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Das Auge des Sturms
ОглавлениеUm uns aus dem Sturm heraus und in das Auge des Sturms zu begeben, wo der Geist freudig engagiert und in Frieden ist, braucht es eine einfache, aber wesentliche Verlagerung der Geisteshaltung, die jedermann herbeiführen kann. Wenn wir diese Verlagerung aufrechterhalten, beginnt unser Gehirn zu funktionieren, wie es von der Natur vorgesehen war. Die Gammawellenaktivität, Anzeichen für einen klareren Geist, nimmt ständig zu. Die Gefühle beginnen in Einklang mit der Vernunft zu wirken, statt unseren Geist zu entführen. Wir aktivieren neuronale Schaltkreise, die uns liebevoller und einfühlsamer machen. Dadurch nimmt unser Vermögen zu, zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen, und es wird eine optimistische und konstruktive Beziehung zur Welt gefördert. Homöostase greift Platz und stellt somit eine Körper-Geist-Beziehung sicher, die zu optimaler Gesundheit führt. Wir verwirklichen, kurz gesagt, mehr von unserem angeborenen Potenzial zu Höchstleistungen, zur Schaffung erfüllender Beziehungen und zur Verwirklichung eines langen und gesunden Lebens – das alles durch eine einzige, aber wesentliche Verlagerung der Geisteshaltung. Das ist, als fingen wir drei exotische Vögel mit einem Netz. Ich nenne das den neurokompetitiven Vorteil.
Die Verlagerung der Geisteshaltung in das Auge des Sturms ist der psychische Sprung von der Angst zum Frieden. Es gibt keinen größeren Gewinn für die Gehirnfunktion und die Gehirnchemie als diese Verlagerung. Manche Menschen glauben, Friede bedeute eine Loslösung von der Welt, die uns unseren Biss verlieren und passiv sowie unmotiviert werden lässt. In Wirklichkeit ist Friede ein dynamischer Seinszustand, der neurologische Kraft hervorbringt. Friede ist ein furchtloser Umgang mit der Welt, was wiederum eine Vorbedingung für Höchstleistung, konstruktive Beziehungen und optimales Wohlergehen ist.
GEISTESHALTUNG IST NEUROPLASTISCH, SIE FÜHRT ZU EINER NEUEN VERNETZUNG DES GEHIRNS, WELCHE DIE ERFAHRUNGSWEISE, DIE EINE NEUE GEISTESHALTUNG MIT SICH BRINGT, AUFRECHTERHÄLT.
Der Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi von der Universität Chicago hat über Jahrzehnte bahnbrechende Forschungen auf dem Gebiet der menschlichen Leistungsfähigkeit durchgeführt. Er stellte fest, dass es eine direkte Korrelation zwischen Spitzenleistungen und einem Bewusstseinszustand, den er Flow nannte, gibt.16 Er fand diesen Zustand des Flow bei Kletterern, Tänzern, Schachspielern, Sportlern, Künstlern, Managern, Bauern, Fischern und Hausfrauen. Kurz gesagt: Flow kann bei jeglicher Aktivität auftreten, in der man etwas Besonderes leisten will. Diese „besten Momente“, wie er sie nannte, „treten gewöhnlich dann auf, wenn ein Mensch an seine körperlichen und geistigen Grenzen geht, um in einer willentlichen Anstrengung etwas Schwieriges oder Lohnendes zur erreichen“.17 Diese Erfahrung von Grenzbereichen wird nicht als Stress empfunden. Es ist vielmehr eine auf dynamische Weise freudige und friedvolle Geisteshaltung, welche zu einer Flow-Erfahrung führt. Darin wird Anstrengung transzendiert und das hervorgebracht, was Csikszentmihalyi „Zustände psychischer Negentropie“18 nennt, die sich in dem manifestieren, was wir gerade tun. In diesem Zustand sind die Ergebnisse mit großer Wahrscheinlichkeit produktiv und gehen mit einer innerlich befriedigenden Erfahrung der Arbeit oder des Lebens einher. Das genaue Gegenteil des Flow ist ein „Zustand psychischer Entropie“, der von Angst erzeugt wird. Psychische Entropie ist eingeschränktes mentales Leistungsvermögen. Sie ist ein Zusammenbruch emotionaler Stabilität und Widerstandskraft, ein ausgelaugter Körper ohne physische Kraft. Psychische Entropie bedeutet ein Gehirn unter Stress, welches nicht in der Lage ist, den Flow der Spitzenleistung aufrechtzuerhalten.