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Die spirituelle Leere des westlichen Materialismus
ОглавлениеDer westliche Materialismus mit seinem Machbarkeitswahn, mit seiner Vergötterung von Wohlstand, mit seiner Ökonomisierung und Sexualisierung weiter Lebensbereiche hat eine spirituelle Verarmung erzeugt, die für viele Menschen außerhalb des abendländischen Kulturkreises weder nachvollziehbar noch erstrebenswert ist. Ein durchrationalisiertes und auf Effektivität getrimmtes Leben schafft eine geistliche Wüste. Der Mensch verliert die religiöse Dimension und findet sich in einer entzauberten Welt wieder, in der er nicht mehr weiß, wer er ist. Das reduktionistische Menschenbild des westlichen Materialismus, in welchem der Mensch eine hochevolutionierte seelenlose Biomaschine ist, die in totaler Diesseitsfixierung und religiöser Sterilität verarmt, befindet sich diametral im Gegensatz zum spirituellen Lebensgefühl eines Afrikaners oder Südamerikaners. Diese erstreben zwar die Modernisierung mit allen ihren guten Früchten, aber ohne die ideologischen Implikate. Überall in der Welt außerhalb des westlichen Kulturkreises gehört das Übernatürliche so fest zum Alltag der Menschen, dass sie Mühe haben, uns Westler samt unserem kritischen Rationalismus zu verstehen. Sie denken, wir atheistisierenden Skeptiker sind spirituell behindert. Sie halten Atheisten sogar für moralisch und intellektuell minderwertig. Eine erfolgreiche Säkularisierung setzt die religionsdistanzierte, von Skeptizismus und Absolutsetzung der menschlichen Ratio geprägte Mentalität des Westens voraus. Da diese aus globaler Perspektive gesehen eher eine Ausnahmeerscheinung ist, kann sich Säkularisierung weltweit nicht durchsetzen. Im Gegenteil! Sie bleibt eine Sonderform, Religion aber boomt.