Читать книгу Einführung in die Varietätenlinguistik - Ekkehard Felder - Страница 12
Relevante Phänomene auf der Textebene
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„Sitzen ein alter Bayer mit landestypischer Tracht und ein junger Preuße mit Anzug und Krawatte im Zugabteil. Schaut der Bayer unentwegt auf sein Smartphone und liest dem Berliner in bemühtem Hochdeutsch vor: …“ Diese aneinandergereihten Sätze können wir als einen Textanfang etikettieren. Warum eigentlich? Zum einen erinnert die Satzfolge an eine bestimmte Form von Texten (Textsorten), nämlich an einen Witz. Schon der Eröffnungssatz ist derart spezifisch und wirkt auf uns auffällig (markiert), so dass wir die Textsorte unmittelbar identifizieren. Im weiteren Textverlauf weiß man spätestens nach der Pointe, dass es sich um einen Witz handelt – oder falls die Art des Witzes dem eigenen Humor nicht entsprechen sollte – um einen Witz handeln soll. Wir halten also fest: Selbst wenn der Text die erwünschte Wirkung (den perlokutionären Effekt) nicht erzielt, wird er dennoch als Witz erkannt. Das spricht für sprachliche Besonderheiten auf der Textebene. Folgende weitere Kategorien sind damit für unsere varietätenlinguistischen Einordnungsversuche von Bedeutung: Textsortencharakteristika, Gruppenzugehörigkeit versus Gruppenabgrenzungsbedürfnis als soziokulturelle Stereotype der Textsorte Witz, Identität, Herkunft, Erwartungshaltung usw.