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Stadtgeschichte

Eine Siedlung Eblana an Stelle der heu­ti­gen Stadt ist schon auf der um 140 n. Chr. ent­worfenen Weltkarte des alex­an­drinischen Geographen Ptolemäus ver­zeichnet. Spä­ter gab es eine kel­ti­sche Siedlung namens Dubh Linn („dunkler Teich“), die Du­b­lin seinen Na­men gab. Der „dunkle Teich“ war die Mün­dung des Poddle. Heute völ­lig in un­terirdische Rohre gezwängt, folgte er einst der St Patrick Street, schlug ei­nen Bo­gen um Dublin Castle und ergoss sich an der Grattan Bridge in die Liffey. Ei­ne ebenso große Berechtigung auf die Ur­heberschaft an der Stadt haben die W­i­kin­ger, die sich im 9. Jh. in diesem Fluss­knie niederließen, wo auch die alte Königs­stra­ße zwischen Tara und Wick­low die Liffey überquerte. Die im 10. Jh. er­rich­tete Stadt­mauer schützte die Nordmänner nur wenige Jahre: 988 er­oberten die Iren un­ter Mael Sechnaill die Wikingerstadt.


Die Ha’penny Bridge über den River Liffey

Ein neues Kapitel der Stadt­ge­schich­te schlugen die Normannen auf. Hein­rich II. mach­te Dublin zum Sitz des kö­nig­lichen Gerichts und damit zum Haupt­ort der eng­li­schen Präsenz in Ir­land. Wer immer auf der Insel Rang und Namen hatte, fand sich zu den Sea­sons, den Gerichtstagen, in Dublin ein, um seine Interessen zu ver­tre­ten. An­fangs mit einer schlichten Palisade, bald mit einer Reihe von Burgen wur­de das Pale, das Umland Dublins, vor den Ein­fällen der irischen Häuptlinge ge­schützt. Mehr über das mittelalterliche Dub­lin erfahren Sie in der Ausstellung Du­b­li­nia (→ Sehens­würdigkeiten).

Nach 1730 entwickelte sich Dublin zur größten Stadt des Königreiches nach Lon­don. Händels Messias bei­spiels­weise wurde am 13. April 1742 nicht in London, son­dern in Dublin ur­auf­geführt, wo der Meister den Winter zu verbringen pflegte. Die pro­tes­tan­ti­sche Gentry investierte ihr aus den Land­gütern gewonnenes Ver­mö­gen in neue und prächtige Häuser in den geor­gi­a­nischen Vierteln außerhalb der zu eng gewordenen Stadtmauern. Die „Com­mission for Making Wide & Con­venient Streets“, mit der 1757 die sys­te­ma­tische Stadtplanung begann, zeigt schon mit ih­rem Namen, worum es ging. Um die gleichzeitig sprießen­den Slums kümmerte sich die Kommis­sion aller­dings nicht. Auch in Dublins gol­de­nem Zeitalter zwischen 1782 und 1801, als die irischen Protestanten so­gar ihr eigenes Parlament hatten (heu­te ist das Gebäude treffenderweise Sitz der „Bank of Ireland“), war das Los der ka­tho­lischen Bevölkerung nicht rosig.

Der Act of Union beendete die Auto­no­mie­träume und ließ das über­bor­den­de Wachs­tum der Stadt abrupt ab­bre­chen. Vom Boom des 19. Jh., als viele eng­lische In­dus­trie­städte aufblühten, war hier wenig zu spüren. Bei der Nie­der­schlagung des Oster­aufstands von 1916, als die Aufständischen das Pos­t­amt in der O’Connell Street zu ihrem Haupt­quartier erkoren, wurden weite Tei­le des Zentrums auf der North Side zer­stört, der Bürgerkrieg und eine Feu­ers­brunst (1922) trugen ebenfalls ih­ren Teil bei.


Dublin heute

Der schlechte Zustand mancher Viertel, be­son­ders der North Side, ist auch Er­geb­nis planerischer und politischer Feh­ler der 50er-, 60er- und 70er-Jahre des 20. Jh. Da­mals suchte man die Lö­sung der Wohnungsnot im Bau neuer Vor­städte und über­ließ die Innenstadt dem Zerfall. Erst in den 90ern kehrte das öffentliche und pri­vate Geld in die Stadt zurück. Temple Bar und die Ge­gend um St Stephen’s Green sind Bei­spie­le für eine erfolgreiche Sanierung, die maroden Docklands an der Mün­dung der Liffey wurden mit Mil­liar­den­auf­wand zu einem internationalen Ban­ken- und Finanzzentrum auf­ge­mö­belt. Von Hochhäusern blieb die Stadt, de­ren Ver­waltung mit dem neuen Rat­haus bei der Christ Church selbst ein schlech­tes Bei­spiel gesetzt hat, bisher weit­gehend ver­schont. An der Ze­n­tral­bank in der Da­me Street, von der die drei obersten, un­ter Missachtung der Bau­auflagen er­rich­te­ten Stock­werke wie­der ab­ge­tra­gen werden muss­ten, sta­tuierten die städ­tischen Planer in den 70er-Jahren ein Exempel. Und im Vor­ort Ballymun wurden einige Wohn­tür­me wegen zu großer sozialer Pro­ble­me sogar wieder gesprengt. In Sa­chen Denk­mal­schutz liegt Dublin je­doch noch weit hinter den in anderen Haupt­städ­ten der Euro­päischen Union gel­ten­den Normen zurück.

Orientierung

Die Metropole dehnt sich von der Halb­in­sel Howth im Norden in einem Halb­kreis um die Dublin Bay bis nach Dal­key im Süden aus. Das Zentrum ist für ei­ne Mil­lio­nen­stadt jedoch relativ klein und überschaubar. Die meisten öf­fent­li­chen Ein­richtun­gen und Se­hens­wür­dig­keiten sind vom Castle zu Fuß in längs­tens ei­ner hal­ben Stunde zu er­rei­chen. Der River Liffey schneidet die Kern­stadt in zwei Hälf­ten: Auf der North Side folgen nach der Pracht­mei­le O’Connell Street, der Haupt­ge­schäfts­stra­ße Dublins, bald die Miets­ka­ser­nen der Arbeiterviertel. Für den Be­su­cher in­teressanter ist die South Side. Un­mit­tel­bar am Fluss liegt das Ver­gnü­gungs­vier­tel Temple Bar, öst­lich schlie­ßen sich die geor­gia­ni­schen Ensembles mit der Ein­kaufszone um die Grafton Street, dem Bankenvier­tel um St Ste­phen’s Green und dem Cam­pus des Trinity Col­lege an. Der mit­tel­al­ter­liche Stadt­kern lag auf dem Hü­gel südwestlich von Temp­le Bar. Da die meisten Häu­ser aus Holz waren, sind mit Dublin Castle (1205, im 18. Jh. umgebaut), Christ Church (1172) und St Patrick’s Cathe­dral (1190) nur noch wenige Spuren die­ser Zeit erhalten ge­blie­ben.

Das folgende Kapitel ist zunächst in der Reihenfolge zweier Rundgänge auf­ge­baut, die beide an der O’Connell Bridge beginnen. Hier werden die Sights auf dem Südufer vorgestellt, hier jene auf der Nordseite der Liffey. Dann folgen ab hier die Se­hens­würdigkeiten außerhalb des Stadt­zen­trums.

4 Tage Dublin

Was tun? Die Antwort ist natürlich subjektiv und wird je nach Ge­schmack und Wet­ter anders ausfallen. Hier trotzdem ein Vor­schlag, wie Sie vier Tage Dublin verbringen und dabei viel sehen und erleben können.

1. Tag: Trinity College mit Book of Kells; Bummel entlang der ge­or­gia­ni­schen En­sembles am St Ste­phen’s Green oder Mer­rion Square und auf der Shop­ping­meile Graf­ton St. Schlecht­wet­ter­al­ter­native: Kunst in der Na­tionalgalerie oder Ches­ter Beat­ty Library und über­dachte Shop­pingmalls. Abends in einen Pub.

2. Tag: Bummel über die O’Connell St, Flussfahrt auf der Liffey, Aus­flug mit der DART entlang der Küs­te zum Joyce-Tower nach Dun Lao­ghai­re. Abends nach Harold’s Cross zum Grey­hound-Rennen.

3. Tag: Gefängnis Kilmainham Gaol, Museum für moderne Kunst IMMA, dann ins Guinness Storehouse samt einem Bier in der Gravity Bar.

4. Tag: Führung Marino Casino und Ausflug auf die Halb­in­sel Howth mit Klip­pen­wanderung. Schlecht­wetter­al­ter­n­a­ti­ve: Malahide Cas­tle. Abends je nach Ge­schmack Mu­si­cal oder Literary Pub Crawl.

Trinity College / College Green

Das auf einer Fläche von 2 km2 angelegte College ist mit seinen düs­teren Ge­bäuden aus dem 17. bis 19. Jh., den kopf­stein­gepflas­ter­ten Höfen und den Sportflächen ein Musterbeispiel für einen eng­lischen Campus, wie man ihn auch in Oxford oder Cambridge fin­det.

Irlands angesehenste Hochschule wur­de 1592 von Elisabeth I. auf dem Ge­län­de ei­nes enteigneten Klosters ge­grün­det, das wiederum an der Stelle des städ­tischen Fried­hofs der Wikingerzeit stand. Am Front Gate, dem 1752-59 er­rich­teten Haupt­eingang, stehen die Sta­tuen des Philosophen Edmund Bur­ke (1729-97) und des Dichters Oliver Gold­smith (1730-74) stellvertretend für viele andere Geis­tes­grö­ßen, die am Tri­nity College stu­dierten oder lehrten, bei­spielsweise Jo­nathan Swift („Gul­li­vers Reisen“), Bram Stoker (Erfinder des Grafen Dra­cula), Wolfe Tone (iri­scher Politiker und Freiheitsheld) und Sa­muel Beckett („War­ten auf Godot“).

♦ Führungen über das Universitätsgelände mit der „Trinity College Walking Tour“, tägl. 9.45-16 Uhr ab dem Informationsschalter im Haupt­ein­gangs­bereich. 15 €/Pers., mit Ein­tritt zum „Book of Kells“.

Mit Bildung gegen die „Papisten“

Erst seit 1793 nimmt die University of Dublin, wie das Trinity College heute of­fi­ziell heißt, auch Nichtprotestanten auf. Und noch bis 1966 bedurfte je­der Katholik, um am Trinity College stu­die­ren zu dürfen, einer Aus­nah­me­ge­nehmigung seines Bischofs - ohne den Dispens hätte ihn der Bannstrahl der Exkommunikation ge­troffen. Die Hochschule war lange eine Bastion des anglo-iri­schen Protestantismus, die verhindern sollte, dass junge Iren zum Stu­dieren auf den Kontinent gingen und dort vom „Papismus“ und des­sen fal­schen Lehren infiziert würden. Der erste Rektor war Erz­bi­schof James Uss­her, dessen herausragende „wissenschaftliche“ Lei­s­tung die Datierung des Weltanfangs auf das Jahr 4004 v. Chr. war.

Parliament Square

Durch den von der Chapel und Exam Hall flankierten Front Square kommt man auf den Library Square, den Haupt­platz der Universität. Der Cam­pa­nile (1853) auf der Mitte des Platzes mar­kiert in etwa die Stelle, wo das alte Klos­ter stand. Nörd­lich davon, neben der Ka­pel­le befindet sich die Dining Hall (1743), ursprünglich ein Werk des deutsch­stäm­migen Richard Cassels, der uns noch als Architekt der präch­ti­gen Land­sitze im Umland Dublins be­geg­nen wird. Hier am College müs­sen ihm al­lerdings grobe Schnit­zer passiert sein, denn das Gebäude war un­zu­re­i­chend fun­damentiert und muss­te schon 1758 ab­getragen und neu auf­ge­baut wer­den.

In­wie­weit es noch Cas­sels’ Entwurf ent­spricht, ist ungewiss. Im Uhrzeiger­-sinn schließt sich das Gra­dua­tes’ Me­- mo­ri­al Building an. Der Name des da­hin­ter lie­gen­den Tennisplatzes Botany Bay spielt darauf an, dass un­bot­mä­ßi­gen Studenten frü­her nicht nur der Ver­weis von der Hochschule, sondern so­gar die Deportation in die gleichnamige aus­tra­li­sche Sträflings­kolonie drohte. Wei­ter im Uhrzeiger­sinn gibt der rote Zie­gelbau des Wohn­heimes Rubrics (um 1690, umgebaut 1894 und 1978) dem sonst grauen Cam­pus etwas Farbe. Die Old Library auf der Südseite des Plat­zes wurde 1712-32 in einer stren­ge­ren Formen­sprache gebaut, bei­de sind da­mit die ältesten noch er­hal­te­nen Ge­bäude des Colleges.

New Square

Bevor Sie sich nun um Einlass zum Book of Kells bemühen, gehen Sie noch zum New Square mit dem viktoriani­schen Museum Building, welches das De­partment für Geologie mit seinem Mu­seum beherbergt. Aufwendige Stein­metz­ar­beiten zieren die Fassade, die von den einen als „venezianisch“, von anderen als „neo­byzanti­nisch“ klas­sifiziert wird und die mit ihren Rund­bögen, Halbsäu­len und Zierroset­ten auf jeden Fall ein Blickfang ist. Die Ske­lette zweier Hir­sche bewachen die mit Na­tur­stein aus­gekleidete Ein­gangs-hal­le. Auf der Süd­seite des Hauses glänzt Sphe­re within Sphere, eine aufge­ris­sene, mit Zahnrä­dern gefüllte Rie­sen­kugel. Ihr Schöp­fer, der ital­ie­ni­sche Künst­ler Arnaldo Po­mo­doro, schenkte die 1982 ge­schaf­fene Skulp­tur dem Col­lege.

Dublin mit Kindern

Dublins Bevölkerung ist jung, doch ganz so willkommen wie in vie­len südlichen Ländern sind die kleinen Urlauber nicht.

Spielplätze sind in der Innenstadt rar. Als Er­satz kommen die Parks in Frage, auch man­ches Einkaufszentrum hat eine Spiel­ecke. Hier wird man auch am ehesten Wi­ckel­tische finden.

Kinderfreundlich geben sich die meisten Ho­tels. Sie bieten Kin­der­bet­ten und or­ga­ni­sie­ren auf Wunsch Babysitter. Einige B&B-Be­sit­zer möchten keine Kids im Haus. Hier fragt man besser vorher nach.

In vielen gehobenen Restaurants sind Kin­der abends uner­wünscht. Natürlich gibt es auch familienfreundliche Res­tau­rants, die Kin­derstühle, Kinderportionen oder sogar Kin­deranimation ha­ben, wie sonn­tag­nach­mittags das Milano in der Dawson Street.

Veranstaltungen für Kinder sind mitt­wochs in der Irish Times und im Web unter www.familyfun.ie ge­lis­tet.

Speziell an Kinder richten sich die An­ge­bo­te des Kinder­kultur­zen­trums Ark in Temp­le Bar. Auch Dublin hat ei­nen Zoo. Kin­derfreundlich ist die Mit­tel­altershow Du­bli­nia, und die Mumien in St Mi­chan’s hinter­las­sen si­cher einen blei­benden Eindruck. In Mala­hide kön­nen Sie das Schloss mit dem his­torischen Spielzimmer der Talbot-Kinder und die Mi­ni­a­tureisenbahn Model Railway besichtigen.

Fellows Square

Auf der Südseite der Old Library ste­hen am Fellows Square Touristen und an­de­re Neu­gierige, die das Book of Kells se­hen wollen, in der War­te­schlan­ge - Zeit ge­nug, um über die Berkeley Lib­rary auf der Ostseite des Platzes zu sin­nie­ren. Paul Ko­ra­leks 1967 gebauter Be­ton­klotz mit seinen gewölbten Fens­tern und Pech­na­sen gilt näm­lich als ein Meis­ter­stück mo­derner Architektur. Für den neueren Stand der Bau­kunst steht die 2002 eröffnete Ussher Library. Trist und kalt wirkt die mit einer Glas­py­ra­mi­de und einem einsamen Baum ak­zen­tu­ier­te Freifläche zur Berke­ley Li­bra­ry hin. Zur Nassau Street hin be­grenzt das von Koraleks Büro 1979 ent­wor­fene Arts Buil­ding den Fellows Square; in ihm ist u. a. die Douglas Hy­de Gallery zu Hau­se. Sie zeigt wech­seln­de Aus­stel­lun­gen mo­derner Kunst. Durch eine Pas­sage im Arts Building kann man das College-Ge­lände zur Nas­sau Street hin ver­lassen.

♦ Douglas Hyde Gallery: Mo-Fr 11-18, Do bis 19, Sa 11-16.45 Uhr. Eintritt frei. www.douglashydegallery.com.

Old Library

Seit 1801, so will es ein auch nach der iri­schen Unabhängigkeit weiter gülti­ges Ge­setz, hat die Bibliothek des Tri­nity Colleges Anspruch auf ein kosten­lo­ses Exem­p­lar von jedem in Groß­bri­tan­nien oder Irland verlegten Buch. Der Be­stand umfasst etwa 3 Millionen Bän­de, und jedes Jahr kommt ein weiterer Re­galkilometer hinzu. Der 65 m lange Long Room, der Hauptlesesaal der Bi­b­lio­thek, verwahrt die 200.000 wert­voll­sten Werke, also vor allem die hand­ge­schrie­benen Manuskripte und Früh­dru­cke. Er kann zusammen mit dem Book of Kells (siehe unten) be­sichtigt wer­den. Um mehr Platz zu schaf­fen, wurde 1853 ein weiteres Ge­schoss aufgesetzt und spä­ter auch die zu­vor offenen Ar­ka­den zu­ge­maue­rt und ins Gebäude ein­be­zo­gen. Doch die La­ger­mög­lich­kei­ten der Bi­b­lio­thek sind längst er­schöpft, der größ­te Teil des ge­sam­mel­ten Wissens ruht in überall in der Stadt ver­streuten De­pots.

Book of Kells

Highlight der Bibliothek ist das um 800 ent­standene Book of Kells. Von flei­ßi­gen Mön­chen auf der schot­ti­schen In­sel Iona handge­schrie­ben und illus­triert, kam es nach der Zerstörung des dor­ti­gen Klosters durch die Wi­kin­ger nach Ir­land und fand samt den Mön­chen in Kells eine neue Heimat. Seit dem 17. Jh. be­findet es sich im Be­sitz des Trinity Col­lege. Die 340 präch­tig il­lu­minierten Blät­ter mit dem Text der Evangelien wur­den in den 1950er-Jah­ren res­tau­riert und in vier Bänden neu ge­bun­den, von denen zwei in Vitrinen zu bewundern sind. Jeden Monat wer­den eine neue Text- und eine neue Bild­seite aufge­schlagen.

Da sich an diesen Vitrinen etwa eine hal­be Million Neugierige pro Jahr die Na­se platt drücken und einander kaum Zeit lassen, die Buchseiten en détail zu be­trach­ten, werden zusätzlich wech­seln­de Sei­ten aus weiteren, weni­ger be­rühm­ten, aber kaum weniger präch­ti­gen Hand­schriften ausgestellt, z. B. aus dem Book of Armagh (9. Jh.), dem Book of Dimma (8. Jh.) oder dem Book of Durrow (um 670), Ir­lands äl­tes­tem Ma­nus­kript mit schönen geometrischen Mo­tiven.

Vor dem Besuch der Originale steht die Dauerausstellung Turning Darkness into Light auf dem Programm. Sie er­klärt Technik und Tradition von Schrift­kunst und Buchmalerei und er­klärt das historische und religiöse Um­feld, in dem die Hand­schriften ent­stan­den.

♦ Mo-Sa 8.30 (Okt.-April ab 9.30) bis 17 Uhr, So 9.30 (Okt.-April ab 12) bis 16.30 Uhr. Ein­tritt mit College-Führung 15 €, mit online vor­ge­buch­tem Termin (ohne College-Führung) 11-14 €. www.bookofkells.ie.

Zoological Museum

In einem Gebäude auf der Ostseite des als Sportfeld genutzten College Parks ist das Zoologische Institut zu Hause. Nur in den Sommermonaten öffnet es sein kleines Museum für das Pub­li­kum. Zu den Highlights der Samm­lung zählt ein präparierter Riesenalk; die­ser wie die Pinguine flugunfähige und zu Lan­de ziem­lich unbeholfene See­vogel lebte einst an den Gestaden des Nord­at­lan­tiks. Im 19. Jh. wur­de er durch mensch­li­chen Jagd­ei­fer und Sammel­wut aus­ge­rottet. Als wei­tere Kuriosität sei das Ske­lett von „Prince Tommy“ er­wähnt. Der König von Nepal hatte die­sen Ele­fan­ten einst Prinz Alfred, dem zweit­ge­bo­renen Sohn von Königin Vik­to­ria, ge­schenkt. Doch nach­dem das Tier auf einer Zug­fahrt in England sei­nen Wär­ter tot­ge­tram­pelt hatte, wahrte Prinz Al­fred Ab­stand und vermachte sei­nen Ele­fan­ten dem Dub­liner Zoo. Lieb­haber schö­ner Din­ge werden Ge­fallen an den fi­li­gra­nen Mo­dellen von Meerestieren und pflan­zen fin­den, die von der Glas­blä­ser­familie Blasch­ka ge­schaffen wur­d­en - ihr Ge­schick gilt bis heute als un­er­reicht. Zum Ab­schluss des Besuchs kann man sich im Schlund eines Wei­ßen Hais fo­to­gra­fie­ren lassen.

♦ Juni-Aug. tägl. 10.30-16 Uhr. Eintritt 3 €. www.tcd.ie/Zoology/museum.

Science Gallery

Das zum Trinity College gehörende Wis­senschaftszentrum schlägt in sei­nen regelmäßigen Sonderausstellungen die Brücke zwischen Kunst und Wis­sen­schaft. Forscher, oft noch Stu­den­ten, stellen ihre Ergebnisse vor, ge­wäh­ren Einblick in überraschende Na­tur­phä­no­me­ne, versetzen uns in die Rolle von Ge­hörlösen, lassen uns Ex­pe­ri­men­te aus­führen und führen uns, etwa mit Sin­nestäuschungen, auch mal an der Na­se herum. Vor allem na­tur­wis­sen­schaft­lich interessierte Jugendliche und jun­ge Erwachsene kommen hier auf ihre Kosten. Vor Ort gibt es auch ein Café und einen Laden mit Spielen, Werk­zeugen und Büchern über Wi­s­sen­schaft und Kunst.

♦ Di-So 12-20 Uhr. Eintritt frei. Naughton Ins­ti­tu­te, Trinity College, Pea­rse St, www.dublin.sciencegallery.com.

Bank of Ireland

Mehr noch als im College wurde auf der an­deren Straßenseite in dem massiven Ge­bäu­de der Bank of Ireland Ge­schich­te gemacht. Es entstand 1729-39 nach ei­nem Entwurf von Edward Pearce als Par­lament der irisch-anglikanischen Land­lords, die sich als eine eigene „Na­tion“ unter Schirmherrschaft der bri­ti­schen Krone ver­stan­den, lange bevor es das Commonwealth gab. Der re­bel­li­sche Geist war jedoch nicht von Dauer. Mit dem Act of Union löste sich das Par­lament selbst auf, 1803 wurde das Ge­bäude mit der Maßgabe an die Bank of Ireland ver­kauft, es so um­zu­bauen, dass es für große Ver­samm­lun­gen und De­batten nicht mehr zu ge­brau­chen wä­re. Kon­sequenterweise mach­te das neue Parlament nach dem Ersten Welt­k­rieg der Bank ihren Besitz nicht mehr strei­tig, sondern zog in das Leinster House.

Nach Pearce modellierten noch drei an­dere Architekten den klassizist­i­schen Tem­pel, seinen letzten Schliff er­hielt er erst, als die Bank eingezogen war. In der Schal­ter­halle mit ihrem ge­dämpf­ten Gemurmel erinnert nichts da­ran, dass hier einst die Re­de­schlach­ten tobten. Erhalten blieb jedoch der Saal des Ober­hauses mit seiner Holz­tä­fe­lung aus dunkler Eiche, einem kost­ba­ren Kris­tallleuchter aus der Ma­nu­fak­tur von Waterford und zwei monu­men­talen, 1733 vollendeten Wand­tep­pi­chen. Die­se vermutlich von einem flä­mi­schen Weber gefertigten Ta­pis­se­rien gel­ten als Meis­terwerke und zei­gen vor dem Hintergrund einer na­tur­ge­treuen Land­schaft Sze­nen der Schlacht am Boyne und der Ver­tei­di­gung Derrys.

♦ Diskret, wie Geldinstitute sind, macht auch die Bank of Ireland um das Juwel des Hou­se of Lords nicht viel Aufhebens. Doch wäh­rend der üb­lichen Geschäftszeiten (Mo-Fr 10-16, Do 10-17 Uhr) kann man ei­nen Blick ins House of Lords werfen - vom Hof aus gesehen rechter Ein­gang. An­mel­dung beim Portier. Führungen Di 10.30 und 12.30 Uhr.

Heritage Centre

Die Ausstellung „Listen Now Again“, ein Partnerprojekt zwischen Na­tio­nal­bib­liothek, Kulturministerium und der Bank of Ireland, stellt uns Leben und Werk des Nobelpreisträgers Seamus Heaney vor. Am Eingang grüßt eine papierne Skulptur, die sich in fliegende Vögel verwandelt. Viel­leicht eine Anspielung auf „Die Amsel von Glanmore“, eines von Heaneys be­kann­testen Gedichten. Wir sehen Ori­gi­nal­manuskripte, Briefe, Tage­buch­ein­trä­ge und Fotografien; dazu persönliche Ge­genstände, wie zum Beispiel den Schrei­b­tisch, an dem Seamus Heaney im Dachgeschoss der Familie in San­dy­mount schrieb. Animationen und Touch­screens illustrieren den Schaf­fens­prozess des Poeten, Klänge und tak­tile Erfahrungen lassen sich nach­em­pfinden. Auf einer Wand können wir uns selbst als Dichter versuchen.

♦ Mo-Sa 10-16 Uhr, Einlass bis 15.30 Uhr. Ein­tritt frei. Westmoreland St, www.nli.ie → exhibitions.

National Wax Museum Plus

Hier treffen sich Politiker, Popstars und Päps­te mit Monstern und Sa­gen­ge­stal­ten, hier mischt sich Kult mit Kitsch. End­lich hat Dublin wieder ein Wachs­fi­gu­renmu­seum! Sein Vorgänger muss­te schlie­ßen, doch einige Figuren über­leb­ten in einem La­gerhaus. Andere wie der fie­se Gollum aus Herr der Ringe oder das mör­derische Ge­nie Hannibal Lec­ter ver­schwanden bei einem spek­ta­ku­lären Ein­bruch.

Hannibal wurde durch ein Double er­setzt und ist nun zusammen mit dem Mons­ter Frankenstein, das sich, von Sen­soren gesteuert, sogar bewegen kann, Star in der Chamber of Horrors (Kam­mer des Schreckens). An eher zart besaitete Gemüter und klei­ne Kin­der richtet sich die World of Fairy­ta­les (Welt der Märchen), wo wir et­wa Ala­dins Wunderlampe sehen. Im Raum der kel­tischen Mythen treffen wir den Krie­ger Cuchulain und den künf­ti­gen Hel­den Fi­onn mac Cumhaill, wie er ge­rade nach dem riesenhaften Lachs der Weis­heit (sal­mon of wisdom) greift, der ihn zum Anführer der He­roen ma­chen wird.

Doch zurück auf Los! Den Auftakt macht Albert Einstein als Lehrer vor dem Periodensystem, nun ja, für un­ser­ei­nen sind Physik und Chemie glei­cher­maßen schwer zu verstehen. Dann ein bellender Dinosaurier, zum Glück ein Gummitier, wer’s zwickt, hat also nichts zu befürchten. In der Hall of Me­ga­stars treffen wir Donald Trump oder Phil Lynott, dann Irlands berühmte Dich­ter beim Bier.

Im katholischen Irland dürfen auch re­li­giöse Themen nicht fehlen. Ein Papst winkt uns fröhlich zu. Keine Wachs­replik, son­dern ein Origi­nal ist das Papamobil, mit dem Johan­nes Paul II. bei seinem Besuch 1979 durch Dub­lin fuhr. Künftig soll das päpstliche Fahr­zeug auf Werbetour für das Mu­se­um gehen.

♦ Tägl. 10-19 Uhr, Einlass bis 18 Uhr. Eintritt 16,50 €. 22 Westmoreland St, www.waxmuseumplus.ie.

Molly Malone Statue

Vor der Kirche in der Suffolk Street ge­denkt eine Skulptur der in einem Volks­lied ge­feierten Molly Malone, eine ver­mutlich 1734 verstorbene Fisch­ver­käu­ferin. Ihre aus dem knappen De­kolle­té quellenden Brüste und der Spitz­name „tart with a cart“ spie­len auf Mollys eigentlichen Broterwerb als Sex­arbeiterin an.

Merrion Square / St Stephen’s Green

Zwischen dem College und Stephen’s Green sind außer den Einkaufsstraßen Graf­ton und Dawson Street vor allem die georgianischen Ensembles um den Merrion Squa­re und in der Fitzwilliam Street sehenswert. Mansion House (1710) in der Daw­son Street, in dem sich 1919 das irische Parlament zu sei­ner ersten Sitzung traf, war lange die Re­sidenz des Dubliner Bürgermeisters. Die Ziegelfassade ver­birgt sich hinter einer Putz­schicht - man sieht dem Haus nicht an, dass es eines der äl­tes­ten im Quartier ist. In der Molesworth Street, die die Dawson mit der Kildare Street verbindet, residiert hin­ter grau­en Sand­steinmauern die Großloge der iri­schen Freimaurer, eine über­wie­gend pro­testantische Einrichtung, die nicht ohne Ein­fluss auf die nordirische Po­li­tik ist.

Leinster House

In dem 1745 als Palais des Herzogs von Leins­ter errichteten Gebäude tagen seit 1925 die beiden Kammern des irischen Par­laments. Zur Kildare Street zeigt sich Leins­ter House als ein typisches Stadt­haus, während es zum Merrion Square hin eher an ein Landschloss er­in­nert. Bald nach dem Leinster House hat Richard Cas­sels das Rotunda Hos­pi­tal auf der North Side nach dem glei­chen Konzept ge­baut.

Seit 1890 wird das Schloss an der Kil­dare Street-Seite von den Rund­bau­ten des Na­tio­nal­museums und der Na­tio­nalbibliothek flankiert - ob das En­sem­ble har­mo­nisch wirkt, sei da­hin­ge­stellt. Die Bücherschätze der National Library können sich mit denen des Tri­nity College nicht messen. Joyce sie­del­te im Lesesaal (nur mit Le­ser­ausweis zu­gänglich), wo er oft arbeitete, die gro­ße literarische Debatte des „Ulys­ses“ an. Die Südwestecke des Blocks, be­grenzt von Merrion Street und Mer­rion Row, nehmen die ausgedehnten Go­vernment Buildings ein. Noch für die br­iti­sche Verwaltung gebaut, wurden sie 1921 gerade rechtzeitig zur Grün­dung des iri­schen Freistaats fertig. Auf ge­führten Rundgängen darf man sich als Staatsgast fühlen und das Büro des Pre­mierministers und den Ka­bi­netts­saal besichtigen.

♦ Leinster House: Die Besuchergalerie des Un­terhauses ist zu den Sitzungen zu­gäng­lich, d. h. ge­wöh­n­lich Nov.-Mai Di 14.30-22, Mi 10.30-20.30, Do 10.30-17.30 Uhr. Akt. Ter­mi­ne un­ter www.oireachtas.ie. Füh­run­gen durchs Haus Mo & Fr 10.30, 11.30, 14.30 und 15.30 Uhr.

Gouvernment Buildings: Führungen Sa 10.30, 11.30, 12.30, 13.30 Uhr, Eingang Upper Mer­rion St. Anmeldung am Tag der Führung ab 9.30 Uhr an der Kasse der National Gallery. www.taoiseach.gov.ie.

National Museum - Archaeology

Zum Ärger der Provinz versammelt das Na­tionalmuseum von der Steinzeit bis ins Mit­telalter nahezu alle be­deut­sa­men archäologischen Funde der Insel. Ja noch mehr, denn es gibt auch eine alt­ägyptische Sammlung und einen Saal mit zypri­scher Keramik. Das Ar­range­ment ist etwas verwirrend, umso schmerz­licher ver­misst der Besucher einen Katalog. Höhepunkte des Mu­se­ums sind die Samm­lung al­ten Gold­schmucks und die Moorleichen.

Jüngst eingerichtet und am besten prä­sen­tiert ist die Ausstellung Kö­nig­tum und Op­fer im linken Quersaal. Sie ist um meh­re­re kel­ti­sche Moorleichen ar­ran­giert. Ahn­herr ist der bereits 1821 ent­deckte „Gal­lagh Bog­man“, ein 2500 Jah­re alter und be­mer­kens­wert in­tak­ter Kol­lege des „Ötzi“, der schon lan­ge im Mu­seum zu Hause ist. Zu ihm ge­sellte man nun den „Clonycavan Man“, einen Dan­dy mit schicker Zopffrisur. Außer­dem den „Oldcrohan Man“, auch er einst­mals ein fei­ner Herr mit m­a­ni­kür­ten Fin­ger­nä­geln. 1,98 m groß soll er ein­mal ge­we­sen sein, so sagen die Wis­sen­schaftler, ein wah­rer Riese also, doch geblieben ist nur sein Torso. Den Un­ter­leib verlor er wohl durch einen Torf­bagger, den Kopf durch Ent­haup­tung. Wie andere eu­ro­päische Moor­lei­chen ihrer Epoche zei­gen, wurden auch die Iren grausam gefoltert und mehr­fach hingerichtet - es deutet alles da­rauf hin, dass die vorchristlichen Kel­ten Men­schen opferten.

Die Vorgeschichte wird im Umgang der zen­tralen Halle präsentiert. Wir er­fah­ren, dass vor etwa 5700 Jahren ano­ny­me Aben­teu­rer die neolithische Re­vo­lution in Form von Scha­fen und Zie­gen auf die Insel brach­ten, au­ßerdem kann man einen riesi­gen Ein­baum und al­te Musikinstrumente be­wundern. Die Mit­te der Halle gehört mit Irlands Gold den Ge­schmeiden der Bron­ze­zeit: Meist Colliers, Arm- und Fußringe, manch­mal mit feinen Gra­vuren, als Kuriosa auch goldene Ohr­spulen, die der Laie so wohl eher bei afrikanischen Stämmen ver­mutet hätte.

Im rechten Querraum weitet die Schatz­kam­mer das Thema aus: Kunst und Kunst­hand­werk von den Kelten bis ins Mit­tel­alter, darunter als Glanz­stü­cke die Brosche von Tara und das Al­tar­kreuz von Clon­mac­noi­se. Nicht ganz hier­her passen die Vitrinen mit mit­tel­al­terlicher Kleidung.

Die Ausstellung im Obergeschoss be­ginnt im rechten Quersaal mit den Wi­kingern: Es geht um Waffen, Acker­bau, Skla­verei und die Anfänge Dub­lins, d­o­ku­mentiert durch zahl­reiche Klein­fun­de, zuletzt wird die Sa­kral­kunst mit dem Kreuz von Cong ge­schickt in Szene ge­setzt.

Chronologisch und im Uhrzeigersinn schließt sich das Mittelalterliche Irland an, auf­g­e­teilt in die Bereiche „König und Adel“, „Kir­che und Gläubige“, „Bau­ern-Händ­ler-Hand­wer­ker“.

Haben Sie bis jetzt durchgehalten? Dann war­tet im Ägyptenraum noch ein klei­n­es High­l­ight auf Sie. Auf der Wand­seite links zwei sogenannte Faj­um­porträts aus römi­scher Zeit, Ab­bil­der Verstorbener auf ihren To­ten­mas­ken und vermutlich die ältesten in­di­vi­duel­len Menschenbilder, die Sie je ge­se­hen haben.

♦ National Museum: Di-Sa 10-17, So/Mo 13-17 Uhr. Eintritt frei. Preiswerter Lunch im Cof­fee­shop des Museums. Kildare St, www.museum.ie.

Natural History Museum

Das Museum für Naturgeschichte ist dem Leinster House auf der Merrion-Sei­te vor­gelagert. Seit der Einweihung anno 1857 - der Missionar und Ent­de­cker David Li­ving­stone hielt die Er­öf­f­nungs­rede - hat der „Zoo der toten Tie­re“ seine Aus­stel­lung kaum verändert, und das Sammelsurium ausgestopfter und konservierter Ka­da­ver ist nicht je­der­manns Sache. Zehntausend Ex­po­na­te sollen es sein, die Hälfte da­von In­sek­ten. Weitere zwei Millionen (!) Ob­jek­te ruhen in den Magazinen und Kel­ler­gewölben des Hauses.

Der Eingang des Hauses war zu­nächst auf der Westseite und wurde erst 1909 auf die Ostseite verlegt. Damit än­derte sich im Erdgeschoss, das die Tier­welt Irlands vor­stellt, die Richtung des Rundgangs. Die Stars der Samm­lung, nämlich aus dem Moor ge­bor­ge­nen Knochengerüste von Elchen, die vor 10.000 Jahren auf der Insel leb­ten, hat man gedreht. Weniger pro­mi­nen­te Ex­ponate drehen dem Besucher da­ge­gen den Rücken zu. Der 1. Stock zeigt die Welt der Säugetiere und endet mit Men­schenaffen und dem Homo sa­piens. Dann ist Schluss. Die oberen Eta­gen mit den Austellungen zu den nie­de­ren Tierarten sind gesperrt, weil das Geld fehlt, um die nach heutigen Stan­dards erforderlichen Fluchtwege zu bau­en.

♦ Di-Sa 10-17, So/Mo 13-17 Uhr. Eintritt frei. Merion St, www.museum.ie.

National Gallery

Eine Statue ehrt vor dem Eingang der Na­tionalgalerie den Eisenbahnmagna­ten Wil­liam Dargan. Er organisierte 1853 die Industrial Exhibition, eine Mes­se, aus de­ren Er­lö­sen damals der Grundstock der heute 2400 Gemälde er­wor­ben wurde. Ein an­derer Wohl­täter der Schönen Künste war George Ber­nard Shaw. Auch er grüßt als Standbild die Besucher des Kunstmuseums. Die Samm­lung umfasst das für Na­tio­nal­ga­le­rien übli­che Reper­toire - ein Faltblatt mit Lageplan er­leichtert die Orien­tie­rung.

Bei nur einem Besuch empfehle ich die Yeats Collection (Raum 14). Jack But­ler Yeats (1871-1957), ein jüngerer Bru­der des berühmten Dich­ters, bannte be­vorzugt irische Men­schen und Land­schaften sowie Themen aus der kel­ti­schen Mythologie auf die Leinwand. Er gilt als Irlands National­maler. Gleich­falls ein Muss sind die Port­rät­galerie (Raum 23) sowie die ge­lungene Aus­wahl von Werken irischer Maler im Dar­gan-Flügel (Räume 15­-21). Ein spe­ziell von den anglo-iri­schen Grund­her­ren begehrtes Sujet waren Land­schaft­sbilder. Sie zeigen den Ide­al­zu­stand einer den Vor­stel­lun­gen des Land­adels entsprechend ge­bän­digten und geformten Natur.

Das Obergeschoss gehört der euro­päi­schen Malerei vom Spätmittelalter bis ins 19. Jh. In Raum 27 begegnen wir mit Lavinia Fontana der ersten Frau, die von ihrer Malerei leben und ihre Fa­mi­lie ernähren konnte. Star der Samm­lung ist Cara­vaggios Gefan­gen­nah­me Chri­s­ti (engl. The Taking of Christ) von 1602 (Raum 25). Lange verschollen und dann für eine Ko­pie des Originals ge­halten, kam es über Umwege zum Dub­li­ner Je­su­i­ten­orden, wo es ab 1930 den Speise­saal der Kongregation zierte. Erst die Fleiß­arbeit zweier Kunststu­den­ten brach­te die wahre Identität des Bil­des ans Licht.

♦ So/Mo 11-17.30, Di/Mi, Fr/Sa 9.15-17.30, Do 9.15-20.30 Uhr. Eintritt frei. Am Wochenende nach­mit­tags Führungen. Eingang von der Clare St (hier Café und Shop) und vom Merrion Square West, www.nationalgallery.ie.

Merrion Square

Viele der farbenprächtigen Türen, die ei­nes der erfolgreichsten Poster der Ir­land­wer­bung zieren, findet man im Ori­ginal um den Merrion Square. Die stren­gen Bau­vorschriften des 18. Jh. lie­ßen den Hausbesitzern wenig Frei­raum für indi­vi­du­elle Gestaltung, und so ver­such­te man sich in Details wie eben Türen, Ober­lich­tern und kunstvoll ge­schmie­de­ten Fuß­ab­strei­fern vom Nach­barn zu un­ter­schei­den. Mer­rion Square war lange die erste Adres­se der Stadt. In Nr. 1, dem ältes­ten Haus am Platz, resi­dier­te von 1855-76 Oscar Wil­de. Ge­gen­über, an der Nord­west­ecke des Parks, stif­tete ihm die Guin­ness-Brau­erei ein Denk­mal. An wei­teren Be­rühmt­hei­ten wohn­ten hier Daniel O’Connell (Haus Nr. 58), W. B. Yeats (Haus Nr. 52 und 82), und in Haus Nr. 65 lebte einige Jahre der Phy­siker Er­win Schrö­din­ger, des­sen ge­ni­ale Wel­len­glei­chung dem dies­be­züg­lich min­der ge­nia­len Au­tor aus Schul­zei­ten noch in un­lieb­samer Er­in­nerung ist. Nr. 8 ist die stan­des­ge­mä­ße Ad­resse des Royal Ins­ti­tu­te of the Ar­chi­tects of Ire­land. Rund um den Platz stel­len im­mer sonn­tags Künst­ler ihre Ar­beiten aus.

Number Twenty Nine (Georgian Home): Von der Ostseite des Platzes zog sich, be­vor 1965 die Elektrizitäts­ge­sell­schaft gleich 26 Häuser einem Bü­ro­klotz opferte, in der Fitzwilliam Street die längs­te geschlossene georgia­ni­sche Häu­ser­zeile der bri­ti­schen Inseln ent­lang. Wohl als einen Akt bescheidener Wie­dergutmachung hat die ESB ein Haus Ziegel für Ziegel wieder auf­ge­baut und im Stil von 1800 ein­ge­rich­tet. Die Führung durch dieses Museum und der dazu­ge­hö­rige Informationsfilm pfle­gen allerdings die gängigen Kli­schees (z. B. das von den Ladies, die nichts an­de­res zu tun wissen als sich ge­genseitig Briefe zu schrei­ben) und ge­ben ein etwas ver­zerrtes Bild der Zeit.

♦ Das Haus wird derzeit renoviert, die Ausstel­lung ist bis 2021/22 nur virtuell unter www.numbertwentynine.ie zu sehen. 29 Fitzwilliam St, d. h. Süd­ostecke des Merrion Square.


Oscar Wilde lümmelt sich im Park des Merrion Square

Saint Stephen’s Green

„Wholie kept for the use of the citizens and others to walk and take the open air“, beschlossen die Stadtväter schon 1635 über den neun Hektar gro­ßen Stadt­park und schützten die Grüne In­sel vor der Bauspekulation.

Nach einem Zwischenspiel als Ar­beitsplatz des Henkers und als ein von einer ho­hen Mauer geschützter Pri­vat­gar­ten der reichen Anlieger wurde das alte Ver­mächt­nis um 1880 von Arthur Guinness neu belebt, der Stephen’s Green frisch bepflanzte und wieder dem Volk öffnete. Mit einem Teich, schwungvollen Brückchen, Aus­sicht­s­ter­ras­sen, Blumenrabatten, Sprin­g­brun­nen, Schwänen und groß­zügigen Ra­sen­flächen ist der Park an sonnigen Ta­gen ein beliebter Treff­punkt. Gärt­ne­risch und bezüglich sei­ner Architektur mag Stephen’s Green wenig aufregend sein, sei­nen Reiz verleihen dem Park die Menschen: Rentner auf den sprich­wört­lichen Bän­ken, mal mehr, mal we­ni­ger entblößte Jugendliche auf dem Ra­sen; die mittlere Gene­ration, männ­lich, vor­mi­ttags im Geschäftsschritt mit gebun­de­ner Krawatte, Jackett und Ak­tenkoffer, mittags mit gelockertem Schlips und ohne Jackett, in Do­ku­men­te oder die Zeitung vertieft; die gleiche Al­ters­gruppe, weiblich, morgens im Kos­tüm gekonnt auf hohen Ab­sätzen über den Kies stöckelnd, mittags we­ni­ger sicht­bar - die gleichberechtigte Nut­zung des öffentlichen Geländes wird erst von den Ladies im reiferen Al­ter er­reicht, die ihre Hunde aus­füh­ren oder ersatz­weise Schwä­ne füttern.

Den Haupteingang an der Ecke zur Grafton Street überspannt der Fusiliers Arch, ein dem römischen Titusbogen nach­empfundener Triumphbogen, der an die iri­schen Gefallenen des Buren­kriegs erinnert. Am anderen Ende, dem Ein­gang von der Leeson Street, plät­schert ein kleiner Brunnen „in Dank­bar­keit für die Hilfe, die das irische Volk deutschen Kindern nach dem Zwei­ten Weltkrieg gewährte“, wie der sei­nerzeitige Bundespräsident Ro­man Her­zog 1997 auf die Gedenk­pla­kette schrei­ben ließ. Während der deutschen Hung­erjahre 1945-48 schick­ten die Iren Care-Pakete und holten mit der Ope­ration Shamrock sogar einige tau­send Kinder für Wo­chen und Monate auf die Grüne Insel.

Die Nordostfront des Parks, wo frü­her, bevor der unablässige Auto­strom die­ses Ver­gnügen zerstörte, die Dandies und Beaus zu promenieren pflegten, nimmt das Shelbourne Hotel (1857) ein. Hier wurde die irische Verfassung ent­worfen, gingen Schrift­steller aus und ein wie William Thackeray, Oscar Wil­de oder George Moore, der das Hotel gleich zum Schauplatz seines Romans „Ein Dra­ma in Musselin“ mach­te. Das Ge­länder von Dublins bester Ho­tel­adres­se schmü­cken Statuen nu­bischer Prin­zes­sinnen. Das Iveagh House, Nr. 80/81 auf der Südseite, ein weiteres Werk von Richard Cassels, war das Stadt­palais der Guinness-Familie. Heu­te wird es vom iri­schen Au­ßen­mi­nis­te­rium genutzt.

♦ Führungen durch den Park bietet Sa/So 11 Uhr das Little Museum of Dublin an. 15 St Ste­phen’s Green North, www.littlemuseum.ie.

Newman House /Museum of Literature Ireland

Das Doppelhaus war ab 1853 Sitz der Catholic University of Ireland, also der ka­tholischen Konkurrenz des Trinity College. Benannt ist es nach dem von Rom selig gesprochenen Theo­logen und Grün­dungsrektor John Henry Kar­dinal New­man. Im Newman House stu­dier­ten un­ter anderem James Joyce und der spä­tere Präsident Eamon de Valera. In­zwi­schen hat die in University College Du­b­lin (UCD) umbenannte Hoch­schule ihren Campus an den Stadt­rand nach Belfield verlegt und richtete stattdessen im New­man House ein Museum für iri­sche Literatur ein. Die in Zu­sam­men­ar­beit mit der Nationalbibliothek kon­zi­pier­te Ausstellung führt interaktiv von mit­telalterlichen Handschriften bis zur Ge­genwartsliteratur. Ausgestellt sind et­wa die Notizbücher, in denen James Joyce Ideen für seinen Ulysses sam­mel­te.

♦ Di-So 10.30-18, Do bis 19.30 Uhr, Einlass bis 1 Std. vor Schließung. Eintritt 10 €. St Stephen’s Green South. www.moli.ie.

Little Museum of Dublin

Das kleine, doch feine Museum re­si­diert in einem geor­gia­nischen Stadt­haus auf der Nordseite von St Ste­phen’s Green. Auf zwei Etagen do­ku­men­tiert es mit Alltagsgegenständen, Do­kumenten und Fotos die Stadtge­schichte des letzten Jahrhunderts. Auf einem Sofa darf man es sich bequem ma­chen und im ausgelegten Lesestoff blät­tern. Für Kinder gibt es altes Spiel­zeug - nicht nur zum Anschauen, son­dern zum Anfassen und Spielen. High­light sind die un­terhaltsamen Füh­rung­en, die mit Witz und Charme die Aus­stel­lung lebendig wer­den lassen.

♦ Tägl. 11-17 Uhr. Eintritt mit Führung 10 €. 15 St Stephen’s Green North, www.littlemuseum.ie.

Tara’s Palace / Museum of Childhood

Ein gewisser Sir Neville Wilkinson, Schwie­gersohn des 14. Earls of Pem­bro­ke, baute im Jahre 1907 für seine Toch­ter Gwendolen ein fabelhaftes Pup­pen­haus. Im Wilkinson’schen Gar­ten bot es Elfen und Feen ein stan­des­ge­mä­ßes Zu­hause, heute ist Tita­nia’s Palace in einem Schloss auf der dä­ni­schen Insel Fünen aus­ge­stellt. Ein iri­scher Anti­quitäten­händ­ler, der den Pup­penpalast vergeb­lich zu er­steigern such­te, nahm ihn zum Vor­bild und ließ von den bes­ten iri­schen Mo­dell­bauern das Double Tara’s Palace er­richten. Im Maß­stab 1:12 kopiert das auch nach zwei Jahr­zehn­ten Bauzeit noch un­voll­en­dete Mo­dell voll ein­ge­rich­tete Räume aus den großen geor­gianischen Schlös­sern der Insel wie etwa Castletown Hou­se. An­dere Pup­pen­häuser und na­tür­lich auch Pup­pen run­den die Aus­stel­lung ab.

♦ Wiedereröffnung für 2021 geplant. 14 St Stephen’s Green North, taraspalace.ie.

Dublin Castle und Liberties

Die Dame Street leitet vom georgianischen Viertel in das Zentrum des alten Stadt­kerns um die Burg und die zwei Kathedralen über, in dem die mit­tel­alter­lichen Holz- und Lehmhäuser längst neueren Bau­ten gewichen sind.

Mit „Liberties“ wurde ursprünglich der Be­sitz der Kirchen und Klöster be­zeich­net, der nicht der städtischen Ge­richt­s­bar­keit unterstand. Heute steht die­ser Be­griff für das Gebiet zwischen den bei­den Kathedralen und der Guin­ness-Brau­erei.

Temple Bar

Der Ostteil von Temple Bar lag im Mit­tel­alter außerhalb der Stadtmauer und ge­hör­te zu einem Augustiner­kloster. Seit dem frühen 18. Jh. allmählich be­baut, war es lan­ge Zeit ein anrüchiges Vier­tel der Pubs und Bordelle. In den 1960er-Jahren sollte der he­run­ter­ge­kom­mene Stadtteil abgerissen und durch einen Busbahn­hof ersetzt wer­den. Doch die Planung verzögerte sich, und Temple Bar überstand so die Zeit der Kahlschlag­sanierungen, bis es in den Achtzigern „entdeckt“ und seine nicht im­mer behutsame Mo­der­ni­sie­rung eingeleitet wurde. Von einem Vier­tel der Rand­grup­pen und Subkultur mau­serte es sich zu einem modischen Yuppie-Quartier mit aller­lei Galerien und Kunstzentren, zu einem Schau­fens­ter moderner, oft preis­ge­krön­ter Ar­chitek­tur sowie mit seinen Res­tau­rants, Pubs, Kinos und Bühnen zum Mit­telpunkt des Dubliner Nachtlebens, wo weit­gehende Videoüberwachung eine nied­rige Kriminalitätsrate ga­ran­tiert. Aller­dings scheint Temple Bar an die Gren­zen seiner Entwicklung ge­sto­ßen zu sein: Die etwa tausend stän­di­gen Be­woh­ner weh­ren sich gegen wei­te­re Lärmquellen, klagen über den Lie­fer­verkehr und man­gelnde Straßen­rei­ni­gung. Ganz im Westen des Viertels, jen­seits der Parliament Street, entdeckt man gar leer stehende Ladenlokale.

City Hall

Das von einer Kuppel gekrönte klas­si­zis­tische Rathaus wurde 1769-79 als Bör­se er­baut. Auch nachdem die Stadt­ver­waltung 1995 an den Wood Quay um­zog, tagt in der City Hall weiterhin an jedem ersten Montag im Monat die Ver­sammlung der Stadt­verordneten. Im Kel­lergewölbe erzählt eine mul­ti­me­dia­le Ausstellung The Story of the Capital, al­so die Stadt­geschichte, mit Hilfe von Co­m­pu­ter­ani­ma­tio­nen, Fil­men, nach­ge­stellten Szenen und anhand von Ex­po­naten wie etwa dem ersten Stadt­sie­gel oder der Amtskette des Bür­ger­meis­ters. Den Aufbau der Aus­stellung fan­den wir etwas verwirrend. Ab­schlie­ßend geht es hoch in die Ein­gangs­halle mit ih­rer prächtigen Kuppel und einem Bo­denmosaik, das das Stadt­wappen zeigt.

♦ Mo-Sa 10-17.15 Uhr; Einlass bis 15.45 Uhr. Ein­tritt frei. www.dublincity.ie/dublincityhall.

Dublin Castle

Das Castle, mehr Schloss als Burg, thront auf dem Cork Hill gerade 200 m süd­lich der Liffey. In den drei In­nen­hö­fen sieht sich der Besucher einem bun­ten Stil­pot­pour­ri gegenüber: Von der al­ten Normannenburg (1202-1258) ist noch der Record To­wer er­hal­ten. Ber­min­gham Tower (1411), lan­ge das Ver­lies der Burg, bekam im 18. Jh. ein neu­es Gesicht. Die Moderne ist mit dem un­ansehnlichen Bau des Fi­nanz­amtes ver­treten, und die neo­gotische Royal Chapel scheint der Fan­tasie eines Zu­cker­bäckers ent­sprungen. In der Ko­lon­ial­zeit war das Schloss Amtssitz der bri­ti­schen Gou­ver­neure und Vi­ze­kö­ni­ge, heute be­her­bergt es alle möglichen Äm­ter und Be­hör­den. Die re­prä­sen­ta­ti­ven State Apart­ments (auf der Südseite des mitt­le­ren Ho­fes) kommen wei­te­r­hin bei Staatsempfängen zu Ehren, sind im Rahmen von Füh­rungen aber auch ge­wöhnlichen Menschen zu­gäng­lich. In der Eingangshalle rekon­s­tru­ie­ren Schautafeln die Ent­wick­lung der Burg, die Führungen bringen den Be­su­cher auch in ein Kellergewölbe mit Res­ten von Befestigungsanlagen aus der Wi­kin­ger­zeit. Unter der Royal Cha­pel ehrt das etwas skurrile Revenue Mu­se­um die Arbeit der Finanz- und Zoll­ver­wal­tung. Am Tor der Dame Street gibt es noch ein „Visitor Centre“, das aus Ca­feteria, einem Souvenirshop und groß­zügig dimen­sio­nierten Toiletten be­steht - die der Mensch manchmal drin­g­en­der benötigt als die Kultur.

♦ State Apartments: Tägl. 10-17.45 Uhr, Ein­lass bis 17.15 Uhr. Eintritt 8 €, mit Führung 12 €. www.dublincastle.ie.


Dublin Castle mit Bermingham Tower und Royal Chapel

Chester Beatty Library and Gallery of Oriental Art

Durch den Garten des Dublin Castle kommt man in die renommierte orien­ta­lische Kunstsammlung des 1968 ver­stor­be­nen Bergbaumagnaten Alfred Ches­ter Beatty. Nur ein Bruchteil der per­sischen und türkischen Miniaturen, Pa­pyri, japanischen Holz­drucke und chi­nesischen Vasen wird ausgestellt. Die Bi­bliothek genießt unter Fach­leu­ten Weltruf, die Ausstellung gewann 2002 den Eu­ro­päischen Mu­seums­preis. Der erste Stock zeigt unter dem Motto „künstlerische Tra­ditionen“ christ­li­che und islamische Buchkunst. In der fern­öst­lichen Abteilung ist das Thema wei­ter ge­fasst, hier sehen wir auch chi­ne­si­sche Schnupftabakdosen und ja­pa­ni­sche Sa­mu­rai­schwer­ter. Im zweiten Stock geht es um die Religionen und ihre heiligen Bücher.

♦ Mo-Fr 10-17 Uhr (Nov.-Febr. Mo geschl.), Sa 11-17, So 13-17 Uhr. Eintritt frei. Führun­gen Mi 13, So 15 und 16 Uhr. Eingang Dame St oder Ship St, www.cbl.ie.


Buchkunst in der Chester Beatty Library

Saint Patrick’s Cathedral

Warum hat der Normannenbischof Comyn, als er 1191 den Grundstein für eine neue, von der altirischen Christ Church unabhängige Kathedrale legte, da­für einen so ungünstigen Bauplatz wie das Sumpfland am heute ka­na­li­sier­ten Poddle aus­ge­wählt? Das Grund­was­ser stand hier so hoch, dass für Ir­lands größte Kirche be­son­ders schwere Fun­damente notwendig waren. Der Ort muss dem Bischof so wichtig ge­wesen sein, dass er die Bedenken seiner Bau­meis­ter in den Wind schlug und auch auf eine Krypta verzichtete.

Der Legende nach hatte hier bereits St Pat­rick eine Kapelle und taufte die Men­schen mit dem Wasser einer hei­li­gen Quelle. Der 1254 völlig um­ge­stal­te­te und 1864 nochmals umgekrempelte Bau stand zunächst unter einem un­glück­li­chen Stern: Ein Turm stürzte ein, auf­ge­brach­te Bürger zündeten die Kir­che an, Crom­well be­nutzte das Got­tes­haus als Pfer­destall, Jakob II. als Ka­ser­ne.

Innen ist die Kirche mit den klaren Pro­por­tionen eines lateinischen Kreu­zes sehr viel ele­ganter, als sie äußerlich ver­spricht. Der Stein von Patricks Quel­le liegt in der Nord­west­ecke neben dem Auf­gang zum Turm. Die Dau­er­aus­stel­lung „Living Sto­nes“ re­ka­pi­tu­liert die Ge­schichte des Gotteshauses und wid­met sich auch aus­führ­lich dem be­rühm­tes­ten Domherren, Jonathan Swift. Mit seiner wohl stets nur pla­to­ni­schen Gelieb­ten Esther („Stella“) John­s­on fand er gleich neben dem Haupt­ein­gang seine letz­te Ruhe­stätte. Das zwei­te, auf­fäl­li­ge­re Grabmal (1632) am Ein­gang zeigt Richard Boy­le, den Earl of Cork, nebst Frau und elf seiner Kin­der. Der kleine Di­cke in der Mitte der un­teren Reihe ist Ro­bert Boyle (1627-91), Phy­si­ker und Ent­de­cker des Boyle-Ma­riotteschen Ge­set­zes vom Zu­sam­men­hang zwi­schen Druck und Aus­deh­nung von Ga­sen. Das Monument stand zu­nächst ne­ben dem Hauptal­tar, doch der Vizekönig Thomas Wentworth fand es schon 1633 un­zu­mut­bar, sich vor dem Earl, seiner Frau und be­son­ders „den Nymp­hen von Töch­tern, mit schul­ter­lang­em, offenem Haar“ nie­der­zu­knien, die ihn offenbar vom Ge­bet ab­lenk­ten. Der gekränkte Earl of Cork ar­bei­tete da­rauf­hin am Sturz des Vize­kö­nigs und brach­te ihn schließlich aufs Schafott.

♦ März-Okt. Mo-Fr 9-17, Sa 9-18, So 9-10.30, 12.30-14.30 und 16.30-18 Uhr. Nov.-Febr. Mo-Sa 9-17, So 9-10.30 und 12.30-14.30 Uhr. Ein­tritt 8 €. Buslinien 27, 54 A, 77 A, 150, 151 via Haw­kins St. www.stpatrickscathedral.ie.

Marsh Library

Die von Erzbischof Narcissus Marsh 1707 eröffnete Bibliothek ist die älteste öf­fent­li­che Bücherei Irlands und seit den Gründerjahren kaum verändert. Swift arbeitete hier oft, einige Bücher tra­gen noch seine Randbemerkungen, auch Joyce las in den al­ten Schätzen. In den dunklen Eichenholzregalen ruhen zwar nur 25.000 Bände, diese wurden je­doch fast alle im 17. Jh. oder noch frü­her gedruckt. Wertvollster Schatz ist eine Cicero-Ausgabe von 1472. Bü­cher­klau gab es wohl schon damals. Wie sonst ist zu erklären, dass die Benutzer von besonders seltenen und wertvollen Ma­nuskripten während der Arbeit in drei Nischen eingeschlossen wurden?

♦ Di-Sa 10.30-16.30 Uhr. Eintritt 5 €. Buslinien wie St Patrick’s Ca­thedral. St Patrick’s Close. www.marshlibrary.ie.

Teeling Whiskey Distillery

Kein Museum, sondern eine hoch­mo­der­ne Whiskey-Brennerei, in der nach lang­er Pause im Dubliner Stadtgebiet wie­der Whiskey gebrannt wird. Den Stand­ort am Newmarket haben die Tee­ling-Brüder bewusst gewählt, ar­bei­te­ten dereinst im „Gol­den Triangle“ der Li­berties doch zwei Dutzend Bren­ne­rei­en. Auf der Führung wer­den die Be­su­cher in die Geheimnisse der Whis­key-Her­stellung eingeweiht, se­hen in den Gär­bottichen die Hefebakterien bei der Ar­beit und wie das Le­bens­wasser durch die imposanten Kupferbirnen „Alison“, „Natalie“ und „Rebecca“ spru­delt. Wer auf den Geschmack ge­kom­men ist, kann sich anschließend in der Bar und im Shop mit Premium-Whi­s­key eindecken.

♦ Tägl. 10-17.30 Uhr (Beginn letzte Führung). Füh­rung mit Verkostung 15-30 €. Bus 27, 77A, 150, 151 via College Green. Newmarket, www.teelingdistillery.com.

Christ Church Cathedral

Wie Saint Patrick’s hat auch die ältere der beiden mittelalterlichen Kathe­dra­len in der viktorianischen Ära eine frei­zü­gige Restaurierung über sich ergehen las­sen müs­sen. Auf der Verkehrsinsel, um die heute unzählige Straßen he­rum­füh­ren, stand seit 1038 die erste, aus Holz gebaute Bischofskirche. Zwi­schen ihr und der Lif­fey befand sich die Han­delsniederlassung der Wikinger und damit die Keim­zelle der mit­tel­al­ter­lichen Stadt. Ihre Reste wurden in den 70er-Jahren bei Sa­nie­rungs­ar­bei­ten frei­gelegt - und mit der Fun­da­men­tie­rung der neuen Bürogebäude weit­ge­hend zerstört.

Richard Strongbow, der Führer der nor­man­nischen Invasoren, ließ die höl­zer­ne Wi­kin­gerkirche nach 1172 durch ei­nen Steinbau im romanisch-go­tischen Über­gangs­stil er­setzen, der auch eine Art Denkmal für den bri­ti­schen Griff nach Irland ist. Hein­rich VII. eröffnete hier die iri­sche Re­for­mation, indem er St Patrick’s Bi­schofs­stab, die kost­barste Re­liquie der Kirche, öffentlich ver­bren­nen ließ. Ir­l­and räch­te sich auf seine Art. 1562 brach die schlecht gegründete Süd­wand zu­sammen und zerschlug da­bei auch das Grabmal mit der Statue des Strong­bow, die als ein am­putierter Tor­so ne­ben dem Grab lag. Das heu­ti­ge Mo­nu­ment ist eine Nach­bil­dung aus der Zeit nach dem Unglück. Mit dem stei­nernen Strong­bow als Zeu­gen schlos­sen seit al­ters her die Dub­liner Kauf­leute wich­ti­ge Ver­träge ab.

Der am besten erhaltene Teil der Kir­che ist die Krypta. Zu Cromwells Zeiten ging es hier hoch her: Damals war sie ein überdachter Markt mit Läden und Ta­vernen. Spä­ter diente der Keller als Ab­stellplatz für allerlei Dinge, die oben im Wege waren, aber doch irgendwie zu wert­voll oder zu sperrig, um sie ein­fach weg­zuwerfen. Jüngst wurde das Ge­wöl­be mit viel Auf­wand zu einem Aus­stel­lungs­raum um­ge­baut, in dem ne­ben alten Grabplat­ten, Architektur­frag­men­ten und dem Kir­chen­schatz auch ein Video­film ge­zeigt wird. Be­rühm­teste Ku­riosität des Kellers ist je­doch jene mumifizierte Katze auf der Jagd nach einer genauso ein­ge­trock­ne­ten Rat­te, die sich in eine Orgelpfeife ge­flüch­tet hatte - der Jäger blieb ste­cken und ver­sperrte damit auch dem Opfer den Flucht­weg, ohne dieses er­rei­chen zu können.

♦ Juni-Aug. Mo-Sa 10-19, So 12.30-14.30 und 16.30-18 Uhr. Nov.-März Mo-Sa 10-17, So 12.30-14.30 Uhr. April/Mai und Sept./Okt. Mo-Sa 10-18, So 12.30-14.30 Uhr. Einlass bis 45 Min. vor Schließung. Ein­tritt 7,50 €. www.christchurchcathedral.ie.


Christ Church: Dublins älteste Kathedrale

Dublinia

Die Mittelaltershow im früheren Bi­schofs­palast, in dem zuletzt eine Disco ein­ge­rich­tet war, ist eine kleine Ent­schä­digung für die am Wood Quay ver­ge­bene Chan­ce, wenigstens einen Teil der beim Bau des neuen Rathauses frei­ge­legten Reste der Wi­kingerstadt für die Nachwelt zu erhalten. Die Zeit­reise be­ginnt nach einer Orien­tierung zu den An­fängen mit dem Gang über den mit­tel­alterlichen Markt der Stadt, mit Stän­den und Buden lebens­groß und le­bens­echt nachgestellt bis hin zu einem knur­renden Hund. Alles darf, sehr zur Freu­de der Kinder (und auch der Er­wach­se­nen), angefasst wer­den - im­mer­hin stehen für den Wurf auf den im Prang­er zu Schau ge­stellten Missetäter nicht mehr wie anno dazu­mal Kot und Stei­ne, son­dern Soft­bälle zur Ver­fü­gung.

Ein maßstabgerechtes Modell zeigt das al­te Stadtbild, das man mit dem (rea­len) Pa­no­rama vom Turm des Hau­ses ver­glei­chen kann. Anschließend wird man mit der Re­konstruktion eines Kais und ei­nes Kaufmannshauses kon­fron­tiert, auf dessen Kü­chentisch die Spei­sen an­ge­richtet sind, als begäben sich die Pup­pen im nächsten Moment zum Dinner. Ge­lungen ist die Ein­be­zie­hung der Toi­let­ten - wer auf das Ört­chen muss, wird ne­benbei über mit­tel­-al­terliche Latrinen und Sa­ni­tär­an­la­gen auf­geklärt. Im Mu­seums­raum sind ein paar Kleinfunde vom Wood Quay prä­sen­tiert, nebenan er­fährt man ei­niges über die Ar­beits­wei­se der Stadt­ar­chä­o­lo­gen. Der obers­te Stock ist den Wi­kin­gern gewidmet. Hier kann man seinen Na­men in Runen schrei­ben. Auch die Ver­einnahmung der Nord­leu­te durch die faschistische Be­we­gung wird nicht aus­gespart.

♦ Tägl. 10-18.30 Uhr (Okt.-Febr. bis 17.30 Uhr), Einlass bis 1 Std. vor Schließung. Eintritt 12 €, mit Christ Church 18 €. St Michel’s Hill, High St, www.dublinia.ie.


Ein geknechteter Kuttenträger in der Dublinia

Saint Audoen’s Churches

Dank der Kirchenspaltung hat der Hei­li­ge gleich zwei Kirchen. Die ältere (12./14. Jh.) und zugleich kleinere ge­hört der Church of Ireland und ist die ein­zige er­haltene mittelalterliche Pfarr­kir­che Dublins. An der Stelle des Ne­ben­schiffs stand einst eine keltische Ka­pelle. St Audoen’s Arch, in einer schma­len Passage neben der Kirche, ist das letzte Tor der alten Stadt­be­fes­ti­gung. Der jüngere Bau, ein katho­li­sches Got­teshaus, wurde 1847 fertig gestellt.

♦ Mai-Okt. tägl. 9.30-17.30 Uhr, Einlass bis 16.45 Uhr. Eintritt frei. Cook St.

Guinness-Brauerei / Kilmainham

Guinness-Brauerei

Schon an der St Audoen’s Church wird die empfindliche Nase bei Westwind mit dem Malzgeruch aus Irlands größ­ter Brauerei konfrontiert. Seit dem 12. Jh. brauten Mön­che (wer sonst?) vor dem James Gate. 1759 erwarb Ar­thur Guinness das Ge­län­de der Rains­ford Brauerei, und seine Nachfolger er­wei­terten die Pro­duk­tions­stät­ten Zug um Zug auf heute 26 ha, eine surreale Me­tropolis mit qualmenden Schlo­ten, amei­sengleich geschäftigen Arbeitern und besagten Gerüchen. Bis 1965 damp­f­te eine Werksbahn durch das Ge­län­de - eine der ungewöhnlichen Lo­ko­mo­ti­ven mit oben liegenden Ventilen ist im Werksmuseum ausgestellt. Frü­her brachten Schif­fe die Gerste über die Liffey und einen Nebenarm vom Grand Canal und lu­den für den Rückweg die Fäs­ser mit Stout ein, die an die Pubs überall im Land ge­lie­fert wurden. Zur Ver­sorgung des britischen Marktes ver­fügt Guinness bis heute über eine eige­ne Hochseeflotte.

Die inzwischen dem Spirituosen-Welt­konzern Diageo gehörende Braue­rei selbst kann nicht besichtigt werden. Das Storehouse Visitor Centre in einem um­gebauten Gär­haus der Jahr­hun­dert­wen­de erzählt jedoch die Fir­men­ge­schich­te und erläutert die Produktion der täglich 2,5 Millionen Pints. Bran­chen­fremden dürfte es aller­dings schwer fallen, die Besonderheiten bei der Herstellung des dunklen Stout nach­zu­vollziehen. Abschluss und Hö­he­punkt der Tour ist ein Bier in der Gravity Bar, im Turm mit Rundum-Pa­no­ramablick über Dublin. Hier in luf­ti­ger Höhe wird, so jedenfalls die Ein­schä­tzung der Brau­er­ei, das beste Bier der Welt am besten ge­zapft. „Good for you?“

♦ So-Do 11.30-19 Uhr (Einlass bis 17 Uhr), Fr/Sa bis 21.30 Uhr (Einlass bis 20 Uhr). Eintritt mit Drink 15-25 €. www.guinness-storehouse.com. Crane Lane off James St. Zu erreichen mit Bus Nr. 13, 40, 123 ab O’Connell St, Luas Red Line Station James’s.

Pearse Lyons Distillery

Nur einen Steinwurf vom Guinness Store­house entfernt kann man die neue Whis­key­brennerei von Pearse Lyons be­sichtigen. Der in Irland auf­ge­wach­se­ne Chef des Tier­futterherstellers All­tech besitzt neben Bierbrauereien auch eine Brennerei in Ken­tucky. Seine Dub­li­ner Destillerie ist in der lange un­ge­nutz­ten und verfallenen St James’s Church eingerichtet. Besonders stolz ist man auf die restaurierten Glas­fens­ter und die gläserne Spitze des Kirchturms. Abends beleuchtet, ist diese „Li­berties Lan­tern“ ein von weit her sichtbares Wahr­zeichen des Viertels.

♦ Mo-Sa 9.30-17 (Beginn letzte Führung), So ab 11.30 Uhr; Führung mit Verkostung ab 20 €. www.pearselyonsdistillery.com. 121 James’s St, zu erreichen wie Guinness Storehouse.

Museum of Modern Art (IMMA)

Das Royal Hospital Kilmainham wurde 1680-87 nach dem Vorbild des Lon­do­ner Chel­sea Hospital oder der Pariser Les Invalides als Alten- und In­va­li­den­heim für Sol­daten gebaut. Der Grund­riss von Dublins erstem kla­s­si­zis­ti­schen Ge­bäude ist so ein­fach wie ge­ni­al: ein Rechteck mit zum Innenhof of­fe­nen Ko­lonnaden. Seinerzeit gab es einen Sturm der Entrüstung, dass ein so präch­tiges Gebäude ausgemusterten Krie­g­ern zur Verfügung stünde. 300 Jah­re spä­ter war die Umwidmung zu ei­nem Kunst­museum nicht weniger um­stritten. Doch längst ist das IMMA zu einem Schau­fenster irischer Ge­gen­warts­kunst für die Welt und zugleich in­ter­nationaler Kunst für die Iren ge­wor­den. Außer einer kleinen Dauer­aus­stel­lung zeigt das Mu­seum in der Haupt­sa­che mehrere Monate dau­ern­de Wech­sel­ausstellungen, auch Kon­zer­te und Diskussionen gehören zum Pro­gramm.

♦ Di-Fr 11.30-17.30, Sa 10-17.30, So 12-17.30 Uhr. Einlass bis 15 Min. vor Schlie­ßung; Ei­n­tritt frei. Mit Kunst­buch­hand­lung und Ca­fe­te­ria. Bus Nr. 79 A ab As­ton Quay, 123 via O’Connell St, Luas Red Line Station Ja­mes’s. Mi­li­tary Rd, Nähe Heuston Sta­ti­on. www.imma.ie.

Kilmainham Gaol

Ein Schlangenrelief über dem alten Ein­gang lässt uns an die Höllen­brut denken. Das frü­he­re Staatsgefängnis wur­de 1795 gerade rechtzeitig fertig, um die von den Bri­ten ge­fangenen United Irishmen aufzunehmen. Andere „Auf­rührer“ wie die Fe­nians, die Agi­ta­to­ren der Land League, zuletzt die Auf­stän­dischen von 1916 folg­ten; es gibt kaum einen irischen Nationalhelden, der nicht für einige Zeit in Kil­main­ham ge­ses­sen hätte. Letzter Häftling war der spä­tere Präsident Eamon de Valera, und schon daraus erklärt sich, dass das Ge­fäng­nis heute eine nationale Ge­denk­stät­te ist. We­ni­ger bekannt ist, dass zu­letzt nicht mehr die Briten, son­dern die iri­schen Bürger­kriegs­parteien hier ihre Ge­fangenen einkerkerten und er­schos­sen. Doch nicht nur „Po­li­ti­sche“, auch ge­wöhnliche Kriminelle wa­ren hier ein­gesperrt und warteten in win­zigen Zel­len auf ihre Deportation oder gar Hin­richtung.

Die Tour beginnt im Courthouse. Bis 2008 wurde hier Recht gesprochen, und wer ein­mal in einem deutschen Ge­richts­saal war, dem wird als Un­ter­schied auffallen, dass der Richter in Kil­mainham quasi gottgleich über dem Bö­sewicht thronte. Vom Ge­richt geht es gleich weiter ins Gefängnis. Hö­he­punk­te der Führung sind hier die Ka­pel­le, in der Joseph Plun­kett, einer der An­führer des Oster­aufstands, am 4. Mai 1916 mor­gens um 1.30 Uhr mit Grace Gif­ford ge­traut wurde -, und der Exe­kutions­hof, wo man ihn zwei Stun­den spä­ter er­schoss. Ein an­ge­schlos­se­nes Mu­seum erklärt die Ge­schich­te des Knasts und des vik­tor­ia­ni­schen Straf­voll­zugs.

♦ Sept.-Mai tägl. 9.30-17.30 Uhr, Juni-Aug. bis 19 Uhr; Einlass bis 75 Min. vor Schließung. On­line-Reservierung erforderlich. Ein­tritt mit Füh­rung 8 €. Bus Nr. 79 ab Aston Quay; Nr. 69 ab Haw­kins St. Inchicore Rd, www.kilmainhamgaolmuseum.ie.


Kilmainham Gaol: eine Kathedrale des Strafvollzugs

North Side

Seit bald 750 Jahren überspannen Brücken die Liffey, die die Dub­li­ner na­se­rümpfend „Sniffey“ nennen, doch der Fluss trennt heute mehr denn je. Er ist die Barriere zwischen Arm und Reich, elegant und vulgär, zwischen Hoch­kultur und billigem Videoentertainment, Sa­nierung und Verfall.

Vor allem in den Köpfen der Menschen von der South und der North Side exis­tiert die­se Barriere, die sie den jeweils an­d­eren Stadtteil ignorieren lässt. Für die kleinen Leu­te ist, auch wenn sie in den Vor­städ­ten wohnen, die nördliche In­nenstadt das be­vorzugte Ziel für grö­ße­re Einkäufe und die Abend­un­ter­hal­tung. Die aufstrebende Mit­telklasse aus den südlichen Vororten je­doch fürchtet die heruntergekommene North Side, in der zwei Drittel aller Ver­brechen der Stadt begangen werden, wie der Teu­fel das Weihwasser und weiß damit nicht an­ders umzugehen, als sie zur schier un­erschöpflichen Quel­le von Witzen zu ma­chen.

Ihre beste Zeit hatte die North Side im 18. Jh. Die ersten georgianischen Pracht­bau­ten entstanden am Parnell und Mountjoy Square, in der Gardiner und O’Con­nell (damals: Drogheda) Street. Doch bald eroberte sich das Volk die Viertel, und der Herzog von Leinster setz­te 1745 ein für die Stadt­ent­wick­lung schicksalhaftes Sig­nal, indem er sei­nen neuen Palast auf dem Südufer bau­te. „Es war ungefähr so wie bei einer Fuchsjagd, wo aber zur Ab­wechs­lung mal der Adel der Gejagte war und stän­dig versuchte, sicheren Abstand zwi­schen sich und der benachteiligten Mehr­heit zu halten“, charakterisierte der Dubliner Schrift­stel­ler Brendan Be­han ein­mal die Stadt­entwicklung der letz­ten drei Jahrhunderte. Lange blieb die North Si­de weitgehend sich selbst über­lassen, erst in jüngster Zeit hat sie mit einer Fuß­gän­gerzone um die O’Connell Street wieder etwas At­trak­ti­vi­tät gewonnen. Auch das neue Kon­fe­renz­zentrum soll in diesem Teil der Stadt entstehen.

Custom House

James Gandon war nach Richard Cassels der zweite Stararchitekt Dub­lins und präg­te mit seinen klassi­zis­ti­schen Monumentalbauten maßgeblich das Ge­sicht der Stadt am Ufer der Liffey. Custom House (1781-91) war so­zusagen sein Ge­sel­len­stück, dem spä­ter noch die Four Courts und die King’s Inns folgten. Im Schat­ten der Ei­sen­bahn­brü­cke und des Internatio­na­len Finanzzentrums kommt das Zoll­haus, un­ge­achtet sei­ner stolzen Länge von 114 m und der mächtigen Kup­pel, heu­te nicht mehr recht zur Gel­tung. Der beste Blick bietet sich von der an­de­ren Fluss­seite aus.

O’Connell Street

Die nach dem Freiheitshelden Daniel O’Connell benannte Straße als breites­ten Bou­le­vard Europas zu bezeichnen, wie es manche Dubliner und besonders die Frem­denführer tun, ist eine kühne Über­treibung und der Versuch, einmal auch die North Side mit einem Super­la­tiv zu schmücken - belassen wir es bei der mit 45 m brei­tes­ten Straße Irlands.

Von der Flussseite her blickt der „Liberator“ als Bronzestatue über sei­ne Str­a­ße, am oberen Ende grüßt Charles Ste­wart Parnell - mehr zu seiner Per­son im Geschichtskapitel. In der Mitte, et­wa auf Höhe der Post, stand der bri­ti­sche See­held Lord Nelson, bis ihn die IRA 1966 sprengte. Seinen Platz nimmt nun die Mil­le­ni­um Spire ein, ein 120 Me­ter hoher und 4 Millionen Euro teu­rer Leucht­turm aus Edel­stahl - als wä­re Dublin nicht hell genug oder gar zu über­se­hen, oder als be­dürf­ten die zahl­rei­chen Heroinsüchtigen eines Denk­mals in Form einer Nadel. An der Ecke zur Earl Street stehen James Joyce und vor dem Gre­sham-Hotel Theo­bald Mat­thew (1846-91), der Begründer der irischen Abstinenzlerbewegung und an­ge­sichts der irischen Neigung zu Bier und Whiskey ein Don Quichotte der Grü­nen Insel.


Daniel O’Connell hoch über den Passanten

General Post Office

Das General Post Office war Schauplatz des Osterputsches von 1916. Von der Ein­gangs­treppe verlas Patrick Pearse am Ostermontag die Un­ab­häng­ig­keit­s­er­klärung. Im Fenster der Schalterhalle ehrt eine Bronze­statue des mythischen Hel­den Cuchu­lainn die Auf­stän­di­schen. So schön kann das Sterben sein! (We­nigstens in der Kunst). An den Säu­len der Hauptfassade konnte man bis zur jüngsten In­stand­set­zung noch die Einschlagsmarken der Geschosse aus­machen, und was die britische Ar­mee 1916 nicht schaffte, erledigten sechs Jahre später die Bürgerkriegs­par­tei­en. Erst 1929 wurde die Post wieder er­öffnet und bildet seitdem die be­vor­zug­te Kulisse für nationale Paraden und Demonstratio­nen. Zum hundert­jäh­rigen Jubiläum des für die irische Na­tion identitätsstiftenden Putsches wur­de auf der Nordseite der Schal­ter­halle die multimediale Ausstellung GPO Witness History eingerichtet. Um­ge­ben von Touch­screens, Schautafeln und mit dem Aufstand verbundenen Ar­te­fak­ten lässt eine filmisch-the­a­tra­li­sche Insze­nie­rung das Gesche­hen le­ben­dig wer­den. Ei­ne Schauwand im Ca­fébereich ver­sucht dann den Bogen bis in die Gegen­wart zu spannen.

♦ Tägl. 10-17.30 Uhr, Juli/Aug. Mi-Fr bis 18.30 Uhr; Einlass bis 1 Std. vor Schlie­ßung. Eintritt 15 €. www.gpowitnesshistory.ie.

Moore Street und Chinatown

Die Moore Street, ein Block westlich der O’Connell St, ist Standort des be­lieb­tes­ten Mark­tes der Stadt. Die alte Markt­halle wurde allerdings durch ein mo­dernes Shop­ping Centre ersetzt und die andere Straßenseite ist eine einzige Bau­stelle, so­dass der Ort, ungeachtet des nach wie vor pittoresken Stra­ßen­mark­tes vor dem Ein­kaufs­zen­trum, et­was an Charme verloren hat. Zwei Blocks wei­ter hat sich im Ost­teil der Par­nell Street Dub­lins China­town ent­wi­ckelt. Ur­sprüng­lich war die O’Con­nell Street nach Henry Moore, Earl of Dro­g­heda, be­nannt; nach der Um­be­nen­nung zu­guns­ten des Frei­heits­hel­den sind dem Earl im­mer­hin noch Hen­ry Street, Moore Street, Earl Street, und, kein Scherz, so­gar eine Off Lane ver­blieben.

St Mary’s Pro-Cathedral

Die ka­tho­li­sche Kathedrale (1816-25) an der Ecke Ca­the­dral und Marl­bo­rough St firmiert noch immer als pro­vi­sio­nal, „vor­über­ge­hende“ Bi­schofs­kir­che. Dub­lins Ka­tho­liken fordern die Rück­ga­be der pro­tes­tantischen Christ Church. Sie ha­ben nie vergessen, dass ihr eige­nes Got­tes­haus damals auf eng­li­schen Druck eine Zeile hinter der pro­mi­nen­ten O’Con­nells Street in einer so schma­len Stra­ße er­rich­tet werden muss­te, die die Fas­sa­de mit ihren dori­schen Säu­len über­haupt nicht zur Gel­tung kommen lässt. Die Plä­ne stamm­ten von einem fran­zö­si­schen Ar­chi­tek­ten, der auch die Pari­ser Kirche St Philippe du Roule er­schuf. Zu allem Über­fluss war die Gegend um die Marl­bo­rough Street, bei Joyce heißt sie „Night­town“, um 1900 das Rot­licht­vier­tel Dub­lins. Ge­gen­über der Kathe­dra­le steht mit dem Tyrone House ein schö­nes Stadt­haus von Richard Cas­sels.

James Joyce Centre

Das Haus war einst die Tanzschule des De­nis Maginni, der uns im Ulysses als „pro­fessor of dan­cing“ begegnet. Als neu­er Tempel der Joycia­ner zeigt es unter prächtigen Stuckde­cken Dok­u­men­te und Fotos aus dem Leben des Mei­s­ters, da­zu gibt’s Lesungen oder Rund­gänge auf den Spuren Leopold Blooms. Bei fla­ckern­dem Kaminfeuer sieht man ein Video zum Leben des Meis­ters, der sei­ner Hei­mat früh den Rü­cken kehrte und vorwiegend in der Emi­gration über Dublin schrieb. Dem Cen­tre ange­schlossen sind eine ein­schlä­gige Bi­bliothek und Buch­hand­lung.

♦ Mo-Sa 10-17, So 12-17 Uhr (Okt.-März Mo geschl.). Einlass bis 30 Min. vor Schließung. Ein­tritt 5 €. 35 North Great George St, www.jamesjoyce.ie.

Parnell Square

„Niemand hat das Recht, den Weg einer Na­tion aufzuhalten“, wird Par­nell in der Sockelinschrift seines Denkmals am oberen Ende der O’Connell Street zi­tiert. Ein Zusammenhang mit der Frau­enklinik Rotunda (1757), auf die das Stand­bild weist, war sicher nicht be­absichtigt, doch lässt sich der sinnige Spruch auch als päpstliche Mahnung an Mütter und Ärzte interpretieren. Die Ro­tunda war die erste Geburtsklinik der Britischen Inseln. Der Ersparnis hal­ber verwendete Richard Cassels teil­wei­se erneut die Pläne des Leinster House, die Ähnlichkeit ist al­so kein Zu­fall. Mit Lotterien, Bällen und Kon­zer­ten in den Assembly Rooms hinter dem Spi­tal, wo heute das Gate Theatre spielt, sammelte Dr. Bartholomew Mosse seinerzeit das Geld für die Kli­nik. Der Garden of Remembrance, in dem heute des Osterauf­stands gedacht wird, ist alles, was von Mosses üppigen Grün­anlagen übrig blieb. Die Rotunda im engeren Sinn, die runde Haupthalle, ist heute das Am­bas­sa­dor-The­ater, doch die anderen Gebäude sind noch im­mer ein Krankenhaus.

City Gallery The Hugh Lane

Zusammen mit den Nachbarhäusern zeigt die Fas­sade der städtische Kunst­ga­lerie schön den bruchlosen Übergang von der klas­si­zisti­schen Landhaus- zur vier­stöckigen Backsteinarchitektur des geo­rgianischen Dub­lin. Die mit se­hens­wer­ten Werken französischer Imp­res­sio­nisten und irischer Ma­le­rei be­stück­te Ausstellung geht auf eine Stiftung des Kunstsammlers Hugh Lane zu­rück, der 1915 beim Untergang der Lusitania starb. Lane vermachte seine Schätze „der Nation“, was nach der irischen Un­abhängigkeit eine zweideutige Fest­le­gung war. Welcher Nation? Der bri­ti­schen oder der irischen? 1959 wurde die Samm­lung geteilt, eine Hälfte ist in der Londoner Tate-Galerie ausgestellt. Eine be­son­dere Attraktion der Galerie ist das nachgebaute Atelier (oder soll man besser sa­gen: das rekonstruierte Chaos) des in Dublin geborenen Malers Francis Bacon (1909-1992). In einem ein­leitenden Interview beschreibt der Künst­ler seine Ar­beits­technik, per Bild­schirm kann man in einer Datenbank mit den vielen tau­send im Atelier ge­fun­denen Objekten wühlen.

♦ Di-Do 10-18, Fr/Sa 10-17, So 11-17 Uhr; Ein­tritt frei. 22 North Parnell Sq, www.hughlane.ie.

Dublin Writers Museum

Mit gleich vier Nobelpreisträgern - George Bernard Shaw, William Butler Yeats, Samuel Beckett, Seamus Hea­ney - und weiteren literarischen Grö­ßen wie Jonathan Swift, Oscar Wil­de, Sean O’Casey, Brendan Behan und last not le­ast James Joyce ist Dublin Euro­pas heimliche Literaturhauptstadt. Das 1991 er­öff­ne­te Museum un­ter­streicht die­sen Anspruch mit Me­mo­ra­bil­ia wie bei­spielsweise Be­hans Schreib­ma­schi­ne, Manuskripten und Ers­tausgaben. Die Einrichtung des Ober­geschosses gibt zugleich einen gu­ten Eindruck von dem an der Antike orien­tier­ten Zeit­ge­schmack der iri­schen Aristokratie des 18. Jh. Etwas kurz kommen aller­dings die modernen Aut­o­ren - das Museum ver­mittelt den fal­schen Eindruck, als sei das li­te­ra­ri­sche Schaffen mit dem Zwei­ten Welt­krieg abrupt abgebrochen. Dass dem nicht so ist, würde man ne­ben­an in dem der Öffentlichkeit nicht zu­gäng­li­chen Irish Writers’ Centre er­fah­ren, das mit Arbeitsräumen, Se­mi­na­ren und Le­sun­g­en ein Treffpunkt der noch le­ben­den Schriftsteller ist.

♦ Mo-Sa 10-17, So 11-17 Uhr. Einlass bis 16.15 Uhr. Eintritt 7,50 €. 18 North Parnell Sq. www.writersmuseum.com.

14 Henrietta Street

Die lange vernachlässigte Henrietta Street gilt als eines der schönsten geor­gi­a­nischen Ensembles der Stadt. Nr. 9 und 10 wurden von Edward Pearce ge­baut. Als die nach Gardiners Tochter Hen­riet­ta benannte Straße in die Jahre kam, wur­den die Bewohner zahlreicher und we­niger vornehm. Miethaie über­nah­men die Häuser, teilten die großen Räu­me mit Zwischenwänden weiter auf und vermieteten die entstandenen Ver­schlä­ge an arme Familien. So pferch­te der Bauunternehmer und Stadt­rat Jo­seph Meade allein in das Haus Nr. 7 etwa 70 Menschen.

Haus Nr. 14 wurde zu einem Mu­se­um reno­viert, das die Geschichte der Stra­ße und das Schicksal der meisten geor­gianischen Häuserzeilen in Dublin nac­herleben lässt: Errichtet als re­prä­sen­tative Stadtwohnungen für die po­li­ti­sche und wirtschaftliche Elite, ver­ka­men sie später zu Mietskasernen für ar­me Leute. So beginnt die Führung durch das 1749 erbaute Haus in der Belle Etage mit dem Salon von Lord Viscount Molesworth und seiner Fa­mi­lie. Er ist unmöbliert, nur ein maß­stab­ge­treues Modell des Hauses und die in den Putz eingebetteten Mu­sik­ins­tru­men­te deuten auf die frühere Pracht des Hauses hin. Und sie endet im letz­ten Raum mit der kleinbürgerlichen Idyl­le einer Wohnung der 1950er-Jahre, sym­bolhaft das Nebeneinander von Por­zellanfiguren der Gottesmutter und von chinesischen Hunden. Der Aus­stel­lung fehlen die interaktiven Ani­ma­tio­nen, wie man sie vom Emigration Mu­se­um oder von Titanic Belfast kennt, vie­le Räume sind noch leere Hüllen, die nur notdürftig mit kurzen Filmen ge­füllt werden. Umso mehr hängt am Ge­schick der Führer(innen), das Haus mit Le­ben zu füllen.

♦ Führungen Mi-So 10-16 Uhr jeweils zur vollen Stun­de, Online-Buchung angeraten. Ein­tritt 9 €. 14 Henrietta St, www.14henriettastreet.ie. Luas-Station Dominick St.

Four Courts

Das Meisterwerk unter den geor­gia­ni­schen Repräsentativ­bauten ent­stand 1786-1802. An einem Werktag fühlt man sich in der Halle zwischen den auf ihre Verhandlung wartenden Juristen mit schwarzen Kutten und Löck­chen­pe­rü­cken in eine vergangene, un­heim­li­che Welt versetzt. Wie das Custom House trägt der Sitz von Irlands höchs­tem Gericht klassizistische Züge, strebt aber mehr in die Hö­he. Über einem Zen­tralbau mit korinthischen Säulen thront eine Dachtrommel mit flacher Kup­pel. Von ihm gehen Seitenflügel aus, die vier Höfe einfassen - daher der Na­me des Gebäudes. Auch die Four Courts wurden im Bürgerkrieg in Schutt und Asche gelegt, in den 1930er-Jahren aber wieder aufgebaut. Die vielen Statuen ha­ben unter Ab­ga­sen und saurem Regen sichtbar ge­lit­ten.

♦ Die Gerichtsverhandlungen sind in der Regel öf­fentlich. Prozessiert wird Mo-Fr 11-13 und 14-16 Uhr.

Saint Michan’s Church

Attraktion der 1095 gegründeten, seit­her vielfach um­ge­bau­ten Kirche ist ihre düs­tere Gruft, deren trockene, me­than­hal­tige Luft die un­ge­wöhn­liche Ei­gen­schaft hat, Leichname zu konservieren. Ein fußloser „Kreuz­rit­ter“, der al­ler­dings „nur“ 300 Jahre alt ist, und drei wei­tere Leichname liegen of­fen. In ei­nem anderen Raum stapeln sich die Sär­ge der Grafen von Leitrim, und in ei­ner drit­ten Gruft liegt hinter hin­ge­rich­teten Rebellen die Totenmaske des Frei­heits­kämp­fers Theobald Wolfe To­ne. Die Gewölbe sind seit dem 19. Jh. eine Pu­bli­kums­att­rak­tion und haben Bram Stoker zu seinem Dracula-Roman in­spiriert. We­ni­ger be­achtet wird die schö­ne Orgel oben in der Kirche - an­geb­lich hat schon Hän­del hier gespielt, wo­für es aber keine Belege gibt. Das aus einem Stück ge­schnitz­te Pa­neel der Or­gelbalustrade zeigt Musikinstru­men­te der Barockzeit.

♦ März-Okt. Mo-Fr 10-12.30 und 14-16.30, Sa 10-12.30 Uhr. Nov.-Febr. Mo-Fr 12.30-15.30, Sa 10-12.30 Uhr; Eintritt 7 €. Church St.

Smithfield Village

Westlich der Four Courts erblühte die In­dustriebrache der früheren Jameson-De­s­til­le­rie zu neuem Leben. Ein In­ves­tor überbaute den Block mit einem fu­tu­ris­ti­schen En­semble schicker Apart­ment­häuser und rüstete den alten Schorn­stein The Chim­ney zum Aus­sicht­sturm um - da der Fahrstuhl seit ge­raumer Zeit stillgelegt ist, sind 244 Stu­fen zu erklimmen (Tickets im Gen­e­ra­tor Hostel, 5 €). Freitag­abends er­strahlt der Platz in be­son­de­rem Glanz, dann flammen die Fa­ckeln hoch oben auf den gigantischen Licht­mas­ten. Re­flek­tierende Segel werfen das Licht von Strah­lern an die an­gren­zen­den Haus­fas­saden.

Die von portugiesischen Arbeitern mit 300.000 Kopf­stei­nen gepflasterte Frei­fläche ist am ersten Sonn­tag im Mai und Sep­tember Schauplatz des Dub­li­ner Pferdemarktes, des pro­le­ta­ri­schen Ge­gen­stücks zur Dublin Horse Show. Händler und Käufer sind Bauern aus der Umge­bung, Tra­vel­ler und ein­fa­che Leute, oft Jugendliche aus der Nord­stadt, die dort mit ihren Tie­ren in­off­izielle Rennen veranstalten.

Old Jameson Distillery

Auf dem Ge­län­de der 1971 ge­schlos­se­nen und ab­ge­ris­se­nen Schnapsfabrik wur­de ein Bren­ne­rei-Museum in­stal­liert. Nach einem ein­füh­ren­den Pro­pa­gan­dafilm über den glor­reichen Fir­men­gründer John Jame­son erfährt man auf einer un­ter­halt­sa­men Führung an­hand von Re­pli­ken mehr über die Sta­tio­nen der Whiskey-Her­stellung, auch eine Probe in der Whis­key­bar und ein Sou­ve­nir­shop ge­hö­ren selbst­ver­ständ­lich dazu. Und man wird das Ge­fühl nicht los, ge­ra­de auf einer Wer­be­ver­an­stal­tung für Spirituosen zu sein und da­für auch noch bezahlt zu haben.

♦ Führungen: Tägl. 10-17.30 Uhr (Beginn letz­te Führung), Fr/Sa bis 19 Uhr. Eintritt mit De­gustation ab 20 €. Bow St, Bus Nr. 83 via West­moreland St; Luas-Station Smithfield. www.tours.jamesonwhiskey.com.


Die Whiskeybar der Old Jameson Distillery

Collins Baracks

Mit 226 Jahren (1701-1997) un­unter­bro­chener militärischer Nut­zung bean­sprucht die Kaserne einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. Auch der für sechs Re­gi­menter geeignete Exer­zier­platz ist wegen seiner Größe re­kord­verdächtig. Einen Teil des weit­läu­fi­gen Gebäudes hat das National Mu­se­um of Decorative Arts & His­to­ry be­zo­gen. Diese Außenstelle des Natio­nal­mu­seums zeigt allerlei Artefakte wie Glas­waren, chinesische Porzellane, Tex­tilien, Musikinstrumente und Mö­bel. Be­son­ders sehenswert sind die 25 Ex­ponate im Raum Curator’s Choice - die Direktoren der führenden Museen Ir­lands stellen hier ihre Lieblings­ob­jek­te aus, etwa das Hoch­zeits­geschenk Oli­ver Cromwells an seine Tochter. Out of Storage zeigt eine eklek­tizistische Samm­lung von japanischen Rüstungen bis hin zu Edinson’schen Pho­no­gra­phen, allesamt mithilfe von Touch­screen-Computern erläutert.

♦ Di-Sa 10-17, So/Mo 13-17 Uhr. Eintritt frei. Luas Station Museum. www.museum.ie.

Tierschutz oder Schikane?

„Acht Smithfield-Pferde im Hinterhof gehalten!“ „Smithfield-Pfer­de für die Schlach­ter in Frankreich!“ Solche und ähnliche Schlag­zei­len der Boulevard­pres­se haben den Pferdemarkt in Verruf ge­bracht. Ein neues Gesetz reg­le­men­tiert die nicht unbedingt art­ge­rech­te Pferdehaltung der städtischen Unter­schichten und gibt den Be­hörden die Handhabe, den pittoresken, doch mit dem Image des mo­dernen Dublin kaum zu vereinbarenden Pfer­de­han­del von Smith­field zu unterbinden. Besonders für die Kids aus Finglas wä­re dies ein har­ter Schlag. Dort sind die Ponys mindestens so be­liebt wie im vor­neh­men Fox­rock - und werden vielleicht sogar noch mehr umsorgt. Denn die Ju­gend­li­chen der Nordstadt be­kom­men ihre etwa 2500 € teuren Pferde nicht von Papi ge­schenkt, son­dern sparen sich das Geld vom Mund ab oder züch­ten die Tie­re. Nur an genügend Platz zum Ausreiten fehlt es dem örtli­chen Pony­club. Doch die pferdevernarrten Underdogs haben, anders als die Tierschützer, keine Lobby. So darf der früher allsonntägliche Pfer­demarkt jetzt nur noch zweimal im Jahr stattfinden. Un­ter­bin­den kann man den Pfer­dehandel kaum - die Deals laufen dann halt anderswo.

Phoenix Park

Der rund 7 km2 große Park im Westen ist die grüne Lunge Dublins. Ur­sprüng­lich zu einem Kloster gehörend, wurde er im 17. Jh. als Jagdrevier des eng­li­schen Gou­ver­neurs eingezäunt. Bis heu­te bewohnt ei­ne Herde Hirsche den Park, in dem auch die Häuser des ame­ri­kanischen Bot­schafters und des iri­schen Prä­si­den­ten stehen, bei­des Bau­ten aus dem 18. Jh. Obwohl der Phoe­nix­park auch ei­nen metallenen Phoe­nix be­sitzt, der sich auf einer Säule aus den Flam­men er­hebt, entstand der Na­me als Ver­ball­hor­nung des gälischen Fionn Uisce, „kla­res Wasser“. Zum Park­ge­län­de ge­hö­ren auch die Fifteen Acres, wo sich die Herrschaften früher zu du­el­lie­ren pfleg­ten und heute harm­lo­sere Spie­le wie Kri­cket, Polo und Fuß­ball zu se­hen sind.

1882 erregten die Phoenixpark-Mor­de die Gemüter der Zeitgenossen, als eine ra­di­kale nationalistische Split­ter­grup­pe den britischen Irlandminister Lord Ca­ven­dish samt seinem Stell­ver­tre­ter er­mor­de­te. Mit gefälschten Brie­fen versuch­te die unio­nistische Presse, eine Ver­bindung zwischen den Mör­dern und der für die Rechte der irischen Bau­ern kämp­fenden Land League zu kons­truieren. Doch der Schwin­del flog auf und be­einflusste die englische Öf­fent­lichkeit eher im Sinne der iri­schen Sa­che.

Nahe dem Park-Street-Eingang ragt der Obelisk zu Ehren des Herzogs von Wel­ling­ton knapp 63 m in den Himmel. Chro­nischer Geldmangel verzögerte die Voll­en­dung des 1817 begonnenen Bau­werks bis 1861. Von der auf der Spitze ge­plan­ten Rei­terstatue blieb die Nach­welt ver­schont. Dem Herzog war es übri­gens zeit­lebens eher peinlich, in Dub­lin ge­bo­ren und damit irischer - nicht engli­scher - Ab­stam­mung zu sein. Na­he der Phoenix-Säule erinnert ein gewaltiges Kreuz an den Besuch Jo­han­nes Pauls II., der hier 1979 vor mehr als einer Million Menschen die Mes­se ze­le­brierte.


Wellingtons Obelisk im Phoenixpark

Das Visitor Centre ne­ben dem res­tau­rier­ten Ashtown Castle (17. Jh.) erzählt mit Ausstellung und Film die Ge­schich­te des Parks. Hier wer­den auch die Tickets für den Besuch des Prä­si­den­tenpalasts Aras an Uach­ta­rain aus­ge­ge­ben.

Dublins 1830 gegründeter Zoo , einer der ältesten Europas, nimmt die Süd­ost­ecke des Parks ein. Erwei­te­run­gen be­scherten den einst arg ein­ge­pferc­h­ten Step­pen­tieren eine Sa­van­nen­land­schaft samt künstlichem See. Ein Löwe aus Dub­lin brachte es zu besonderem Ruhm: Täglich brüllt er rund um den Glo­bus am Be­ginn der Metro-Goldwyn-Mayer-Filme.

♦ Visitor Centre: Nov.-April Mi-So 9.30-17.30 Uhr, Mai-Okt. tägl. 10-17.45 Uhr; Ein­lass bis 1 Std. vor Schließung; Eintritt frei. www.heritageireland.ie.

Führungen durch Aras an Uachtarain Sa 10-15 Uhr (Beginn letzte Führung). Nächster Bus­stop ist am Ash­town Round­about der Navan Rd. Dorthin fah­ren die Buslinien Nr. 37, 39/A, 70 via As­ton Quay, 38/A/B via O’Connell St, www.president.ie.

Zoo: März-Sept. tägl. 9.30-18, Okt. bis 17.30 Uhr, Nov./Dez. bis 16 Uhr, Jan. bis 16.30 Uhr, Febr. bis 17 Uhr. Einlass bis 1 Std. vor Schlie­ßung. Eintritt 20 €. Bus Nr. 46 A via O’Con­nell St, Bus Nr. 25, 26, 66 A/B ab Pearse St. www.dublinzoo.ie.

Farmleigh

Am Westende des Phoenix Park und schon außerhalb der Parkmauer steht mit dem Schlösschen Farmleigh das Gäs­tehaus der irischen Regierung. Ed­ward Cecil Guinness, Brauereibesit­zer und Urenkel des Firmengründers Ar­thur, kaufte sich das Schlösschen an­läss­lich seiner Hochzeit 1873 und baute es so aus und um, wie man es vom reichs­ten Mann seiner Zeit er­warten konn­te. 1999 erwarb die Regierung das ma­rode gewordene Pa­lais samt dem 30 ha großen Anwe­sen, renovierte alles mit viel Aufwand und Handarbeit. Vie­le der Kunstwerke und Möbelstücke, mit denen Edward Ce­cil Farmleigh aus­stat­tete, befin­den sich heute noch als Leih­gaben im Haus.

Die weitläufigen Parkanlagen bieten um­mauerte und versenkte Gärten, ein wohl temperiertes Gewächshaus, ma­le­ri­sche Spa­zierwege am See und eine Viel­zahl botanischer Schönheiten und Ra­ritäten. Zu Farmleigh gehört so­gar noch eine echte Farm mit einer Herde schwar­zer Kerry-Kühe. Ein Uhr­turm, in dem sich auch das Wasserreser­voir des Land­guts be­findet, kündet die Zeit mit Glo­cken­schlägen im West­mins­ter­klang. Das alte Boots­haus wurde zum Res­tau­rant, und in den früheren Stallungen gibt es Kunst­aus­stel­lungen und im Som­mer ab und an einen lebhaften Bau­ernmarkt.

♦ Park tägl. 10-18 Uhr, Ein­lass bis 17 Uhr. Füh­rung­en durchs Haus tägl. 10.15-16.15 Uhr (Be­g­inn letzte Füh­rung) im Stundenrhythmus. Ein­tritt 8 €. Bus 37 via Aston Quay bis Haltestelle Castle­nock Gate, dann noch 20 Min. Fuß­weg. www.farmleigh.ie.

Irland Reiseführer Michael Müller Verlag

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