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Der »dritte Weg« zu Ihrer Executive Presence im Scheinwerferlicht

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Wir arbeiten lieber mit einem Weg, für den Sie weder das Setting ausblenden noch eine Inszenierung abliefern müssen. Wir setzen auf eine gezielte Vorbereitung und möchten gemeinsam mit Ihnen die Voraussetzung dafür schaffen, sich authentisch und der eigenen Stärken bewusst in einem alles andere als alltäglichen Rahmen zu präsentieren. Der oben beschriebene individuelle Zugang zum Thema ist nur eine von mehreren Möglichkeiten; sie wird in Teil B weiter ausgeführt und mit Übungen unterfüttert.

Wenn es Ihnen gelingt, jede Bühne so zu Ihrer Bühne zu machen, dass Sie Ihre ganz persönliche Executive Presence zeigen können, haben Sie Ihr Ziel erreicht. Okay, es sitzen 800 Menschen im Publikum (oder acht Millionen vor dem Fernsehgerät). Und ja, die Aktienkurse werden steigen oder fallen, je nachdem, wie überzeugend Sie in den nächsten Minuten sind. Die Lampen blenden, das Mikrofon hängt unangenehm dicht vor den Lippen und die Krawatte ist zu eng. Um in dieser wenig angenehmen Situation dennoch souverän zu agieren und das Beste daraus zu machen, haben Sie jede Menge an klassischem Handwerkszeug zur Verfügung, das Sie wahrscheinlich aber zu wenig nutzen: Struktur und Dramaturgie, Sprache und Stimme, Haltung und Haltung.

Übung zur Selbsteinschätzung: Wie authentisch zeige ich mich eigentlich?

a)Ich gebe mich in jeder öffentlichen Kommunikation so, wie ich nun mal bin. Ich rede, wie mir der Schnabel gewachsen ist.

b)Ich schlüpfe ganz bewusst in das Rednerkostüm, weil das von mir erwartet wird, wenn ich auf der Bühne oder vor der Kamera stehe.

c)Authentizität ist in der öffentlichen Kommunikation ein Tabu für mich, weil es niemanden etwas angeht, wie ich wirklich bin.

d)Ich wäre gerne mehr »ich selbst« auf der Bühne, aber die Gegebenheiten lassen es nicht zu: Formalitäten, Faktenvermittlung, Zuhörererwartungen.

e)Wahrscheinlich agiere ich vor Publikum genauso echt oder unecht wie die meisten Redner. Man guckt sich halt ab, wie andere es machen.

Und damit zurück zur Eingangsfrage: Warum ist es so schwierig, authentisch zu sein – auf dem Podium, der Vortragsbühne, vor den Fernsehkameras? Also gerade dann, wenn es wichtig ist und viele Menschen zuschauen?

Die Antwort ist simpel und man muss es nicht komplizierter ausdrücken: Eben weil es wichtig ist und viele Menschen zuschauen. Weil Sie von sich erwarten, natürlich zu agieren, in einer alles andere als natürlichen Situation. Weil Sie im Fokus stehen und Ihr Wort nicht nur gehört, sondern gespeichert und bewertet wird. Weil Sie sich bewusst sind, dass Sie wirken. Man müsste die Frage umdrehen: Wie sollte es bitteschön gelingen, in einer Situation, die nichts mit täglichen Routinen zu tun hat, man selbst zu sein und authentisch?

Ein erster wichtiger Schritt: Seien Sie sich der Ausnahmesituation bewusst. Wenn Sie so tun, als wäre alles easy und wie immer, um dadurch easy und wie immer zu wirken, funktioniert das nicht. Schweißhände sind erlaubt und Anspannung ist sogar Voraussetzung für Präsenz.

Authentizität braucht Übung – so absurd das auch klingen mag.

Haben Sie das akzeptiert, ist Ihr Kopf frei für eine Vorbereitung, die Authentizität erst möglich macht und die viele Aspekte umfasst: die Suche nach der eigenen Haltung zu einem Thema, nach den eigenen (!) Worten und einem persönlichen Einstieg, das Löschen von tausendfach gehörten Rednerphrasen, den Blick auf die wichtigsten Botschaften und ihr Hörbarmachen durch Bilder und Beispiele. Die Auseinandersetzung mit Ort, Zeit, Anlass und Publikum ist entscheidend. Erst dadurch können Sie in einer nicht natürlichen Situation bei sich sein, bei Ihrem Thema und bei Ihrem Publikum. Das hat nichts mit Soft Skills zu tun, sondern schlicht mit hoher Professionalität. Authentizität braucht Übung – so absurd das auch klingen mag.

Viele Redner wollen sich nicht zeigen, wie sie sind, weil damit ihre Schwächen sichtbar werden könnten. Damit nehmen sie sich aber jede Chance, ihre Stärken zu zeigen. Ein (verständlicher) Grundgedanke bei öffentlichen Auftritten ist häufig der, bloß nicht negativ aus dem Rahmen zu fallen. Dabei ist es so einfach, positiv herauszustechen. Es mag ein gewisses Risiko sein, Authentizität zuzulassen und sichtbar zu machen – in eine fremde Rolle zu schlüpfen ist allerdings bestimmt nicht die sicherere Variante, sondern (wie wir noch zeigen werden) im Gegenteil: hochriskant.

Viel mehr als nur Körpersprache – Executive Presence

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