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4. Dimension: Diachrone Entwicklung und synchrone Einordnung

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Welcher der historischen Zeitstufen (Alt-, Mittel-, Frühneuhochdeutsch, Neuhochdeutsch, Spätneuhochdeutsch) lässt sich die Interaktion zuordnen, und welche feineren historischen Bestimmungsfaktoren können benannt werden? Diese Frage erfasst die jeweilige Zeitstufe oder Sprachentwicklungen vom Alt- bis zum Neuhochdeutschen (z.B. bruoh, bruoch, bruch, Hose) und charakterisiert die zeithistorischen Einflussfaktoren.

Bezeichnung von Varietäten

Mit der Einordnung der sprachlichen Erscheinungsform geht auch die Vergabe einer Bezeichnung einher, die man der analysierten Varietät verleiht. Folgende prototypische Exempel seien dabei zur Illustrierung angeführt: Ein Alltagsgespräch in Mundart (Beispiel 1), ein Fachbuch für Fachleute im Bereich Steuerrecht (Beispiel 2) und eine multimediale Infotainment-Show im Küstenmuseum einer ostfriesischen Insel (mit den Themen Geomorphologie der südlichen Nordsee, Warftenkultur, Sturmfluten/Deichbau/Küstenschutz, Inselgeschichte, Seebädergeschichte, Schifffahrt/Seezeichen, Fischerei, Seenot/ Strandung/Rettung sowie Erdöl- und Gasgewinnung in der Nordsee), das sich in leicht regionaler Sprachfärbung (Hundt 1992 spricht von „dialektal gefärbter Standardsprache“) an alle deutschsprachigen Touristen der ostfriesischen Ferieninsel richtet (Beispiel 3). Damit sei hier nur die Art und Weise angedeutet, wie Varietäten bezeichnet werden können (im weiteren Buch wird dies ausführlich erklärt).

Tabelle: Beispiele für die Varietäten-Benennung

Bezeichnunsmuster: Attribut 1 Attribut 2 Substantiv Attribut 3 (postnominal)
Beispiel 1: Gesprochene dialektale Alltagssprache des Nhd.
Beispiel 2: Geschriebene standardlektale Fachsprache des Nhd.
Beispiel 3: Multimediale regiolektale Vermittlungssprache des Nhd.
Bezug zum Vier-Dimensionen-Modell 3. Dimension: Welches Medium? 1. Dimension: Wie weit reichen die Ausdrücke? 2. Dimension: Welche Semantik ist relevant? 4. Dimension: Welche historische Zeitstufe?
Bezeichnungsmöglichkeiten des Modells Geschriebene/ Gesprochene/ multimediale standardlektale/ regiolektale/ dialektale Fachsprache/ Vermittlungs-/ Alltagssprache des Ahd./ Mhd./ Fnhd./ Nhd.

Soziale Differenzierung

Diese vier Beschreibungsdimensionen mit differenzierteren Kriterien werden im Folgenden zur Erklärung und Bestimmung von Varianten und Varietäten herangezogen. Man muss sich dabei immer im Klaren sein, dass die linguistische Differenzierung der Einzelsprache eng verknüpft ist mit der sozialen Differenzierung der Gesellschaft und der in ihr üblichen (privaten, offiziellen, öffentlichen, virtuellen usw.) Situationskontexte. Dies ist der Hintergrund für den abstrakt anmutenden Gedanken, dass wir Menschen als sprechende Akteure in der Kommunikation sozio-kulturelle Praktiken vollziehen, die wir zuvor in ähnlicher Form erlebt haben. Bevor die Verschränkung von linguistischer und sozialer Differenzierung in einer Sprachkultur genauer erklärt wird, gilt es im folgenden Kapitel, die Relevanz zentraler Fachtermini (Schlüsselwörter der Varietätenlinguistik) zu erläutern. Dabei ist zu bedenken: Varietätenlinguistik reagiert auf sprachliche Heterogenität mit erklärenden Homogenitätsannahmen. Varietätenlinguistische Modelle wollen die sprachliche Vielfalt geordnet darstellen und interne Relationen und Wechselwirkungen aufzeigen.

Auf einen Blick

1. Grenzen Sie die Ausdrücke Variation, Variante, Variable und Varietät voneinander ab.

2. Wie kann man sich das Verhältnis von Gesamtsprache zu Subsprachen vorstellen?

3. Beschreiben Sie den kleinen Unterschied zwischen Varietäten- und Soziolinguistik.

4. Welche vier Dimensionen sind für die Beschreibung systematisch vorkommender Merkmalbündel von Sprachvarianten (= Varietäten) zu unterscheiden?

Einführung in die Varietätenlinguistik

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