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»Gut gemeinte« Ratschläge zur sichtbaren Authentizität im Scheinwerferlicht

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Kann das überhaupt funktionieren: im Scheinwerferlicht authentisch zu agieren? Schließlich wird Authentizität auch als Gegenpart zur Inszenierung beschrieben.12 Und das klingt durchaus einleuchtend: Wenn man sich der Betrachtung und seiner Wirkung bewusst ist – setzt man sich dann nicht automatisch in Szene? Inszeniert sich selbst und kann dadurch gar nicht mehr authentisch sein? Wie lässt sich damit umgehen?

Ein gerne gegebener Rat lautet: Egal, wie groß die Bühne ist, sprechen Sie nicht zu einem Publikum, sondern zu Ihrem besten Freund. Blenden Sie die Gegebenheiten aus und tun Sie so, als stünden Sie im lockeren Small Talk am Buffet. Von der Idee her ist das gar nicht so schlecht: Raus aus den steifen Präsentationsklamotten, rein in den Freizeitdress und die eigene (Alltags-)Sprache wiederfinden. Guter Ansatz mit dem kleinen Haken, dass er den Praxistest selten besteht. Sie stehen, vielleicht zum ersten Mal in diesem Quartal oder sogar zum ersten Mal in diesem Jahr, vor 800 Zuhörern im großen Kongress-Saal oder vor einer Ansammlung von Reportern. In diesem Moment das Setting ausblenden? Beiseite wischen, was in diesen Momenten stresst (Bühne, Licht, Unruhe, Technik) – das wird bei vielen verständlicherweise nicht funktionieren oder so viel Konzentration fressen, dass sie möglicherweise keinen klaren Gedanken mehr fassen könnten.

Der zweite Ratschlag: Sie sollten akzeptieren, dass Sie eine Rolle spielen, schließlich stehen Sie als Funktionsträger vor Publikum, Kamera oder Mikrofon. Authentizität habe in der öffentlichen Kommunikation nichts verloren. Auch dieser Gedanke behagt uns nicht so ganz. Denn was heißt es für Sie als Rednerin oder Redner, wenn Sie freiwillig Ihre Stärken abstreifen und ausgerechnet für die von vielen beobachteten Bühnenmomente in einen fremden Präsentationsanzug schlüpfen? Wenn Sie ausgerechnet in diesen doch besonders wichtigen Momenten eine Sprache sprechen, die nicht die Ihre ist?

Beim ersten Versprecher, bei der überraschenden Zwischenfrage, dem ersten Hänger oder der ersten Abweichung von der Agenda wird sich das rächen. Warum? Weil Sie keinen jahrzehntelang gelernten Ausweg parat haben. Von frühester Kindheit an versprechen wir uns alle, und zwar in so gut wie jedem Gespräch. Sich zu versprechen, gehört zur normalen Kommunikation, und genauso gehört es dazu, diese Versprecher ganz natürlich aufzufangen – indem wir den Gedanken leicht variiert zu Ende bringen oder auch einfach komplett neu ansetzen –, ohne eine große Sache daraus zu machen. Gehen wir aber mit einer »fremden« Sprache auf die Bühne oder vor die Kamera, sind diese über Jahre geübten und damit gelernten und inkorporierten Exitstrategien plötzlich nicht mehr greifbar. Wir werden darauf später noch zu sprechen kommen: Das beste Rezept gegen Blackouts ist die eigene Sprache.

Viel mehr als nur Körpersprache – Executive Presence

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