Читать книгу Adel verpflichtet - Martina Winkelhofer - Страница 14

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Die heranwachsenden Mädchen der Aristokratie wurden extrem streng gehalten. Sie durften ohne Begleitung – genannt »Chaperon« (französisch; jemand, der eine junge Dame zu ihrem Schutz begleitet) – ihr Heim nicht verlassen. Sie hatten keine Ahnung, wie das Miteinander von Mann und Frau außerhalb ihres eigenen Heims, außerhalb ihres Standes funktionierte. Sie kannten nur die große Distanz zwischen sich und dem männlichen Teil der Menschheit, die sie von zu Hause gewohnt waren.

Diese strenge, weltfremde Erziehung hatte zur Folge, dass auch die Mädchen in ungewohnten Situationen, außerhalb ihres engen gesellschaftlichen Umfeldes, weltfremd und ängstlich waren – und dies oft noch als Ehefrauen und Mütter. Zu Zeiten, als es innerhalb der Aristokratie noch als sehr abenteuerlich galt, im Burgtheater einen Parterresitz zu nehmen (in der Regel hatte man eine Familienloge), gingen Prinz und Prinzessin Auersperg einmal dieses Wagnis ein. Befremdet und irritiert, dass andere, ihr nicht vertraute Menschen, noch dazu Männer, ungewohnt eng neben ihr saßen, glaubte die Prinzessin, ihr Sitznachbar lehne sich absichtlich an sie an. So sagte sie ihrem Mann, dass der Herr neben ihr sich unsittlich benehme. Worauf Prinz Auersperg den Sitznachbarn seiner Gattin sogleich zur Rede stellte. Dieser wies die Behauptung eines Annährungsversuchs natürlich empört zurück, wandte sich um und sagte, laut hörbar, zu seiner Begleitung: »Siehst du, ich hab dir gleich gesagt, wir sollten nicht ins Parterre gehen, da kommt man mit solche Leut’ zusammen!«20

Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde davon Abstand genommen, die Mädchen allzu naiv ins Leben zu entlassen. Prinz Rudolf Liechtenstein hielt damals ein Lob auf die Erziehung der Töchter des Ehepaars Montenuovo, »deren Aufziehung außer mit der selbstverständlichen Herzenswärme auch mit Verstand bewerkstelligt worden ist.«21

Bis dahin allerdings hielt man es unter Aristokraten für ein erstrebenswertes Erziehungsziel, die Mädchen unschuldig und naiv ins Leben zu schicken – was als besonders reizvoll galt. Und reizvoll musste ein Mädchen sein, um nach absolvierter Erziehung den ersten und wichtigsten eigenständigen Schritt im Leben zu setzen: einen geeigneten Heiratskandidaten zu finden.

Adel verpflichtet

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