Читать книгу Männermaladien - Michael Bahnherth - Страница 14
Leben mit Sesshaftigkeit
ОглавлениеMan nennt es die Neolithische Revolution, sie dauert schon über 12 000 Jahre und sie ist für den Menschen zumindest problematisch. Im Grunde trägt diese Revolution, die den Übergang vom nomadischen zum sesshaften Menschen kennzeichnet, vom Jäger zum Bauern, in erheblichem Masse dazu bei, dass ich mich auf der Welt gelegentlich nicht zu Hause fühle. Weil mich die Kultur der Sesshaftigkeit dazu zwingt, mein Leben auf den Arschbacken zu verbringen. Ohne Luft unter den Fusssohlen, wie Verlaine das sagte, als er Rimbaud – wahrscheinlich der erste und letzte moderne Nomade – versuchte zu beschreiben. Natürlich bin ich ja nicht stets ungerne sesshaft, schon alleine deshalb, weil mir zum kompromisslosen Nomadentum der Mut fehlen würde und ich wahrscheinlich auch zu faul geworden bin dafür.
Ich sitz dann also so sesshaft da auf meinem Gesäss, auf Bürostühlen, Barhockern, Restaurantstühlen usw., und manchmal sitze ich so fest, dass ich meinen Arsch gar nicht mehr hochkriege. Dann packt mich eine Sehnsucht, sie heisst Fernweh. Fernweh ist das, was vom einstigen Nomadentum übrig geblieben ist, der verkümmerte, traurige Rest. Und das fühlt sich manchmal so an wie Weinen ohne Tränen.