinen Report nach einer kurzen Pause des Nachdenkens wieder auf.
„Wir hatten uns ernstlich überlegt, trotz der abschlägigen Meinung unseres Großrechners, in den Kampf zu gehen. Aber bei nüchterner Betrachtung hätte es kaum noch gereicht, Wesentliches auszurichten. Diese Station war in früherer Zeit ja niemals mehr, als nur ein Friedhof für eingemottete Testraumschiffe.
Und mit meinen Leuten hätten wir demnach maximal einen, oder vielleicht auch zwei der kleineren Kugelraumer bemannen können, für deren Bedienung und für deren neuartige Waffen wir zudem kaum ausgebildet waren. Daher folgten wir der Meinung unseres Zentralrechners, zumal das eigentliche Kampfgeschehen schon nach kurzer Zeit vorüber war.
Wir hörten über Flottenfunk und sahen es sogar teilweise, dass unsere Flotte schon beim ersten Angriff der Invasoren erheblich dezimiert und im Lauf des Abwehrkampfs komplett vernichtet wurde.
Danach konnten wir auch noch das Auseinanderbrechen PHAETONS mit unseren Langstreckenscannern beobachten, ehe auch LUNA von einigen Trümmern unseres auseinanderbrechenden Kriegs- und Werftplaneten getroffen wurde.
Dank eures Datentransfers von eben wissen wir aber jetzt, dass auch die STYXX-Invasoren mit der übereilten Zündung ihrer auf PHAETON abgefeuerten Planetenbomben ihren eigenen Untergang selbst herbeiführten. Leider mussten wir danach aber außerdem zur Kenntnis nehmen, dass ein großes Teilstück PHAETONS mit Kurs auf TERRUM raste. Und wir erkannten rasch, dass bei dessen Einschlag auch dort fast alles ungeschützte Leben dem Untergang geweiht sein würde.
Natürlich bekamen wir auch mit, dass zuvor noch viele Schiffe von TERRUM aus die Flucht in den Raum ergriffen – und erst heute haben wir erfahren, was unter dem Schutz unserer Götter aus diesen zunächst ins Laro-System geflohenen Menschen geworden ist. Doch ich denke, dass ihr jetzt einen Blick auf die stillgelegten, und von uns nach wie vor gewarteten Raumschiffe in den Katakomben unter unserer Anlage werfen wollt.“
Als sich der Astor 1 der Mondbasis am Ende seines Reports in seinem Sessel im mittlerweile bezogenen Aufenthaltsraum des Stützpunkts zurücklehnte, ergriff die ihm gegenübersitzende Kommandantin der MHORA-X ungeduldig das Wort.
„Astor 1, ich heiße Mora Kranz und ich komme, wie mein neben mir sitzender Ehemann Alex von TERRA, wie wir unseren Planeten heute nennen. Mein Fürst und ich sind übrigens darüber hinaus ebenfalls larojanischer Abstammung. Wir beide kommandieren gegenwärtig das larojanische Explorerschiff MHORA-X, das jetzt – genauso wie die ODIN und die SOL – Teil der JDEF-Flotte ist und das dort draußen vor deiner gemütlichen Hütte parkt.
Ich habe im Moment nur zwei Fragen an dich. Erste Frage – gibt’s hier irgendwo einen anständigen Kaffee? Zweite und viel wichtigere Frage: Wenige Kilometer von hier liegt das Wrack eines abgestürzten Großkampfschiffs, das weder von den STYXX-Bestien stammt, noch lemurischen Ursprungs ist.
Unsere mandoranischen Freunde, Botschafterin Rhea und Botschafter Ares sind sich zwar einigermaßen sicher, dass dieses uralte Schiff aus ihrer Heimatgalaxis ANDROMEDA stammt, doch konnten sie das bisher noch nicht verifizieren. Die Frage ist also – lag dieses Artefakt schon vor der Invasion an dieser Stelle, oder ist es erst später hier abgestürzt?“
„Fürstin Mora Kranz – deine Biographie ist uns, genauso, wie diejenige deines Partners, dank des gewährten Informationstransfers geläufig. Daher wissen wir seit wenigen Stunden auch, dass du und deine Crew erst vor wenigen Jahren mit eurem mutigen Flug nach LARO 5 den Grundstein für die neue Allianz der von Menschen besiedelten Planeten gelegt habt. Dafür gebührt euch beiden Dank und Anerkennung.
Doch nun zurück zu deinen Fragen. Das Getränk, das du Kaffee nennst, ist uns leider fremd. Aber wir halten für etwaige Besucher andere Erfrischungen parat. Die sind zwar sehr alt, aber trotzdem noch gefahrlos genießbar. Soll ich euch ein paar Becher davon auftischen lassen?“, lächelte der Android Mora Kranz jetzt an.
„Nein, nein. Lass gut sein – da lasse ich uns lieber was aus meiner eigenen Bordküche herbringen. Ich hoffe, du bist deswegen nicht beleidigt“, grinste Mora Kranz prompt zurück.
„Wo denkst du hin, Fürstin. Aber zurück zu deiner zweiten Frage. Ja, wir wissen über den Absturz dieses riesigen Raumers Bescheid. Wir hatten ihn nämlich Minuten vor dem Angriff der STYXX auf dem Radar, als er ein sich urplötzlich öffnendes Wurmloch mit Kurs auf unser Sternensystem durchflog.
Wir denken, dass er nach TERRUM wollte, denn er war zu dem Zeitpunkt schon ganz in unserer Nähe. Doch dieser unbekannte und völlig ohne Schutzschirme fliegende Raumer wurde sofort vehement von der angreifenden STYXX-Flotte unter Feuer genommen.
Es sah fast so aus, als ob die Angreifer diesen Schiffstyp kennen würden, denn sie stürzten sich mit allem, was sie an Strahlwaffen besaßen, sofort auf dieses einzeln fliegende Schiff.
Unser Zentralcomputer hat aufgrund der aufgezeichneten Flugbewegungen mit 80% ausgerechnet, dass die überraschende Ankunft dieses Riesenraumers zudem den verfrühten Abwurf der STYXX-Killerbomben auf PHAETON zur Folge hatte.
Dessen Bersten hat zwar in dem danach einsetzenden Trümmerregen die Invasionsflotte und den übriggebliebenen Rest unserer eigenen Schiffe verschlungen – jedoch wurde auch das unbekannte, fast vier Kilometer lange Schiff beschädigt und aus diesem Grund zur Notlandung gezwungen.
Wir wissen das deshalb, weil der gewaltige Raumer bei seiner Notlandung den Kraterrand touchierte, gleich darauf das obere Drittel unseres Antennenturms abrasierte und danach mit einer heftigen Bodenerschütterung ganz in der Nähe unserer Station aufschlug.“
„Habt ihr denn nicht nachgesehen, was aus der Besatzung dieses riesigen Raumschiffs geworden ist?“, fragte die mandoranische Botschafterin Rhea noch im gleichen Moment.
„Nun, Madame Botschafterin – daran haben wir damals natürlich ebenfalls gedacht. Jedoch bin ich zuerst einmal ein wenig überrascht, dass die interplanetare Allianz und deren militärischer Ableger JDEF inzwischen sogar mit Menschen aus unserer Nachbargalaxie ANDROMEDA zusammenarbeitet.
Ich weiß, dass einige wagemutige Lemurer schon vor Jahrmillionen mit neu entwickelten Generationenschiffen dorthin unterwegs waren – aber dann riss wohl der Kontakt zu ihnen ab. Über das, was aus diesen Aussiedlern in unserer Nachbargalaxis daraufhin wurde, ist in unseren Datenspeichern leider nicht verzeichnet.
Jedoch wissen wir nun dank der vorhin erhaltenen Informationen über die Geschichte der Horusianer auf LUXOR 2, was aus den Nachfahren von einigen dieser tapferen Menschen, die sich damals auf den nach Weg ANDROMEDA aufmachten, am Ende geworden ist.
Doch jetzt am Ende meiner Erläuterungen komme ich nochmal zurück zum seinerzeitigen Crash des gigantischen Raumschiffs. Wir orteten diesen völlig überraschend auftauchenden Giganten schon nach dem Wurmlochaustritt beim Anflug in unser Sonnensystem und meldeten diesen Sachverhalt mit der Bitte um Handlungsanweisungen umgehend an das Flottenkommando auf PHAETON. Doch von dort antwortete uns bereits zu diesem Zeitpunkt niemand mehr.
Nach dem konzentrierten Angriff der Invasionsflotte, dem auch der gigantische Raumer zum Opfer fiel, bemerkten wir eine große Zahl linsenförmiger Rettungskapseln, die sich noch vor dem Absturz mit hoher Geschwindigkeit von dem kolossalen Schiff entfernten.
Den ersten Kursvektoren nach schienen diese kleinen Boote in Richtung TERRUM fliegen zu wollen, doch dann verloren wir sie wegen unserer zerstörten Sensoren aus der Ortung. Ich kann daher nicht sagen, was danach aus ihnen wurde.
Letzten Endes ist das auch der Grund, warum wir uns hinterher nicht mehr mit diesem Wrack beschäftigt haben. Zudem wurde diesem Raumfahrzeug bekanntermaßen bereits beim ersten Aufprall auf unserem Kratergebirge das Heck abgerissen, soviel ist sicher. Und ohne Sauerstoff und Energie konnte es in diesem Wrack schließlich danach auch kein Leben mehr geben. Auf unsere Anrufe per Funk hat nämlich nie jemand reagiert.“
„Danke Astor 1, ihr Androiden habt völlig richtig reagiert und eure Aufgaben bis heute exzellent erledigt“, ergriff in diesem Moment der ehemalige Verteidigungsminister des Sol-Systems, Großadmiral Dagmund-Khor, noch einmal das Wort.
„Im Nachhinein bin ich froh, dass meine Adjutantin und ich erst gar nicht von TERRUM aus bis zu eurer Enklave vordringen konnten. Denn wir beide hatten damals ebenfalls im Sinn, mit den bei euch gelagerten Schiffen in die Raumschlacht mit diesen Mordinsekten einzugreifen. Was – wie ich jetzt begreife – ein ziemlicher Irrweg gewesen wäre. Deshalb wenden wir uns ab sofort besser wieder unserer Zukunft zu.
Als Erstes würden meine Begleiter und ich gerne einen Rundgang durch die sublunaren Lagerhallen machen. Und danach versammeln wir uns wieder in diesem Raum, um über eine Exkursion zu dem vor 65 Millionen Jahren abgestürzten Wrack der Mandoraner zu sprechen.
Dabei fällt mir noch ein – sagt bitte eurer Raumüberwachung, dass schon in wenigen Stunden ein großer Ringkreuzer unserer mandoranischen Freunde namens MARKON unter dem Kommando eines Flottenmarschalls Baldur hier auftauchen und in der Nähe des Wracks seiner Vorfahren landen wird.
Betrachtet die Mandoraner bitte als enge Verbündete der Menschheit, denn sie haben schon bei der Befreiung der von den STYXX auf HATHOR 2 versklavten Nachfahren der Horusianer entscheidend zum Sieg gegen diese Killerinsekten beigetragen.“
Schon wenige Minuten später betraten die Besucher unter der Führung des Chefandroiden Astor 1 über einen großen Transportlift die unter der Mondoberfläche angelegte, gut fünf Quadratkilometer große und fast einen Kilometer hohe Halle.
„Du meine Güte – da stehen ja gut siebzig bis achtzig lemurische Schiffe aus der Zeit der Ersten Menschheit. Wer hätte das gedacht?“, rief Mora Kranz erstaunt, als sie ihre Blicke über die in Reih und Glied abgestellten Raumjäger und die wenigen Kugelraumer schweifen ließ.
„Du hast recht, meine Liebe. Das ist einfach unglaublich. Es handelt sich anscheinend hauptsächlich um etliche Raumjäger und um rund dreißig Kugelraumer der ODIN-Klasse. Aber am meisten beeindruckt mich das im Zentrum der Halle parkende größere Kugelschiff, das wie eine verkleinerte Ausgabe der FREYA aussieht“, stimmte Alex Kranz seiner Ehefrau spontan zu.
„Das stimmt“, erwiderte Astor 1 knapp. „Dort hinten, direkt unter der Deckenschleuse steht die TAIFUN, die zu Testzwecken als Vorserienschiff der FREYA auf deren Werft auf TERRUM gebaut wurde.
Und obwohl sie bereits mit einer Entwicklungsversion des Hyperblasters ausgestattet war, kam sie beim Kampf gegen die STYXX nicht zum Einsatz. Denn dafür wären mindestens 400 Leute als Besatzung notwendig gewesen, die aber hier auf LUNA nicht zur Verfügung standen.“
„Außerdem kam der überraschende Angriff auf das Sol-System, auf den wir Lemurer in keiner Weise vorbereitet waren, für die rechtzeitige Entsendung einer Crew dank unserer mangelnden Raumüberwachung einfach viel zu überraschend“, schimpfte in diesem Moment der frühere Verteidigungsminister des Sol-Systems vor sich hin.
„Und für unsere Versäumnisse wurden wir bitter bestraft“, murmelte die jetzt leise vor sich hin weinende Adjutantin des Großadmirals mit leiser Stimme.
„Das wird nicht noch einmal passieren, Runa. Soviel ist sicher. Die JDEF und unsere mandoranischen Verbündeten werden diese Insektenbastarde schon in absehbarer Zeit in ihrem Nest im Santor-System ausräuchern“, versuchte jetzt der neben ihr stehende Ex-Marine Clark Rodgers seine neue Freundin Runa-Lhun zu beruhigen. Zugleich nahm er Runas Gesicht liebevoll beide Hände, um ihre Tränen mit seinen Daumen abzuwischen.
„Worauf ihr beiden Turteltauben einen lassen könnt. Und wir alle werden dabei sein, wenn es einmal so weit ist. So, Lieutenant, lass den guten Senior Commander jetzt mal wieder los“, mischte sich die Kommandantin der MHORA-X augenblicklich in diesen kurzen Diskurs ein.
Noch während sie sprach, trat Mora Kranz nämlich spontan zu der jungen Lemurerin hin, um sie tröstend in den Arm zu nehmen.
„Glaub‘ mir Runa – wir schaffen das“, sagte Mora Kranz mit fester Stimme. „Alles wird gut, keine Sorge. Wir müssen uns nur noch solange in Geduld üben, bis wir eine überlegene Anzahl von JDEF-Schiffen für die Vernichtung der restlichen zwölf STYXX-Schwärme einsatzbereit haben.“
„Und dabei wird dir eine ganz besondere Rolle zukommen. Darüber hinaus habe ich auch für deinen Freund eine anspruchsvolle Aufgabe – sofern Großfürst Kendo-Khar dem zustimmt“, warf Großadmiral Dagmund-Thor in diesem Moment mit nachdenklich gerunzelter Stirn in die Debatte ein.
„Doch zuvor will ich von Astor 1 wissen, in welchem Zustand die hier eingelagerten Schiffe sind“, setzte er seine kryptische Bemerkung sogleich fort.
„Nun, wir haben alle Schiffe turnusmäßig gewartet. Deshalb sind sie auch alle flugbereit. Das einzige, um das man sich kümmern müsste, ist das Wegräumen des Schutts, der sich inzwischen auf der Polschleuse über der TAIFUN angesammelt hat. Dazu kommt dann noch die Instandsetzung unseres Antennenturms. Wir haben darauf bislang aus Tarnungsgründen verzichtet und außerdem fehlten uns dafür auch die notwendigen Mittel.“
„Sehr gut. Das ist weit weniger Aufwand, als ich befürchtet habe. Ich sehe, ihr wart über die lange Zeit als Wächter und Bewahrer unserer Technologie ausgesprochen fleißig. Das ist ausgesprochen lobenswert.
So, und jetzt zu dir Senior Commander Runa-Lhun. Ich habe für dich und deinen Lieutenant sowie für meine Tochter Brigid einen Plan, der euch wahrscheinlich gefallen wird. Zudem denke ich, dass auch eure Vorgesetzten in der JDEF, allen voran euer Oberbefehlshaber Kendo-Khar, dem zustimmen werden. Ich muss nach unserer Rückkehr nur noch eingehend mit ihm und meiner Schwester sowie natürlich mit euch dreien darüber sprechen.“
„Jetzt mach’s nicht so spannend, Vater. Ich sehe dir doch an, dass du gerade eine vorzügliche Idee ausgebrütet hast. Also, schieß los, verehrter Großadmiral – wir warten“, rief Brigid-Thor ungeduldig, während sie Senior Commander Runa-Lhun und den noch immer staunenden Lieutenant Clark Rodgers bei der Hand nahm.
„Eigentlich ist das ganz einfach – nur werdet ihr in nächster Zeit viel lernen und trainieren müssen. Natürlich erst, nachdem wir die demnächst bevorstehende Mission zum MARS hinter uns gebracht haben.
Du, verehrte Tochter, wirst nämlich das Kommando über deine ODIN an meinen Senior Commander Runa abgeben. Und ihr netter Freund wird lernen, solch ein Schiff als erster Pilot zu fliegen.“
„Was? Du willst mir die ODIN wegnehmen? Ich fasse es nicht. Warum in aller Welt sollte ich bei sowas Verrücktem mitspielen?“, knurrte Kommodore Brigid-Thor sofort.
„Weil du stattdessen das Kommando über die TAIFUN übernehmen und sie auf TERRUM technisch auf den neuesten Stand bringen wirst. Dazu nutzen wir die Werft, die die fertiggestellte FREYA ja bereits verlassen hat. Ich baue natürlich darauf, dass inzwischen eine ausreichende Zahl an terranischen Spezialisten angeworben wurde, die künftig in der gemeinsamen Flotte dienen wollen. Und die wirst du über eine geraume Zeit auf der TAIFUN ausbilden und für ihre künftigen Aufgaben vorbereiten müssen.
Was die Hochrüstung der übrigen Schiffe angeht, die sich derzeit noch in dieser Lagerhalle befinden, gilt das Gleiche. Nur werde ich deren Modernisierung sowie das notwendige Besatzungstraining meiner verehrten Schwester Anuk übertragen. Weshalb wir die TAIFUN nach der Instandsetzung der Mondbasis so rasch wie möglich in die Nähe ihres Werftkomplexes bringen müssen.“
„Das ist ... das ist ein großartiger Plan, Vater“, stammelte Brigid-Thor nach anfänglichem Schweigen mit noch immer perplexer Miene. „Danke für dein Vertrauen, ich kriege das zusammen mit meinem Ehemann Nick ganz sicher hin. Wo steckt der Kerl eigentlich?“, fragte Brigid-Thor jetzt mit einem Blick in die Runde.
„Ich bin hier – und ehe du mich fragst – ja, ich habe mitbekommen, was dein Dad gerade gesagt hat“, rief Nick Carter, der gerade aus dem Cockpit eines der geparkten Raumjäger krabbelte.
„Das wird zwar viel Arbeit werden, aber ich freue mich schon darauf, diese gewaltige Aufgabe mit dir zusammen meistern zu dürfen.“
Damit sprang Nick Carter zu seiner überglücklich lächelnden Frau und gab ihr umgehend einen dicken Kuss mitten auf den Mund.
„Wir schaffen das, mein Schatz, keine Sorge“, flüsterte er zugleich seiner sichtbar erröteten Gemahlin ins Ohr. „Worauf du wetten kannst, mein Lieber“, antwortete Brigid-Thor mit sanfter Stimme, als sie sich gleich darauf wieder aus Nicks Umarmung befreite.
„Du kannst stolz auf deine umtriebige Tochter und ihren liebevollen Ehemann sein, mein Lieber“, flüsterte Admiral Anuk-Thor ihrem Bruder in diesem Moment ins Ohr.
„Bin ich auch – nur wäre ich im letzten Jahr gerne ebenfalls bei ihrer Heirat dabei gewesen“, erwiderte Dagmund-Thor mit einem leisen Lächeln, bei dem er seine Schwester freundschaftlich auf die Wange küsste.
„Tja, in dieser Hinsicht habe ich dir dann wohl was voraus. Aber zum Zeitpunkt ihrer Hochzeit hast du ja noch im Cryo-Tiefschlaf gelegen. Konnte ja schließlich niemand wissen, dass du noch am Leben bist. Aber ich denke, dass ich dich bei dieser indianischen Vermählung als Brautführerin würdig vertreten habe.
Wenn wir demnächst mal mehr Zeit zum Plaudern haben, erzähle ich dir ausführlich davon und zeige dir auch die Videos, die wir damals bei der Vermählung gemacht haben. Außerdem solltest du dich bald mal bei Nicks Eltern blicken lassen. Sie werden dir gefallen, da bin ich mir ganz sicher.“
„Da bitte ich drum. Aber was läuft zwischen dir und Kendo? Ich habe nämlich schon gemerkt, dass du ihn ganz besonders in dein Herz geschlossen hast.“
„Darüber möchte ich vorläufig noch nicht sprechen. Schon gar nicht angesichts der Zusatzarbeit, die du mir eben aufgebürdet hast. Da wird mir nur wenig Zeit für den Großfürsten bleiben. Aber keine Angst – wenn ich mir über meine Beziehung zu ihm im Klaren bin, erfährst du es als Erster.
Trotzdem – über die mir zugedachten zusätzlichen Aufgaben freue ich mich sehr – schließlich bin ich ja vor langer Zeit genau dafür ausgebildet worden. Auch wenn ich mit der Fertigstellung der THOR eigentlich noch genug Arbeit vor mir habe.
Ich hätte nur eine Bitte an dich und deinen Kollegen Kendo. Setzt uns nicht zu sehr unter Druck. Die Modernisierung und das Besatzungstraining braucht seine Zeit, das weißt du besser als ich. Und da geht Qualität immer vor Hektik, wenn wir das alles richtig machen wollen.“
Als die anwesenden Besucher in den nächsten Tagen insbesondere die Inneneinrichtung der rund 500 Meter durchmessenden TAIFUN und die der meisten abgestellten kleineren Kugelraumer eingehend besichtigt und fotografisch dokumentiert hatten, meldete sich der Chefandroide Astor 1 beim letzten Rückweg ins Erdgeschoß der Anlage zu Wort:
„Großadmiral Dagmund – ich erfahre gerade aus meiner Zentrale, dass wir von der im Anflug befindlichen MARKON angerufen werden. Ich lasse dem Schiff jetzt die Freigabe zur Landung erteilen.“
„Sehr gut – und wir werfen uns sofort in unsere Raumanzüge und gehen raus, um diesen Flottenmarschall Baldur zu begrüßen. Ich bin schon sehr neugierig auf ihn und sein Schiff. Also meine Freunde, auf geht’s.“