Читать книгу Die kälteste Stunde - Dirk Rühmann - Страница 5
Kapitel 1
ОглавлениеEin gellender Schrei durchschnitt die Abendruhe und schreckte zwei ältere Eheleute auf, die sich auf dem Nachhauseweg befanden. Die Herrschaften blieben stehen und sahen angsterfüllt in alle Himmelsrichtungen. Sie hielten inne und warteten kurz. Dann trieb sie die eisige Kälte weiter vorwärts.
Da sie nichts vernahmen, maßen sie der Angelegenheit keine besondere Bedeutung bei. Die Straßenlaternen, eher Funzeln, wiesen ihnen den Weg bis zur Hauptstraße. Als sie sie erreicht hatten und überqueren wollten, hörten die beiden das Aufheulen eines Motors und quietschende Reifen.
Das Ehepaar blieb vorsichtshalber auf dem Fußweg stehen. Nur einen Moment später raste ein Wagen mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit an den beiden vorbei. Sie meinten, am Kennzeichen des Fahrzeugs ein M für München erkannt zu haben, konnten sich aber ebenso gut in der Dunkelheit auch geirrt haben. Außerdem waren nur Bruchteile von Sekunden vergangen, in denen sie fast nichts hatten erkennen können. Schnell entschwand das Fahrzeug über die Hauptstraße hinter der lang gezogenen Kurve ihren Blicken. Sie schimpften wie die Rohrspatzen, setzten dann aber ihren Nachhauseweg unvermindert fort.
Unterwegs stellten die Eheleute Vermutungen über das Erlebte an. Den Autofahrer hielten sie für betrunken und der seltsame Schrei mochte gleichsam von einem Betrunkenen ausgestoßen worden sein. Dass beides möglicherweise unmittelbar miteinander zusammenhängen und dass sie vielleicht Zeugen eines abscheulichen Verbrechens geworden sein könnten, daran verschwendeten sie keinen einzigen Gedanken. Warum auch?
Nachdem sie die Haustür hinter sich verschlossen hatten, war für sie der Frieden des Harzdörfchens Leuterspring wieder hergestellt. Es ereignete sich nichts weiter in dieser Nacht, sodass die Eheleute schnell in den Schlaf fanden und die Ereignisse des Abends einfach wieder vergaßen.