Читать книгу Das Antikrebs-Buch - David Servan-Schreiber - Страница 30
Teil 3
Die Nachschublinien des Tumors kappen Wie Schukows Sieg in Stalingrad
ОглавлениеIm Kampf gegen den Krebs werden zur Beschreibung oft militärische Metaphern bemüht. Und dabei erscheint mir keine geeigneter als die größte Schlacht, die im Zweiten Weltkrieg auf europäischem Boden stattfand.
Ich spreche vom August 1942. In der Umgebung von Stalingrad zieht Hitler an den Ufern der Wolga eine riesige Streitmacht zusammen. Ihr gegenüber stehen eine erschöpfte und schlecht ausgerüstete sowjetische Armee und die Einwohner der Stadt, die ihr Land, ihre Heimat und ihre Familien verteidigen wollen. In einer Schlacht von unvorstellbarer Härte halten die russischen Streitkräfte, unterstützt von Zivilisten, den Herbst über stand. Trotz ihres Heldenmuts sind sie eindeutig unterlegen. Der Sieg der Nazis scheint nur noch eine Frage der Zeit. Da entscheidet sich Marschall Georgi Schukow für eine völlig andere Taktik: Anstatt den frontalen Angriff fortzusetzen, der keine Hoffnung auf den Sieg bietet, verteilt er die Überreste seiner Truppen hinter den Linien in dem von den Deutschen besetzten Gebiet. Dort sind die Einheiten stationiert, die den Nachschub der deutschen Truppen sichern sollen. Die rumänischen und italienischen Soldaten sind nicht so diszipliniert und kampflustig wie die Deutschen und leisten nicht lange Widerstand. Binnen weniger Tage kann Schukow den scheinbar unvermeidlichen Verlauf der Schlacht um Stalingrad ändern. Nachdem die Nachschublinien gekappt sind, ist die 6. Armee unter General Paulus nicht mehr in der Lage zu kämpfen und muss schließlich kapitulieren. Im Februar 1943 wird der deutsche Vormarsch endgültig aufgehalten.
Stalingrad stellt einen wichtigen Wendepunkt in der Geschichte des Zweiten Weltkriegs dar. Von da ab musste sich das nationalsozialistische Krebsgeschwür zurückziehen, das sich in ganz Europa ausgebreitet hatte.45
Soldaten wissen um die strategische Bedeutung der Nachschublinien für die Front. Die Anwendung dieses Ansatzes in der Krebsbehandlung wurde jedoch von vielen Forschern lange als absurd betrachtet. Vielleicht war es daher kein Zufall, dass die Idee dazu ausgerechnet von einem Militärarzt kam.