Читать книгу Dem Jenseits entkommen - Herbert Weyand - Страница 2
Prolog
Оглавление»Guten Abend und frohe Weihnachten. Mein Name ist Frauke Smeets.« Die Journalistin stand vor einer schlichten Kulisse. Ein Bild das, verschwommen und unscharf, den Hintergrund ausfüllte. Sie sprach deutsch, mit niederländischem Akzent und einer rauen tiefen Stimme, als ob der Kehlkopf verletzt wäre. Die, ungefähr fünfundvierzigjährige Moderatorin trug einen dunkelblauen Hosenanzug zu ihrer hageren Gestalt. Das dunkle, halblange Haar lag sorgfältig frisiert um das hagere Gesicht, aus dem die grauen Augen konzentriert und intelligent in die Kameras schauten. »Ich freue mich, dass sie am heutigen Heiligen Abend eingeschaltet haben. Bevor ich Ihnen meine beiden Gäste präsentiere, möchte ich, dass Sie das Gemälde im Hintergrund fünf Minuten auf sich wirken lassen.« Das Bild rückte in den Vordergrund und füllte in Millionen Haushalten den Bildschirm. Die Stimme der Moderatorin wurde technisch in den Hintergrund gerückt und mit einem leichten Hall versehen. Dazu spielte leise unbekannte Musik.
»Dieses Werk ist fast zweitausend Jahre alt und bietet handwerklich und technisch alles, was in den nachfolgenden Jahrhunderten von den großen Malern entwickelt wurde. Das Gemälde ist der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Was Sie auf Ihren Bildschirmen sehen, ist ein Foto. Der Künstler war ein germanischer Druide namens Kendric, der der Überlieferung nach, in der, und durch die, Schaffungsphase des Werks, erblindete und den Verstand verlor. Dann gab er sein Leben, um das Böse, das in seinem Epos schlummert, zu verschließen und für immer, zu verbannen.«
Ein heller Punkt blinkte, rechts oben, auf einem nebelartigen bösem Gesicht, das in einem tiefblauen Himmel lag. In diesen Nebel drehte eine Spirale, die unendlich weit hinunter bis zum Erdboden reichte. Eine Spirale, die aus Menschen bestand. Sie strebten auf einer grünen Wiese, aus allen Richtungen und vereinigten sich zu einem Strom, der unausweichlich in die Windungen, die nach oben, in den Himmel liefen, gezogen wurde. Das Gemälde entwickelte unglaubliche Intensität und zog die Menschen in seinen Bann. Die Fernsehzuschauer seufzten kollektiv auf, als das Foto vom Bildschirm verschwand und sie wieder in ihre eigenen Gedanken entließ.
»Der Treibstoff der Evolution ist der Zufall. Das glauben die Wissenschaftler heute und wollen nichts von höheren Wesen, höheren Mächten oder gar von Gott wissen. Woher nehmen Sie diese Zuversicht? Allein aus den naturwissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten? Heute Abend begrüße ich zwei Gäste, die Unglaubliches erlebt haben.
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