Читать книгу Revolverhelden in der Stadt: Glorreiche Western Sammelband 7 Romane - Pete Hackett - Страница 31

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Das heisere Krächzen der Krähen verriet mir, dass wir die Nähe der Wasserstelle dicht vor uns hatten. Mit heftig schlagenden Flügeln erhoben sich die Vögel in die Luft und stiegen, schimpfend über die Störung, in den Himmel.

Ich ließ Fox langsamer gehen und sah das Mondlicht im Wasser wie in einem Spiegel.

Die Posse verteilte sich um den kleinen Tümpel und stieg ab. Mit langen Stangen rückten die Männer dem Wasserloch sogleich zu Leibe und stocherten darin herum, indem sie die lehmigen Wände abtasteten und versuchten, etwas auf die angebrachten Haken an den Stangenenden zu spießen.

Ich stieg mit Chaco zugleich ab und näherte mich den anderen.

„Hier, ich hab was dran!“, rief ein Mann. Langsam zog er seine Stange aus dem Wasser.

Ich beugte mich vor. Es war kein toter Wolf, der aus dem nun von kleinen Wellen zerrissenen Spiegel gehievt wurde, sondern ein Stück zurechtgeschnittenes Fleisch.

Ein kleiner Mann hustete erstickt und wandte sich, grün im Gesicht, ab.

Der Fleischer trat näher. „Das sieht ja aus, als wäre es aus meiner Abfallgrube!“

Sie liefen alle auf der anderen Seite zusammen, husteten, schluckten, und einige mussten sich sogar übergeben, so sehr überfiel sie die Übelkeit angesichts des verwesten Fleisches.

„Natürlich, ist es auch“, sagte der Fleischer. „Aber wie gelangt das hierher?“

Während sie mutmaßten und Chaco sich zu ihnen gesellte, ging ich am nassen, aufgeweichten Ufer entlang, sah die Spuren der Pferde, aber noch dichter am Wasser einen Fußabdruck.

„Das hat jemand absichtlich hineingeworfen“, sagte der Fleischer. „Von selbst läuft es schließlich nicht hierher.“

„Dieser Olmsted, was?“, wandte jemand ein.

„Unsinn“, sagte Chaco schroff. „Das lag doch zwei oder drei Tage im Wasser. Olmsted befand sich gestern noch weit im Norden und hatte von der Existenz der Stadt und des Tümpels keinen blassen Schimmer.“

„Er hat recht“, stimmte der Fleischer zu. „Das muss sich ein anderer ausgedacht haben. Los, sucht weiter. Kann sein, dass noch mehr drin liegt.“

Ich blickte immer noch auf den Fußabdruck, zu dem ich mich weiter hinunterbeugte. Es gab noch mehr Stiefelspuren in der Nähe, aber sie rührten alle von hochhackigen Texasstiefeln her, nicht wie diese eine Spur mit dem breiten, schiefgetretenen Absatz, der zum Teil abgebrochen war.

Ich ging weiter, weil ich die erregten Leute darauf nicht hinweisen wollte, nahm mir aber vor, künftig Spuren in der Stadt oder deren Nähe daraufhin näher in Augenschein zu nehmen.

„Hier ist noch ein Stück!“, meldete der Sattler und hob den nächsten verwesten Fleischbrocken an seiner Stange aus dem Wasser.

„Also, Leute, dieses Wasserloch können wir vorerst vergessen.“ Der Fleischer nahm dem Sattler die Stange ab. „Bis es sich regeneriert, werden Monate vergehen.“

„Dann müssen wir alle verdursten oder die Stadt verlassen“, wandte ein kleiner, kahlköpfiger Mann ein. „Ich besitze nicht mal einen Wagen, auf den ich meine Habe laden könnte.“

Ich umging den Wassertümpel und gesellte mich zu den Leuten, die zu Recht deprimiert, um nicht zu sagen verzweifelt waren.

„Wir sollten zuerst nach Saquarra zurückreiten“, schlug ich vor.

„In Ordnung“, stimmte der Fleischer sofort zu. Er zog einen Ledersack aus der Satteltasche und verstaute das verweste Fleisch darin. „Das muss weg hier, sonst wirft es noch mal jemand hinein.“

Ich stieg in den Sattel und ritt langsam den Lichtern der Stadt entgegen.

Chaco folgte mit den anderen, die mich bald einholten.

„Was tue ich nur?“, jammerte der kleine, kahlköpfige Mann. „Ich kann doch meine Habseligkeiten nicht in eine andere Stadt buckeln? Wissen Sie keinen Rat, Mister Carringo?“

„Warten Sie doch erst mal ab. Manches ist auf den zweiten Blick nur halb so schlimm, wie es auf den ersten erschien.“

„Sie haben Nerven, Mister. Es gibt für uns nur dieses eine Wasserloch. Da gesellt sich auch auf den zweiten, dritten oder vierten Blick kein weiteres hinzu.“

„Wie weit ist es zum nächsten Fluss?“

Der kleine Mann blickte fragend auf den Fleischer, der seinerseits zum Sattler schaute.

„Das können rund vierzig Meilen sein.“

„Nicht sehr nahe“, gab ich zu. Aber …“ Ich brach mitten im Satz ab und zügelte den Hengst.

„Was ist los?“, fragte Chaco.

Alle blickten wie ich zum Ostende der Stadt.

„Feuer!“, rief ein Mann gepresst.

Flammen züngelten an etwas hoch, das sich noch nicht erkennen ließ.

Ich trieb Fox an, galoppierte durch das Gestrüpp, zog das Gewehr aus dem Scabbard und repetierte es.

Schemenhaft sah ich schon nach hundert Yards Gestalten im Feuerschein und eine Menge Pferde.

„Das ist doch dieser Olmsted, wenn mich nicht alles täuscht!“, rief Chaco.

Ich jagte einen Warnschuss aus dem Gewehr, weil ich verhindern wollte, dass die Halunken weitere Schuppen anzündeten.

Pferde wieherten. Jemand schrie etwas, was wie ein Befehl klang.

Ich repetierte das Gewehr und feuerte abermals.

Peitschen knallten. Die Schurken schossen aus Revolvern hinter sich und brachten ihr Pferderudel in Bewegung.

Wir erreichten den Schuppen. Das strohtrockene Holz stand schon bis zum Blechdach hinauf in lodernden Flammen, die auf das angebaute nächste Gebäude übergreifen wollten.

Ein paar der Männer schossen noch.

Ich sprang ab. Chaco tauchte bereits von der anderen Seite auf. Wir nahmen den Männern zwei Stangen ab und gingen daran, die Feuerstätte umzureißen.

„Dieses verdammte Pack soll doch der Satan holen!“, brüllte der Sattler.

Das Gewehrfeuer hielt weiter an. Andere Leute eilten aus der Stadt herbei.

„Das war dieser Olmsted!“

„Hier, seht euch an, was im Tümpel lag!“ Der Fleischer öffnete den Sack, aus dem der Gestank wie eine Gaswolke stieg und die Menge zurückweichen ließ.

„Von meinem Abfallhaufen. Das hat da jemand geholt und ins Wasser geworfen.“

„Aber es muss schon zwei oder drei Tage her sein“, setzte der Sattler hinzu.

Nur noch zwei Männer waren auf den Gedanken gekommen, uns zu helfen. Gemeinsam rissen wir den brennenden Schuppen um und bewahrten das nächste Gebäude vor dem gleichen Schicksal.

Ich warf die Stange auf den Boden, gab Chaco ein Zeichen und umging die palavernde Menge.

„He, Mister Carringo, wollen wir die Schufte nicht verfolgen?“, rief der Sattler uns nach.

Ich sah, dass auch ein Teil der anderen Leute solche Gedanken hegte.

„Vielleicht war dieser Olmsted es doch. Mit dem Fleisch, meine ich.“ Der Sattler kratzte sich am Kinn.

„Er kann es nicht gewesen sein“, erwiderte ich.

„Und dass er die Stadt anzünden wollte, sollen wir einfach so hinnehmen?“

„Ihr könnt die Kerle ja verfolgen. Für mich und Chaco gibt es im Augenblick bestimmt Wichtigeres zu tun.“

Wir gingen weiter.

„Denkst du wirklich, man könnte aus vierzig Meilen Entfernung Wasser heran karren?“ Chaco schien erhebliche Zweifel mit einer solchen Vorstellung zu verbinden.

„Wir müssen, sonst ist die Stadt wirklich verloren.“

„Vierzig zum Fluss und vierzig zurück sind achtzig.“ Bedenklich wiegte Chaco den Kopf. „Ein Wagen ist tagelang unterwegs. Und was bringt er dann hier an? Einen Tropfen für den heißen Stein.“

Ich sah Hillary mitten auf der Straße und konnte die Debatte nicht fortsetzen, aber ich blieb fest entschlossen, die einzige Chance zu nutzen, die ich für das Nest noch sah.

Stud Johnson, der Händler und Fuhrunternehmer, stand bei seinen Stallungen, die Fäuste in die Hüften gestemmt.

Ich blieb stehen und schaute zu dem hünenhaften Fünfziger hinüber, der den quadratischen Schädel immer etwas vorgereckt hielt und ein Genick wie ein Ochse hatte.

Er war mir nicht ganz geheuer, dieser Mann, der Waren verkaufte, transportierte und manches in der Stadt auch herstellen ließ. Viele seiner Arbeiten geschahen im Auftrag der Regierung. So zum Beispiel die Belieferung der Indianeragenturen in der Nähe. Er unterhielt dafür ein ganzes Geschwader von Frachtwagen und verfügte über eine entsprechende Menge hartgesottener Fuhrleute. Aber man hatte mir schon zu verstehen gegeben, dass Stud Johnson nicht so bieder und gesetzestreu wäre, wie er sich gab.

Im Augenblick erschien mir das alles unwichtig. Johnson war der Mann, der Saquarra retten konnte.

Hillary erreichte uns.

Ich stieg ab. „Wir müssen mit Johnson reden und versuchen, einen Wasserdienst einzurichten. Von der nächsten Furt des Flusses bis hierher.“

Revolverhelden in der Stadt: Glorreiche Western Sammelband 7 Romane

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