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„Wir sind im Mainstream angekommen.“

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Der Wirtschaftsforscher Professor Timo Busch befasst sich mit Nachhaltigkeit im Finanzsektor. Der Betriebswirt lehrt am wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Institut der Universität Hamburg und ist Senior Fellow am Center for Sustainable Finance and Private Wealth der Universität Zürich. Auf der Rio +20 Conference on Sustainable Development war er Delegierter der UN. Buschs Studien belegen, dass die nachhaltige Geldanlage auch etwas bewirkt und rentabel ist.

Sind Veränderungen der Finanzströme hin zu nachhaltigen Investments bereits auf breiter Front spürbar?

Wir sind mit nachhaltigen Geldanlagen im Mainstream angekommen. Sie können es als Phase 3.0 bezeichnen. In den Anfängen waren es einzelne, meist institutionelle Investoren, die bestimmte Geschäfte aus ihren Anlagen ausschlossen. Das war zu Zeiten des Vietnamkriegs und der Apartheid in Südafrika. In den späten 80er Jahren begann die Phase 2.0. Die Investoren gingen über reine Ausschlusskriterien hinaus und entwickelten neue Ansätze wie das Best-in-Class-Prinzip oder die Integration von ESG-Kriterien in unternehmerisches Handeln. Es gab auch erste Themenfonds. Gleichzeitig wurden Ratings für nachhaltige Unternehmen entwickelt und der Dow Jones Sustainability Index als nachhaltiger Aktienindex zusammengestellt. Heute kennen wir uns gut genug mit Nachhaltigkeitsanalysen aus. Entsprechende Finanzprodukte sind normal geworden und verzeichnen enorme Wachstumsraten. Ich habe für die letzten Jahre den Marktbericht für die Schweiz mit erstellt. Der Markt ist dort zuletzt um über 60 Prozent gewachsen. Das ist ein deutlich höheres Wachstum als bei konventionellen Geldanlagen.

Sie haben in einer Auswertung von über 2 000 Studien herausgefunden, dass sich nachhaltiges Wirtschaften für Unternehmen bei einer großen Mehrheit der Firmen lohnt. Warum ist das so, und warum setzt sich diese Erkenntnis so langsam durch?

Ausgangspunkt der Metastudie war die Frage, ob Unternehmen, die in puncto Nachhaltigkeit besser sind als der Durchschnitt, sich auch wirtschaftlich gut entwickeln. Über 50 Prozent der Studien kamen zu dem Ergebnis, dass Nachhaltigkeit einen positiven Einfluss auf die Rendite und die Performance hat.

Mit Blick auf die Herausgeber von Green Bonds drängt sich der Verdacht auf, dass Unternehmen oder Staaten den Klimaschutz als Feigenblatt vor sich her tragen. Wie ernst meint es die Wirtschaft damit?

Wie überall gibt es auch hier Trittbrettfahrer. Die wachsende Nachfrage nach grünen Geldanlagen ist ein Anreiz zum Greenwashing. Es gibt auf der anderen Seite inzwischen genügend Informationen über die einzelnen Anbieter, um die Spreu vom Weizen zu trennen. So hat beispielsweise der Chef des größten Vermögensverwalters der Welt die Unternehmen zu nachhaltigem Handeln aufgefordert. Bei Analysen über das Engagement als Aktionär landet seine Firma aber auf einem der hinteren Ränge. Da ist schon eine große Divergenz zwischen dem, was angekündigt wird, und dem, was umgesetzt wird.

Wie ernst können Anleger zum Beispiel Green Bonds von Autofirmen nehmen, die mit Verbrennungsmotoren ihr Geld verdienen?

Da gibt es für Sie als Anleger zwei Möglichkeiten. Wenn Sie nur hundertprozentig grüne Projekte unterstützen wollen, bleibt Ihnen nur eine geringe Auswahl an Anlagen. Wenn Sie vor allem den Transformationsprozess hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft unterstützen wollen, können Sie auch in ein Autounternehmen investieren. Voraussetzung ist, dass Ihr Geld dort in neue Antriebstechnologien oder eine saubere Fertigung investiert wird. Wenn Sie die notwendige Transformation mitfinanzieren, ist es eine sinnvolle und nachhaltige Geldanlage.

Die meisten Kleinanleger investieren in Fonds oder ETF. Treiben die Fondsverwalter die Unternehmen, in die sie investieren, zu Verbesserungen an?

Es gibt sehr gute Fonds, die auch unter Impact-Gesichtspunkten sehr gut aufgestellt sind. Die Manager schauen sich an, inwiefern die einzelnen Unternehmen in ihrem Portfolio sich Zielen verpflichten, etwa beim Klimaschutz oder im Sozialen. Die andere Seite ist, dass auch der Fonds gegenüber seinen Kunden dokumentieren muss, inwiefern er besser ist als andere. Das kann beispielsweise eine mit jedem investierten Euro bessere CO2-Bilanz sein. Es gibt Fonds, die sehr engagiert sind. Wir fragen für die Forschung bei Unternehmen nach, wie relevant ESG für sie ist. Die Unternehmen berichten übereinstimmend, dass das Thema in den letzten Jahren massiv an Gewicht gewonnen hat. Mitunter dreht sich jede zweite Anfrage bei ihnen um dieses Thema. Da bewegt sich einiges.

Wie problematisch ist es, dass es keine einheitlichen Standards für Nachhaltigkeit gibt?

Es scheint problematisch, dass viele Akteure verschiedene Bewertungsansätze verfolgen. Tatsächlich wird es nie diesen einen einheitlichen Standard geben. Das liegt in der Natur der Sache. Nachhaltigkeit hat viele unterschiedlich Facetten. Der eine setzt auf Energieeffizienz, der andere will Kinderarbeit verhindern. Wie will man das über einen Kamm scheren? Die Anleger müssen deshalb aber nicht den Kopf in den Sand stecken. Es gibt ja gute Hilfestellungen. Beispielsweise gibt es Labels, die genaue Mindestkriterien für Ausschlüsse definiert haben und darüber hinaus unterschiedliche Aspekte der Anlagestrategie bewerten und berücksichtigen. So wird die Komplexität einer nachhaltigen Anlage auch für Kleinanleger händelbar.

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