Читать книгу Viel mehr als nur Körpersprache – Executive Presence - Kay-Sölve Richter - Страница 27
Warum Ihnen ein Wandel in der CEO-Kommunikation in die Karten spielt
ОглавлениеIn den letzten Jahren haben sich die Erwartungen der Öffentlichkeit an das Top-Management verändert. Persönlichkeit und Emotionen zeigen, Individualität sichtbar machen – all dies ist kein Tabu mehr. Im Gegenteil: Führungskräfte aus der ersten Reihe machen teilweise recht intime Episoden und Erfahrungen öffentlich.
Beispiele hierfür finden sich längst nicht mehr nur vereinzelt auf Social Media, sondern auch auf den großen Eventbühnen und in vielen Publikationen. So titelte das Manager Magazin im November 2019: »Wir Überlebenskünstler. J.-P.-Morgan-Chef Jamie Dimon und andere Top-Manager sprechen über Schicksalsschläge und ihre Lehren für den Job.«
Jennifer Morgan, die erste Frau an der Spitze eines Dax-Unternehmens (SAP), sprach auf dem Podium beim Weltfrauentag 2018 sehr offen von den Problemen mit ihren beiden Söhnen im Teenageralter und dem dramatischen Skiunfall ihres Mannes, der ihr Leben veränderte.7
Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Wer aus welchen strategischen Motiven heraus wie kommuniziert und dadurch soundso viel Persönlichkeit nach außen trägt, bleibt die ureigene Entscheidung der jeweiligen Führungskraft – dazu maßen wir uns kein Urteil an. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass die Persönlichkeit von Top-Managern heute häufiger sichtbar wird. Was Sie damit jetzt anfangen? Dazu ein kleiner Gedanke mit möglicherweise großem Entspannungspotenzial. Wie wäre es, wenn Sie diese neue Herausforderung nicht als zusätzliche Aufgabe wahrnehmen (»Jetzt soll ich nicht nur die ganzen Kommunikations- und Körperspracheregeln beherrschen und an meiner Stimme arbeiten, sondern auch noch persönliche Geschichten erzählen«), sondern als ein Mittel der Vereinfachung auf dem Weg zu stärkerer Präsenz?
Die Entwicklung hin zu einer Führungskraft, die ihre Persönlichkeit durchschimmern lässt, kann Ihnen durchaus in die Karten spielen.
Denn genau das ist es. Die Entwicklung hin zu einer Führungskraft, die ihre Persönlichkeit durchschimmern lässt, kann Ihnen durchaus in die Karten spielen. Oft hören wir ein erleichtertes Seufzen im Trainingsraum, wenn sich diese Erkenntnis durchsetzt: Es braucht keine neuen Regeln; Sie müssen sich vielmehr darüber klar werden, wie viel Sie automatisch richtig machen, wenn Sie einige der angeblichen Regeln einfach mal beiseiteschieben.
Sie müssen dafür nicht in Ihre private Geheimnisschatulle greifen und schon gar nicht auf die Tränendrüse drücken. Oft reicht es schon, den persönlichen Bezug, der Ihre Arbeit anschaulich macht und definiert, nicht künstlich verborgen zu halten. Wie unser Macher aus Burkina Faso. Er musste weder etwas erfinden noch inszenieren; er musste lediglich schildern, was er jederzeit abrufen konnte: seine tägliche Arbeit vor Ort. Durch das mühsame Verstecken hinter unternehmensstrategischen Wir-Botschaften hatte er sich seiner Präsenz erst beraubt.
In Kapitel 5.3 – »Es muss auch nicht gleich das ›große Storytelling‹ sein« – finden Sie ein weiteres Beispiel dafür, wie viel leichter öffentliches Auftreten werden kann, wenn Sie ein wenig mehr Persönlichkeit zulassen.