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„Computer – on“, befahl Reb, und der Spiegel über seinem Schreibtisch verwandelte sich in eine respektable Computerwand. Das Hotel, das der Medienkonzern für ihn ausgesucht hatte, war mit modernster Technik ausgerüstet und somit für seine Arbeit bestens geeignet. Er nahm einen Schluck von dem Kaffee, den ihm eine Angestellte aufs Zimmer gebracht hatte, und überspielte Souls Seite von seinem Armband auf den Spiegel. Anschließend gab er den Freundschaftscode ein, sodass die Hotelwand mit den Computern zu Hause und allen ihm angeschlossenen Technikarmbändern kommunizieren konnte. So hatten er, seine Schwester und die Freunde Mortues und Botoja Zugriff auf dieselben Quellen, ohne diese jedes Mal einzeln übersenden zu müssen.

Das weltweite Netzwerk hielt auch für ihn keine brauchbaren Informationen bereit. Er versuchte, die Inselbibliothek zu befragen, doch schon bei den ersten Stichwörtern streikte die Maschine.

„No permission“, tönte es aus dem Spiegel.

Reb stellte den Ton ab für den Fall, dass jemand zufällig draußen vor der Tür vorbeiginge, und öffnete eine spezielle Datei seines Computerarmbandes. Der mächtige Sir W.I.T. höchstpersönlich hatte ihm einen digitalen Dietrich zur Verfügung gestellt, einen Code, mit dem er sich in verschlüsselte Dateien einklinken konnte und der ihm bei seinen Recherchen schon oft sehr nützlich gewesen war. Reb hatte dem mächtigen Mann freilich versprechen müssen, diesen geheimen Schlüssel nur nach reiflicher Überlegung und äußerst sparsam zu verwenden. Er musste seine Entscheidungen schon mit Bedacht treffen, denn Sir W.I.T. hatte nicht nur überall seine Hand im Spiel, sondern würde auch, davon war Reb überzeugt, ohne zu zögern auf sein Technikarmband zugreifen und die Funktion wieder sperren, falls ihm irgendetwas nicht passte. Gegen einen kurzen orientierenden Blick in die Inselbibliothek aber, so fand er, dürfte auch der Erfinder des Tambara-Apfels nichts einzuwenden haben.

Reb brauchte nicht lange zu suchen. In Nullkommanichts hatte sein Armband mithilfe des Dietrichs den Zugang zur Inselbibliothek geknackt. Er gab Souls Informationen ein und befahl, ähnliche Seiten zu suchen. Direkt vor seiner Kaffeetasse erschien das Wort „Kreta“.

Reb schob die Tasse zur Seite und las: „… er schien etwas entdeckt zu haben, das weder den Behörden noch den Unternehmen so richtig schmeckte. Sie lobten den jungen Mann zwar als Nachfolgetalent, waren aber nicht gewillt, die Untersuchungsergebnisse zu veröffentlichen. ‚Zu uninteressant, nicht für die Wirtschaft zu benützen‘, hieß es immer wieder. Nach etlichen Gesprächen mit verschiedenen Konzernspitzen und Regierungsvertretern schien auch der Entdecker selber nicht mehr von der Notwendigkeit einer Veröffentlichung überzeugt. So zog er sich aus Tambara zurück, ohne je sein Geheimnis gelüftet zu haben.“

Es klopfte.

„Ja, bitte!“

Die Griechin, die Reb an der Rezeption empfangen hatte, erschien in der Tür. Sie hatte ihr Kleid gegen einen gut sitzenden Hosenanzug ausgetauscht und wirkte jetzt dezent gestylt. Es war ein sehr eleganter Anzug aus einem edlen Stoff in Hellbeige, die Hose im Palazzo-Stil, ein gerade geschnittenes, bis zur Hüfte reichendes Oberteil mit rundem Ausschnitt, ärmellos, darunter ein schneeweißes Shirt mit kurzem Arm. Ihre Haare hatte sie zu einer straffen, glänzenden Rolle hochgesteckt, ein paar mahagonifarbene Strähnen durchbrachen das tiefe Schwarz der perfekt sitzenden Frisur. Ein Hauch von Schminke auf ihrer makellosen Haut ließ sie frisch und jugendlich aussehen.

„Ich hoffe, ich komme nicht ungelegen“, entschuldigte sie sich. „Mein Name ist Eléni. Ich bin die Tochter des Besitzers und möchte Sie in unserem Hotel willkommen heißen. Normalerweise begrüßen wir die wenigen Gäste, die in unserem Hause Station machen, persönlich, nur heute hatte ich noch keine Gelegenheit dazu. Dies möchte ich jetzt nachholen.“

Sie wirkte äußerst professionell und überreichte ihm einen Korb mit Früchten aus der Region, einem flachen Teller, dem passenden Besteck, einer kleinen Flasche Wein und einer großen Flasche Mineralwasser.

„Herzlich willkommen also, und wenn Sie irgendwelche Wünsche oder Fragen haben, scheuen Sie sich nicht, mich anzusprechen.“

Ihr Blick fiel auf den Artikel an der Computerwand. Sie registrierte die aufgeschlagene Seite und schaute ihren Gast fragend an.

„Recherchen – für das Kreta-Projekt“, log Reb. „Aber ich habe noch nicht das Richtige gefunden.“

Die Griechin schien betroffen, überlegte einen Moment und sagte dann leise, aber eindringlich: „Sie werden uns keine Schwierigkeiten bereiten, nicht wahr?“

Tambara und das Geheimnis von Kreta

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