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DER WENDEPUNKT: SYNTHETISCHE DÜNGER

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Mitte des 20. Jahrhunderts gelang die Herstellung von synthetischen Mineraldüngern zu erschwinglichen Preisen. Von diesem Zeitpunkt an eroberten sie nicht nur die Felder und Grünland, sondern auch die Privatgärten. So wurde und wird der Boden mit Stickstoffsalzen, die im Boden zu Ionen zerfallen, gleichsam überschwemmt. Das steigert zwar den Ertrag, hat aber negative Folgen. Auf den landwirtschaftlichen Flächen, aber auch in Gärten werden durch die Überdüngung Wildpflanzen verdrängt, die nicht mit hohen Stickstoffmengen klarkommen. Auf der anderen Seite werden mit Stickstoff überdüngte Gartenpflanzen anfällig für Schädlinge und Krankheiten, was meist zum Griff nach Pflanzenschutzmitteln führt. Außerdem werden nur 30–50 % des Stickstoffs in Kunstdüngern von den Pflanzen aufgenommen. Der Überschuss gelangt ins Grundwasser und reichert sich dort sowie im Boden in Form schädlicher Nitrate an.

Zusätzlich zu mineralischen Düngesalzen landet jede Menge Gülle auf Feldern und Wiesen (vornehmlich im Winter, obwohl dann die Bodenorganismen ruhen) und mit jedem Regen gelangen zusätzlich Stickstoffverbindungen aus den Abgasen von Heizungen und Motoren aus der Luft in die Böden. Diese Luftdüngung ist messbar: Heutzutage sind Waldböden so stickstoffreich wie die Ackerböden in den 1950er-Jahren. Diese Luftdüngung wirkt sich auch auf Ihren Gartenboden aus.

Stickstoff in der Natur

Natürlicherweise kommt Stickstoff in vielen Böden nur in geringer Menge vor. Vor allen Dingen sandige und moorige Böden enthalten nur wenig Stickstoff. Aus diesem Grund haben manche Pflanzen Strategien entwickelt, wie sie an mehr Stickstoff gelangen können: Die Hülsenfrüchtler (Leguminosen) etwa sind in ihren Wurzelknöllchen eine Symbiose mit Bakterien eingegangen, die den Stickstoff aus der Luft binden und für Pflanzen verfügbar machen. Fleischfressende Pflanzen wie Sonnentau oder Venusfliegenfalle wiederum haben eiweißreiche Insekten als Stickstoffquelle entdeckt, die sie mit verschiedenen Fangmechanismen erbeuten.

An die Stickstoffarmut der meisten Böden sind die Pflanzen also angepasst. Das können Sie auch leicht sehen: Die artenreichsten Wiesen mit beliebten Blumen gedeihen auf mageren Böden. Doch solche Böden sind heute selten geworden. Die meisten Böden sind durch menschliches Tun überreich an Stickstoff – mit den bekannten negativen Folgen.

Überdüngung trägt zum Insektensterben bei

Zu stark gedüngte Pflanzen sind für Insekten ungenießbar: Nachweislich bekommen Raupen Durchfall, wenn sie Blätter von Pflanzen auf stark gedüngten Böden fressen. Das können Sie beobachten: Auf Brennnesselblättern, die an Stellen wachsen, an denen viel uriniert wird, finden Sie keine Raupen von Tagpfauenauge, Kleinem Fuchs und anderen Brennnesseln fressenden Arten.


Die Luzerne oder Alfalfa ist nicht nur wichtiges Viehfutter, sondern auch eine wertvolle Gründüngungspflanze.

Jede Blüte zählt!

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