Читать книгу Kurzwortbildung im Deutschen und Schwedischen - Barbara Lux - Страница 11
2.2.1.2 Lautinitialwörter
ОглавлениеDie Bildungsweise von Lautinitialwörtern ist identisch mit der von Buchstabierwörtern; die beiden Typen unterscheiden sich lediglich in der Aussprache. Lautinitialwörter werden als phonetisch gebundene Wörter ausgesprochen. Auch dieser Typ kommt in beiden Sprachen vor, er ist allerdings deutlich seltener als die häufigen Buchstabierwörter, da seine Bildung sehr viel stärkeren Restriktionen unterliegt. Während innerhalb eines Buchstabierworts im Grunde alle Buchstabenkombinationen möglich sind, müssen bei der Bildung eines Lautinitialworts die Initialen der Vollform so gewählt werden, dass sie ein in der jeweiligen Sprache aussprechbares und phonologisch wohlgeformtes Wort ergeben. Tabelle 4 enthält Beispiele für propriale und appellativische deutsche und schwedische Lautinitialwörter.
deutsche Lautinitialwörter | schwedische Lautinitialwörter |
APO < außerparlamentarische Opposition | Bris < Barnens rätt i samhället ‚schwed. Kinderschutzorganisation‘ |
Bams < Bild am Sonntag | Sifo < Svenska Institutet för opinionsundersökningar ‚schwed. Meinungsforschungsinstitut‘ |
GAU < größter anzunehmender Unfall | FoU < forskning och utveckling ‚Forschung und Entwicklung‘ |
Ufo < unbekanntes Flugobjekt1 | vab < vård av sjukt barn ‚Freistellung von der Arbeit zur Pflege eines kranken Kindes‘ |
Tabelle 4: deutsche und schwedische Lautinitialwörter
In einigen Fällen wird nicht nur ein Anfangsbuchstabe, sondern ein etwas größerer Teil der Vollform übernommen. So wird etwa bei dt. AStA < Allgemeiner Studentenausschuss die silbeninitiale Konsonantenverbindung <st> übernommen.2 Dadurch bleibt der Zusammenhang zur Vollform besser erhalten, was bei der schriftlichen Kommunikation dem Leser die Verarbeitung erleichtert. Bei Belegen wie DEFA < Deutsche Film-AG wird neben reinen Initialen auch eine initiale Verbindung aus zwei Graphemen in die Kurzform übernommen, um deren Aussprechbarkeit als Lautinitialwort zu gewährleisten.3 Einen Sonderfall stellt der deutsche Beleg Dax < Deutscher Aktienindex dar. Hier gehen die Initialen der ersten beiden Morpheme der Vollform in das Kurzwort ein; statt der dritten Initiale enthält die Kurzform jedoch das finale Graphem <x>. Dadurch erhält das Lautinitialwort eine geschlossene statt eine offene Silbe. Es ist jedoch anzunehmen, dass in erster Linie die prägnantere Gestaltung des Schriftbilds ausschlaggebend für diese Bildungsweise war. Möglicherweise soll <x> Technik und Fortschritt evozieren.
Im Schwedischen werden Lautinitialwörter in der Regel wie auch Buchstabierwörter „initialord/initialförkortningar“4 oder „akronymer“5 genannt. Meist wird begrifflich nicht zwischen Buchstabierwörtern und Lautinitialwörtern differenziert. Interessanterweise spricht Laurén (1972:7) für das Schwedische nur bei Lautinitialwörtern von Akronymen: „akronymerna, dvs. initialord, där bokstavsföljden kan läsas som ett ord“6 und betont: „Man bör ytterligare observera att akronymer egentligen inte är liktydigt med initialord, utan endast en underavdelning av dem.“7 (3) Lauréns Kategorisierung dieser Kurzworttypen ist damit genau gegensätzlich zu der in dieser Arbeit vorgenommenen. Während bei ihm ein Akronym ein Untertyp eines Initialworts ist, ist in dieser Arbeit Akronym der Oberbegriff, unter dem verschiedene Arten von Initialwörtern zusammengefasst werden.
Durch die gebundene Aussprache beansprucht im Gegensatz zu den Buchstabierwörtern nicht jede aus der Vollform entnommene Initiale eine eigene Silbe, sodass hier Kurzwortbildungen mit einer geringeren Silbenzahl als im Fall der Buchstabierwörter entstehen. So sind auch einsilbige Lautinitialwörter möglich, während es zumindest im Deutschen keine einsilbigen Buchstabierwörter gibt, die aus nur einer Initiale bestehen müssten. Diese sind im Schwedischen belegt, aber auf die Parteinamen beschränkt (siehe dazu Kapitel 4.1.2). Bei einigen deutschen Kurzwörtern ist eine alternative Aussprache als Buchstabierwort oder als Lautinitialwort möglich, beispielsweise bei RAF < Rote Armee Fraktion oder FAZ < Frankfurter Allgemeine Zeitung. Für das Schwedische sind mir keine derartigen Beispiele bekannt.
Durch den Typ der Lautinitialwörter können beabsichtigt oder unbeabsichtigt Homonymien zu Lexemen des Normalwortschatzes entstehen, so beispielsweise dt. ERNA < Eigene Rufnummer-Ansage, was gerade bei Produkt- und Unternehmensnamen ein gern genutztes Mittel ist.