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Hyperaktivität

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Von den Lehrpersonen wird das Symptom der Hyperaktivität häufig als besonders störend wahrgenommen, da es den Unterrichtsablauf unterbricht oder aber die Klassenkameraden hierdurch beim Arbeiten beeinträchtigt werden. Hyperaktivitätszeichen treten gegenüber den anderen beiden Kernsymptomen besonders stark in den Vordergrund, gleichwohl kommen sie aber nur bei ca. der Hälfte der Kinder mit einer ADHS vor. Zugleich spielen bei der Wahrnehmung dieses Symptoms häufiger unterschiedliche Einschätzungen der jeweiligen Beurteiler eine wichtige Rolle, weil es individuell höchst unterschiedlich als störend oder nicht störend erlebt wird. Außerdem spielen natürlich reifungsbezogene und geschlechtsspezifische Aspekte eine wichtige Rolle, da jüngere Kinder, v. a. Jungen, auch in der Grundschule noch ein deutlich höheres Maß an physiologischer motorischer Unruhe aufweisen. Dem wird im Rahmen der Grundschule nicht immer Rechnung getragen und ein Teil der als hyperaktiv eingeschätzten und dann zur Diagnostik vorgestellten Kinder wird lediglich zu hohen, normierten Ansprüchen an motorische Ruhe in den ersten Grundschulklassen noch nicht gerecht (Ford-Jones, 2015).

Hyperaktivitätssymptome können sich auf unterschiedliche Weise manifestieren:

• Es liegt nicht nur ein hohes Aktivitätsmaß vor, sondern hinzu kommt, dass diese Tätigkeiten planlos und ziellos wirken.

• Am auffallendsten im Schulunterricht ist das unruhige Sitzen oder Aufstehen vom Arbeitsplatz. Aus der klinischen Erfahrung heraus sind sich viele der hyperaktiven Kinder durchaus im Klaren darüber, dass sie unruhig oder nervös sind und sich als solches auch empfinden, zugleich aber noch nicht über ausreichende Steuerungsfähigkeiten verfügen, diese zureichend zu reduzieren. Zugleich kann sich Hyperaktivität aber auch subtiler zeigen, indem beispielsweise ständig ein Bein in Bewegung sein muss oder das Kind etwas in den Händen hält und mit ihm ständig spielt, ohne es zu bemerken.

• Hyperaktive Kinder laufen oder klettern oft in exzessiver Form, und das Maß der Unruhe wird vor allem dadurch deutlich, dass sie in Situationen auftritt, in denen dies als unpassend wahrgenommen wird. Auffallend hierbei ist, dass die Symptomatik erfahrungsgemäß umso stärker zum Vorschein kommt, je geringer die pädagogische Strukturierung und je umfangreicher die soziale Gruppe ist. In der Schule ist die Pause eine typische Problemkonstellation, die die Lehrpersonen als besonders problematisch erleben.

• Eine andere Äußerungsform ist das Sprechen oder Singen während des Arbeitens oder das Produzieren von Geräuschen.

• Spiel- oder Freizeitaktivitäten können nicht ruhig durchgeführt werden, was nicht nur von den Erwachsenen, sondern oft auch von anderen Kindern als störend wahrgenommen wird.

• Die Nervosität, die von den betroffenen Kindern ausgeht, wird häufig mit dem Begriff »auf dem Sprung befindlich« beschrieben.

• Im Verlauf der ADHS nimmt die Hyperaktivität mit dem beginnenden Jugendalter deutlich ab und wird oft ersetzt durch ein Gefühl permanenter innerer Unruhe. Die Jugendlichen beschreiben mehr oder weniger übereinstimmend, dass sie immer etwas tun müssten und nie zur Ruhe kämen.

Im Symptomkontext der Hyperaktivität ist aber auch die umgekehrte Symptomkonstellation zu beschreiben. Im angloamerikanischen Sprachraum wird von »cognitive sluggish tempo« gesprochen, die sich bei einem Teil der Kinder und Jugendlichen mit einer Aufmerksamkeitsstörung findet. Sie zeichnet sich durch eine psychomotorische Unteraktivierung, Tagträume, Schwierigkeiten beim Aufbringen und Aufrechterhalten von Anstrengungsbereitschaft bei Aufgabenstellungen und durch Lethargie aus (Jacobson, Geist & Mahone, 2018).

ADHS in Schule und Unterricht

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