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Einleitung

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Als Folge des Zweiten Weltkriegs und der deutschen Besatzung Frankreichs hatte der Hass der Franzosen auf den deutschen Nachbarn im Jahre 1945 einen neuerlichen Höhepunkt erreicht. Das in der Vergangenheit immer wieder bemühte Bild vom „Erbfeind“ schien seine Bestätigung gefunden zu haben, der Antagonismus unüberbrückbar. Doch während militärische Auseinandersetzungen auf anderen Gebieten der Weltkugel auch nach dem Zweiten Weltkrieg zur Tagesordnung gehörten, gelang es Deutschen und Franzosen nach Kriegsende, ihre Beziehungen in einen Prozess der Verständigung, Annäherung, Aussöhnung, Kooperation und Partnerschaft zu überführen, der zugleich auf ganz (West-)Europa friedensstiftend wirkte. So kann es nicht überraschen, dass die Geschichtsschreibung zu den deutsch-französischen Beziehungen nach 1945 vor allem nach den Ursachen für diesen Wandel und den Wegen fragte, die Deutsche und Franzosen beschritten1, um aus der kriegerischen Spirale herauszufinden und einen neuen normativen bzw. moralischen Rahmen für die bilateralen Beziehungen zu schaffen2. Musste es für Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg gegenüber der übrigen Welt darum gehen, selbst verspieltes Vertrauen zurückzugewinnen3,so galt es zwischen Deutschland und Frankreich ein Vertrauenspotenzial aufzubauen, das in den vorangegangenen Jahrzehnten nie existiert hatte4. Einen grundlegenden „aktiven politischen Prozess der Konflikttransformation“5 mussten die verständigungsorientierten Frauen und Männer auf beiden Seiten des Rheins folglich leisten, um über den Weg der Handlung, Sprache, Kommunikation und Gestik neue deeskalierende und friedensstiftende Elemente im bilateralen Verhältnis zu verankern. Erinnert werden soll hier nur an die persönliche Einladung von de Gaulle an Adenauer, der als einziger ausländischer Staatsgast im September 1958 das Privileg besaß, im Rahmen seines Staatsbesuches auch im Privathaus des Generals in Colombey-les-deux-Églises zu nächtigen, wo dieser ihm die „Vertrauensfrage“6 stellte.

WBG Deutsch-französische Geschichte Bd. X

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