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6. Februar
ОглавлениеFreund *** berichtet von einem Gespräch mit einem Deutschlehrer, der gemeinsam mit anderen humanitär bewegten Kollegen in Berlin gestrandeten Neubürgern Deutschunterricht anbietet, ehrenamtlich in seiner Freizeit versteht sich. Alle diese Lehrer, erklärt der Vertreter der Sparte, hätten dabei dieselben Erfahrungen mit ihren Zöglingen gemacht: Ab der zweiten oder dritten Stunde trete Lustlosigkeit ein, würden die Zeiten nur noch abgesessen, spielten sie auf ihren Smartphones herum, statt zuzuhören. Kaum einer zeige die Bereitschaft, Vokabeln zu lernen, von der Grammatik gar nicht zu reden. Letztlich blieben sämtliche Bemühungen fruchtlos.
Dieses Resümee werde, wie gesagt, unisono gezogen. Dann aber trete ein interessanter Bruch in der Lehrerschar zutage: Während die eine Hälfte die Goldstücke schulterzuckend für unbeschulbar erkläre und sich aus dieser Sisyphosiade zu verabschieden gedenke, suche die andere Hälfte die Schuld bei sich. Offenbar habe man die »Flüchtlinge« nicht hinreichend motiviert, sei man nicht genug auf sie eingegangen und dergleichen fromme Floskeln mehr. Das Schema ist bei diesen Zerknirschten immer dasselbe: Wir sind diejenigen, die etwas falsch machen – die uns Zugelaufenen kommen dafür nie in Betracht. Wir müssen uns nach ihnen richten. Wir sind für sie verantwortlich. Das gilt bekanntlich auch für die Speisewünsche, religiösen Gebote und kulturellen Bizarrerien der unverhofft so zahlreich Hereingeschneiten bzw. immer noch Hereinschneienden.
Man stelle sich vor, sagt Freund ***, eine Kohorte Deutscher wandere nach China aus und verlange dort neben Sozialleistungen, Unterkunft und eigenen Andachtsräumen täglich Schweinshaxe, Königsberger Klopse, Pils – und von den chinesischen Pädagogen mehr Motivationsofferten für das Erlernen ihrer schwierigen Sprache. Fairerweise will ich hinzufügen, dass unsere Neumitbürger dergleichen ja nicht verlangen, sie nehmen es einfach nur an. Und dann erzählen sie eben in ihre Länder weiter, wie grandios bescheuert die Deutschen sind, bei denen man all das für lau bekommt, wofür sie daheim hart arbeiten müssten. Nur die Sprache von diesen Freaks, die würden sie nicht mal geschenkt nehmen.
»Die AfD ist wichtig, um die falsche Politik der offenen Grenzen zu stoppen, die sich fatal auf die Welt auswirkt«, schreibt Rafi Eitan, der Mann, der Adolf Eichmann vor seine irdischen Richter gebracht hat. In einem Grußwort zu einer Veranstaltung der AfD-Bundestagsfraktion zum Thema »alter und neuer Antisemitismus« erklärte der ehemalige Geheimdienstagent und israelische Minister, die Judenfeindschaft habe heute »ein anderes Gesicht« als in der Vergangenheit. Wenn man nichts dagegen unternehme, würden »die Moslems die freie demokratische Gesellschaft in etwas anderes verwandeln«. Ein Land, das seine Grenzen nicht sichere, sei ein schwaches Land. Der AfD bescheinigte er: »Sie haben mehr Freunde in der Welt, als sie denken.«
Das Gros der Wahrheits- und Qualitätspresse beschwieg das unerhörte Statement beflissentlich; nur da und dort, etwa aus dem Internet-Flusensieb Huffington Post, ertönte leises Gegrummel dergestalt, dass die AfD nun einen Nazi-Jäger »instrumentalisiere«, um von sich selber abzulenken. Einzig der israelische Botschafter in Deutschland, Jeremy Issacharoff, reagierte in üblicher Schrillheit: Mit den Worten »Ich weise die Ausführungen von Rafi Eitan aufs schärfste zurück« zeigte er auf Twitter, was er in Deutschland gelernt hat. Eitan lobe deutsche Rechte, »die die Nazi-Vergangenheit verherrlichen« (wen genau er damit meint, ließ der Botschafter offen; es wird wohl im Zweifelsfall, wie stets, der Meister Urian aus Thüringen dafür herhalten müssen). Dass Eitan, dieser Scheitan, sogar noch den Wunsch äußerte, die Alternative für Deutschland möge eine Alternative für Europa werden, sei »traurig und eine Schande«; Letztere praktisch für ganz Deutschland.
Nun lautet die Frage, wessen Wort mehr Gewicht hat: Dasjenige des Eichmann-Entführers und Tatmenschen, oder das eines Karrierediplomaten, der die Welt hinter getönten Autoscheiben wahrnimmt und dessen berufliche Biografie sich im Wesentlichen darin erschöpft, dass er irgendwelchen Delegationen angehörte.
Das Genie der Voralpen, Heribert der Beherzte, hat in einem Leitartikel des Süddeutschen Beobachters kundgetan, dass Fußballvereine selbstverständlich das Recht besitzen, AfD-Mitgliedern den Eintritt zu verweigern. Leider hat er vergessen, zwei wichtige Folgefragen zu beantworten, die Beantwortung der ersten wahrscheinlich nur deswegen, weil es ja logisch ist, dass die Vereine dann auch SPD-Mitglieder, Grüne, Moslems oder Bibelforscher abweisen dürfen. Die zweite Frage betrifft den Verfahrensrahmen: Dürfen denn die Vereine künftig von jedem Anwärter auf Mitgliedschaft verlangen, dass er Auskunft über seine Parteizugehörigkeit erteilt? Ich meine, das sollte in einer entwickelten Gesellschaft möglich sein, solange es noch unterschiedliche Parteien gibt.