Читать книгу Kishou IV - Michael Kornas-Danisch - Страница 4
Und noch eine Überraschung
ОглавлениеKishous erwachte von einem Geräusch, das ihr wohl bekannt war, dessen Erinnerung allerdings schon weit in die Vergangenheit reichte. Sie brauchte eine Weile, um es einordnen zu können. Sie schlug die Augen auf und schaute benommen hinaus in den bereits angebrochenen Tag. Ungläubig betrachtete sie das Geschehen, und es brauchte noch einmal eine gute Zeit, bis sie endlich bereit war, anzunehmen, was die Augen berichteten: Es regnete! Dicke Wassertropfen prasselten und klatschten in das Gehölz ihrer Überdachung, und davor auf eine dampfende, aufgeweichte Erde.
Noch etwas schwerfällig krabbelte sie vom Schoße Boorhs und trat hinaus. Der Boden vor ihrer Behausung war etwas abschüssig, so fand das Wasser nicht in ihre Zuflucht hinein. Sie breitete ihre Arme aus und streckte ihr Gesicht gegen den Himmel. Schwere, warme Tropfen zerplatzten darauf und durchtränkten ihren Kleider. Es war ihr nicht genug. Sie zog ungeduldig die nassen Kleider von ihrem Körper und erlaubte dem Wasser einen direkten Zugang zu ihm. Schwer atmend und offenbar glückselig drehte sie sich endlich vollkommen entblößt immer wieder im Kreise, das ihr fast schwindlig wurde.
Als ihr Blick endlich auch einmal wieder in die Baumhöhle fiel, weil selbst das laute prasseln des Regens ein wiederholtes „Nein, nein …!“ nicht gänzlich verschlucken konnte, sah sie dort, durch dicke Fäden herabfallenden Wassers, Lui von einem Bein auf das andere wankend, auf dem Boden hocken – und dass über beide Ohren etwas verklärt grinsende Gesicht Boorhs, der sie offenbar die ganze Zeit über beobachtet hatte.
„Es regnet!“, quietschte Kishou laut vor Vergnügen und immer wieder: „Es regnet!“
Dank der Fähigkeiten des Unteren Squatsch waren die Kleider Kishous bald wieder getrocknet. Die schweren Wolken waren weitergezogen, und hatten schließlich der Sonne den morgendlichen Himmel überlassen. Die Erde dampfte und durchtränkte die Luft mit einem betörenden süßen Duft von feuchtem Holz, Blüten und Gräsern. Kishou meinte, direkt im Paradies angekommen zu sein.
Es war nun aber auch keine Frage mehr: Zweifelsohne war dies keine große Oase, in die sie geraten waren. Die Natur der Oasen wurde von Wasser gespeist, das sich dort noch im Boden befand. Niemals hatte sie erlebt, dass es irgendwo auch nur einen einzigen Tropfen geregnet hatte. Warum dieses Drom allerdings offenbar von der Trockenheit des Großen Belfellands verschont war, wusste noch niemand zu sagen.
Bevor sie nun endlich aufbrechen konnten, musste nun auch noch das Biesel Kishous einige Hitzeschauer des Unteren Squatsch über sich ergehen lassen. Die flauschigen, langen Haare auf dem Rücken der großen Tiere waren vom Wasser durchtränkt. Sie hatten schließlich nicht den Vorzug eines Unterstandes während des Regens gehabt. Für die Chemuren war dies ohne Belang. Kishou wollte man allerdings nicht den Ritt auf einem durchnässten Bieselrücken zumuten. Auf diese Weise behielt sie wohl nach dem Aufbruch einen trockenen Po, nicht aber trocken Kleider. Vorbei schweifende Äste und das abtropfende Wasser von den Baumkronen durchtränkten sie Anfangs sehr schnell wieder, während die Gruppe sich ihren Weg durch die üppige Natur bahnte. Aber es war warm genug, das sie es eher als willkommene Erfrischung empfand.