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1.5 VIER WELTANSCHAULICHE FELDER
ОглавлениеMan kann in Deutschland unter weltanschaulich-religiöser Perspektive vier grundsätzliche Bereiche ausmachen:
Da ist zum einen das Feld des traditionellen Christentums in katholischer, protestantischer oder freikirchlicher Gestalt. In diesem Feld spielen Kirche, konservative Werte, die christliche Tradition, kirchliche Kultur, klassische Gottesdienste (auch die Freikirchen haben Gottesdienstmodelle, die für sie klassisch sind) eine verbindende Rolle. Dieser Bereich wird gestärkt durch Zuzug aus Polen, Afrika, Südamerika und Indien, besonders dem katholischen Kerala.
Dann gibt es das atheistisierende Feld, in dem sich Menschen bewegen, die aus sehr unterschiedlichen Beweggründen heraus eine Existenz Gottes verneinen oder zumindest die Frage danach ablehnen. Sie verstehen sich als Areligiöse, Atheisten, neue Atheisten, Agnostiker oder einfach nur Skeptiker. Nicht wenige sind zu einer atheistischen Grundüberzeugung gekommen, weil sie durch die Begegnung mit einem falschen oder vergifteten Gottesbild den Glauben ablehnen. Andere führen naturwissenschaftliche Gründe, wieder andere das Leid der Welt an.
Einen dritten Bereich bilden die Muslime. Es gibt nicht den Islam, genauso wenig wie es das Christentum gibt. Vielmehr bilden die Muslime eine heterogene Gruppierung, die sowohl radikale Islamisten umfasst wie auch gemäßigte und liberale Gläubige. Allerdings ist der Anteil der sogenannten Hochreligiösen in dieser Gruppe immens.
Und schließlich viertens ist die Gruppe der Spirituellen zu nennen: Menschen, die religiös sind, vielleicht sogar regelmäßig beten, ein spirituelles Weltbild haben, die sich aber nicht an organisierte Religionsformen binden.
Während die erste Gruppe, das traditionelle Christentum, abnimmt, wachsen die Felder Atheismus, Islam und spirituell Offene.
Wie ist es eigentlich um die Zukunftsfähigkeit der Kirche in Deutschland bestellt? Schaut man auf die zurückgehenden Mitgliederzahlen, die Finanzentwicklung und auf die immer wieder diagnostizierte schwindende Relevanz des christlichen Glaubens in Kirche und Gesellschaft, so sehen die Prognosen für die Zukunft dieser ehrwürdigen Institution eher düster aus. Wenn die Kirche weiter als prägende Größe in der Gesellschaft mitwirken will, dann kommen Herausforderungen auf sie zu, die einen Umbau erforderlich machen.