Читать книгу Viel mehr als nur Körpersprache – Executive Presence - Kay-Sölve Richter - Страница 26
Mittendrin statt Schreibtischtäter. Ein Beispiel aus dem Trainingsraum
ОглавлениеUnbestritten: Unser Gegenüber leistet wichtige humanitäre Arbeit. Häufig ist er in Afrika unterwegs, vermittelt in verschiedenen Schwellenländern und Krisenregionen zwischen Bevölkerung, Regierung, Hilfsorganisation, Inverstoren und Großkonzernen. Eine verantwortungsbewusste Führungskraft und trotzdem immer noch »Frontkämpfer in der ersten Reihe«. Nicht im feinen Zwirn, sondern in Trekkinghosen – das ist das Bild, das er uns glaubhaft vermittelt. Ein Mann, dessen Executive Presence für uns in jeder Sekunde spürbar ist, während wir uns im Trainingsraum gegenübersitzen und über seine bevorstehenden Auftritte diskutieren. Eine Präsenz, die sich aus seinen Erfahrungen in den Brennpunkten speist, seiner gewachsenen Haltung und seiner Leidenschaft, etwas zu bewegen, um nicht zu sagen: Gutes zu tun. Und er tut das nicht nur als Mensch, sondern als Vertreter und Gesicht seines Konzerns.
In einer kurzen Präsentation soll er uns die Ziele seiner Arbeit, seine Vision und die scheinbar unüberbrückbaren Grenzen präsentieren. Und wie auf Knopfdruck (tatsächlich dem Aufnahmeknopf an unserer Kamera) ist alles, was ihn stark macht, verschwunden. Es ist natürlich nicht weg, sondern nur tief versteckt unter den fehlerfrei referierten Wir-Botschaften aus dem Q&A-Katalog seines Unternehmens:
»Wir als Unternehmen XY sind uns der Verantwortung für die zukünftigen Generationen bewusst.«
»Wir als Unternehmen XY pflegen einen engen Kontakt zur Landbevölkerung, um deren Interessen eine Stimme zu geben.«
»Wir als Unternehmen XY legen größten Wert darauf, dass zumindest hygienische Mindeststandards selbstverständlich werden.«
Was soll man sagen? Eigentlich alles drin, was an Botschaften ausgesprochen werden sollte. Verantwortungsbewusstsein, Nähe zur Bevölkerung, Ausrichtung auf Hygiene. Was auf der Strecke bleibt, ist die Empfangbarkeit der Botschaften sowie die Überzeugungskraft und Präsenz des Sprechers. Dabei wäre es so einfach gewesen, beides zu vermitteln. Der vorhandene persönliche Zugang (wichtig: alles ist da, nichts muss künstlich konstruiert werden!) hätte ausgereicht.
Aber was heißt überhaupt hätte ausgereicht? Unser Teilnehmer bestand – nachdem wir seine Präsentation angeschaut und analysiert hatten – auf einem zweiten Durchgang, den er ungefähr folgendermaßen vor die Kamera brachte:
»In den vergangenen zehn Jahren haben meine Kollegen und ich zigtausend Stunden mit den Familien in ihren Dörfern verbracht. Wir haben in Zelten geschlafen und mehr als nur eine Ahnung bekommen, was es heißt, zwischen Plastikmüll und mit dreckigem Wasser zu leben. Hygiene entscheidet dort jeden Tag über Leben und Tod; es lohnt sich, dafür zu kämpfen. Bildung und Gesundheit geben den Kindern eine Perspektive. Ich gebe Ihnen nur mal ein kurzes Beispiel, wie wir Anfang des Jahres Schulbücher in dieses kleine Dorf in Burkina Faso gebracht haben, und wie sich allein dadurch …«
Wir konnten die Leidenschaft und das persönliche Engagement des Sprechers förmlich spüren und seine Botschaften kamen an.
Um Beispiele dieser Art wird es in diesem Buch immer wieder gehen. Wir möchten damit deutlich machen, was dieser persönliche Zugang mit Ihrer Stimme macht, mit Ihrer Sprache, Ihrer Gestik und Mimik – und wie sich alle Zutaten sichtbarer Executive Presence zu einem stimmigen Ganzen zusammenfügen.
Es gibt keinen »Performance versus Content«-Konflikt.
Wichtig: Das geht nicht auf Kosten des Inhalts; es gibt keinen »Performance versus Content«-Konflikt. Im Gegenteil. Indem Sie sich von standardisierten strategischen Unternehmensbotschaften trennen beziehungsweise sie nur als Grundlage Ihrer eigenen Stimme nutzen, werden Sie zum bestmöglichen Botschafter und Gesicht Ihres Unternehmens.