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Aus, ein, auf, ab – und durch!

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»Kannst du mir das bitte ausdrucken?«, frage ich den Radioredakteur, damit er den Text, der noch im Computer steckt, aufs Papier befördern und ihm damit aus der virtuellen in die wirkliche Welt hineinhelfen möge. Ausdrucken? Ich wurde selbst stutzig: Wieso ausdrucken? Es geht ums Drucken, wozu die Vorsilbe »aus«? Damit wir uns besser vorstellen können, wie das bedruckte Blatt aus dem Drucker herauskommt?

Ob ich einen Roman »als Hörbuch einlesen« könne, möchte eine Verlagslektorin wissen; ich tu es gern, aber: »einlesen«? Wo denn nur hinein? Durch das Mikrophon in den Rechner, in dem der Roman dann verschwände? Reicht es nicht, wenn ich den Roman einfach lese? Muss es »einlesen« sein? Gibt es überhaupt einen Unterschied zwischen Lesen und Einlesen? Oder geht es darum, den Vorgang des Lesens mit zusätzlicher Bedeutung aufzuladen? Und das Hörbuch durch das Einlesen aufzuwerten, so wie man einen Hering schmackhafter macht, indem man ihn einlegt? (Und wenn wir gerade schon bei »schmackhaft« sind – könnte man den Fernsehkoch Johann Lafer nicht zu einem Jahr Schmackhaft verdonnern, wenn er sich wieder einmal als Werbeträger verdingt? Meinetwegen auch auf beziehungsweise zur Bewährung?)

Ich könne ihm eine Nachricht auf seinen Anrufbeantworter »aufsprechen«, sagt ein Freund. Ich finde sprechen völlig ausreichend, aber wenn er darauf besteht, spreche ich ihm auch etwas auf. Wo aber läge anschließend die aufgesprochene Nachricht? Oben auf dem Anrufbeantworter? (Der streng genommen gar kein Anrufbeantworter ist, sondern ein Anrufentgegennehmer oder Anrufaufzeichner.) Wenn aber die Nachricht in der Maschine steckt, habe ich den Anruf dann nicht eher eingesprochen?

»Das müsste man gegebenenfalls abklären«, lautet eine gängige adäquate Antwort auf all diese Fragen. Zwar genügt es, einen Sachverhalt zu klären; einer Abklärung bedarf niemand, und es gibt sie wohl auch gar nicht, außer in der Welt, in der man abtanzt und sogar abhottet, bis auch das abgefrühstückt ist, wahlweise sogar abgemolken, Hauptsache ab dafür – das klingt so entschieden, so stark, so absolut. Die Buchstaben »Ab« sind sinnvoll bei Abenteuern, beim Abendbrot im Abendrot, beim Abmurksen des Abtes, beim Abakadabra, beim ABC, beim Absatteln, beim Abluchsen, beim Theaterabonnement oder beim Absinth. Abklären muss man nichts, das ist überflüssig, wenn auch kein Bein ab.

Nachdem der freundliche Redakteur diesen Text ausdruckte und wir noch Details abgeklärt hatten, las ich ihn ein; dann wurde er von den Technikern abgespeichert, anschließend hörten wir ihn noch einmal gemeinsam ab. Nein, das stimmt nur zur Hälfte; wir hörten ihn auch durch!

Und das alles, damit die Hörerinnen und Hörer ihn später anhören könnten. Viel lieber wäre mir allerdings, man könnte den gesprochenen Text schlicht hören. Hören ist hinreichend, zum Hören und Verstehen braucht man keinen Aus-ein-auf-ab-und-durch-Salat.

Doch wie sagte schon ein großer Indianerhäuptling, nachdem er den Telefonhörer beiseite gelegt hatte? – Howgh, ich habe aufgesprochen.

Im Sparadies der Friseure

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