Читать книгу Die 50 bekanntesten archäologischen Stätten Deutschlands - Wolfram Letzner - Страница 17
ОглавлениеEin Zufallsfund aus Großbodungen ist ein eindrucksvoller Zeuge zu den germanischen Angriffen auf das Römische Reich während der Völkerwanderungszeit. Ein Angehöriger der Oberschicht versteckte im 5. Jh. einen Teil seiner Beute aus einem der Raubzüge, konnte diese aber nie wieder bergen. War er selbst Opfer eines Angriffs geworden?
[11] Grossbodungenen – Ein Schatzfund besonderer Art
Thüringen
Im thüringischen Landkreis Eichsfeld liegt der kleine Ort Großbodungen, der mittlerweile zur Gemeinde Am Ohmberg gehört. An historischen Denkmälern ist eine mittelalterliche Burg erhalten, die hier aber nicht unser Interesse findet. Dieses gilt vielmehr einem Schatzfund, der schon im Jahr 1936 gemacht wurde.
Wie so oft führte keine systematische Suche zu dem Fund; vielmehr war es ein fleißiger Bauer, der beim Kartoffelhacken im Bereich der Wüstung Reichsdorf fündig wurde. Gewissenhaft wurde der Fund gemeldet und das Museum in Halle führte eine Untersuchung der Fundstelle durch. Es zeigte sich dabei, dass es sich hier um einen Depotfund handelte, weil sich weder Grab- noch Siedlungsspuren nachweisen ließen.
Aufgrund der Funde war auch schnell die zeitliche Stellung des Fundes klar. Er wurde in der frühen Völkerwanderungszeit – im 1. Drittel des 5. Jhs. – niedergelegt und muss als Beutegut eines germanischen Adligen interpretiert werden.
Woraus erklärt sich diese Deutung? Der glückliche Finder hatte einen „Silberklumpen“ mit einem Gewicht von 808 g gefunden. Als die Restauratoren in Halle diesen „Klumpen“ in mühseliger Arbeit auflösten und die einzelnen Elemente glätteten, wurde zunächst einmal klar, dass hier verschiedene Gegenstände mit roher Gewalt zerteilt worden waren, ein Verfahren, mit dem Germanen ihr Beutegut aufteilten.
Betroffen von diesem Aufteilungsverfahren waren etwas Zierrat aus Silber, eine Silberplatte, die ursprünglich einen Durchmesser von 26 cm hatte und aufgrund ihres Motivs – dargestellt war ein Kaiser mit seinen Begleitern – als Kaiserplatte bezeichnet wurde, sowie ein handwerklich hervorragender Silberkessel mit Reliefverzierung und weitere Silbergefäße. Daneben waren auch noch Bruchstücke von zwei Bronzegefäßen aufgetaucht. (Abb. 11)
Abb. 11 Sammelaufnahme des Schatzfundes von Großbodungen.
Außerdem gehören 21 Goldmünzen zu dem Schatzfund, die zwischen 350 und 423 n. Chr. geprägt wurden. Diese Funde sind es vor allem, die eine entsprechende Datierung des Hortfundes ermöglichen.
Die Funde aus Großbodungen werden voraussichtlich ab Ende 2014 wieder im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle (Saale) zu besichtigen sein. www.lda-lsa.de/landesmuseum_fuer_vorgeschichte/
Literatur
B. Schmitz, E 33 Großbodungen, in: J. Herrmann (Hrsg.), Archäologie in der Deutschen Demokratischen Republik (1989) 562 f. mit Lit.