Читать книгу Gestalttherapie mit Gruppen - Stefan Hahn - Страница 15
Sie könnten Schaden anrichten
ОглавлениеEine Gruppe verläuft dann zufriedenstellend, wenn das, was ich anbiete, dem Bedürfnis und Interesse der Gruppe entspricht (Zinker 1998). Dies ist eine für mich beruhigende Grundannahme, auch wenn ich weiß, dass man es nie allen Teilnehmern einer Gruppe recht machen kann.
Je klarer die Teilnehmer ihre Interessen und Bedürfnisse formulieren, desto eher werden Sie als Gruppenleitung dazu in der Lage sein, darauf einzugehen. Dies ist der Zweck von Befindlichkeitsrunden und Runden, in denen Sie abfragen, was die Teilnehmer im Moment beschäftigt, interessiert und was sie gerne tun möchten. Siehe auch im Kapitel »So könnte es weitergehen – allgemeine Prinzipien«.
Es kann sein, dass Sie durch Ihre Anteilnahme und Interesse bei den Teilnehmer lebhafte, gefühlvolle Prozesse auslösen, womit Sie jetzt eigentlich zufrieden sein könnten – wäre da nicht schon wieder Ihre Angst. Alles könnte außer Kontrolle geraten – und letztendlich sind Sie für den einmal in Gang gesetzten Prozess verantwortlich. Das beinhaltet unter anderem, dass keiner dadurch zu Schaden kommen darf. Diese lebhaften, gefühlvollen Prozesse werden Ihnen umso mehr Angst machen, je weniger Sie sie am eigenen Leib erfahren haben, was übrigens auch auf die Gruppenteilnehmer zutrifft .
Wie schaffen Sie nun einen sicheren Rahmen für lebhafte, gefühlvolle Prozesse in der Gruppe? Vorangestellt sei, dass es den sicheren Rahmen nicht gibt. Jeder Gruppenleiter (und natürlich auch die Gruppenteilnehmer) braucht für sein Gefühl von Sicherheit etwas anderes. Wichtig ist dennoch, dieses Bedürfnis nach einem sicheren Rahmen überhaupt zu spüren und benennen zu können. Es hat seine Berechtigung, auch wenn es keine Garantie für Sicherheit gibt. Ihre Sicherheit wird wachsen mit Erfahrung, Kenntnis von Methoden und Übung von Achtsamkeit für den Kontaktprozess.
Dazu gehören der kontaktvolle Umgang mit »Widerstand«, Ihre Fähigkeit, den Gruppenteilnehmer in seinem Prozess zu unterstützen und seine Selbststützung, sowie Unterstützung durch die Gruppe zu aktivieren. Als Gruppenleiter müssen Sie Kenntnis haben von Techniken, die aus der Tiefung führen und die die Integration der Erfahrung im Nachkontakt fördern. Sie werden später detailliert beschrieben.
Wenn Sie auf Ihre Grenzen und die der Teilnehmer achten, können Sie keinen Schaden anrichten. Fordern Sie Teilnehmer dazu auf, selbstverantwortlich auf ihre Grenzen zu achten und die anderer Gruppenmitglieder zu respektieren. Grenzen- und maßloses Verhalten sollten Sie stoppen. Wenn Ihnen das schwer fällt, nehmen Sie es mit in die Supervision.