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Nach dem dritten Drink ließen Susan und ich nur noch die leise Musik auf unsere aufnahmebereite Psyche einwirken.

Wir tanzten.

Ein vorlauter Knabe hätte dies bereits als Fruchtbarkeitstanz bezeichnen können.

Die Menschen denken ja gleich immer so furchtbar schlecht.

Ich war berauscht. Nicht vom Whisky. Von Susan. Ich hatte die Jacke ihres Hausanzuges hochgeschoben und hatte mich mit den Händen unauffällig daruntergeschummelt. Ich merkte sofort, dass Susan diesen Angriff registrierte, denn sie erschauderte leicht und drückte sich um eine Spur mehr an mich heran.

Ich bekam Beklemmungen und wusste nicht zu sagen, ob dies nun von dem aufregenden Busen meiner Partnerin kam, der mir Löcher in die Magengrube zu bohren versuchte, oder ob die Angelegenheit von innen her über mich rollte. Ich berührte mit geschlossenen Augen ihr warmes, zartes, sanft nachgebendes Fleisch. Das brachte meine Umgebung unvermittelt zum Rotieren, und ich musste mich nun wohl oder übel an meiner betörenden Partnerin festhalten, um nicht lang hinzuschlagen.

Wir tanzten beim Wandspiegel vorbei. Eigentlich konnte ich nur eine Person sehen, so eng klebten wir aneinander. Unser beider Anblick ließ meine Knochen im Leib wie Schnee in der Sonne werden. Ich spürte sie fließen.

Bis hierhin war alles bestens eingefädelt.

Susan kraulte mich wie einen Schoßhund im Nacken, und ich hielt mich wie ein solcher. Der dämliche Hausanzug war für mich überhaupt nicht vorhanden. Meine Finger glitten an Susans wunderbarer Wirbelsäule nach unten.

Es war göttlich!

Doch meine verfluchten Gedanken machten sich mit einem Mal selbständig. Ich konnte das nicht begreifen, wieso sie in einem solch erhebenden Augenblick nicht bei der Sache bleiben wollten. Bei einer so wunderbaren Sache.

Ich griff plötzlich um einige Pfunde fester zu. Ich tappte Susan plötzlich wie ein tollpatschiger Tanzbär auf die Zehen, was sie mir zweimal verzieh, dann aber mit dem ersten Vorwurf tadelte.

Sie hatte ja recht.

Verdammt, ich wusste, dass sie recht hatte. Die ganze herrliche Stimmung begann in die Binsen zu gehen. Sie zerfiel wie eine Sandburg, die zu lange in der Sonne gestanden hat und nun vom aufkommenden Wind zerstreut wird. Ich fühlte, dass wir das gemeinsam erstrebte Ziel wieder mal nicht erreichen konnten.

Und schuld daran war ich. Ich allein. Ich wollte mich in den Hintern treten oder sonst was Grobes mit mir anstellen.

War es nicht zum Aus-der-Haut-fahren?

Mich beschäftigte etwas. Zuerst noch im Unterbewusstsein. Deshalb konnte ich es nicht definieren. Doch von Minute zu Minute tauchte es mehr aus der Versenkung auf, nahm allmählich Form an ...

Susan erkannte plötzlich, dass ich an etwas anderes dachte. Kunststück. So wie ich auf einmal tanzte, musste ich einfach woanders mit meinen Gedanken sein.

Sie lag noch in meinen Armen. Noch! Aber ich hätte eine Kleiderpuppe nicht anders gehalten.

Sie stemmte sich ein wenig von mir weg und blickte in mein ernstes Gesicht, das so gar nicht zu dieser herrlichen Stimmung passte.

„Was ist, Biff?“, fragte sie besorgt. Es war aber auch eine gehörige Menge Vorwurf in ihrer Stimme. Ich schüttelte den Kopf. „Kannst du denn niemals abschalten, Biff?“, fragte sie bedauernd. Sie bedauerte mich, bedauerte sich und bedauerte offensichtlich, dass es zwischen uns wieder mal nicht klappen konnte, weil sich irgendeine Wand, die für uns unüberwindlich war, dazwischengeschoben hatte.

Ich machte noch zwei tollpatschige Tanzschritte, trat ihr noch einmal auf den großen Zeh. Der Arme musste schon kornblumenblau sein. Dann blieb ich stehen.

Es hatte keinen Sinn mehr. Die Stimmung war beim Teufel.

Ich sagte: „Bist du mir sehr böse, Schatz, wenn ich dir sage, dass ich zu wissen glaube, wer der große Unbekannte ist, hinter dem wir die ganze Zeit vergeblich herjagen?“

Ich war Susan dankbar, dass sie mir nicht gegen das Schienbein trat. Sie hätte das Recht dazu gehabt. Ich rechnete es ihr hoch an, dass sie es trotzdem unterließ. Ich rechnete es ihr noch höher an, dass sie sofort auf dienstlich schaltete und sich ebenfalls für die Sache interessierte. Auch sie konnte nicht leugnen, dass sie in erster Linie Detektivin war.

„Wie kommst du so plötzlich darauf?“, fragte mich meine Partnerin.

Wir setzten uns. Es sah dumm aus, in der Mitte des Raumes herumzustehen — ohne Drink, ohne die Absicht, weiterzutanzen.

Ich sagte: „Pass auf, Schatz! Die Erpresserbriefe wurden ausnahmslos am selben Tag in Boston aufgegeben.“ Meine Partnerin nickte. Gutes Kind. Sie konnte folgen. Ich warf die Illustrierte auf den Tisch, die ich durchgeblättert hatte, als ich auf Susan wartete. Ich schlug die Seite mit dem Bericht über den Ärztekongress in Boston auf. „Genau zu diesem Zeitpunkt, wo die Briefe aufgegeben worden sind, fand dieser Ärztekongress statt, Schatz.“

Susan folgte mir immer noch.

„Für uns stand von Anfang an fest“, fuhr ich fort, „dass einer der Passagiere der gesuchte Mörder sein muss. Soweit ich mich erinnern kann, war nur ein einziger Mann in der DC3, der Arzt ist: Dr. Wendell Mann! Wenn der nun auch noch in Boston beim Ärztekongress war ...?“

Susans Augen begannen Feuer zu fangen. Wenige Augenblicke später glühten sie vor Eifer.

„Ich glaube, das ist immerhin ein Gedanke, den man nicht unbeachtet lassen darf, Biff.“

Der Meinung war ich selbstverständlich auch. Mein Kopfnicken war dementsprechend heftig.

„Ich schlage vor, wir suchen unseren Freund jetzt gleich auf und stellen ihm ein paar hochnotpeinliche Fragen.“

Da Susan nichts dagegen hatte, wurde mein Vorschlag in die Tat umgesetzt, sobald meine Partnerin ihren Hausanzug mit einem schicken Straßenkleid vertauscht hatte.

Mörder-Paket Juli 2020: 10 Krimis für den Strand: Sammelband 9015

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