Читать книгу Ein Leben für die Einschlussforschung – ein Freiberger Mineraloge erzählt - Rainer Thomas - Страница 11
ОглавлениеArbeiter- und Bauernfakultät (ABF) Freiberg6
Die Delegierung durch den Betrieb (VEB Steinkohlenwerk „Martin Hoop“) zur ABF in Freiberg war eigentlich folgerichtige Konsequenz, da eine Perspektive im Steinkohlenbergbau schwer vorstellbar war. Außerdem habe ich in den drei Jahren Lehrzeit eine ständige Unterforderung gespürt, die sich durch die schwere Arbeit und durch den einfachen Unterrichts-Inhalt immer mehr verfestigte. Durch diese Unterforderung manifestierten sich handfeste Defizite, die an der ABF rasch erkannt und durch die konsequente Arbeit, insbesondere durch Herrn Steeger, stufenweise abgebaut wurden. In Mathematik, Physik und Chemie hatte ich, bis auf Anfangsprobleme, keine Schwierigkeiten. Hauptproblem waren Deutsch und die Fremdsprachen – nicht sonderlich überraschend, da ich in der Kindheit ein ausgesprochener Linkshänder war. Später konnte ich rechts- und linkshändig mit gleicher Geschwindigkeit schreiben. Die Probleme mit Deutsch habe ich in der ABF einigermaßen zu meistern gelernt. Aufsätze habe ich stets kurz gehalten, so dass immer genug Zeit blieb, den Text rückwärts zu lesen (ein Tipp von Herrn Steeger), um die Schusselfehler aufzufinden.
Schon in der ersten Grundschulklasse hatten sich diese Probleme gezeigt. Meine Klassenlehrerin Frau Wehder, von meinem Vater befragt, wie ich mich so mache, antwortete kurz und bündig: ganz dumm ist er nicht, rechnen kann er nämlich. Seit dieser Zeit wurde bei uns oft das Sprichwort „Lehrers Kinder, Pastors Vieh, gedeihen selten oder nie“ gebraucht. Die angeborene Rechtschreibschwäche wurde noch dadurch potenziert, dass ich sehr viele alte Bücher aus der Bibliothek meines Vaters gelesen hatte. Als Neulehrer hatte er von den Russen Teile der Bibliotheken der Familie von Nostitz und Jaenckendorf, des Nostitz‘schen Gutsverwalters Georg Kittel und der Siemens-Werkbibliothek zugeteilt bekommen. Die Bücher aus Kittels Bibliothek zierte ein Exlibris, das mich immer wieder zum Nachdenken anregte.
Als Ursache für die angeborene oder auch „erworbene“ Legasthenie ist in meiner völlig unkritischen Lesewut zu sehen: ich habe, viel zu früh, Ernst Haeckels Buch „Die Welträthsel“ aus dem Jahr 1899 gelesen – mit verheerenden Auswirkungen auf die Rechtschreibung, verstärkt durch die Linkshändigkeit. Ehe ich kapiert hatte, dass z. B. „gibt“ nicht mit „ie“ wie im Buch geschrieben wird, zierte so manche 5 meine Diktate. Meine Lesewut resultierte aus meinen Handicaps Asthma und Ekzem. In der frühen Kindheit musste ich der Sonne aus dem Weg gehen. Draußen war ich meist nur bei schlechtem Wetter. Erdbeeren und Tomaten riefen heftige Reaktionen hervor. Tomaten brauchte ich nur zu sehen. Erst nach der Lehre hat sich das zum Guten entwickelt. Jetzt sind Tomaten vom Speiseplan kaum wegzudenken.
Ende der 7. Klasse fiel mir die 10. Auflage des kleinen Thompson in die Hand: „Höhere Mathematik und doch verständlich“. Ich habe das Büchlein mehrmals durchgearbeitet und konnte bereits in der 8. Klasse differenzieren und integrieren. Am meisten hat mich die Anwendung auf die Physik begeistert. Aber der Physiklehrer, Herr Passoke, wollte davon nichts wissen – er hat mich richtiggehend ausgebremst und mir für eine gewisse Zeit die Freude am Entdecken genommen. Rückschauend wiederholte sich dieses „Ausbremsen“ recht oft in meinem Leben. Nur durch Hartnäckigkeit und eine große Portion Sturheit konnte ich trotzdem meinen eigenen Weg selbstbestimmt fortsetzen.
Die ABF in Freiberg unter Leitung von Professor Leo Gottschalk (1908–1971) hatte, trotz ihrer politischen Zielsetzung, einen insgesamt positiven Einfluss auf meine Entwicklung. Ich blieb aber durch meine persönlichen Erfahrungen in Zwickau immer ein wenig Außenseiter, auch politisch gesehen – ich stand den politischen Entwicklungen immer sehr skeptisch gegenüber. Oft wurde der Begriff „ungläubiger Thomas“ verwendet – das war nicht nur auf die religiöse Einstellung reflektiert. Gleich zu Beginn der ABF-Zeit wurden die Studenten für die „Ochsenkopf-Aktion“ ausgenutzt. Bei dieser Aktion wurden die Fernseh-Antennen, die nach dem Westen ausgerichtet waren, von den aufgehetzten Studenten von den Dächern geholt. Ich habe mich erfolgreich davor gedrückt. Das entsprach absolut nicht meiner Mentalität. Oft kehrten sich bei mir die uns vehement eingetrichterten politischen Absichtserklärungen in das Gegenteil um.
Im Spätherbst 1961 wurden wir, anstelle des eigentlich obligatorischen Ernteeinsatzes, zur sozialistischen Hilfe nach Sondershausen in die dortige Kali-Grube geschickt – eine völlig neue Bergbau-Erfahrung. Steinkohlen- und Kali-Bergbau unterscheiden sich gewaltig – nicht nur in den Dimensionen.
Das Betriebspraktikum im Sommer 1962 führte mich zum VEB Berg- und Hüttenkombinat Freiberg in die Elektrolyse-Abteilung, in der Feinzink als Hauptprodukt abgeschieden wurde. Für mich interessant war der anfallende Elektrolyse-Schlamm, der neben Kadmium viele andere seltene Elemente in hohen Konzentrationen enthielt. Ich habe dann in den Sommerferien aus so einem Presskuchen Indium-Verbindungen isoliert. Nach der ersten Anreicherungsstufe hat mich die indigoblaue Flammenfärbung weiter beflügelt. Zur weiteren Anreicherung hatte ich unter anderem größere Schwefelwasserstoffmengen benötigt, die ich mit meinem Kippschen Apparat erzeugte. Durch den nicht zu vermeidenden Abrieb des selbst erzeugten Eisensulfides ist mir der Kipp „durchgegangen“ – ich habe ihn kurzerhand ins Treppenhaus gestellt. Der schwere Schwefelwasserstoff ist bis in den Keller gesunken und sorgte für Panik. Ich hörte noch: „Josef, komm schnell mal in den Keller, da muss ein Sauerkrautfass geplatzt sein“. Ich habe kurzerhand den Kipp in die mit Wasser gefüllte Badewanne geworfen und somit die Gasentwicklung beendet. Die Ursache für den Gestank kam nie heraus. Josef Kahlert, er wohnte mit seiner Familie eine Etage unter uns, hat viele Jahre im Wismut-Bergbau gearbeitet und ist sehr früh an Lungenkrebs, wahrscheinlich aber an einer Staublunge gestorben. Von ihm hatte ich ein paar schöne Quarzstufen aus Johanngeorgenstadt.
Die ABF in Freiberg hatte das vordergründige Ziel, Kinder aus Arbeiter- und Bauernfamilien oder junge Leute aus der Berufspraxis auf das Hochschulstudium vorzubereiten. Es waren oft Jugendliche, die als „Spätentwickler“ bezeichnet werden können – die erst durch die Berufsausbildung, die in meinem Fall sehr hart war, begriffen haben, dass es ohne Abitur kein Weiter gibt.
Biologie hatten wir bei Herrn Einenkel, der uns den Stoff sehr anschaulich vermittelte. Häufig hat er uns spannende Geschichten aus der Medizinforschung vorgelesen. Aber von der modernen molekular-genetischen Entwicklung in der Biologie, die mit der Entdeckung der Doppelhelix im Jahre 1953 durch James D. Watson, Francis H.C. Crick und Maurice H.F. Wilkins begann, haben wir nichts erfahren.
Viel später haben mich diese Entdeckung und ihre menschliche Seite fasziniert, die im Buch „Die Doppel-Helix – ein persönlicher Bericht über die Entdeckung der DNS-Struktur“ von James D. Watson aus dem Jahr 1971, bei Rowohlt erschienen, sehr überzeugend dargestellt ist.
Der Englisch-Unterricht kann eindeutig als Flop betrachtet werden. Der Englischlehrer, Herr Hafner, war oft krank und wenn er anwesend war, ließ er sich durch aktuelle Fußballereignisse ablenken, wobei er meist selbst den Anlass gab. Wir schafften nur die ersten 5 Lektionen des Lehrbuches. Dieses Manko führte dazu, dass der Einstieg in die englische Sprache derart verzögert wurde, dass sich diese Schwäche praktisch bis heute bemerkbar macht.
Eine Gruppenfahrt von zwei ABF-Klassen nach Berlin, es war wohl im Frühjahr 1962, vermittelte mir den ersten nachhaltigen „Kulturschock“. Wir besuchten auf Vermittlung von Heiner Müller das Berliner Ensemble und hier die Generalprobe zum Coriolan mit der Starbesetzung Helene Weigel, Ekkehard Schall (als Coriolan) und Wolf Kaiser. Die Probevorstellung war durch einen sehr rauen Ton unter den Schauspielern geprägt. Während einer Pause zogen sie sich in eine Art Kneipe in der Nähe der Bühne zurück und hinterließen diese innerhalb von 10 Minuten als Saustall. In dieser Pause besichtigten wir auch den Parkplatz der Schauspieler. Bis auf zwei Fahrzeuge (einen Trabant und einen Wartburg) waren es durchweg Westfabrikate und hatten alle Westberliner Kennzeichen. Auch solche eigentlich belanglose Beobachtungen hinterließen unmerklich nachhaltige Spuren.
Am Ende der Ausbildung stand mit dem Abitur die Wahl der Fachrichtung bevor. Kurzzeitig war ich hin und her gerissen zwischen Mathematik, Chemie und Mineralogie.
Eine Jahresarbeit in Chemie unter Betreuung von Herrn Kleeberg mit dem Thema „Darstellung, Eigenschaften und Verwendung des Phenylhydrazins“ ließ das Pendel zugunsten der Chemie ausschlagen. Am Ende dieser Arbeit stand die Präparation des Diphenylthiocarbazons – des Dithizons –; ein wichtiges Reagens für über ein Dutzend Metalle im Mikro- und Spurenbereich. Ein Kommilitone, Ralf Egenolf aus Zwickau, hatte sich die Harnstoffsynthese nach Friedrich Wöhler (1800–1882) aus dem Jahre 1828 ausgesucht. Wir standen zusammen so manche Stunde im Labor. Damals war ich von der klaren Linie der organischen Chemie begeistert. Hans Beyers 10. Auflage des „Lehrbuchs der organischen Chemie“ war mein Leitfaden in dieser Zeit. Mit der Chemie-Jahresarbeit wurde ich Dauergast in der Bibliothek der Bergakademie, damals noch in der Nonnengasse, mit der Leihkartennummer 2263. Viele alte Arbeiten von Liebig und Wöhler habe ich im Lesesaal der Bibliothek auf der Nonnengasse gelesen und musste oft über die zum Teil drastischen Formulierungen wie „der Labordiener hat bis zur Erschöpfung zu rühren“ schmunzeln. In dieser Zeit entwickelte sich auch ein ausgeprägtes Interesse für die Geschichte der Chemie.
Meine Besuche in der Bibliothek waren aber nicht nur durch mein fachliches Interesse geprägt, sondern im Zeitschriftensaal habe ich viele Zeitschriften anderer Disziplinen durchgesehen und interessante Beiträge gelesen und somit ein naturwissenschaftliches Allgemeinwissen aufgebaut. Von interessanten Beiträgen habe ich mir Notizen gemacht und meistens auch Sonderdrucke angefordert. Einige habe ich noch heute. So zum Beispiel von Raul Zingg: Ernst Haeckels „Kunstformen der Natur“ 1. Radiolarien, 2. Foraminiferen, 3. Diatomeen und Desmidiazeen, 4. Dinoflagellaten und die Grünalge Pediastrum aus der Zeitschrift Mikrokosmos von der Frankh’schen Verlagshandlung Stuttgart. Von vielen methodischen Beiträgen zur Mikroskopie aus den Zeitschriften Mikrokosmos und Microscopica Acta habe ich Sonderdrucke geschickt bekommen. Auch die Zeitschrift Natur und Museum (Frankfurt a. M.) habe ich ständig durchgearbeitet. Diese Bibliotheksnotizen sind die einzigen Aufzeichnungen, über die ich noch heute lückenlos verfüge.
Das Chemielabor der ABF in der Lessingstrasse war sehr gut ausgerüstet. Bei der Präparation des Phenylhydrazins musste ich einmal mit größeren Mengen Äther arbeiten. Bei der abschließenden Destillations-Arbeit fiel der Abzug kurzeitig aus und ich habe dabei größere Mengen Äther eingeatmet. Am nächsten Tag wurde eine Mathematikarbeit bei Oberstudienrat Profe geschrieben – ich habe totalen Unsinn zu Papier gebracht. Ich war irgendwie völlig abwesend.
Der kurzfristigen Euphorie für Chemie folgte die Ernüchterung. Die Zahl der Studenten, die sich in Chemie eingeschrieben hatten, war damals außerordentlich hoch. Das widersprach meinem „eigenbrötlerischen“ Naturell. Letztlich ausschlaggebend war ein älterer Hochschulführer der Bergakademie Freiberg in Vaters Bücherschrank. Nicht die Neigung zu einer Fachrichtung, sondern die Anzahl der Übungsscheine ohne Note stand plötzlich im Vordergrund, die für das Fach „Mineralogie“ besonders gering war. Dünnbrettbohren wurde ab und an zur Methode. In dieser Hinsicht war die Mineralogie einsame Spitze, was sich aber später als Trugschluss herausstellte. Der Übungsschein ohne Note für die Mathematik war aber erstaunlicherweise übriggeblieben.
Das Interesse an Mathematik ist in den folgenden Jahren nie ganz erloschen, natürlich auf niedrigem Niveau. Das meist autodidaktische Wissen reichte aber, um viele der späteren Probleme in der Praxis schnell und unkompliziert zu lösen.
Trotz gewisser Schwankungen in den Jahren der Findung bin ich folgerichtig bei der Mineralogie geblieben und habe beide „Steckenpferde“ – die Mineralogie und die Chemie – vereint und das Studium als Mineraloge mit geochemischer Ausrichtung erfolgreich abgeschlossen. Berufsbezeichnung: Mineraloge und Geochemiker.
In der ABF-Zeit begann ich 1961 mit dem Boxtraining bei Turbine Freiberg in der Turnhalle auf der Turnerstraße. Die Anfänge gingen aber auf die Lehrzeit in Zwickau zurück. Das Training bei Rudi Fleischer und Horst Hempel machte mir viel Spaß, das eigentliche Boxen sah ich als notwendiges Übel an. Bei Boxveranstaltungen im Freiberger Tivoli betreute ich meistens die Sportler vor oder nach dem Kampf in der Kabine. Zugeschaut habe ich selten. In der DDR-Liga-Mannschaft von Turbine Freiberg vertrat ich das Federgewicht. Meinen ersten Kampf bestritt ich 1962 auf dem Obermarkt. Mein Gegner war ein Herr Schramm vom Armee-Sportklub Halle – ich verlor in der dritten Runde nach Punkten. Von dieser Kampfveranstaltung gibt es auch eine Filmaufzeichnung. Als Rechtsausleger habe ich danach eine ganze Reihe von Kämpfen mit einem spektakulären linken Haken gewonnen. Auch den Herrn Schramm habe ich in einem zweiten Kampf in Halle durch K.O. besiegt. Das sicherte mir einen ständigen Platz in der DDR-Liga-Mannschaft im Federgewicht. Am Anfang entsprach das Federgewicht durchaus meiner körperlichen Verfassung. Aber im Laufe der Zeit gelang es mir nur unter erheblichen Strapazen, das Gewicht zu halten. Vor einem Wettkampf wurden Aufenthalte im Heizungskeller der Papiermaschinenfabrik PAMA in Freiberg auf der Annaberger Straße obligatorisch. Eingemummt mit Mütze und Schal wurde das Übergewicht durch aktives Schwitzen und Seilspringen reduziert. Vor einem Kampf wurde auch die Ernährung umgestellt: eine Flasche Freiberger, ein Ei und einen Esslöffel Zucker als Hauptmahlzeit. Anstelle von Bier auch mal ein großes Glas Rotwein, dann meist „Gamza“ in typischen rundbauchigen Flaschen aus Bulgarien.
Meinen letzten Kampf bestritt ich am 29. April 1966 in Karl-Marx-Stadt und verlor gegen den späteren deutschen Meister im Federgewicht. Dabei belegte ich den zweiten Platz bei dieser Bezirksmeisterschaft. Mit dieser Niederlage habe ich den Boxsport an den Nagel gehängt. Die vielen Exkursionen während des Studiums an der Bergakademie verhinderten eine weitere Teilnahme am intensiven Training. Auch Dr. Leeder agitierte vehement gegen das Boxen.
Das Boxtraining und die verschworene Mannschaft habe ich trotzdem in sehr guter Erinnerung – eine unvergessliche Zeit! Wettkämpfe in Jungbunzlau (Mladá Boleslav) und insbesondere in Budweis (eské Budjovice) mit Besichtigung der dortigen Brauerei und der Burg Hluboká nad Vltavou (Frauenberg) bleiben in fester Erinnerung. Auf diese Ausfahrt geht meine Vorliebe für das Budweiser Bier zurück.
2009 habe ich dann beim 4. Treffen der „alten Haudegen“ im Freiberger Tivoli viele Ehemalige nach nunmehr 43 Jahren erstmals wieder getroffen – einige waren bereits verstorben, wie zum Beispiel Alfons Spiller und der Trainer Rudi Fleischer. Sonst war fast die ganze Ligamannschaft, trotz des Boxens (!), noch in sehr guter geistiger und körperlicher Verfassung.
Beim Treffen im Jahre 2011 bin ich erstmals auch Siegfried Beyer, er war während meiner ABF-Zeit Mannschaftskapitän der Ligamannschaft, wieder begegnet. Er hat sein Abitur ein Jahr vor mir an der ABF Freiberg gemacht. Später war er auch Trainer seines Sohnes Markus, der drei Weltmeistertitel im Profiboxen 1999, 2003 und 2004 im Supermittelgewicht errang. Im Jahr 2011 hat er seinen Weg anlässlich des Boxertreffens im Freiberger Tivoli aufgezeigt und dem interessierten Publikum Rede und Antwort gestanden. Die außergewöhnliche Karriere von Markus Beyer (1971–2018) wird in einem kleinen Buch von Monty Gräßler (2009) eindrucksvoll dargestellt. Markus ist am 3. Dezember 2018 in einer Berliner Klinik an Nierenkrebs verstorben. Sein letzter Gegner, der Nierenkrebs, war heimtückisch, hinterhältig und hat auch noch gesiegt.
Beim Boxertreffen am 24. Juni 2016 im Tivoli war die Teilnehmerzahl der Boxer, Trainer und Betreuer schon merklich reduziert. Dieses Treffen war für mich ein runder Jahrestag, denn vor 50 Jahren hatte ich meine Boxerlaufbahn beendet. Ich hatte sogar mein Wettkampfgewicht gehalten: 57 kg für das Federgewicht. Heute genau so viel, wenn sich da nicht inzwischen ein blöder „Zahlendreher“ (jetzt also 75 kg) eingeschlichen hätte. Zwei Haudegen aus der Ligamannschaft, Heinz Dietrich und Detlev Fischer, erfreuten sich noch guter Gesundheit. Beide sind nach der Wende in die Gegend von Regensburg gezogen. Heinz Dietrich nach Zwiesel, für einen Mineralogen kein unbekannter Ort. Heinz Dietrich hat ein erstaunliches Namensgedächtnis. Er konnte sich sogar an unseren Sportlehrer Schaarschmidt und an den Zwickauer Boxer Herrn Bauch gut entsinnen. Das Fliegengewicht, Peter Reichel, lag diesmal im Krankenhaus und verstarb kurz darauf. In den letzten Jahren wurde dieses Treffen von Uhlig Kunz und vor allem vom Trainer der Jugend, Herrn Werner Schinke organisiert. Diese Treffen fanden immer an einem Freitag während des Freiberger Stadtfestes statt.
Bei Gesprächen wurde von den meisten immer der feste Zusammenhalt der Mannschaft betont. Die gegenseitige Verantwortung in einer funktionierenden Mannschaft hat somit weit über deren Existenz gewirkt und hält immer noch an.
6 Arbeiter-und-Bauern-Fakultät an DDR-Universitäten – hier: Bergakademie Freiberg. Wikipedia: Arbeiter-und-Bauern-Fakultäten (ABF) waren in der Deutschen Demokratischen Republik Institutionen an Universitäten und Hochschulen zur Vorbereitung junger Arbeiter und Bauern und deren Kinder auf ein Hochschulstudium; sie dienten der Brechung des Bildungsprivilegs.