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Bayerische Voralpen

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Berge zwischen Trubel und Stille

An einem Föhntag brauchen die Münchner nicht an den Tegernsee oder nach Garmisch zu fahren, um ihren Bergen nahe zu sein. Es reicht ein Besuch des Olympiaturms, 32 Sekunden Liftfahrt bis zur Aussichtsplattform 185 Meter über Grund. Da stehen sie dann am südlichen Horizont, schön aufgereiht und fast zum Greifen nahe, die Bayerischen Alpen, angeführt von der Zugspitze.

An- und Rückreise

Mit Bahn und Bus: Sowohl per Bahn als auch mit dem Bus sind die Ortschaften in den Bayerischen Voralpen bequem erreichbar. Von München führen Bahnlinien nach Oberammergau, Garmisch-Partenkirchen, Kochel, Lenggries, Tegernsee und Schliersee–Bayrischzell.

Mit Pkw: Wer mit dem eigenen Fahrzeug anreist, kommt ab München am bequemsten über die A 95 bzw. die A 8 ins Zielgebiet.

Nachhaltige Übernachtungsmöglichkeit, Einkehr, Einkaufen

Das Alpenvorland ist ein Top-Reiseziel. Entsprechend besteht ein breitgefächertes Angebot, von der AV-Hütte (am Berg) bis zur Luxusherberge mit Wellnessoase im Tal. Viele Almen bieten im Sommer Brotzeiten und Getränke an. Ein paar Einkaufstipps: Holzofenbrot (Adolf-Link-Hütte, Spitzing, www.alpenverein.de), Marmeladen und Aufstriche (Genussschmelzerei Essendorfer, Schliersee-Neuhaus, www.essendorfer.de), feine Käse (Tölzer Kasladen, Bad Tölz, www.toelzerkasladen.de), Weine und Delikatessen (Wein & Lukull, Lenggries, www.weinundlukull.de), Eybel Schokoladenquelle (Waakirchen, www.trueffel.de), Käse, Joghurt, Butter (Schaukäserei Ettal, www.schaukaeserei-ettal.de)

Ausrüstung

Normale Bergwanderausrüstung

Karten und Literatur

Eugen E. Hüsler, Isarwinkel, Rother Wanderführer; Hildegard Hüsler, Wanderführer Isarwinkel und Tegernseer Berge, Bruckmann Verlag AV-Karten Bayerische Alpen 1:25 000, Blätter 7, 9, 12, 13

Kontakt

Regionale bzw. örtliche Tourismusbüros, z. B. www.ammergauer-alpen.de, www.bad-toelz.de, www.lenggries.de, www.tegernsee.com


Ihr Gipfel liegt gut 90 Kilometer vom Olympiagelände entfernt, die Liftfahrt vom Eibsee herauf dauert – trotz modernster Technik – etwas länger als jene am Olympiaturm. Noch erheblich mehr zieht sich an schönen Sommertagen die Anreise, und wer Pech hat, verbringt kostbare (Frei-)Zeit mit nervender Parkplatzsuche.

Das gilt auch für Erholungssuchende, die den Walchensee ansteuern. Er hat sich in den letzten Jahren zu einem der absoluten Hotspots des bayerischen Wochenendtourismus entwickelt, die 28 Parkplätze am Südufer sind im Sommer bei Schönwetter rappelvoll, auf dem Wiesenstreifen zwischen Straße und Wasser räkeln sich Jung und Alt, mehr oder minder bekleidet, es riecht nach Sonnencreme. Draußen auf dem See wird eine neue Sportart geübt, auf einem Board stehend: SUP.

SUV und Wohnmobile verstopfen derweil Straße und Parkflächen. Heile Bergwelt? Die beginnt erstaunlicherweise bereits ein paar Schritte vom See entfernt. Das Baumgrün schluckt den Lärm, dafür zwitschert und pfeift es in den Bäumen, untermalt vom Gurgeln eines Bergbachs. Ein dicker Ameisenhaufen demonstriert eindrucksvoll, wie Gewusel nach einem (geheimen) Plan völlig lautlos funktioniert.


Nur frühmorgens einsam: der Herzogstand. Tiefblick auf den Kochelsee

Wege in die EinsamkeitEs gibt sie, auch in den Bayerischen Voralpen, und manchmal beginnen sie da, wo der Trubel am größten ist. Wer kennt schon den vielleicht schönsten, garantiert intimsten Ausguck hoch über dem Walchensee? Natürlich sind damit nicht die beiden absoluten Hotspots der Region gemeint, auch nicht der Simetsberg. Letzterer bietet übrigens – wenn Tageszeit und Lichteinfall stimmen – beim Abstieg einen Tiefblick auf den See, den man nur magisch nennen kann. Wie ein blauer Spiegel liegt das Gewässer da, eingebettet in verschattete, dunkle Waldhänge. Mit dem Fernglas lässt sich mit etwas Glück ziemlich genau im Osten, am bewaldeten Hang des Rautbergs, zwischen den Baumwipfeln die kleine Hütte mit dem ganz großen Walchenseeblick entdecken – ein echter Geheimtipp. Also bitte nicht weitersagen …

Erbe der WittelsbacherEin besonders weitläufiges Wandergebiet sind die Ammergauer Alpen, einst das bevorzugte Jagdrevier der bayerischen Könige. Auch im Vorkarwendel gingen die Wittelsbacher gern hoch zu Ross auf die Pirsch. So mancher der kunstvoll angelegten Reitwege blieb erhalten, andere sind längst verfallen, wie etwa der Herzogsteig unter der Schöttelkarspitze. Wer die Soiernseen mit dem Drahtesel ansteuert, folgt den Spuren des Märchenkönigs Ludwig II. Der hatte es allerdings weniger mit der Jagd; er ließ sich lieber – so heißt es zumindest – bei Vollmond in einem Boot übers Wasser rudern. Dabei kam ihm wohl die Idee einer Seebühne, um in der großen Bergkulisse Wagners Oper »Rheingold« aufführen zu lassen. Das Spektakel hätte man sich sogar von der Schöttelkarspitze aus anschauen können. Die bekam einen Pavillon, für dessen Bau man die Bergspitze um ein paar Meter abtragen musste. Ludwigs kunstvoll angelegten Reitweg nutzen heute die Wanderer; vom Pavillon, der bei einem Unwetter abbrannte, ist lediglich eine etwa drei Meter lange Eisenstange übriggeblieben. Das Soiernhaus – heute eine in Ehren ergraute Alpenvereinshütte – diente dem Monarchen als Unterkunft, das Gesinde war in einem Nebenhaus untergebracht.


Ein prächtiger Falter: der Admiral


Auch in den Bayerischen Voralpen häufig anzutreffen: der Stengellose Enzian

Im Schatten der HotspotsStille Winkel finden sich oft auch in der Nachbarschaft stark frequentierter Wanderziele – siehe Walchensee. Während rund um den Tegernsee der Bär brummt und die Parkplätze am Spitzingsee rappelvoll sind, begegnet man westlich des Blaubergkamms, zwischen Achenpass und Schildenstein, kaum einer Menschenseele. Sogar in der Wendelsteinregion – nicht unbedingt als Diaspora zu bezeichnen – gibt es ruhige, wenig begangene Wege und einsame Berge. Ein schönes Beispiel ist da der Hochsalwand-Ostgrat, unmarkiert und mit ein paar kurzen, leichten Kletterstellen garniert. Vom Gipfel aus kann man dann zuschauen, wie die Zahnradbahn des Herrn Steinbeis (so hieß der Erbauer und Finanzier wirklich!) an der schroffen Soinwand zur Bergstation hinaufklettert. Oben wuselt es an Schönwettertagen mächtig. Wer zum Gipfel und zur ganz großen Aussicht will, muss sich auf eine Viertelstunde Kolonnenwandern einstellen.

Auch weiter westlich, an Isar und Krottenbach, lassen sich Wanderziele entdecken, die fast noch als Geheimtipps durchgehen, etwa der Aufstieg zum Delpssee oder der Moosbachsteig mit seinen zauberhaften Wasserkaskaden, die sich über sagenhafte 350 Höhenmeter aneinanderreihen. Links des Rißbachs erhebt sich, ansetzend mit dem Galgenstangenjoch, die lang gestreckte, mehrgipflige Soiernkette. Die Gratüberschreitung bis zur Krapfenkarspitze ist ein absolutes Highlight und garantiert ein paar Stunden Bergeinsamkeit.

Das gilt auch für das Estergebirge, das sich mit seinen ewig langen oder sausteilen Anstiegen als ziemlich resistent gegen Besucherinvasionen erweist. Totale Einsamkeit verheißt der Aufstieg vom Loisachtal über die Teufelskapelle zur Hohen Kisten. Im Herbst wird man da höchstens einem Jäger begegnen. Wenn der dann nicht so richtig freundlich schaut, liegt es daran, dass die Waidmänner Touristen in ihrem Revier nicht gern sehen.

Früh aufstehen!Bergeinsamkeit gibt es – kein Witz! – auch am Herzogstand, am Brauneck oder an der Rotwand. Voraussetzungen: schönes Wetter und ein ganz früher Start. In den Tag hinein wandern, aus dunkler Nacht. Du hast den Berg für dich allein, kannst mit tausend Sternen am Himmel plaudern, auf die ersten Vogelstimmen hören, zuschauen, wie es im Osten allmählich zu dämmern beginnt. Und dann das Finale. Über einem nachtdunklen Bergrücken steigt sie hoch, erst nur ein gleißender Punkt, dann zur Kugel anwachsend: die Sonne, der 150 Millionen Kilometer entfernte Fusionsreaktor. Was für ein Schauspiel!

Einen fast unwirklichen Sonnenaufgang erlebten wir vor ein paar Jahren am Jochberg. Als die Sonne frühmorgens über der Benediktenwand erschien, tauchte der Vollmond, rötlich leuchtend, gerade hinter der Zugspitze ab. Ein Gänsehautmoment in Zeitlupe, unvergesslich!


Der letzte Wildfluss Bayerns: die Isar

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