Читать книгу Die O´Leary Saga - Werner Diefenthal - Страница 24
Magdalenenheim
Оглавление»Ich soll was tun?«
Sarah glaubte, sich verhört zu haben.
»Alle Mädchen gründlich untersuchen.« Olives Gesicht war ausdruckslos wie schon so häufig zuvor. »Gründlich. Von Kopf bis Fuß. Auch auf Geschlechtskrankheiten.«
»Woher sollten sie wohl Geschlechtskrankheiten haben?«, fuhr Sarah hoch, die immer noch nicht begriff, warum sie plötzlich sämtliche Insassinnen des Heims untersuchen sollte.
»Es reißt immer wieder einmal eins der Mädchen aus. Sie erinnern sich doch sicher noch an Louisa oder nicht? Und ihr kleines Mitbringsel?« Olive verschränkte die Arme und musterte Sarah mit einem leichten Anflug von Spott. »Sie könnte mehr mitgeschleppt haben als ein Kind! Und nur, weil es hier keine Männer gibt, bedeutet das nicht, dass die Mädchen nicht untereinander … nun … Nähe und Wärme suchen! Sie könnten einander anstecken! Am nächsten Wochenende ist Besuchstag, da muss ich sicher sein, dass es den Mädchen gut geht!«
»Was für ein Besuchstag?«
Plötzlich hatte Sarah den Eindruck, länger als nur einige Tage geschlafen und dabei einiges verpasst zu haben! Langsam wünschte sie sich, doch noch im Bett geblieben zu sein.
Olive begann, in ihrem Büro hin und her zu wandern, während sie erklärte.
»Alle drei Monate erlauben wir den Mädchen, Besuch zu empfangen. Ihre Angehörigen können zu ihnen kommen. Manche nehmen die Mädchen wieder mit, wenn sie der Meinung sind, sie seien geläutert und hätten eine zweite Chance verdient. Andere vergewissern sich, dass es ihnen gut geht.« Abrupt blieb die Nonne stehen und sah Sarah an. »Sie haben sicherlich schon gehört, dass hier nicht nur Frauen und Mädchen sind, die freiwillig Zuflucht suchen, sondern auch solche, die von ihren Familien hergebracht wurden. Aus vielerlei Gründen. Manche sind geisteskrank oder haben Schande über sich und ihre Familie gebracht. Häufig bezahlen diese Familien für den Aufenthalt ihrer Töchter. Das Heim wäre nur über die Arbeit, die die Mädchen verrichten, nicht zu finanzieren. Es kommen auch Würdenträger, Gönner, Reiche, die sich den Weg in den Himmel ebnen möchten, indem sie für einen guten Zweck - unser Heim - spenden. Das werden sie nicht, wenn sie denken, ich betreibe hier ein Siechenhaus. Die Mädchen müssen gesund sein.«
Sarah war verärgert.
»Hätten Sie mir das nicht schon früher sagen können? Es sind nicht wenige Mädchen, eine solche Untersuchung ist aufwändig und dauert seine Zeit!« Sie erhob sich. »Ich bin im Untersuchungszimmer. Schicken Sie mir eine nach der anderen! Ich werde heute wohl nicht alle schaffen, aber bis zum Wochenende geht es!«
Sie war schon beinahe aus der Tür, als Olive ihr noch hinterherrief: »Ach ja … ich muss wohl nicht extra erwähnen, dass Mabel und Alice an diesem Wochenende im Heim zu sein haben?«
Die Rothaarige drehte sich nicht einmal um, erwiderte laut: »Wenn Sie es nicht extra erwähnen müssen, wieso tun Sie’s dann?«
Nicht auf die Reaktion der Heimleiterin wartend, stapfte Sarah einfach weiter. Das würde ein langer Tag werden!