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Autark werden: Ist eine 100%ige Selbstversorgung möglich?

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Selbstversorger*in zu werden, bedeutet schon eine ganze Menge Unabhängigkeit. Mit der Selbstversorgung (egal, ob in Teilen oder ganz) beginnt auch eine Zeit, in der man sich sehr viel mehr über bestimmte Vorgänge, Angebote und Zusammenhänge Gedanken macht. Die meisten von uns werden nicht zu Selbstversorger*innen, weil sie es satthaben, eine große Auswahl an köstlichen Gemüsesorten, die rein biologisch angebaut wurden und wenig Ressourcen verbraucht haben, im Supermarktregal vorzufinden. Sondern eben, weil ihnen genau das fehlt. Und natürlich, weil es unfassbar viel Spaß macht, mit den Händen in der Erde zu wühlen, und das eigene Gemüse so gut schmeckt wie nichts anderes auf der Welt. Aber: Obst und Gemüse allein machen weder besonders satt, noch haben sie einen hohen kalorischen Nährwert. Sie sind superlecker und wichtig für eine ausgewogene Ernährung, aber die meisten von uns werden den Großteil der Kalorien, die sie zu sich nehmen, weiterhin im Laden finden, in Form von Getreide, Nudeln, Öl, Süßigkeiten … Aber was, wenn wir noch eine Schippe obendrauf legen? Ist es möglich, sich komplett autark selbst zu ernähren?

Auch wenn das nie mein Ziel war, ist es sicherlich spannend, den Gedanken einmal weiterzuspinnen. Erst mal vorweg: Es ist möglich, alle Nahrungsmittel, die man braucht, selbst zu erzeugen. Woher ich das weiß? Weil eine (ziemlich beeindruckende) Freundin von mir genau das macht. Bei ihr ist das mit einer radikalen Ernährungsumstellung einhergegangen, weg von Getreide und Zucker und hin zu mehr Kartoffeln, Nüssen und tierischen Produkten, die sie leichter selbst erzeugen kann. Natürlich ist es auch möglich, Getreide und Ölfrüchte selber anzubauen, allerdings ist das (vor allem ohne das passende Zubehör) sehr aufwändig. Ein Getreide, das ich sehr gerne anbaue, ist Hartmais, weil die Körner größer sind und im Vergleich zu vielen anderen Getreiden nicht entspelzt werden müssen. Das macht es sehr leicht, den Mais zuhause selbst weiterzuverarbeiten. Und es ist schon ein tolles Gefühl, in ein Brot zu beißen, das man im eigenen Garten angebaut hat.

Ansonsten versuche ich, weniger Getreide zu kaufen und dafür mehr mit Kartoffeln zu kochen und backen. Kartoffelbrei, Kartoffelbrot, Bratkartoffeln, Rösti, Kartoffelgratin, Kartoffelpuffer … Kartoffeln sind so vielfältig, dass sie auch dann nicht langweilig werden, wenn sie 3-mal pro Woche auf dem Teller landen. Erst recht nicht, wenn man viele verschiedene Sorten anbaut und jede davon anders schmeckt.

Was viele Menschen übersehen, wenn sie über 100%ige Selbstversorgung sprechen, ist das Tierfutter. Einige Tiere brauchen Kraftfutter, das man entweder selbst erzeugen oder kaufen muss. Am einfachsten ist es, Tiere zu halten, die mit Gras und Grünzeug vollauf zufrieden sind. Es ist problemlos möglich, Fleischziegen oder Kaninchen großzuziehen, ohne Kraftfutter zuzufüttern, auch wenn die Tiere dann langsamer wachsen. Allerdings kaufe ich für die Hühner und für die Milchziegen Kraftfutter zu, weil sie sonst schnell abmagern.

Aber um auf meine Freundin zurückzukommen: Sie ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie viel selbstversorgermäßig möglich ist, und wenn du Lust hast, zu schauen, wie weit du gehen kannst, ist das mit Sicherheit ein sehr spannendes Projekt! Meine Freundin konzentriert sich auf ihrem Hof vor allem auf diese Bereiche, weil sie die meisten Kalorien liefern bzw. satt machen: Ziegenfleisch, Ziegenmilch und -käse, Nüsse, Kartoffeln, Kürbis und Wurzelgemüse.

Und dann kann man das Ganze natürlich noch weiterdenken. Selbstversorgung ist für viele ein kulinarisches Projekt, aber sie kann noch so viel mehr bedeuten. Wie sieht das eigentlich in unseren Leben aus? In unseren Häusern, Wohnungen etc.? Und was würde wirkliche Unabhängigkeit eigentlich bedeuten? Den eigenen Strom zu erzeugen und das Haus autark zu beheizen? Die Wasserversorgung in die eigene Hand zu nehmen und das Geschäft von nun an auf der Humustoilette zu verrichten?

So schön es ist, größer zu träumen, so wichtig finde ich auch, sich nicht unter Druck zu setzen. Es muss nicht jede*r alles selber machen. Wenn du deine Tomaten komplett selbst anbaust, bist du Selbstversorger*in: Tomaten-Selbstversorger*in, und das ist absolut großartig! Selbstversorgung ist ein großes Wort, aber im Grunde soll sie doch vor allem eins: Freude bereiten! Du findest bestimmt einen guten Weg, wie viel Selbstversorgung es bei dir sein darf.


Selbstversorgung, so wie du es möchtest und wie es zu dir passt: Das ist das Ziel.

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