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Geschichtliche Streifzüge

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Zwischen den beiden Frauen aus Pompeji und der lesenden Athenerin auf der kleinen attischen Vase des 5. vorchristlichen Jahrhunderts liegt ein Zeitraum von fünfhundert Jahren. Eine Zeit, die der antiken Welt ein vollkommen neues Gesicht gab.

Griechische Kunst und Kultur, griechisches Denken, griechische Lebensweise und die griechische Sprache waren durch einen beispiellosen, mit dem großen Alexanderzug beginnenden Eroberungswillen bis in weit entfernte Gebiete getragen worden, im Osten bis nach Indien, im Süden bis nach Ägypten. Neue Herrschaftsgebiete entstanden. Städte wurden nach dem Vorbild griechischer Poleis gegründet. Sie gerieten zu Brennpunkten der Hellenisierung der Welt, in der griechische Kunst und Kultur im Aufeinandertreffen mit fremden Welten auch zu neuer Blüte und zu neuen Formen fand. Regionale und kulturelle Vielfalt kennzeichnen das Bild der hellenistischen Welt, in der das Griechische stets tonangebend blieb.

Als die Römer seit der Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. in diese Welt vordrangen und auch den östlichen Mittelmeerraum zu dominieren begannen, verloren die hellenistischen Städte und Königreiche ihre politische Macht, nicht aber ihre kulturelle Ausstrahlung. Von Anfang an prägte die hellenistische Kultur den Gang der römischen Geschichte und durchdrang die Lebenswelt einer römischen Aristokratie und wohlhabenden Bürgerschaft, von Männern wie von Frauen. Sie adaptierten und transformierten griechisch-hellenistische Kunst und Architektur, griechische Lebensart, griechische Ideen, orientierten das Erscheinungsbild ihrer Städte sowie ihren Lebensstil an griechisch-hellenistischen Vorbildern. Von den Griechen übernahmen sie die Wertschätzung von Bildung und Wissen, übersetzten ihre Werke ins Lateinische, füllten ihre Bibliotheken und privaten Büchersammlungen mit lateinischer wie griechischer, zumeist gewaltsam erbeuteter Literatur. In der römischen Gesellschaft galt es bald als vorbildlich, in beiden Sprachen bewandert zu sein, Griechisch wie Lateinisch sprechen und schreiben zu können. Bildung im Sinne der griechischen paideia beförderte das soziale Ansehen römischer Familien und trug nicht unwesentlich dazu bei, ihnen politischen Einfluss und Geltung in der Welt zu verschaffen.

So überrascht es nicht, dass Bildung und Gelehrsamkeit auch in der römischen Welt zum Bildthema wurden, beispielsweise auf Wandbildern der zunehmend prachtvoller ausgestatteten römischen Stadthäuser und Villen auf dem Lande. Buchrollen und Behältnisse zu ihrer Aufbewahrung sowie diverse Schreibutensilien symbolisierten eine zum Lebensalltag gehörende Bildungsoffenheit. Auch wenn darin ein Repräsentationsbedürfnis bildungsbeflissener Familien zum Ausdruck kommt, spiegeln die Sammlung von Büchern und die sorgfältige Gestaltung der Bibliotheken und Leseräume innerhalb des Hauses zugleich die Bedeutung wider, die der Bildung und der Beschäftigung mit Literatur beigemessen wurde. Während der späten Republik und vor allem in der römischen Kaiserzeit war das Lesen und Schreiben in weiten Teilen der Bevölkerung, auch unter der einfachen Landbevölkerung sowie der großen Gruppe der Sklaven und Freigelassenen, verbreitet und eine für das tägliche Leben auch notwendige Fähigkeit, nicht zuletzt in den städtischen Zentren des römischen Reiches.

Lesen jedenfalls öffnete das Tor zu griechischer Kunst und Kultur, und das Bedürfnis nach Literatur war entsprechend groß. Römische Verlage, ein florierender Buchhandel und Schreibstuben zur Vervielfältigung der Werke trugen denn auch zu einer raschen Verbreitung von Literatur im gesamten Imperium bei. Und zu den Lesenden gehörten selbstverständlich auch Frauen.

Eine Spur von Glück

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