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~ Auf sich allein gestellt
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as dichte Blätterdach des Waldes verzögerte die Dämmerung des neuen Tages etwas, aber da sie nicht mehr all zu weit von Trital entfernt sein konnten, sollte die Zeit für Kishou ausreichend sein, noch an diesem Tag die Stadt zu erreichen. Wichtiger war es, dass sie von den Flugapparaten in Ruhe gelassen wurden – und dies war glücklicherweise zumindest jetzt im genügendem Maße der Fall. Nur hin und wieder mussten sie abwarten, bis diese ’Teller’ über sie hinweggezogen waren. Erhöhte Vorsicht galt nun auch vor den Wegen, die sie nun grundsätzlich mieden, aber doch immer wieder kreuzten. Unter den Gegebenen Umständen war es ratsam, möglichst nicht auf die Bewohner dieses Droms zu treffen.
Alles in Allem war es ein langsames Vorwärtskommen, zumal die Natur ihnen bereits genug Hindernisse in den Weg legte. Die Sonne stand fast im Zenit, als Madame KA anwies, nach einem geeigneten Platz Ausschau zu halten, wo sie auf die Rückkehr Kishous warten wollten. Einmal mehr bot sich hier bald schon eine Wurzelhöhle an, die der Stamm eines verrotteten Baumes für sie bereit hielt.
„Jetzt müsste ich nur noch wissen, wie ich in die Stadt komme – und wie vor allem wieder zu euch zurück!“, fragte Kishou in die Runde.
„Hiermit!“, meinte Habadam, und drückte ihr einen kleinen, scheibenförmigen, blauen Kristall in die Hand. „Seht ihr das kleine helle Licht, das sich an seinem Rande zu seinem Mittelpunkt verhält? Ihr findest es immer am Rande des Kristalls – und in seinem Verhalten vom Mittelpunkt aus betrachtet – findet ihr mich! Sein Verhalten ist bestimmt von dem Ort, an dem ich mich gerade befinde!“, erklärte er einer staunenden Kishou. Trital verhält sich zu uns …“ – er schloss seine Augen und hob seinen Stab in die Waagerechte, während er sich um seine Achse drehte und kurz darauf verharrte. „Dort!“ Sein Stab zeigte nun die Richtung an. „… Zumindest mit einer großen Wahrscheinlichkeit. Ihr könnt es nicht verfehlen, nachdem ihr einige Schritte diesen Weg genommen habt. Ihr müsst euch dann nur noch genau entgegen dem Verhaltens des Kristalls zu mir orientieren!“
„Ein Besonderer Apparat!“, erriet Kishou.
„Eine kleine, aber nützliche Magie!“, stellte Habadam bescheiden fest. „Luis Verhalten wird so gut es geht darauf bedacht sein, in eurer Nähe sein. Er erspürt den Besonderen Apparat, und kann euch jederzeit finden. So kann er uns über euer Verhalten berichten!“
Diese Auskunft war für Kishou überaus beruhigend wie auch wichtig, versprach sie doch während der Mission immerhin einen verbleibenden Kontakt zu ihren Gefährten. Sie lächelte entsprechend zu Lui hinüber, der unweit auf einer tiefen Astgabel hockend, ihren Blick mit dem aufspreizen seiner Flügel und einem kräftigen „Nein!“ kommentierte.
Sie machte sich nun bereit. Ihren Beutel wollte sie zurücklassen. Der graue Mantel hatte Taschen – da passte etwas von ihren Vorräten hinein. Wasser gab es genug in diesem Drom.
Ein echtes Problem stellte allerdings ihr Bogen dar, auf den sie nicht zu verzichten wagte. Hier erwies sich zunächst der bis über die Fußknöchel reichende, lange Mantel als nützlich. Den Lederbeutel mit den Pfeilen konnte sie unter ihm bequem versteckt unter ihrer Achsel tragen – auch den sperrigen Bogen schob sie der Länge nach unter den Stoff, und drückte ihn mit dem linken Arm an die Seite ihres Körpers. Beim normalen umhergehen erwies sich diese Lösung als durchaus brauchbar – der Versuch, sich mit dem Bogen unter dem Mantel irgendwo hinzusetzen zeigte aber deutlich die Grenzen dieser Lösung auf. Es war schlicht nicht möglich.
So verblieb letztlich nur die einfachste der Möglichkeiten eines Verbergens. Madame KA holte das Tuch vom Rücken ihres Biesels, auf dem sie beim Reiten zu sitzen pflegte. Seine Größe war mehr als ausreichend. Es schien ihr nicht die optimale Lösung, aber immerhin. Es konnte nun irgend ein Gegenstand sein, den sie verpackt mit sich trug.
„Ihr solltet nun doch besser den Rock der Braanen tragen!“, meinte Madame KA plötzlich. Wir kennen zwar die Verhältnismäßigkeiten dieses Droms noch nicht, aber auch bei dem letzten Zusammentreffen mit den Breenen waren wieder einige Braanen unter ihnen. Es scheint doch eine Normalität in dieser Verhältnismäßigkeit zu liegen – und ihr werdet euer Gesicht vielleicht nicht immer zweifelsfrei verbergen können unter ihnen!“
Endlich zum Aufbruch bereit, verschloss sie den nun dunkleren Mantel mit seinen großen Knöpfen, als das Untere Squatsch sich zu ihr gesellte, und sie etwas beiseite schob ... „Kishou … nun … also … verzeiht meine kleine unbemessene Verdrängung vom Allsein …“, raunte er ihr zu. „… aber ihr müsst unbedingt in einem Stück … in einem Stück hier wieder das Allsein verdrängen, wenn ihr zurückkehrt – wenn ihr meine Worte wohl bemesst. Wenn euch etwas geschehen sollte, also wenn … dann fürchte ich ... fürchte ich, wird dieses Drom hier das Allsein kennenlernen, noch lange bevor ... also noch lange bevor die Wasser auch hier versiegen. … wenn ihr wohl bemesst ... wenn ihr wohl bemesst, was ich meine. Wenn ihr versteht ...!“ Er warf einen unauffälligen, aber vielsagenden Blick in Richtung Boorh, dessen Gesicht zu einer finsteren Maske erstarrt war.
„Danke, Unteres Squatsch!“, verstand Kishou sofort. „Dann bleibt mir ja nix anderes übrig!“, meinte sie etwas lakonisch. „Passt auf ihn auf!“ Das sie darum einmal ausgerechnet das Untere Squatsch bitten würde, und ausgerechnet die Besorgnis von ihm kam, wäre ihr wohl auch nie in den Sinn gekommen.
Sie umarmte noch einmal alle, und stupste zuletzt Boorh mit seinem finsteren Gesicht mit den Worten in den Bauch, dass sie ja schon deswegen zurückkommen müsste, weil ja sonst niemand auf ihn aufpassen könnte – ließ sich von Habadam noch einmal die genaue Richtung anzeigen, positionierte nach den ersten Schritten den Kristall in ihrer Hand – und marschierte los …