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Meraner Becken und Burggrafenamt

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Wer hat sich nicht schon alles vom einzigartig nostalgischen Flair Merans vereinnahmen lassen. Von bekannten Dichtern, Denkern und Künstlern bis zum aristokratischen Hochadel, nicht zu vergessen die vielen namenlosen Sommerfrischler und Urlauber, die dieser Destination über viele Jahre die Treue hielten und halten. Hier atmet Geschichte und lebt Tradition, ohne dabei die Moderne zu verleugnen. Urkundlich erwähnt wurde Meran schon im Jahre 857. Seinen Aufstieg erlebte es im Mittelalter nach Bau von Schloss Tirol und Gründung der »Gefürsteten Grafschaft Tirol«, welche die Erhebung zur Landeshauptstadt ermöglichte. Doch nur relativ kurze Zeit stand Meran im Zentrum dieser Macht. Nachdem sich der Handel zunehmend auf Bozen verlagerte und die neuen Regenten aus dem Habsburgerreich Innsbruck zur Hauptstadt von Tirol erkoren, verfiel es zur Provinz. Später wurde gar despektierlich vom »Kuhstadtl« gespöttelt. Erst mit der Geburt als Kurort trat im Zuge eines aufkeimenden Fremdenverkehrs Meran im 19. Jahrhundert wieder ins Licht der breiten Öffentlichkeit und damit in eine zweite Blüte.


Krokuswiese am Tschögglberg


Algund und das sich südwärts öffnende Etschtal

Dieses Erbe ist heutige Präsenz, denn kulturhistorisch hat die Stadt und ihre seit altersher als Burggrafenamt bezeichnete Umgebung jede Menge zu bieten. Wer länger in der Gegend weilt, wird einen Stadtrundgang nicht versäumen, genüsslich durch Laubengassen bummelnd und über Promenaden flanierend.


Der Hans-Frieden-Weg schneidet die steile Südflanke der Mutspitze.

Werfen wir einen Blick auf das Landschaftsgefüge: Das Meraner Becken formiert sich an der Mündung der Passer in die Etsch, wo diese, aus dem Vinschgau kommend, Richtung Südtiroler Unterland abknickt. Allein diese Topografie, gerahmt im Osten von den Sarntaler Alpen – am Ifingermassiv noch schroff, mit dem Tschögglberg dann denkbar sanft gegen Süden auslaufend –, im Südwesten vom Waldrücken des Vigiljochs als Außenposten der mächtigen Ortler-Alpen und im Nordwesten von der himmelhohen Berglehne der Texelgruppe, bestimmt Bilder voll ergreifender Harmonie. Rund um das städtische Zentrum von Meran gruppieren sich Ortschaften, die ihr Auskommen im Tourismus sowie im traditionsbehafteten Wein- und Obstbau finden.

Gleich unterhalb der Töll belebt die weitläufig verstreute Gemeinde Algund die sonnigen Hänge über der Etsch. Dorf Tirol – immerhin Namensgeber für ein ganzes Land – besetzt hingegen sehr fotogen den Höhenrücken des Küchelbergs direkt über der Stadt; neben sich das alte Stammschloss derer von Tirol. Wo das Passeiertal beginnt, kann man Kuens und Riffian auf der einen sowie das besonders sonnenverwöhnte Schenna auf der anderen Seite noch zum engeren Meraner Raum zählen. Auch diese schön herausgeputzten Touristenorte nutzen die Gunst der Hangterrassen.

In besonderem Maße – zumal in Höhen zwischen 1000 und 1500 Metern gelegen – gilt dies für Hafling, Vöran und Mölten, die sich mit ihren Weilern an die waldreiche Westflanke des Tschögglbergs schmiegen. Hier ist das Klima selbst im Hochsommer, wenn drunten im Meraner Becken die Temperaturen nicht selten deutlich die 30-Grad-Marke überschreiten, sehr angenehm. Als Pendant dazu darf westseitig der Etsch das Tisenser Mittelgebirge angesprochen werden. Auch dort begaben sich die frühen Siedler mit Vorteil auf die Hangterrassen, gründeten Dörfer wie Prissian, Tisens oder Völlan oder versuchten ihr Glück auf abgelegenen Einödhöfen, die bis heute Oasen der Ruhe geblieben sind. Das fruchtbare Etschtal selbst zeigt sich als riesiger Obstgarten mit geradezu industriell ausgeübter Ambition. Kein Wunder, dass jeder zehnte Apfel der EU aus Südtirol stammt. Spitzenreiter in der Produktion ist die Marktgemeinde Lana, deren Ortsteile mit Tscherms und Marling schon fast zusammenfließen.

Das »Törggelen«, bei dem alljährlich im Herbst der neue Wein verkostet wird, hat hier im Burggrafenamt eine lange Tradition, wobei sich die Grenze zwischen echtem Brauchtum und reinem Touristenevent leider zusehends verwischt. Ganz und gar stilecht sind aber in jedem Fall die vielen Burgen, Schlösser und Herrenansitze, die dem Landstrich um Meran eine besondere Note verleihen und aus dem Gesamtambiente kaum wegzudenken sind.


Bei der Lodnerhütte im Zieltal

Bruckmann Wanderführer: Zeit zum Wandern Meraner Land

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