Читать книгу Raumschiff Prokyon Band 1-18: Die ganze Serie - Harvey Patton - Страница 51
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ОглавлениеAugenblicklich war alles andere vergessen. Die Crew drängte sich hinter Orvids Sitz, die Beleuchtung wurde auf ein Minimum reduziert, um eine bessere Beobachtung der Bildschirme zu ermöglichen.
Vielfach vergrößert stand im Mittelpunkt der Schirme ein immer greller aufleuchtendes Phänomen. Es unterschied sich von dem ruhigen Licht der Hintergrundsterne durch seine stechend bläuliche Färbung, und auch seine Ausmaße nahmen rasch zu. Schließlich wurde eine umfangreiche Spirale aus ultrahellem Licht daraus, die in atemberaubender Geschwindigkeit um eine imaginäre Achse zu rotieren schien.
»Einen Moment, Taff!«, sagte Min Jian-Ksu scharf.
Caine löste seinen Blick nur widerwillig von dem faszinierenden Bild dieser Erscheinung. »Ich höre«, knurrte er missmutig.
»Sollten wir diese Gelegenheit nicht ausnutzen, um das Tor in umgekehrter Richtung zu durchmessen?«, fragte er drängend. »Dies ist eine für uns vielleicht einmalige Chance, Taff! Später können wir immer noch hierher zurückkehren, mit allen dreißig Schiffen, um die Rätsel des Sternhaufens zu lösen und Alexandros Demosthenes zu helfen.«
Der Oberst lächelte humorlos.
»Wie stellen Sie sich die praktische Ausführung dieses Vorhabens vor? Dieses Gebilde ist nicht nur mindestens ein paar Lichtstunden entfernt, sondern vermutlich auch sehr kurzlebig, wie wir bereits erfahren haben. Wir können es beim besten Willen nicht mehr rechtzeitig erreichen.«
Min Jian-Ksu winkte resigniert ab und bemerkte: »Gut, dann vergessen Sie es wieder.«
Caine wandte sich wieder den Bildschirmen zu. Die Lichtspirale darauf hatte ihren scheinbaren, visuellen Umfang inzwischen um ein Mehrfaches vergrößert. Ihre Strahlen blendeten das Auge trotz der regulierend einspringenden Dunkelfilter fast bis zur Unerträglichkeit.
»Alexandros’ Kristall!«, sagte Mitani plötzlich und krallte ihre Hand in den Oberarm des Commanders. »Er hat gleichfalls zu leuchten begonnen und pulsiert im gleichen Rhythmus, Taff! Vielleicht geschieht da vorn doch mehr, als wir erwarten?«
»Das wäre schön, Mädchen«, entgegnete Taff, ohne jedoch seinen Blick vom Bildschirm zu lösen. »Zu schön, um wahr zu sein, vermute ich, wahrscheinlich nur eine Sekundärerscheinung, die uns nichts bringt.«
Er behielt wieder einmal Recht, wie fast immer.
Schon wenige Sekunden später erschien im Mittelpunkt der Lichtspirale ein zuerst nur kleiner, dann immer auffälliger werdender dunkler Punkt. Er vergrößerte sich rasch weiter und absorbierte einen großen Teil des Leuchtens, das von dem irrsinnig schnell rotierenden Gebilde ausging.
Bald schon war der dunkle Punkt soweit angewachsen, dass er auf den Schirmen konkrete Formen annahm. Es waren die eines Diskusraumschiffs vom PROKYON-Typ, das aus dem »schimmernden Tor« herausgeschossen kam. Dieses verblasste nun rasch, und schon nach wenigen Sekunden war die Lichtspirale erloschen.
»Das war’s, Leute«, sagte Caine und registrierte mit einem raschen Blick, dass der Kristall, der auf unbegreifliche Weise die Wesenheit von Alexandros Demosthenes enthielt, ebenfalls wieder dunkel geworden war. »Dorit, versuche bitte, Verbindung zu dem Schiff zu bekommen.«
Min Jian-Ksu sah pessimistisch auf die Umrisse des anderen Raumers, die sich zwischen dem Rasternetz des Hyperortungsschirmes abzeichneten. »Sie meinen, dass dies tatsächlich der Space-Computer ist?«, fragte er unsicher. »Es könnte sich schließlich auch um eins der anderen Schiffe handeln, die bei Alpha 2 versammelt waren.«
Taff schüttelte den Kopf. »Sehr unwahrscheinlich, Min. Schließlich haben Sie selbst den Kommandanten des Verbandes den Befehl gegeben, dieser Sonne fernzubleiben, und daran werden sie sich auch jetzt noch halten. Nur Giacomo Inaudi als selbständige Einheit brauchte nicht danach zu handeln, sondern konnte im Rahmen der ihm von TAC gegebenen Direktiven vorgehen.«
»Kontakt, Taff!«, rief Dorit Grenelle da bereits aus. »Der Raumer hat sich als der Space-Computer identifiziert und teilt mit, dass er mit voller Beschleunigung auf uns zukommt.«
Mitani und Taff eilten zum Funkpult hinüber, und Luca lachte triumphierend auf. »Na, habe ich es nicht vorhergesagt? Komm, Orvid, wir können schon einmal eine Zusammenstellung der wichtigsten Daten vornehmen, die wir Giacomo später überspielen werden. Seine Kapazität ist wesentlich größer als die unseres Rechners, er wird uns eine Menge an zusätzlichen Auskünften geben können.«
Auf Toburu-Chan und seinen Kybernetiker achtete im Moment niemand. Rhegos Kytall sah seinen Regierungschef an und schüttelte halb konsterniert, halb bewundernd den Kopf. Er hatte sich noch immer nicht recht an die Formlosigkeit gewöhnen können, mit der die Mitglieder der PROKYON-Crew handelten, unter völliger Missachtung allen Reglements.
Toburu verstand ihn und sagte leise: »Das ist es, was die Überlegenheit dieser Terraner uns gegenüber ausmacht, Kytall! Sie sind ausgesprochene Individualisten, handeln doch aber stets so, dass dabei ein Höchstmaß an Effektivität herauskommt. Ihre ungeheure Flexibilität ist eine der Hauptursachen für ihre Erfolge.«
»Sie sagen es sehr treffend, Shogun«, meinte Min, der mitgehört hatte und sich zu den beiden gesellte. »Ehrlich gesagt, zuweilen sind mir Taff und seine Leute fast unheimlich, obwohl ich sie nun doch schon eine ganze Weile kenne. Es wäre auch ein Unding, sie irgendwie ändern zu wollen, denn eine gezähmte PROKYON-Crew wäre kaum noch die Hälfte wert.«
Indessen sah Caine aufmerksam auf den Korrespondenzschirm, auf dem das Erkennungssignal des Space-Computers – eine modifizierte Version des TAC-Emblems – zu sehen war. Darunter zogen in rascher Folge Schriftzeichen über den Schirm hinweg.
-- giacomo inaudi an raumschiff prokyon: behalten sie bitte ihre gegenwärtige position ein, damit bei der annäherung kein zeitverlust entsteht – eintreffen bei ihrem schiff in zwanzig minuten und vierzehn sekunden – frage: werden irgendwelche auskünfte gewünscht – ende –
Taff beugte sich über die Sprechrillen des Funkmikrophons und sagte langsam und akzentuiert: »Kommandant der PROKYON an Space-Computer: Erbitte einen Bericht über die Lage im Bereich des Sonnensystems Alpha-Canum-Venaticorum zur Zeit deines Abflugs. Hat es dort noch weitere besondere Vorkommnisse oder sonstige Veränderungen gegeben? Sind die Schiffe der Begleitflotte noch auf ihren Positionen und unversehrt? Ende.«
Die Antwort kam fast sofort.
-- lage im bereich alpha cvn bis dahin unverändert – nach wie vor starke schwankungen des magnetfelds der sonne alpha zwei – zu frage eins: keine besonderen vorkommnisse – lage insofern verändert, dass ich meine Position verlassen habe, um raumschiff prokyon zu folgen – zu frage zwei: begleitflotte befand sich noch an ihren standorten, keine beschädigungen an ihren schiffen – ende –
»Verstanden, Ende«, sagte Taff und atmete auf, während Dorit den Sender abschaltete. »Ein etwas umständliches Verfahren, diese Art von Kommunikation, wir werden uns etwas einfallen lassen müssen, um sie zügiger zu gestalten. Das wird deine Sache sein, Computerbändiger, strenge deine spärlichen grauen Zellen entsprechend an.«
Er begab sich zu Min und den Nimboiden und informierte sie. Dann warteten alle, bis knapp zwanzig Minuten später der Diskus die PROKYON X erreicht hatte und auf Parallelkurs gegangen war.
*
Die beiden Raumer trieben im freien Fall nebeneinander dahin, nur etwa hundert Meter voneinander entfernt. Rein optisch gesehen, schien nichts zu geschehen, aber dieser Eindruck täuschte.
Zwischen dem Bordcomputer der PROKYON und Giacomo Inaudi ging auf dem Funkwege ein ständiger Datenfluss hin und her. In jeder Sekunde erreichten den Space-Computer Tausende von Bits, wurden empfangen und koordiniert, integriert und ausgewertet. Die beiden Rechner arbeiteten mit einer fabelhaften Geschwindigkeit.
Orvid Bashkiri hatte mit seinen Geräten den umliegenden Raum bis zu einer Entfernung von 47 Lichtjahren erkundet. Alles, was innerhalb dieser Zone den als normal geltenden Verhältnissen entsprach, hatte der Bordcomputer ohne Schwierigkeiten auswerten können. Für die an verschiedenen Orten auftretenden Anomalien hatte er jedoch keine Erklärung gewusst.
Ob der Space-Computer sie finden würde? Er war immerhin ein externes Element des Terrestrischen Computerzentrums und als solches besonders leistungsfähig.
Taff stellte Luca diese Frage, aber der Kybernetiker zuckte mit den Schultern.
»Woher soll ich das wissen, geschätzter Kommandant? Im Vergleich mit TAC ist unser Inaudi doch nur ein Zwerg, allerdings eigens für die Erforschung des Raumes konzipiert, wie schon der Name sagt.«
Caine grinste kurz. »Also auch eine Art von Fachidiot, und als solcher müsste er eigentlich ein unschlagbares Ass sein. Tue jedenfalls alles, um diesen Inaudi-Zwerg zu unterstützen – du weißt, was davon für uns abhängen kann!«
Dann war die Datenübermittlung beendet, und nun kamen die Rückfragen in reicher Zahl. Die meisten beantwortete der Bordcomputer direkt, zuweilen gab er aber auch rotes Licht. Dann mussten Luca und Rhegos Kytall, der ihm nun assistierte, einspringen. So kam es zu einigen Verzögerungen, und Taff trat ungeduldig von einem Fuß auf den anderen.
Mitani kam mit einer großen Kaffeetasse an und reichte sie ihm. Er hob sie, bemerkte den unverkennbaren Geruch des beigemengten Alkohols und lächelte flüchtig.
»Hoffentlich kommst du nicht auf die Idee, auch Min in dieser Weise zu versorgen, Mädchen!«, raunte er. »Er ist zwar kein Antialkoholiker, aber das könnte er uns doch übel nehmen.«
»Ich habe dies bedacht, mein Gebieter. Sei unbesorgt, der Große Weise Elefant wird keinen Anlass finden, seine Füße in unsere Nacken zu setzen, Taff.«
Dann waren endlich alle Schwierigkeiten ausgeräumt. Sämtliche Kontrollanzeigen des Bordrechners zeigten ein sattes Grün, und gleich darauf begann es in seinem Ausgabesektor zu rattern. Mit rasender Geschwindigkeit wurden die Endlosfolien bedruckt und ausgestoßen, der vom Space-Computer eingehende Informationsfluss schien kein Ende nehmen zu wollen.
So kam es jedenfalls den ungeduldig Wartenden vor, in Wirklichkeit dauerte dieser Vorgang nur eine knappe halbe Minute. Dann erhob sich Luca aus seinem Sitz und schwenkte ein Bündel abgetrennter Folien in der Hand.
»Geschafft, Taff!«, verkündete er lautstark. »Unser Mini-Inaudi hat all unsere Erwartungen übertroffen und alle Rätsel zur vollkommenen Zufriedenheit gelöst. Die nötigen Erläuterungen muss dir allerdings Orvid geben.«
Der kleine Astrogator nahm die Blätter und überflog sie schnell. Als er wieder aufsah, war sein Gesicht besorgt.
»Auch Giacomo Inaudi ist zu dem Schluss gelangt, dass wir uns hier im Sternenhaufen M 3 befinden müssen, Taff. Er gibt zwar noch einen Unsicherheitsfaktor von 2,973 Prozent dagegen an, aber das ist nur ein vernachlässigbarer statistischer Wert. Sehr interessant ist dafür, was er über die Anomalien in unserer Umgebung sagt, über die wir bisher keinen Aufschluss erlangen konnten. All jene Stellen, an denen die Impulse der Hyperortung sozusagen verschluckt werden, sollen Schwarze Löcher sein!«
»Das darf doch nicht wahr sein!«, entfuhr es dem Commander rau. »Schwarze Löcher oder Black Holes kommen doch nur sehr selten vor, vielleicht im Verhältnis 1 : 100 000 gegenüber Normalsternen. Weißt du auch, was du da behauptest, Orvid?«
»Nicht ich behaupte es, sondern Giacomo«, gab Bashkiri lakonisch zurück. »Er gibt auch eine durchaus plausible Erklärung dafür ab: Die Sonnen aller Kugelsternhaufen, die sich ja stets nur am Rand der Galaxis finden, müssen bereits entstanden sein, als unsere jetzige Milchstraße noch ein chaotisches Durcheinander von Gas- und Staubmassen war! Sie sind also erheblich älter als alle Sterne in dieser, und das hatte ich bereits zuvor festgestellt. Ein großer Teil von ihnen befindet sich auf dem absteigenden Ast. Es gibt hier unverhältnismäßig viele Zwergsterne, die nur noch kümmerliche Überreste von Sonnen sind, die das Novastadium längst hinter sich haben. Ist es da ein Wunder, wenn proportional dazu entsprechend viele Schwarze Löcher entstanden sind?«
»Das nun allerdings nicht«, gab Caine seufzend zu, denn auch er verstand weit mehr von Astronomie und Astrophysik, als jeder beliebige andere Schiffskommandant. »Im Endeffekt kommt es aber darauf hinaus, dass unser Schiff durch diese Gegebenheiten auf das Höchste gefährdet wird! Black Holes beeinflussen die Raumstruktur in weitem Umkreis; sie bilden Zentren von so ungeheurer Schwerkraft, dass selbst das Gefüge des Hyperraums davon angegriffen wird. Dagegen ist der Magnetstern Alpha Cvn ein lächerliches Nichts.«
»Da haben Sie uns ja etwas Schönes eingebrockt, Taff«, sagte Min Jian-Ksu mit finsterem Gesicht. »Ich hoffe, dass Sie nun wenigstens entsprechend vorsichtig sein werden, damit wir nicht in eines dieser Schwarzen Löcher fallen und darin hängen bleiben wie ein Käfer, der auf dem Rücken liegt.«
Sekundenlang war es still in der Schiffszentrale. In den Gesichtern der PROKYON-Crew zuckte es verdächtig, aber alle beherrschten sich, so gut es ging. Dafür platzte jedoch Toburu-Chan mit einem Gelächter heraus, das wie ein Ungewitter klang.
»Verzeihen Sie mir, Min!«, bat er dann. »Es gibt zuweilen Situationen, in denen es einem Mann wirklich schwerfällt, die Beherrschung zu wahren, und eine solche war eben gegeben. Ihre Auslegung der Gefahren der Schwarzen Löcher war von einer direkt umwerfenden Komik.«
»Ich akzeptiere«, sagte der Minister säuerlich, denn die Mienen der anderen bewiesen ihm, dass sie Toburus Auffassung teilten. »Ich habe zwar eine ganze Reihe verschiedener Fächer studiert, aber Astrophysik war leider nicht dabei. Habe ich wirklich etwas so Falsches gesagt?«
»Es lässt sich nicht leugnen, Meister der weisen Sprüche«, meinte Taff und wurde wieder ernst. »Ein Black Hole«, dozierte er, »ist ein Stern in seinem Endstadium, das sich an den eines Neutronensterns anschließt. Bei diesem haben die Atomkerne ihre sämtlichen Elektronen verloren, so dass sie dicht an dicht sitzen und ein Kubikzentimeter dieser hochkonzentrierten Masse Millionen von Tonnen wiegen kann. Unter bestimmten Umständen kommt es zu einer noch weitergehenden Kontraktion, die Schwerkraft dieses Gebildes wächst dann so sehr an, dass nicht die geringste Spur von Strahlung mehr emittiert wird. Wie ich vorhin schon sagte, beeinflusst das unfassbar starke Schwerefeld sogar die umgebende Raumstruktur und bildet so eine erstklassige Raumschiffsfalle. Würden wir in eine solche Zone geraten, würde es keiner von uns mehr richtig bemerken. Wir wären innerhalb von Sekundenbruchteilen so zusammengequetscht, dass die ganze PROKYON nicht einmal mehr den Durchmesser eines Staubkorns hätte!«
»Das wäre peinlich, in der Tat«, gab Min beeindruckt zu. »Doch ich bin davon überzeugt, dass Sie ein solches Vorkommnis werden zu vermeiden wissen. Schließlich kennen Sie ja jetzt die Orte, an denen die Schwerkrafttiger lauern.«
»Er kann es nicht lassen«, kommentierte Luca seufzend. »Taff, die Kommunikation mit Giacomo Inaudi ist vorläufig beendet. Hast du noch irgendwelche Fragen an ihn?«
»Im Augenblick nicht«, erwiderte Caine. »Nachdem nun alle Unklarheiten beseitigt sind, sollten wir daran gehen, diesen Sternhaufen zu erforschen, soweit das ohne größeres Risiko möglich ist. Hier irgendwo muss sich unser spezieller Freund Ashkar befinden – ihn müssen wir ausfindig machen, wenn Alexandros Demosthenes wieder zu einem wirklichen Dasein verholfen werden soll!«
Dorit Grenelle warf ihm einen dankbaren Blick zu, denn ihr war daran naturgemäß am meisten gelegen. Ihr ganzes Verhalten während der letzten Zeit hatte ihren Freunden bewiesen, dass ihre Zuneigung zu Demosthenes größer war, als sie bisher angenommen hatten. Das war für sie alle eine zusätzliche Motivation, jenes rätselhafte Wesen zu suchen, das nach seiner eigenen Aussage selbst den Einsatz der »Schwingen der Nacht« überdauert hatte, durch den einst das Kosmische Inferno ausgelöst wurde. Durch eine List hatte Alexandros es zuwege gebracht, dass er Kharto verlassen konnte und sich selbst in einen riesigen Kristall verwandelt hatte, der dann durch das »schimmernde Tor« verschwunden war. Ob er sich auch jetzt noch in dieser Zustandsform befand, war allerdings fraglich, denn seine übersinnlichen Fähigkeiten schienen fast unbegrenzt zu sein.
Der Commander machte Anstalten, sich in den Pilotensitz zu begeben, aber Min Jian-Ksu hob abwehrend die Hand.
»Nicht so voreilig, Taff! Mit zwei Schiffen können wir hier nicht sonderlich viel ausrichten, auch nicht mit dem bekannten Wagemut Ihrer Crew. Ich werde Ihrem Vorhaben erst dann zustimmen, wenn absolut sicher ist, dass keine weiteren Schiffe mehr aus dem System Alpha-Cvn hierher gelangen können.«
Caine nickte. »Das ist Ihr gutes Recht, geschätzter Minister der Verteidigung. Luca, richte also eine weitere Anfrage an den Space-Computer, diese 29 Schiffe betreffend.«
Die Antwort traf bereits nach wenigen Sekunden ein.
-- giacomo inaudi an raumschiff prokyon: aussichten für ein nachfolgen dieser einheiten sind gleich null – kommandanten sind an befehl von min jian-ksu gebunden und werden keinesfalls eigenmächtig handeln – ende –
Min verzog daraufhin das Gesicht, und Taff grinste flüchtig.
»Wie ich schon immer sagte: Die PROKYON-Crew ist und bleibt einmalig – kein anderer Kommandant wird die Eigeninitiative entwickeln und diesen Stillhaltebefehl ignorieren! Falls sich nicht TAC korrigierend einschaltet, sind die Schiffe vielleicht noch am selben Fleck, wenn wir zurückkehren.«
Der Minister resignierte, Toburu-Chan dagegen zeigte ein ausgesprochen zufriedenes Gesicht. Er als Nimboide scheute die Herausforderung durch unbekannte und gefährliche Dinge nicht.
Orvid Bashkiri hatte bereits einen neuen Kurs vorgeschlagen. Er führte in ein Gebiet, das etwa 28 Lichtjahre vom gegenwärtigen Standort der PROKYON X entfernt war. Dort gab es ein ganzes »Nest« von Sternen, deren Materie den Diagrammen nach entartet und – wie es die Computer ausdrückten – kristallisiert war. Es durchmaß etwa elf Lichtjahre, und die einzelnen Sterne waren im Durchschnitt nur 2,5 Lichtjahre voneinander entfernt.
»Dann also: Wieder einmal auf ins Ungewisse!«, murmelte Taff. Lars hatte vom Maschinenraum aus grünes Licht gegeben, er schaltete die Triebwerke hoch, und die PROKYON nahm Fahrt auf, vom Space-Computer gefolgt.
*
Wieder hatte sich etwas verändert!
Der »Feldsauger« registrierte einen neuen Hyperausbruch, der ihn diesmal wie ein Schock traf, da er sich seinem Ursprungsort inzwischen erheblich genähert hatte. Unwillkürlich verzögerte er seine Fortbewegung wieder, obwohl sein Verlangen nach neuer Energie inzwischen noch weiter gestiegen war.
Konnte diese zweite Erscheinung gefährlich für seine Weiterexistenz sein?
Eine der vielen seit langer Zeit verschütteten Erinnerungen brach sich Bahn und gelangte in sein künstliches Bewusstsein.
Damals, als er – oder vielleicht auch einer seiner Vorgänger, dessen Reproduktion er war – noch aktiv gewesen war, hatte es einmal eine Häufung solcher Vorkommnisse gegeben! Irgend etwas war seinerzeit geschehen, etwas Schlimmes, das zu drastischen Veränderungen geführt hatte.
Zu welchen Veränderungen ...?
Der Kosmische Instrukteur versuchte, seine stagnierenden Speicherelemente zu »wecken«. Vielleicht war seine Existenz bedroht, wenn er in der gegenwärtigen Richtung weitertrieb.
Fast wäre es ihm gelungen, wenigstens einige der wichtigen Informationen freizulegen, aber dann spielte ihm der akute Mangel an Energie einen Streich. Die Wissensspeicher waren zu ihrem Betrieb auf hohe Stromstärken angewiesen – wenn er sie voll aktivierte, würde nicht mehr genug Energie übrigbleiben, um die Fortbewegung in Richtung auf die Wachboje zu garantieren!
Es gab also zwei Dinge, die seinem reduzierten Bewusstsein als bedrohlich erschienen. Der Hyperausbruch war es aber nur vielleicht, der fast völlige Verbrauch aller Energie dagegen stellte den weitaus größeren Risikofaktor dar.
Der Rest von Logik, der noch in seinem Handlungskopf vorhanden war, führte ihn zu der einzig richtigen Wahl. Der Feldsauger brach den Versuch, seine verschütteten Erinnerungen zu wecken ab, ehe er richtig begonnen hatte. Er wurde wieder schneller und trieb weiter, dorthin, wo es neue Energie für ihn gab.