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KOMMUNIKATION IM BODEN

DARUM GEHT ES

Unbemerkt von menschlichen Sinneswahrnehmungen findet im Boden eine stille Kommunikation zwischen Pflanzen und Mikroorganismen statt. Die »Wörter« bestehen aus chemischen Substanzen.


Das Myzel der Pilze verbindet Wurzeln. Es breitet sich viel schneller und weiter im Boden aus als das Pflanzen-Wurzelwerk.

Bakterien und pilzliche Mikroorganismen leben in der Rhizosphäre der Pflanzenwurzeln. In den aktiven Wurzelbereichen etwa in den ultrafeinen Wurzelspitzen, kommunizieren sie miteinander auf chemischem Weg. Dabei setzen die Wurzeln bestimmte organische Säuren, Aminosäuren, Zucker, Vitamine und andere Substanzen frei, mit denen sie verschiedene Mikroorganismen gezielt anlocken, um sich miteinander über das Vorhandensein von verschiedenen Nährelementen auszutauschen: Die Wurzeln geben dabei eindeutige Signale, welche Nährstoffe sie jetzt benötigen, und im Gegenzug bereiten die Mikroorganismen diese pflanzenverfügbar auf. Diese Kommunikation und diese Prozesse laufen in einem gesunden Boden ab, in dem organische Reste ganz natürlich verfügbar sind. Dieses Millionen Jahre alte Zusammenspiel kann aber nicht mehr funktionieren, wenn alle verwelkten und abgestorbenen Pflanzenreste beseitigt werden und an ihrer Stelle als Ersatz mineralischer Fertigdünger ausgebracht wird – mit wechselseitigem Schaden. Denn wenn auf diese Weise die Mikroorganismen »wegrationalisiert« werden, weil sie zur Nährstoffversorgung anscheinend nicht mehr gebraucht werden, sind sie auch nicht mehr vorhanden, um die Gesundheit der Pflanzen zu schützen.


Um wachsen zu können, ist für die Pflanzen die Aufnahme von pflanzenverfügbarem Stickstoff unerlässlich.


Kalium härtet Pflanzen ab und macht sie kälteresistent. Enthält der Boden zu viel Nitrat, können sie kein Kalium aufnehmen.

Versorgung nach Bedarf

Dadurch, dass die Pflanzenwurzeln durch chemische Botenstoffe, die sogenannten Exsudate, den winzigen Bodenbewohnern mitteilen, was sie gerade brauchen, können die Pflanzen ihren Bedarf genau steuern. Im Frühjahr etwa, wenn es darum geht, zu wachsen, werden sie so ganz natürlich mit wachstumsfördernden Stickstoffverbindungen versorgt, die dann aufgearbeitet werden. Im Herbst dagegen ist, um Schäden durch Kälte und Frost vorzubeugen, der Bedarf an Kaliumsalzen größer. Nun brauchen die Pflanzen keinen Stickstoff mehr, im Gegenteil. Jetzt würde Stickstoff die Pflanzen frostempfindlich machen, weil sie durch ihn zu stark wachsen und weiches Gewebe bilden.

Weil die Exsudate die Lebensbedingungen für die Bodenmikroben in den wurzelnahen Bereichen verändern, etwa durch die Veränderung des pH-Werts, beeinflussen die Pflanzen, in welchem Ausmaß organische Reste und Bodenmineralien von den Mikroorganismen abgebaut und umgesetzt werden. So ruht in einem gesunden Boden im Herbst die Bereitstellung von pflanzenverfügbaren Stickstoffverbindungen. Der Stickstoff bleibt an organischen Substanzen gebunden und wird nicht pflanzenverfügbar freigesetzt. Das kommt nicht nur den Pflanzen zugute, sondern auch dem Grundwasser: Wo es keine freien Stickstoffverbindungen gibt, können diese auch nicht ins Grundwasser gelangen.

In dieses sehr komplexe, dynamische Zusammenspiel zwischen Pflanzenwurzeln und Bodenmikroben bekommen wir erst langsam Einblicke. Doch das, was wir jetzt schon wissen, zeigt ganz deutlich: Boden, Mikroorganismen und Pflanzenwurzeln bilden ein inniges Netzwerk, das zum Wohle aller Beteiligten bestens funktioniert – im gesunden Boden.

Jede Blüte zählt!

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