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~ Rückkehr zu den Gefährten
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in helles Klopfen, dem Kishou erlaubt hatte, den Raum des Dompteurs in seiner unendlichen Stille zu stören, hallte durch die Ewigkeit. Sie öffnete die Augen. Noch einmal klopfte es im Rhythmus eines verabredeten Zeichen. Sie erhob sich und öffnete die Tür.
Drei Gestalten traten ein. Sie trugen alle Öllämpchen mit sich. Den Undolf erkannte Kishou sofort, die beiden anderen hatten ihre Kapuzen weit in das Gesicht gezogen und hielte ihre Lampen etwas seitlich, so das von ihren Gesichtern nichts zu sehen war. Sie setzten sich wortlos, nachdem sie ihre Lichter weit von sich und nahe bei Kishou abgestellt hatten.
„Die Beiden sind Mitbrüder der ONO!“, eröffnete Undolf. „Es ist besser, du kennst sie nicht, solange wir nicht überzeugt sind, dass du kein Unsichtbarer bist. Wir vermuten …“, begann er ohne Übergang und offenbar unter ihnen verabredet, … dass die Kleiderordnung der sterbenden Welten eine andere ist, als die unsrige. Du solltest sie kennen. Kannst du etwas darüber sagen?“
„Klar!“, erwiderte Kishou. Es gibt keine! – Also keine, an die man sich halten muss, wie’s wohl hier so ist!“ Sie erhob sich und öffnete ihren Braanenmantel. „Meine Sachen sehen zum Beispiel so aus! Bis auf die Kutten der Kyiten in der Ersten Ebene des Ersten Tals des Ersten Droms, die so ähnlich aussehen wie eure Mäntel, trägt jeder, was er will!“
Die beiden Breenen schienen sehr überrascht beim Anblick Kishous ohne ihren Mantel, und flüsterten angeregt miteinander. Undolf erhob sich gar und befühlte ihre Bluse mit seinen Händen. Er setzte sich wieder und besprach etwas flüsternd mit seinen Kumpanen.
„Meine beiden Brüder hier sind Experten, was die alten Krypte der Sterbenden Welten angeht!“, meinte er dann. „Sie sagen, viele von ihnen sind in einer unbekannten Sprache verfasst, die bislang noch unzureichend verstanden wird. Weißt du etwas von ihr?“
„Tak!“, antwortete Kishou sofort. „Eli quad ai chrona fata sun quapo, cum Suäl Graal fiin ai horp galamara! – Es ist die Sprache der alten Zeit, die gesprochen wurde, bevor Suäl Graal die Großen Tore der Großen Wasser verschloss!“, übersetzte sie sogleich.
Diese Antwort Kishous löste in den Breenen sichtbar eine heftige Erregung aus. Unruhig steckten sie ihre Kapuzen zusammen und tuschelten so heftig miteinander, dass Kishou sogar einige Worte mitbekam.
„Nach all den Erfahrungen mit dir, habe ich mich nach reiflicher Überlegung entschieden, dir zu vertrauen!“, meinte Undolf endlich, „Aber meine Brüder haben recht, wenn sie meinen, ich sollte mich erst allein von der Anwesenheit der Chemuren überzeugen, um ganz sicher zu gehen, das es Wahr ist, was du sagst. Denn wenn es wahr ist, was du sagst, zerstört es alle Ordnung der Breenen. Bis zu einer neuen Ordnung wird das Chaos herrschen. Wenn du aber von den Gaunen geschickt wurdest, und wir dir vertrauen, so hat es das Potential, die ONO zu zerstören! Wie auch immer, deine Ankunft ist mehr als nur eine Gefahr für alle – sie ist eine mögliche Zäsur in der Geschichte des Belfelland. Wir dürfen kein Risiko eingehen!“, schloss er.
„Und was machen wir jetzt?“, fragte Kishou gerade heraus.
„Die Nachrichten besagen, dass ein großes Aufgebot der Gleim um 6 Uhr aufgebrochen ist. Wenn die Chemuren …“
„Was ist ‚6 Uhr’, unterbrach Kishou ihn aufgeregt.
„6 Uhr ist 6 Uhr!“, antwortete Undolf nicht verstehend.
„Ich kenne diese Bezeichnung nicht. Wann ist ‚6 Uhr’? Meint es eine Zeit des Tages?“, drängte Kishou.
„Ja! - also c kurz nach Tagesanbruch etwa.
„Und welche Zeit ist seitdem vergangen?", fragte sie nervös.
Na jetzt ist es ungefähr 2 Uhr Mittags - also ... also die Sonne hat ihren höchsten Stand schon überschritten, falls du das verstehst!" ...
„Das bedeutet, sie müssten längst auf Boorh und die anderen gestoßen sein!“, erschrak Kishou. Sie kramte nervös in der Tasche ihres Mantels, zog endlich den kleinen, blauen Kristall hervor und legte ihn auf den Tisch neben eine der Lampen. „Seht ihr den Lichtpunkt an seiner Seite? Das ist die Richtung, wo in diesem Moment Habadam, und also auch alle anderen sind. Könnt ihr sagen, in welcher Richtung der Ort liegt, wo die Gleim hinmarschieren?“
Alle betrachteten gebannt das Kleinod neben der Lampe. „Was ist das für ein Gerät?, fragte Undolf.
„Ist doch jetzt egal!“, wehrte Kishou ab. „… Ein Besonderer Apparat, der mir immer genau die Richtung anzeigt, in der ich auf Habadam treffe. Ist es dieselbe Richtung, in der die Breenen uns gesehen haben?“, fragte sie noch einmal.
Undolf dachte nach und versuchte offenbar die Lage des Raumes mit dem Draußen zu verbinden. Dann wies er in eine Richtung. „Ich würde sagen, das Kornbaat liegt in etwa in dieser Richtung!“ Er streckte seinen Arm in den Raum hinein, während er auf die Scheibe blickte.
„Sicher?“, hoffte Kishou, denn der ausgestreckte Arm wich eindeutig von der Richtung nach rechts ab, die das Licht in dem Kristall anzeigte.
„Das dürfte stimmen!“, meinte einer der beiden Breenen, und man sah an seiner Reaktion, dass er erschrak, laut gesprochen zu haben, denn er drehte sich sofort vom Tisch weg.
„Das könnte im besten Fall bedeuten …“, sinnierte Kishou. „… das sie die Horden der Gleichen rechtzeitig bemerkt haben, und geflohen sind. … an die anderen Möglichkeiten will ich lieber nicht denken. Ich muss auf jeden Fall sofort irgendwie aufbrechen!“, entschied sie.
„Wir haben einen kleinen Wagen organisiert!“, meinte Undolf und zog ein gefaltetes Papier aus der Tasche. „Hier ist dein Existenznachweis. Es ist eine gute Arbeit. Präge dir alles genau ein, was darauf steht, damit du bei einer Kontrolle nichts falsches sagst. Dein Name ist nun Mujie – Mujie Saii!“
„Mujie Saii …?“ Etwas erschrak in Kishou, aber sie wusste nicht warum … „Ich … ich kenne den Namen …, aber woher?“, suchte sie in ihren Gedanken.
„Wahrscheinlich hast du ihn schon einmal gehört. Es ist ein recht gewöhnlicher Name bei den Braanen!“, meinte Undolf. „Wir haben ihn extra so gewählt – möglichst unauffällig und schwer zu prüfen!“
„Gut!“, schüttelte sie die Gedanken ab. „Ich guck’s mir unterwegs an. lasst uns los!“, drängte sie.
„Wir werden allein aufbrechen!“, wurde sie von Undolf erinnert.
„Schon klar!", reagierte Kishou, und wickelte ihren Bogen in das Tuch. Gemeinsam verließen sie den geheime Unterschlupf.
Als sie auf die Gasse hinaustraten, trennten sich die beiden anderen Breenen wortlos von ihnen und gingen in die entgegengesetzte Richtung davon. Ein bunter Vogel flog mit hoher Geschwindigkeit dicht über ihrem Kopf hinweg und stieg krächzend in der Gasse nach oben. Es war nicht schwer zu erraten, was für ein Vogel das war, und Kishou lächelte. Es mochte eine Reaktion Luis auf sein langes Warten auf sie gewesen sein. Immerhin wusste er ja nicht, was in dem Haus mit ihr geschah.
Wortlos bogen sie in eine kreuzende kleine Gasse ein, die kurz darauf in der breiten Straße endete, von der Kishou geflohen war. Sie schaute zu dem großen Haus mit dem Glockenturm hinüber. Die beiden rotberockten Wachen, oder was sie auch immer waren, standen wieder vollzählig vor dem Portal …
„Da hinten steht er!“, meinte Undolf und nickte mit seinem Kopf kurz in die Richtung ihres Marsches in der Menge.
Bald darauf kletterten sie auf den Kutschbock, und Undolf reihte das Gefährt in den Strom der Fuhrwerke in der Straße ein. Sie mussten zunächst einen großen Bogen um den Häuserblock machen, um auf einer parallel verlaufenden Straße den eigentlichen Kurs in die entgegen gesetzte Richtung aufnehmen zu können. Ihre Augen irrten unablässig in den Häuserschluchten umher, und konnten doch nur einen Bruchteil dessen aufnehmen, was sich ihnen bot. Die Häuser wurden nach und nach kleiner, bis sie sich mehr und mehr zwischen landwirtschaftlichen Parzellen verloren, und sie schließlich die regelmäßig befestigte Straße verließen. Sie kletterte vom Kutschbock, um auf der Pritsche in Ruhe ihren Existenznachweis zu studieren. Einige gefüllte Kartoffelsäcke und kleine Holzplanken lagen darauf – und hinten in der rechten Ecke ein Kasten mit Papieren darin. „Was ist mit dem Formular, das man ausfüllen muss, wo man hingefahren ist?“, fragte sie sofort.
„Kümmere dich nicht darum. Das erledige ich!“, war die beruhigende Antwort.
Sie machte es sich zwischen den Säcken bequem und entfaltete ihren Existenznachweis. Kopfschüttelnd lass sie darin. „Was bedeutet ‚KPV’ als Tätigkeit?“, fragte sie nach vorn.
„Kleiderprüfung und Vorführung!“, antwortete der Breene. „Unser Dokumentenschreiber vermutete zurecht, wie wir gesehen haben, dass dort, wo du herkommst, eine andere Kleiderordnung herrscht. Falls man solche bei dir findet, wäre es zwar ein Ordnungsvergehen, aber wenigstens erklärbar über deine Tätigkeit. Wir opfern einen Tag des Jahres dem Chaos in seiner Erscheinung des Zufalls, wo unter anderen Regelverstößen auch alle Kleider erlaubt sind. Man kann sie sich ausleihen, und nach dem Fest werden sie wieder abgegeben. Als KPV hättest du zu jeder Zeit zugriff auf diesen Fundus!“
„Was bedeutet das: dem Zufall einen Tag opfern?“, wollte Kishou wissen.
„Wir versuchen ihn damit gnädig zu stimmen!“, erklärte der Breene.
„Den Zufall gnädig stimmen?“, meinte Kishou sich verhört zu haben.
„Ja natürlich!“, erwiderte er in aller Selbstverständlichkeit. „Das Chaos ist die Macht, die über uns allen steht, und seine Wege sind bekanntlich unergründlich. Es bleibt nur der Versuch, es gnädig zu stimmen und zu besänftigen. Kennt ihr eine andere Möglichkeit dafür, als die des Opfers?“, fragte er interessiert.
„Nein … Nein, eigentlich nicht!“, wich Kishou aus, um sich nicht in eine solche, für sie höchst befremdliche Diskussion zu verlieren. „Bei Herkunft steht da Kehlgroth!? Wieso nicht Machnok? Den Name kenne ich immerhin schon!“, nahm sie den alten Faden wieder auf.
„Machnok ist zu klein!“, erklärte Undolf. „Kehlgroth ist eine sehr große Stadt – größer noch als Trital – also auch anonymer. Es lässt sich schwerer überprüfen und bringt im Zweifelsfalle einen Zeitgewinn!“
„Und die lange I-den-ti-tätsnummer …?“ Sie hatte schon Mühe, allein das Wort auszusprechen. „muss ich die auswendig kennen?“
Ein einfaches und unzweideutige ‚Ja’ des Breenen ließ Kishou leise aufstöhnen.
Das nun zunächst Folgende, wie: Farbe der Augen, Haare und Haut wusste sie natürlich. Weitere Fragen nach Ess- und Schlafgewohnheiten, bevorzugte Nachrichtenblätter und vieles andere in der Art war frei erfunden und musste mühsam eingeprägt werden … Was bedeutet unter ‚Nachgewiesene Ordnungsvergehen’: VONG 1-15/KG!“, kam sie endlich zur letzten fragwürdigen Spalte des Formulars.
„Verordnung zur Nutzung von Gehwegen!“, erklärte Undolf. „Du bist in Kehlgroth auf der falschen Straßenseite entgegen der verordneten Richtung gelaufen. Die ‚15’ verweist auf den Grad der Behinderung anderer Gehwegsteilnehmer. 20 ist hier der höchste Wert!“
Kishou schüttelte verständnislos den Kopf. „Was es alles hier gibt … Und wieso muss ich sowas gemacht haben? Ist das für irgendwas gut?“
„Du bist zwar noch recht jung!“, bekam sie zur Antwort. „Aber wenigstens ein Vergehen sollte da schon stehen. Ganz ohne könnte verdächtig sein!“
„Aber das ist doch eigentlich vollkommen verrückt!“, erregte sich Kishou fast. „Die wissen ja alles über euch. Ihr könnt ja keinen Schritt tun, ohne das die das nicht irgendwo vermerken …!“
„Sicherheit und Ordnung braucht Kontrolle!“, widersprach ihr der Breene. „Jede Abweichung von der Ordnung kann sich vervielfältigen und ist ein gefährliches Spiel mit dem Chaos. Die Sterbende Welt ist das beste Beispiel dafür. Du solltest es wissen!“
„Aber das stimmt doch nicht – das solltest du doch nun langsam verstanden haben, nachdem du Bücher darüber gelesen hast, und nun auch noch mich getroffen hast!“
„Es folgte ein Moment des Schweigens vom Kutschbock her … „Irgendwie muss es trotzdem damit zusammenhängen!“, meinte er endlich. „Die Chemuren haben sich nicht an die Ordnung Suäl Graals gehalten, wenn ich mich recht erinnere!“, setzte er nach einem Moment des Nachdenkens hinzu. „Na bitte, da hätten wir es ja!“
Kishou wusste darauf nichts zu antworten. Es schien ihr alles einfach nur absurd. „Aber in diesen Existenznachweis könnt ihr doch eigentlich reinschreiben, was ihr wollt! Wer will das alles überprüfen, was da drin steht?“, fiel ihr immerhin auf.
„Im Archiv der Gaunen in der Meldestelle existiert ein Duplikat von jedem Existenznachweis!“, widersprach Undolf. „Aber mach dir keine Sorgen. Wir haben Brüder in den Reihen der Gaunen. Ein Duplikat deines Existenznachweises ist in Kürze im Archiv platziert.
„Wow!“, staunte Kishou in ehrlicher Bewunderung. „Dann scheint aber eure Ordnung doch nicht so ganz reibungslos zu funktionieren – oder?“, konnte sie sich die kleine Provokation nicht verkneifen.
„Nein!“, reagierte der Breene nüchtern. „Die Organisation hat natürlich auch klare Strukturen! Wir erzeugen allerdings unmerklich eine Unordnung innerhalb der bestehenden Ordnung. Wenn wir eines Tages die alte Ordnung überwunden, und eine neue eingeführt haben, wird sich das natürlich ändern. Wir kennen ja die Schwachstellen!“, lächelte er.
Kishou verkniff sich eine Antwort darauf, und widmete sich wieder ihrem Existenznachweis. Es gab eine Menge, was sie sich in kürzester Zeit einprägen musste. Es war schon schwierig genug, bei der Ungewissheit der Lage ihrer Freunde, den Kopf dafür frei zu bekommen. Den kristallenen Wegweiser hatte sie Undolf überlassen. Er kannte sich gut aus in der Umgebung von Trital, und wusste die richtigen Wege zu wählen, um den Kurs halten zu können.
Der Wagen hielt plötzlich. „Wir müssen nahe am Ziel sein!“, meinte er und schaute zu seiner Rechten in den Wald. „Dein Richtungsgeber zeigt in dieses Gebiet hier hinein, und es gibt hier keinen weiteren Weg mehr, der uns näher heranbringen könnte!“
„Das heißt, wir müssen zu Fuß weiter!“, erriet Kishou.
„Ja!“, sagte er nur, und lenkte das Pferd in das Unterholz hinein. „Wir werden den Wagen hier verstecken!“
Das Tier schnaubte unwillig, während es die wankende Pritsche unter Mühen über den unebenen Waldboden in das Dickicht hinein zog. Kurz darauf sank eines der Räder so tief in den Boden ein, dass es sich weigerte, weitere Anstrengungen auf sich zu nehmen.
„Es sollte reichen!“, meinte Undolf und sprang ab. Er nahm ein Schild mit einer darauf eingezeichneten Zahlenreihe und Symbolen aus seiner Halterung am Ende des Wagens, und schob es ein Stück weiter unter einen Farn in die Erde. „Sicherheitshalber!“, meinte er nur. Kishou nahm ihren Bogen von der Pritsche und ließ das Tuch, in dem er eingeschlagen war, am Ort. Hier brauchte sie es nicht. Dann machten sie sich auf den Weg in die Richtung, die ihnen die kleine Scheibe wies.
„In den Nachrichtenblättern lass ich heute morgen, dass gestern ein Gleim getötet wurde – ganz in der Nähe, wo ich dich aufgegriffen habe. Ein Pfeil! – mitten zwischen die Augen!“ Er wies mit seinem Finger auf seine Nasenwurzel und schaute Kishou dabei lauernd an.
„Er ließ mir keine andere Möglichkeit. Es ging alles sehr schnell!“, entschuldigte sich Kishou.
Undolf nickte nur, während er aufmerksam die Gegend in der Laufrichtung musterte. „Wie werden die Chemuren auf mich reagieren?“, fragte er nun offenbar etwas angespannt. „Welche Regeln muss ich beachten!“
„Nichts dergleichen – alles kein Problem!“, beruhigte ihn Kishou. „Die kennen ja das Drom und euch noch von früher. Sie wissen nur eben nicht, was heute so läuft bei euch. Suäl Graal wird allerdings auch schon wissen, das wir inzwischen hier angekommen sind!“
Der Breene schüttelte nur verständnislos den Kopf. Eine Suäl Graal existierte in seinem Land nicht. Wer und wo sollte sie sein? Aber ganz sicher war er sich nun auch nicht mehr – immerhin durfte es diese Chemuren ja auch nicht wirklich geben … „Und die Chemuren …“, setzte er noch einmal an. Er schien langsam nervös zu werden. „Es heißt, sie wären mächtige Herrscher ganzer Drome … Und sie hören auf dich?“
„ja klar!“, wunderte sich Kishou über die Frage. „Ich ja auch auf sie. Es sind meine besten Freunde! Sie reden ’n bisschen komisch – also ich meine irgendwie anders. Aber daran gewöhnt man sich!“
„Ich habe gelesen, dass …“
„Der Lichtpunkt …!“, wurde er von Kishou unterbrochen.
„Ja?...“, reagierte der Breene gespannt.
„Er wandert zur Mitte!“
„Zur Mitte?“
„Ja!“, wunderte sich Kishou. Sie blieb stehen und sah sich um. Aber sie sind nicht hier!?“
Undolf drehte sich um sich selbst und suchte gebannt die nähere Umgebung ab, soweit es die wuchernde Natur zuließ …
Ein harter Schlag auf den Boden hinter Kishou ließ sie herumwirbeln. Ein Pfeil lag im selben Augenblick weit gespannt in seiner Sehne und richtete sich auf das Ziel …
„Boorh!“, rief sie in tiefer Erleichterung.
„Boorh entscheidet: Boorh sollte vorsichtiger sein. Ihr seid ein Dompteur!“, grinste der bis über beide Ohren.
Kishou ließ Pfeil und Bogen fallen und sprang ihm freudig in die Arme. „Wo sind die anderen?“, fragte sie, und schaute zwischen seinen großen Pranken hängend ahnend über sich. Sie sah aber nur Lui auf einem Ast hockend, auf sie herab blicken. In diesem Moment landete Mo mit einem leichten Aufleuchten neben ihnen. Es folgten Habadam und Madame KA – die allerdings geschickt am Stamm des Baumes herunterstieg, in dessen dichter Krone sie versteckt waren.
„Boorh, ich komme!“, war endlich eine etwas quäkige Stimme zu vernehmen. Gleich darauf schlug das Untere Squatsch unsanft in den Waldboden ein. „Das hat er mit Absicht gemacht! Das hat er absichtlich gemacht!“, schimpfte er während er sich aufrappelte und den Schmutz von seinem Sakko klopfte. „Dieser gehörlose Ohrenträger hat mich einfach fallen lassen, … hat mich einfach fallen lassen, obwohl ich laut und deutlich vom Allsein verdrängt hatte, das …“
„Du hättest sehen müssen, dass er gerade keine Hand frei hatte, die deinem Verhalten dienen konnte!“, grinste Habadam verschmitzt, während Boorh Kishou wieder vor sich abstellte.
Undolf war einige Schritte zurückgewichen und beobachtete das Geschehen mit großen erschrockenen Augen. Er machte den Eindruck eines gehetzten Tieres …
„Es gibt unheimlich viel zu erzählen!“, eröffnete Kishou, und wandte sich zu dem verstörten Breenen. „Das ist Undolf. Er hat mich gerettet, als ein paar von den Gleim hinter mir her waren!“