Читать книгу Gesetzlose Städte, raue Männer: Alfred Bekker präsentiert 9 Western - R. S. Stone - Страница 26
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ОглавлениеIch hatte Cora Parson die furchtbare Tatsache schonend beigebracht, bat einen der Parson-Söhne, zur Farm Dick Martins zu reiten und dort Bescheid zu sagen, dann überließ ich die weinende, am Boden zerstörte Frau ihrer Familie und machte mich auf den Weg. Mein Ziel war die Diamant-J. Ich erreichte sie, nachdem ich etwa sieben Meilen geritten war. Sie lag an einem Nebenfluss des Mustang Creek in einer Senke, die nach allen Himmelsrichtungen von Hügelketten begrenzt wurde.
Es war ein großes Anwesen. Das Haupthaus besaß ein Stockwerk mit einer Außentreppe. Die Mannschaftsunterkunft war ein langgezogener, flacher Bau mit acht Fenstern in der Längsseite. Es gab zwei Ställe, eine riesige Scheune, Schuppen und eine Remise, in der mehrere Fuhrwerke standen. In mehreren Corrals weideten wohl an die hundert Pferde.
Es war Nachmittag und auf der Ranch wurde noch gearbeitet. Aus der Schmiede vernahm ich klingende Hämmerschläge, aus dem Kamin über der Esse stieg Rauch. Ein Helfer besserte einen Zahn aus, der einen Gemüsegarten begrenzte, ein anderer kam soeben mit einer Schubkarre voller Pferdemist aus einem Stall.
Ich war vom Pferd gestiegen und hatte das Tier zwischen einigen Büschen auf halber Höhe eines der Ranch abgewandten Abhangs angeleint, war auf die Kuppe gelaufen und hatte mich – ebenfalls im Schutz einiger Sträucher -, postiert.
Das Warten begann. Stechmücken begannen mich zu quälen. Es war schwül und die kleinen Quälgeister waren geradezu aggressiv. Meine Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt. Schließlich ging die Sonne unter, der Himmel im Westen färbte sich blutrot und von Osten kam die Dämmerung. Ein Star verabschiedete mit lautem Gezwitscher den Tag. Aus der Schmiede waren keine Hammerschläge mehr zu hören. Der Help, der den Zaun ausgebessert hatte, war in der Unterkunft verschwunden, ebenso jener, der im Stall gearbeitet hatte.
Jetzt aber erschienen die beiden wieder und stapften quer über den Hof zum Stall, gingen hinein und blieben zunächst verschwunden. Doch schon bald führten sie fünf gesattelte Pferde heraus, die sie am Holm vor dem Haupthaus anleinten. Vier Männer kamen aus der Mannschaftsunterkunft, das Haupthaus verließ ein fünfter. Es war Cole Ferguson. Sie wechselten einige Worte, banden die Pferde los und saßen auf. Dann verließen sie die Ranch.
Ich war zufrieden. Es sah ganz so aus, als würde mein Plan aufgehen. Fünf Reiter waren es, die Dick Martin und Harris Parson überfallen hatten, fünf Reiter waren nun wohl auf dem Weg zu den Farmen, um erneut für Furore zu sorgen. Für mich war das ein ausgesprochen schlechtes Verhältnis, aber dem musste ich mich stellen. Dazu verpflichtete mich der Stern.
Ich lief zu meinem Pferd, schwang mich auf seinen Rücken, trieb es den Abhang hinunter und ritt um den Hügel herum. Soeben verschwand das Quintett über eine Bodenwelle westlich der Ranch. Es war offensichtlich: Ihr Ziel waren die Farmen am Creek.
Grimmige Entschlossenheit hatte mich erfasst. Diesen Kerlen wollte ich das schmutzige Handwerk legen, und dann wollte ich mir Mister Glenn Jensen kaufen. Dieser Mann musste mit aller Härte für seine Skrupellosigkeit bestraft werden. Er wollte Channing in die Gesetzlosigkeit führen, weil mit Abenteurern, Spielern, Huren und Banditen mehr Geld in den Saloons, Spielhöhlen und Tanzhallen zu verdienen war als mit ehrsamen und gottesfürchtigen Familienvätern. Und er war darauf aus, sich das Land am Fluss unter den Nagel zu reißen, um für seine Rinder ungehinderten Zugang zur Tränke zu erhalten.
Ich war bereit, ihm in die Suppe zu spucken.
Die Sonne tauchte hinter den Horizont, das Rot ihres Widerscheins begann sich von Norden her violett zu verfärben, die Dämmerung begann Bäume und Sträucher einzuhüllen und dem Land die Farben zu nehmen.
Meine Sicht war durch Hügel und Bodenfalten begrenzt, aber die Spur der Reiter zeichnete sich deutlich im kniehohen Gras ab. Ich fühlte Anspannung und meine Sinne arbeiteten auf Hochtouren. Wenn es den Kerlen einfiel, von einer Anhöhe aus auf ihrer Fährte zurückzublicken, nahmen sie mich womöglich wahr. Und dann konnten sie mir einen tödlichen Hinterhalt legen. Mein Vorgehen war also nicht ungefährlich.
Die Dunkelheit nahm zu. Im Westen funkelte am endlosen Firmament der Abendstern. Nach und nach erstarb das Zwitschern der Vögel. Die Räuber der Nacht begannen sich zu rüsten.
Und dann wehte über einen Hügel vor mir der Knall eines Schusses. Sofort fiel ich meinem Vierbeiner in die Zügel. Das dumpfe Pochen der Hufe und leise Klirren der Gebisskette endeten. Die Detonation wurde kurze Zeit von den hallenden Echos vervielfältigt, um schließlich mit geheimnisvollem Geraune zu verklingen.
Auf einen weiteren Schuss wartete ich vergeblich.
Ich ruckte im Sattel, gleichzeitig zog ich die Winchester aus dem Scabbard, repetierte sie, stellte sie mit der Kolbenplatte auf meinen Oberschenkel und hielt sie mit der rechten Hand am Kolbenhals fest. Mein Pferd setzte sich in Bewegung. Ehe es den Hügelkamm erreichte, saß ich ab, ließ die Zügel einfach zu Boden hängen, lief die letzten Yards empor und duckte mich hinter einem Strauch.
Unten lag die Farm der Parsons in der Dunkelheit, die noch nicht endgültig war. Auf dem Farmhof hatten die fünf Reiter vier Menschen eingekreist. Im vagen Licht, das aus der geöffneten Haustür und den beiden Fenstern des Farmhauses fiel, erkannte ich zwei Frauen und zwei schlaksige Männer und musste nicht raten, um mir zu sagen, dass es sich um Cora Parson, ihre Tochter und ihre beiden Söhne handelte. Sie wurden von den Diamant-J Reitern mit den Gewehren in Schach gehalten. Verletzt schien niemand zu sein. Der Schuss hatte wohl nur der Warnung und Einschüchterung dienen sollen.
Als einer der Kerle absaß und Anstalten machte, das Wohnhaus zu betreten, feuerte ich in die Luft.
Für zwei – drei Sekunden schien der Knall die Handlanger Jensens zu lähmen, dann rissen sie die Pferde herum, gaben ihnen die Sporen und jagten in die verschiedenen Richtungen davon. Derjenige, der abgesessen war, warf sich auf seinen Vierbeiner und stob ebenfalls davon.
„Ins Haus!“, brüllte ich. „Schließt die Tür und die Fensterläden!“
In die vier Menschen auf dem Farmhof kam Leben. Sie drängten durch die Haustür, sie flog zu, gleich darauf wurden die Fensterläden zugezogen. Das Licht, das durch die Ritzen der Läden schimmerte, verlosch sogleich.
Ferguson und sein höllischer Verein waren verschwunden. Das Hufgetrappel war verklungen. Doch es war nur eine Frage der Zeit, bis sie die Jagd auf mich eröffnen würden. Sie auf mich zu ziehen war jedoch meine Absicht gewesen. Andernfalls hätte ich ja zugeschaut, wie sie die Familie gedemütigt und wahrscheinlich sogar die Farm niedergebrannt hätten.
Ich hatte die Entwicklung so gewollt, und nun galt es, zu kämpfen und – zu siegen.