Читать книгу Irland Reiseführer Michael Müller Verlag - Ralph Raymond Braun - Страница 14
ОглавлениеCounty Kildare
Die Grafschaft westlich von Dublin ist das Zentrum der irischen Pferdezucht und gehört zu den reichsten und am dichtesten besiedelten Gebieten der Insel. Viele Pendler ziehen nach Feierabend die ländliche Idylle der hektischen Hauptstadt vor.
Highlights
◊ Larchill Arcadian Gardens - ein Garten im Stil der ferme ornée mit Mr. Watsons Fuchsbau und anderen Torheiten.
◊ Castletown House - Irlands größter Landsitz, dessen Bauherr von Italien träumte Link.
◊ Kildare - edles Blut im Nationalgestüt und bei der Hatz auf dem Rennplatz.
◊ Bog of Allen Nature Centre - im Naturschutzzentrum das Moor und fleischeslüsterne Pflanzen kennenlernen.
Angelockt durch das kalziumreiche, besonders nahrhafte Gras und die den Züchtern eingeräumten Steuervergünstigungen leben in Kildare vermutlich mehr Pferde als Menschen. Auf den zahlreichen Rennplätzen trifft man den ganzen Sommer über die bizarre Mischung aus High Society, Pferdenarren und berufsmäßigen Zockern. Auf Auktionen wechseln die edlen Tiere für Summen den Besitzer, mit denen ohne weiteres auch ein Mittelklasseauto zu erstehen wäre - mit einem Vielfachen an Pferdestärken und Platz für fünf. Kildare war das Stammgebiet der Fitzgeralds, die seit dem Mittelalter von ihrem Familiensitz Maynooth aus das Land im Griff hatten. Nach der Reformation traten sie zum Protestantismus über und konnten so auch unter der englischen Herrschaft ihren Einfluss bewahren. Wegen der Nähe zu Dublin gibt es im County eine ganze Reihe luxuriöser Landsitze. Castletown House ist der prächtigste dieser Palazzi im georgianischen Stil. Grand Canal und Royal Canal, auf denen vor dem Eisenbahn- und Autozeitalter die Waren von Dublin ins Landesinnere gebracht wurden, sind heute z. T. wieder geöffnet und ein Revier der Freizeitkapitäne. Spaziergänger finden in den alten Treidelpfaden am Ufer bequeme Wanderwege.
Maynooth und Umgebung
Das Straßendorf entstand für die Pächter und Landarbeiter von Carton House, des Landsitzes der Fitzgeralds und später der Grafen von Leinster.
Der Ort ging durch die „Gnade von Maynooth“ in die Geschichte ein, bei der Silken Thomas Fitzgerald und seine fünf Onkel von den Engländern hingerichtet wurden, obwohl sie sich ihnen gegen die Zusicherung auf freien Abzug ergeben hatten.
Von der im 12. Jh. angelegten Burg haben nur das Torhaus und die große Halle die Cromwellsche Zerstörungswut überlebt (Juni-Sept. tägl. 10-18 Uhr, letzte Führung 16.30 Uhr, Eintritt frei). Die Burg bildet den Eingangsbereich für das katholische St Patrick’s College. Es wurde 1795 paradoxerweise von den (anglikanischen) Engländern gegründet, denen es nicht recht geheuer schien, dass die angehenden irischen Priester beim Erzfeind Frankreich in die Lehre gingen. Die weltlichen Fakultäten der später auch Laien offenstehenden Akademie wurden 1997 ins staatliche Bildungssystem überführt, sodass Maynooth heute neben dem Priesterseminar und einer päpstlichen Hochschule auch die Maynooth University als jüngste und mit fast 15.000 Studenten auch kleinste weltliche Universität Irlands zu bieten hat. Alle drei Einrichtungen teilen sich den Campus und die verwickelten Rechtsverhältnisse geben Gelegenheit zu manchem Gerangel zwischen weltlicher und geistlicher Macht.
Sehenswert ist die neugotische, 1875-1905 erbaute College Chapel, die gerade mit Millionenaufwand restauriert und wasserdicht gemacht wird - Spenden sind willkommen. Ausgestattet ist das Gotteshaus mit einem Chorgestühl für einige hundert geistliche Würdenträger und mit tollen Glasfenstern, von denen manche in der renommierten Mayer’schen Hofkunstanstalt zu München gefertigt wurden.
Das Wissenschaftsmuseum (Juni-Aug. Mi 14-16, So 14-18 Uhr, Eintritt frei, Spende erwünscht) widmet sich v. a. dem Elektromagnetismus. Wir sehen die Apparaturen von Nicholas Callan, einem von der Heiligen Schrift zur Elektrizität übergelaufenen Priester, der 1836 in Maynooth die Induktionsspule erfand, außerdem von Marconi gebaute und benutzte Geräte zur drahtlosen Telegraphie und weitere Apparate. Weniger interessant ist die Sammlung von liturgischen Gewändern und Geräten.
Praktische Infos
Verbindung Von Dublin Stadtbus Nr. 66 u. 67, auch Fernbusse auf dem Weg nach Galway. Busauskunft: Tel. 01 836 6111. Bahn: Züge der Western Suburb Line, auch Halt der Fernzüge nach Sligo; Auskunft: Tel. 01 873 1111.
Übernachten/Essen Maynooth Campus, vermietet Gästezimmer und in den Semesterferien (Mitte Juni bis Sept.) auch die Zimmer der Studentenwohnheime. EZ oder DZ und Ferienwohnungen ab 45 €/Pers. Tel. 01 708 6400, www.maynoothcampus.com.
Essen & Trinken Stone Haven, das warme und gemütliche Restaurant mit Wohnzimmeratmosphäre ist nahe dem College-Areal im Keller eines uralten Gebäudes untergebracht. Das gedämpfte Licht und die Nischen lassen romantische Gefühle aufkommen. An klassischen Gerichten gibt’s Cäsar Salat, Steaks und Hühnergerichte. Ein Tipp ist der Lachs mit Seetang (nori) im Teigmantel. Hauptgericht 20-25 €. Mo-Sa ab 17, So ab 13 Uhr. Mill St, Tel. 01 629 1229, stonehavenrestaurant.com.
Wonderful Barn
Verlässt man Leixlip auf der Landstraße Richtung Celbridge, erheben sich vor der Brücke über die Autobahn rechter Hand drei bizarre Türme, die an Zuckerhüte oder flügellose Windmühlen erinnern. Der größte misst stattliche fünf Etagen, die von außen über eine spiralförmige Wendeltreppe zugänglich sind. Die absonderlichen Gebilde waren Scheunen, die 1743 von den Landlords in Castletown in Auftrag gegeben wurden, um den Pächtern Arbeit zu geben und gleichzeitig für Hungersnöte gerüstet zu sein. Das ungewöhnliche Design wurde schon damals bewundert - und nachgeahmt, wie der „Bottle Tower“ in Rathfarnam beweist.
♦ Anfahrt: Autobahn M 4 Ausfahrt Nr. 5 nach Leixlip, nach dem Ortszentrum und einer Kirche links R 404 Richtung Celbridge, am Ortsende Leixlip beim Spar-Einkaufsmarkt parken. Der Weg nach dem letzten Haus rechts vor der Autobahnbrücke führt zum Wonderful Barn.
Nur eine Scheune: Wonderful Barn
Larchill Arcadian Gardens
Freunde historischer Gärten finden hier das seltene Beispiel einer ferme ornée, eine kurzzeitige Mode des Gartenbaus zu Beginn des 19. Jh., als die streng geometrischen Gärten out und die romantischen, auf natürlich getrimmten Parklandschaften noch nicht erfunden waren. Ein 1 km langer Rundweg führt zu zehn follies („Torheiten“), aus Pflanzen gestalteten Kuriositäten. Da gibt es „Gibraltar“ als befestigte Insel oder „Fox’s Earth“, ein künstlicher Fuchsbau, den ein obskurer Mr. Watson anlegen ließ. Von der Seelenwanderung überzeugt, glaubte Watson, sein nächstes Leben in Gestalt eines Fuchses zu verbringen, und wollte einen sicheren Unterschlupf, in dem er nicht Gefahr lief, bei der Fuchshatz seiner Standesgenossen erschossen zu werden.
♦ An wechselnden Tagen (siehe Website) im Sommer 10-14 Uhr. Eintritt 8 €. In Kilcock, 6 km westlich von Maynooth auf der rechten Seite der M 4. www.larchill.ie.
Celbridge
Große Attraktion von Celbridge ist der Herrensitz Castletown House. Bevor das der Abrissbirne nur um Haaresbreite entgangene Schloss 1994 in staatlichen Besitz überging, war es Irlands größtes Privatgebäude.
Das Städtchen selbst verrät eine ähnliche Entstehungsgeschichte wie Maynooth. Wieder handelt es sich um ein Straßendorf in der Verlängerung einer Schlossallee. Den Kontrapunkt zum Castletown-Palast bildet diesmal die Ruine einer Abtei, in der sich eine Gärtnerei niedergelassen hat, die den alten Klosterpark pflegt und Eltern (natürlich in Begleitung ihrer Sprösslinge) mit einer Miniatureisenbahn lockt.
Sehenswertes
Castletown House: Eine prächtige Lindenallee bildet den würdigen Auftakt zu Irlands größtem Landsitz. Bauherr William Conolly hatte es mit Immobilienspekulationen vom Gastwirt zum Sprecher des Unterhauses gebracht und ließ es sich Einiges kosten, seinen Aufstieg in die Gentry und den neuerworbenen Reichtum mit einem 120 m langen und bis 18 m hohen Haus für alle Welt sichtbar zur Schau zu stellen. Für den Entwurf wurde der italienische Stararchitekt Alessandro Galilei verpflichtet, die Ausführung lag bei örtlichen Baumeistern, bis 1722 Edward Lovett Pearce die Bauleitung übernahm und die halbrunden Säulengänge sowie die beiden Seitenflügel anfügte. Die Inneneinrichtung trägt die Handschrift einer Frau. Louisa Conolly widmete über 20 Jahre lang ihre ganze Energie der Ausstattung des Palastes.
Eine Rarität ist der Print Room, für den Lady Louisa Mappen mit Zeitungen und Kupferstichen eigens aus London kommen ließ. Schäferidyllen, die königliche Familie, Stars der Theaterszene und natürlich alle möglichen Verwandten und Bekannten schnitt sie säuberlich aus und klebte die Bilddrucke statt einer Tapete an die Wand. Bei den Stuckarbeiten im Treppenhaus und in der angrenzten Halle schwelgten die Gebrüder Francini im Rokoko, namhafte Maler gestalteten die Wände. Die Long Gallery, der in Blau gehaltene Aufenthaltsraum im Obergeschoss, steht ganz im Zeichen der Klassik. Statuen antiker Philosophen und einer Jagdgöttin belegen, dass es schon damals einen blühenden Handel und Schmuggel mit griechischen Antiquitäten gab. Die Leuchter ließ Louisa nach ihren Vorgaben in Murano blasen, bezahlte aber nie den vollen Preis. Das Blau passe nicht zur Wandfarbe, befand die Hausherrin.
Die Conollys lebten bis 1965 in Castletown, zuletzt nur noch in drei Zimmern und ohne Strom und Zentralheizung. Es fehlte an Geld für Investitionen und für die 120 Bediensten, die in den guten Zeiten putzten, heizten, dienerten. Castletown ist prächtig, aber nicht wohnlich. Die Salons liegen alle nach Norden - für heiße italienische Sommer sicher ein guter Gedanke, für Irland ein Unding. Zuletzt wurde die gesamte Einrichtung versteigert. Die Guinness-Dynastie und eine Stiftung retteten Castletown vor dem Abriss. Doch auch ihnen war der Unterhalt des Monstrums zu teuer, und so gehört es heute dem Staat, der es mit viel Aufwand und technischen Tricks restaurieren ließ.
♦ März bis Mitte Dez. tägl. 10-18 Uhr (17 Uhr letzte Führung). Eintritt 10 €. www.castletown.ie.
Conolly’s Follies: Zu Castletown gehören zwei seltsame Bauwerke, die der Volksmund Conolly’s Follies, also Conollys Torheiten, nennt. Außer der schon besprochenen Scheune in Leixlip (siehe oben, Wonderful Barn) ist damit ein Obelisk gemeint, der auf einem Triumphbogen steht; vom Fenster des blauen Salons kann man ihn in der Ferne erkennen. Das Ding war als Picknickplatz gedacht, doch hatten die Conollys sich vermessen und versehentlich auf dem Grundstück eines Nachbarn gebaut. Der schwieg, bis alles fertig war und verwehrte den Castletownern anschließend jeden Zutritt. Auch zum Verkauf des Grundstücks ließ er sich nie bewegen.
Steam Museum: Das Museum im Park eines früheren Guinness-Landhauses hat eine bemerkenswerte Sammlung an Miniaturdampfmaschinen und -lokomotiven. Das von Richard Trevithick 1797 gebaute Modell eines Dampfwagens gilt als das älteste sich aus eigener Kraft bewegende Fahrzeug. Auch einige stationäre Dampfmaschinen in Originalgröße sind zu bewundern. Nicht recht zu so viel Technik passen will der historische Lodge Park Garden aus dem 18. Jh.
♦ Mai-Sept. Sa/So 14-18 Uhr, Juni-Aug. Fr-So 14-18 Uhr; Eintritt 7,50 €. Guinness Lodge Park, Straffan, www.steam-museum.com.
Grand Canal: Celbridge ist Ausgangspunkt für eine Radtour auf dem früheren Treidelpfad entlang dem Grand Canal bis hinauf nach Edenderry. Der Weg beginnt an der Kanalbrücke hinter dem Bahnhof. Spektakulär ist neben den Schleusen vor allem das Aquädukt von Sallins, wo der Kanal den River Liffey überquert.
Praktische Infos
Verbindung Von Dublin mit der Kildare Line der DART-Bahn oder mit Stadtbus Nr. 67.
Übernachten B&B Green Acre, ein neuerer Bungalow mit gepflegtem Garten gut 1 km vom Zentrum an der Straße nach Dublin. DZ 80 €. Dublin Rd, Tel. 01 627 1163, www.greenacresbnb.net.
Essen & Trinken Michelangelo, gehobenes irisch-italienisches Restaurant am Eingang zum Schloss. Zu Pianoklängen tafelt man an rosa gedeckten Tischchen. Gäste kritisieren den manchmal etwas rüden Umgang des Chefs mit seinem Personal. Dinner um 40 €. Di-Sa ab 18, So ab 13 Uhr. Main St., Tel. 01 627 1809, www.michelangelo.ie.
Bog of Allen
Am „Dreiländereck“ der Grafschaften Kildare, Laois und Offaly liegt der Bog of Allen, ein großes, kommerziell ausgebeutetes Moor. Früher stachen die Bauern den Torf von Hand, um ihn im Winter zu verfeuern, aber auch zu Seife oder sogar zu Fasern zu verarbeiten, die in Textilien eingewebt wurden.
Seit dem Zweiten Weltkrieg wird der Torf jedoch, ähnlich wie Braunkohle, großflächig mit gelben, spinnenartigen Maschinen abgetragen und in einem Kraftwerk verfeuert oder zu Briketts verarbeitet. Bord na Mona (das staatliche Torfunternehmen) und die Elektrizitätsgesellschaft ESB, die beiden wichtigsten Arbeitgeber der Region, verdeutlichen den Widerspruch zwischen ökologischem Raubbau und wirtschaftlichem Überleben. Zwar wird die ausgebaggerte Landschaft anschließend wieder aufgeforstet oder wenigstens eine Humusschicht ausgebracht, doch retten diese Maßnahmen mitnichten die Pflanzen- und Tierwelt des Moors. Auch die im Moor konservierten archäologischen Schätze werden von den Baggern zerstört.
Frisch gestochene Torfbriketts trocknen
Sehenswertes
Bog of Allen Nature Centre / Peatland World: Im Naturschutzzentrum des Irish Peatland Council IPCC, das in einem alten Farmhaus untergebracht ist, werden der Naturraum und die Nutzung des Moors durch die Menschen erläutert. Ein Naturgarten wurde neu angelegt, und in einem Gewächshaus wartet Irlands größte Sammlung fleischfressender Pflanzen auf Beute.
♦ Mo-Fr 10-17 Uhr, Einlass bis 16 Uhr; Eintritt 5 €. Lullymoore, zwischen Allenwood (N 41) und Rathangan. www.ipcc.ie.
Lullymore Heritage & Discovery Park: Etwa einen Kilometer südlich der „Torfwelt“ findet man ein Freilichtmuseum zur irischen Geschichte. Die Steinzeit ist mit einer Newgrange-Replik und einem nachgebauten Bauernhof vertreten. Wir lernen St Patrick und St Earc kennen, der einst in Lullymore ein Kloster gründete, bestaunen die Hütte eines Anführers der Rebellen von 1798, das nachgestellte Leben der Torfstecher und eine Ausstellung zur Großen Hungersnot. Auf die Kinder warten zudem ein großer Abenteuerspielplatz und ein Kleintierzoo.
♦ Mitte März bis Aug. tägl. 10-18 Uhr; Sept.-Nov. und Jan. bis Mitte März nur Sa/So 10-18 Uhr; Einlass bis 1½ Std. vor Schließung. Eintritt 9 €. www.lullymoreheritagepark.com.
Kildare
Hier geht es um Ross und Reiter. Das Nationalgestüt ist der Treffpunkt der Pferdenarren, während Gartenfreunde sich in einem japanischen Garten ihren „Lebensweg“ suchen können.
In vorchristlicher Zeit befand sich in Kildare das Heiligtum einer Erd- und Fruchtbarkeitsgöttin. Die Heilige Brigid baute an dieser Stelle ein Doppelkloster für Mönche und Nonnen, die selbst im Kirchenraum durch einen geflochtenen Wandschirm getrennt waren. Das aus heidnischer Zeit übernommene „heilige Feuer“ wurde weiter gepflegt und jetzt mit dem Ewigen Licht assoziiert. Die Fundamente dieses Feuertempels stehen hinter der protestantischen Kirche im Schatten eines Rundturms (Mo-Sa 10-13 und 14-17, So 14-17 Uhr, Eintritt 6 €). Sein modernes Pendant ist eine zu besonderen Anlässen entflammte Fackelsäule mit symbolischem Eichenblatt an der Spitze, die auf dem Hauptplatz vor der Tourist-Information zu finden ist.
Sehenswertes
Nationalgestüt: Der Stall wurde 1900 von einem schottischen Bierbrauersohn namens Hall Walker gegründet. Anhand der astrologischen Konstellation bei der Geburt eines Fohlens entschied Walker, ob das Tier rassisch wertvoll und zu behalten oder zu verkaufen sei! Trotz dieser merkwürdigen Auswahl war das Unternehmen erfolgreich - 1915 konnte sich Walker im Tausch gegen das Gestüt von der britischen Krone einen Adelstitel samt Sitz im Oberhaus einhandeln. Seit 1943 gehören die Ställe dem irischen Staat.
Nicht nur die Besucher sorgen für eine etwas exzentrische Atmosphäre. So trinken die heißblütigen Hengste und verspielten Fohlen ausschließlich Mineralwasser aus dem Tully River, in dem Kohlensäure sprudelt und dessen hoher Kalziumgehalt sich positiv auf den Knochenbau auswirkt. Ein wertvoller Deckhengst ist gegen Stroh allergisch und darf sich deshalb auf Papierschnipseln räkeln. Durch Dachlaternen flutet Sonnenlicht in die Ställe; Walker hatte sie aber nicht deshalb angelegt, sondern um die Tiere dem Einfluss der Sterne aussetzen.
Im alten Deckhaus wird die Entwicklungsgeschichte des Pferdes und der Zucht vermittelt. Vor 2000 Jahren wurden die ersten Pferde gezähmt und als Haustiere gehalten, in Irland nicht als Reittiere, sondern für die Küche. Auch die Kelten saßen noch nicht auf dem hohen Ross, sondern spannten die Tiere nur vor ihre Kampfwagen. Beinahe wie eine Reliquie wird das Skelett von Arkle verehrt, dem Pferd der Pferde, dessen Tod 1968 die irischen Zeitungen auf der ersten Seite betrauerten.
♦ Tägl. 9-18 Uhr, Einlass bis 17 Uhr; Eintritt (mit Gärten) 12,50 €. Bus 126 fährt 9.30 Uhr von Dublin zum Gestüt und 15.45 Uhr wieder zurück. www.irish-national-stud.ie.
Vom Liebesleben der Pferde
Bei der Führung erfährt der Laie Erstaunliches. Für die bis zu 7500 €, die das Decken und die spätere Geburtshilfe kostet, bekommen Stute und Fohlen einen Service, der keinen Wunsch offen lässt. Ein „Teaser“ leistet bei den jungen Pferdedamen praktische Aufklärungsarbeit und bereitet sie auf den Sprung des Deckhengstes vor. Zum Zuge kommen diese Scharfmacher allerdings nur bei Bauernpferden, denn die Stuten edlen Geblüts werden ihnen, wenn sie sich empfänglich zeigen, sofort entführt und zum Rassehengst gebracht. Weil Er während der Begattung gerne beißt und Sie gern tritt, beide Pferde für solches Liebesspiel aber zu kostbar sind, bekommt die Stute für den Akt Filzpantoffel und eine Lederdecke über den Hals.
Die Schwangerschaft wird per Ultraschall überwacht, Abtreibung ist - welch Wunder im katholischen Irland - bei Pferden durchaus üblich. Sie trifft bei Zwillingen einen der beiden Föten. Auf kranke Fohlen wartet eine Intensivstation mit Wärmelampe und Sauerstoffmaske. Man staunt. Den auf Pferde mit heftigem Niesen und Asthma reagierenden Autor erfüllte es mit besonderer Genugtuung, dass die hochgezüchteten Rassepferde ihrerseits vor Allergien nicht gefeit sind. Zwei der Deckhengste vertragen kein Stroh und standen in Bergen von Papierschnipseln.
Japanischer Garten: Der Weg führt über Brückchen und Hügel, durch Tunnel und Bäche, zwischen stillen Seerosenteichen und plätschernden Wasserfällen. Er symbolisiert mit Stationen wie Geburt, Hochzeit und Tod den Weg des Lebens von der Wiege bis zur Bahre. Unterwegs muss man sich entscheiden zwischen dem leichten, aber ereignislosen Pfad des bequemen Lebens, dem schmalen Pfad der Weisheit und dem steinigen Pfad der Ausbeutung. So interessant die Erklärungen der einzelnen Stationen und Etappen auf dem Faltblatt auch sind, das jeder an der Kasse in die Hand gedrückt bekommt, sie verstellen doch den Blick auf die Schönheit des Gartens. Besser genießt man die Miniaturlandschaft erst einmal als solche, bevor man, die Augen Sinn suchend aufs Papier geheftet, seinen Weg sucht. Entworfen und angelegt wurde das Kleinod von den japanischen Gartenbaumeistern Tassa Eida und Sohn Minoru.
Irischer Garten: Fast hundert Jahre, nachdem der exzentrische Walker den japanischen Garten bauen ließ, bekam dieser nun einen irischen Nachbarn. Als St Fiachra’s Garden ist er dem himmlischen Patron der Gärtner geweiht und versucht, die Kraft der irischen Landschaft mit viel Stein und Wasser zu symbolisieren. Öffnungszeiten und Eintritt wie Gestüt.
The Curragh: Reiter finden zwischen Newbridge und Kildare Irlands größtes, nicht eingehegtes Wiesengelände. Mittelpunkt ist der gleichnamige Rennplatz, der beim Irish Derby am letzten Sonntag im Juni unter den Hufen der Rennpferde erbebt. An anderen Sommerwochenenden gibt es kleinere Rennen. Die Termine entnimmt man dem Fahrplanheft von Irish Rail - nur an den Renntagen hält der Zug in Curragh.
♦ Eintritt zum Derby 50 €, sonst 15 €, Studenten die Hälfte. Der Mindesteinsatz für Zocker beträgt 1 €. www.curragh.ie.
Museum of Style Icons: Das Einkaufsparadies von Newbridge Silverware lockt Besucher mit einem angeschlossenen Museum der Stilikonen. In futuristischem Raumschiffambiente werden hinter Glas Roben von Audrey Hepburn bis Kim Kardashian, von Elvis bis Michael Jackson präsentiert.
♦ Mo-Sa 9-18, So ab 11-18 Uhr, Eintritt frei. Athgarvan Rd, Newbridge, www.newbridgesilverware.com.
Shackleton Museum Athy: Das Heimatmuseum des Städtchens am River Barrow residiert in der früheren Markthalle. Die Ausstellung dreht sich weitgehend um das abenteuerliche Leben des in der Nähe von Athy geborenen Polarforschers Sir Ernest Shackleton (1874-1922) und zeigt auch einige Mitbringsel von dessen Expeditionen.
♦ Mo-Fr 10-13 und 14-17 Uhr, Eintritt 5 €. shackletonmuseum.com.
Praktische Infos
Information Mo-Sa 9.30-13/14-17 Uhr; mit kleiner Ausstellung zur Stadtgeschichte. Viele Infos auch unter kildareheritage.com, www.intokildare.ie und www.kildare.ie. Market House, am Square, Tel. 045 530 672.
Verbindung Gute Bahnverbindung von Dublin Heuston Station oder mit Bus Éireann auf der Cork- und Limerick-Route.
Veranstaltung Féile Bride, alljährlich am 1. Febr. zum Gedenken an die Stadtheilige St Brigid.
Übernachten B&B Lord Edward, das Guesthouse des örtlichen Gastroimperiums, zentral in der Ortsmitte, tadellos eingerichtet und professionell geführt. Der auch von den Pubgästen benutzte Parkplatz könnte am Wochenende für nächtlichen Lärm sorgen. DZ 110-140 €. Square, Tel. 045 810 016, www.lordedwardkildare.ie.
B&B Castleview, der Bauernhof der Fitzpatrick-Familie mit Milchwirtschaft und Viehzucht liegt etwa 5 km westlich von Kildare abseits der Landstraße. Es riecht nach Stall und der Besucher muss sich die Blicke neugieriger Kälber gefallen lassen. Die kleinen Zimmer sind mit TV, Kaffeekocher, Bad und allerlei Stofftieren ausgestattet, für die Gäste gibt es einen eigenen Gartensitz. Das alte reetgedeckte Cottage hinter dem neuen Haus wird als Ferienwohnung vermietet. Vom Castle - der Burg der Earls of Kildare - sieht man nichts mehr - es wurde im 17. Jh. zerstört. DZ 80 €. Lackagh, Tel. 045 521 816, www.kildarebandb.com.
Essen & Trinken Silken Thomas, die Bar ist mit Anklängen an den Jugendstil etwas exzentrisch eingerichtet, das Restaurant „Chapter 16“ modern und nüchtern. Auf dem Speisezettel hauptsächlich Fleischgerichte (Lamm, Steak u. Ä.). Hauptgericht bis 25 €, auch Pubfood. Market Square, Tel. 045 522 232, www.silkenthomas.com.
Hartes of Kildare, moderne irische Küche auf hohem Niveau und eine edle Alternative zum Platzhirsch „Silken Thomas“. Hinter einer traditionellen, blumengeschmückten Ladenfront erwartet den Gast ein Gastropub in gelungener Kombination von Alt und Neu mit offenem Kaminfeuer, Pferdesport-Memorabilia und freundlichem Personal. Hauptgericht mittags 15-20 €, abends 20-30 €. Mo-Sa Lunch, Di-Sa Dinner, So durchgehend. Market Square, Tel. 045 533 557, www.harteskildare.ie.
Macari’s Fish & Chips, frittiert Kabeljau und serviert an Hausmannskost auch Steak-and-Kidney-Pie. Claregate St, gegenüber dem Buchmacher.
County Carlow
Die zweitkleinste Grafschaft wird landschaftlich durch die Blackstair-Berge und die Täler von Slaney und Barrow bestimmt. Schwergewichtige Sehenswürdigkeit ist der Browneshill-Dolmen.
Geisterschloss Duckett’s Grove
Die Gegend ist ein überaus fruchtbares Ackerland. Schwergewichtige Kühe lassen sich auch durch energisches Hupen nicht aus der Ruhe bringen, neben der Straße warten aufgehäufte Zuckerrüben auf den Abtransport. Bis zu Cromwells Irland-Feldzug waren Carlow und die hier herrschenden Könige von Leinster ein aufsässiger Stachel am Rande des Pale, des englisch beherrschten Umlandes von Dublin. 1394 und 1399 setzte Richard II. eigens mit einem Heer von England über, um das Land zu befrieden. Beim zweiten Feldzug holte er sich eine blutige Nase und wurde bei seiner Rückkehr in London abgesetzt und umgebracht.
Highlights
◊ Browneshill-Dolmen - Hinkelsteine, diesmal ohne die Hilfe von Obelix zum fotogenen Hünengrab getürmt.
◊ Altamont Gardens - 250 Jahre lang mühseliges Planen, Pflanzen, Stutzen, Schneiden, Hacken, Jäten.
◊ Duckett’s Grove - ein Spukschloss mit grotesken Fratzen, Picknickwiese und Küchengarten.
Carlow und Umgebung
Der quirlige Marktort (20.000 Einwohner) am Zusammenfluss von Barrow und Burren kann mit einer guten Musikszene und einem gewaltigen Justizpalast aufwarten.
Nach mehr als hundert Jahren Pause bekam Carlow 1998 wieder eine Brauerei. Für den Giganten Guinness dürfte die Carlow Brewing Company allerdings keine Konkurrenz darstellen, beschränkt sich der Absatz doch weitgehend auf die Region. Immerhin wurde das nach dem Reinheitsgebot gebraute O’Hara’s Stout schon als weltbestes Bier seiner Klasse prämiert, und auch das Weizenbier Curim wird von Kennern gerühmt. Die in einem alten Lagerhaus beim Bahnhof eingerichtete Kleinbrauerei kann im Sommer (Mai bis September) nach Anmeldung besichtigt werden.
♦ Carlow Brewing Company: The Goods Store, Führung Fr 14 Uhr nur nach Voranmeldung, mit Bierprobe 10,50 €. Station Road, Tel. 059 572 0509, www.carlowbrewing.com.
Ein anderer, schon etwas länger zurückliegender Höhepunkt der Stadtgeschichte, so erfuhren wir einst beim Rundgang durch das County Museum, war die Elektrifizierung - Carlow bekam nach Dublin als zweite irische Stadt elektrischen Strom. Das in einem früheren Konvent untergebrachte Museum wurde völlig umgebaut und neu eingerichtet, doch es bleibt ein Heimatmuseum und damit für Besucher ohne Lokalbezug nur mäßig interessant.
♦ Mo-Sa 10-16.30 Uhr, Juni-Aug. auch So 14-16.30 Uhr. Eintritt frei. College St, carlowcountymuseumblog.wordpress.com.
Vorbei an County Museum, der Kathedrale und durch einen kleinen Park vor dem College kommt man zum Visual Centre, einer der größten Galerien im Land. Das Gebäude erinnert mit seinen klaren Kanten und der hellgrauen, halbtransparenten Glasfassade an einen Eiswürfel. Die Kunsthalle hat keine eigene Sammlung, sondern zeigt wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Kunst.
♦ Di-Sa 11-17.30 Uhr, So 14-17 Uhr. Old Dublin Rd, www.visualcarlow.ie.
Das Gerichtsgebäude soll, anders wissen es die Einheimischen heute nicht zu erklären, aufgrund eines Irrtums entstanden sein, weil der zerstreute Architekt William Vitruvius (!) Morrison zwei Baupläne verwechselte. So wuchs um 1830 der klassizistische, dem Athener Parthenon nachempfundene Bau, der eigentlich Cork zugedacht war, hier in Carlow, während das unscheinbare, für Carlow vorgesehene Gericht in Cork entstand; die einen bemerkten den Irrtum erst, als es zu spät war, die anderen entdeckten den Fehler frühzeitig, hielten aber wohlweislich den Mund. Dem Baumeister war die Vorliebe für antike Vorbilder schon in die Wiege gelegt worden, denn sein ungewöhnlicher Vorname Vitruvius erinnert an einen römischen Architekten.
Die Festung des Städtchens geht bis auf die Normannen zurück, die gleich nach der Eroberung einen Holzturm und 1210 eine steinerne Burg anlegten. Sie hielt sogar Cromwell stand, wurde aber 1814 von einem Dr. Middletown in die Luft gejagt, der im Castle eine Nervenheilanstalt einrichten wollte und sich bei Umbauarbeiten in der für die Sprengung einer Mauer erforderlichen Menge Schwarzpulver gründlich verrechnete. Die Reste der Burg, zwei Türme und eine Verbindungsmauer, liegen auf einer kleinen Anhöhe nahe der Brücke.
Ein schöner Spaziergang führt auf dem alten Treidelpfad am River Barrow flussab. Bald weicht die Stadt einer Parklandschaft. Angler ziehen fette Fische aus dem Fluss, manchmal tuckert ein Touristenkahn vorüber, und nach einem Inselchen erreicht man die Milford Mill, die einst den Strom für Carlows Laternen lieferte.
Übernachten
1 Greenlane House 6 Barrowville Town House 7 Lorum Old Rectory
Sonstiges
Essen & Trinken
3 Lennon's 4 Tullys 5 Teach Dolmain
Praktische Infos
Information Mo-Sa 9.30-17 Uhr, Juni-Aug. auch So 14-16.30 Uhr. Kostenlose Broschüre „A Guide to County Carlow“ erhältlich, dazu das Flugblatt „Town Trail“ mit einem architekturgeschichtlich orientierten Stadtrundgang. College St, Tel. 059 913 1554, www.carlowtourism.com.
Verbindung Bus: Vom Busbahnhof am Ende der Kennedy Avenue fährt Bus Éireann (Tel. 01836 6111, www.buseireann.ie) nach Dublin, Waterford und Kilkenny; JJ Kavanagh (Tel. 059 914 3081, www.jjkavanagh.ie) vom Parkplatz Barrack St nach Dublin-Airport, Waterford und in die Region. Bahn: Züge (Tel. 059 913 1633) dieseln nach Dublin und Kilkenny - Waterford.
Bio/Regional Bauernmarkt Sa 9-14 Uhr auf dem Potato Market neben der Tullow St. www.carlowfarmersmarket.com.
Fahrrad Verleih bei Coleman Cycles 2, Charlotte St, Tel. 059 913 1273.
Feste Carlow Arts Festival, Mitte Juni, ein Kulturfest in den Straßen und Sälen der Stadt. Programm unter www.carlowartsfestival.com.
Übernachten Barrowville Town House 6, das sorgfältig renovierte Stadthaus aus dem 18. Jh. befindet sich 5 Gehminuten südlich des Zentrums. Die 7 Nichtraucher-Gästezimmer sind elegant, doch nicht überladen eingerichtet und mit TV und Haarföhn ausgestattet. Aufenthaltsraum mit kleiner Bibliothek; Garten, eigener Parkplatz. Das mehrgängige Frühstück wird im Wintergarten serviert. DZ 90-110 €. Kilkenny Rd, Tel. 059 914 3324, www.barrowville.com.
B&B Greenlane House 1, „ein schönes Haus mit gemütlichem Frühstückszimmer. Das Frühstück war das beste, das wir in Irland hatten. Es gab z. B. Cereals mit frischen Kiwis und Himbeeren. Die Zimmer waren schön eingerichtet und groß, die Gastgeber äußerst hilfsbereit.“ DZ 90-100 €. Dublin Rd, Tel. 059 914 2670, www.greenlanehouse.ie. ♦ Lesertipp
Lorum Old Rectory 7, das kleine Herrenhaus befindet sich etwa auf der Mitte zwischen Carlow und Kilkenny an der R 705, 7 km südlich von Bagenalstown. Treffpunkt der Gäste ist der Drawing Room mit offenem Kamin, Büchern, Fotos und Stücken aus dem Familienbesitz. Gastgeberin Bobbie Smith ist eine bekannte Köchin. DZ 180 €, Dinner nach Vorbestellung 50 €/Person. Kilgreaney, Bagenalstown, Tel. 059 977 5282, www.lorum.com.
Essen & Trinken Lennon’s 3, die Brasserie im G. B. Shaw Theatre mit wechselnder Kunst an den Wänden setzt auf regionale Zutaten. Tagsüber Kuchen, Sandwichs und einfache Tellergerichte, abends auch Steaks und Seafood. Lunch bis 15 €, Dinner 20-30 €. Mo-Sa 10.30-17, Fr/Sa 18-21.30, So 12-16 Uhr. Old Dublin Rd, Tel. 059 917 9245, www.lennons.ie.
Tully’s 4, der altmodische Pub, in dem der Fernseher aus der Bar verbannt bleibt, ist ein beliebter Treff der Studenten des Technical College. Ab 10.30 Uhr Frühstück, mittags und abends Barfood. 149 Tullow St.
Teach Dolmain 5, mittags günstiges Barfood, das förmlichere Restaurant hat abends geöffnet und bietet dann z. B. Ente mit Kardamom- und Orangensoße und Chinakohl. 76 Tullow St.
Am Abend Die Tullow Street, die wichtigste Einkaufsstraße der Stadt, ist zugleich Carlows Ausgehmeile.
Scraggs Alley, Studentenkneipe, am Wochenende oft Livemusik. Bei unbekannten Gruppen freier Eintritt. Erst lange nach Mitternacht traut sich das Möbel rückende Hausgespenst in das dann still gewordene Lokal. 12 Tullow St.
Die Bar Dinn Ri, Teil eines Entertainment-Imperiums mit Club und Hotel, wurde mehrfach unter 600 Mitbewerbern zum „Superpub des Jahres“ gewählt. Tullow St, www.dinnri.com.
The Barracks, ist der führende Nightclub von Carlow. Die zugehörige Bar wirbt mit einem palmengrünen Rauchergarten, Fußball-Events auf Großbildschirmen und allerlei Computerspielen, für die man sich an der Bar Notebooks leihen kann. Tullow St, www.thebarracks.ie.
River Barrow
Gegenüber dem Shannon und seinen Seen bietet die Bootsfahrt auf dem River Barrow und dem mit ihm verbundenen Grand Canal ein ganz anderes Urlaubserlebnis. Hier ist die Wasserstraße schmal und erfordert mehr Aufmerksamkeit und nautisches Geschick, auch wenn nur selten mit Gegenverkehr zu rechnen ist. Die Route beginnt in Tullamore, zweigt bei Robertstown in einen Verbindungskanal ab, der ab Monasterevin (bei Kildare) den Barrow begleitet und in Athy in diesen mündet. Auf den gesamten 155 km sind 34 Schleusen zu passieren, für die Fahrt flussab rechne man 6 Tage.
Bootsverleiher Canalways Ireland Barge Holidays, Spencer Bridge, Rathangan, Tel. 087 243 3879, www.canalways.ie; Barrowline Cruises, Vicarstown, Tel. 057 862 6060, www.barrowline.ie.
Barrow Way
Der knapp über hundert Kilometer lange Fernwanderweg von Lowtown nach St Mullin’s folgt dem River Barrow auf dem alten Treidelpfad am Flussufer, von dem aus früher die Kähne stromauf gezogen wurden. Für Tagestouren bieten sich von Carlow aus die Etappen nordwärts nach Athy (19 km) oder flussab nach Bagenalstown (16 km) an.
♦ Da die Wanderstrecke durchwegs dem Fluss folgt, kann man als Wanderführer getrost den bei der Touristinformation erhältlichen „Guide to the Barrow Navigation“ benutzten.
Browneshill-Dolmen
Der gewaltige Deckstein, geschätztes Alter 4000 Jahre, wiegt über 100 Tonnen - kaum vorstellbar, wie er mit purer Manneskraft und ohne Flaschenzüge dort hinauf kam. Die Darstellung einer steinzeitlichen Totenfeier auf der erläuternden Tafel ist auch recht fantastisch.
♦ Anfahrt: 5 km außerhalb an der R 726 nach Hacketstown. Kein Bus. Die Taxifahrt von Carlow und zurück kostet mit Carlow Cabs (Tel. 059 914 0000) je nach Wartezeit 15-20 €.
Vorsicht am Parkplatz beim Dolmen! Hier werden gerne Touri-Autos geknackt und geplündert.
Altamont Gardens
Als bekanntermaßen romantischster Garten Irlands ist Altamont eine bezaubernde Mischung aus streng formaler und frei gestalteter Gartenlandschaft. Diese wird seit 250 Jahren immer wieder neu angelegt, zurechtgeschnitten, gepflegt und bepflanzt. Die jetzige Gestalt ist weitgehend das Werk von Corona North (1922-1999), der die Passion für das Gärtnern wohl schon mit dem Namen Corona in die Wiege gelegt wurde. So hieß nämlich auch ihres Vaters Lieblingsrhododendron. Noch zu Lebzeiten vermachte Corona Schloss und Park dem Staat - gegen die Verpflichtung, alles in ihrem Sinne zu erhalten. Es sind v. a. die Bäume, die Altamont sein unverwechselbares Gesicht verleihen: Alleen, Eichenwälder und die scheinbar natürliche Vielfalt des Arboretums mit weitgehend einheimischen Arten, dazwischen aber immer wieder Exoten wie die mächtigen Sequoien und andere Fremdlinge und immer wieder der üppige, ja allzu üppig wuchernde Rhododendron. Gepflegte Wege schlängeln sich an Beeten und Teichen entlang und bringen uns über Wiesen und Terrassen schließlich zu einem großen See, der nach der Großen Hungersnot als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme angelegt wurde. Mehr als hundert Mann sollen ihn mit Schaufeln und Muskelkraft innerhalb von zwei Jahren ausgehoben haben. Noch kann das auf alten Grundmauern seit 1750 angelegte, doch später noch durch vielfache Um- und Anbauten überprägte Schloss nicht besichtigt werden.
♦ April-Sept. tägl. 9-18.30 Uhr, Okt. bis 17 Uhr, Nov.-März bis 16 Uhr. Einlass bis 45 Min. vor Schließung. Eintritt frei, Parken 2 €. www.heritageireland.ie.
Die Altamont Gardens liegen 22 km südöstlich von Carlow nahe der Kreuzung von N 80 und N 81 und sind auf beiden Straßen ausgeschildert.
Chocolate Garden of Ireland
Etwas außerhalb des Städtchens Tullow versteckt sich ein Paradies für Schleckermäuler. Die Manufaktur von Jim und Mary Haley produziert hier feine Premium-Schokoladen, Pralinen und Bio-Eis. Mittels Video, Demonstration und Verkostung unternehmen die Besucher eine multisensorische Reise vom Kakaobaum bis zur fertigen Schokolade und können schließlich ihre eigene Spezialität kreieren. Kaffee, Eis und Schokolade werden im Café-Shop serviert, auf Kinder wartet ein Abenteuerspielplatz.
♦ Mo-Sa 10-17, So 13-18 Uhr. Eintritt frei. Rath, Tullow, www.chocolategarden.ie.
Huntington Castle
Das Schloss wurde im 17. Jh. als Garnison zur Sicherung der Route von Dublin nach Wexford errichtet. Zuvor stand an seiner Stelle eine einfache Turmburg. Die Hausherren vom Clan der Caviness konnten ihren Besitz über die Zeiten retten, die Nachfahren wohnen bis heute im Huntington Castle und führen im Sommer Besucher durch die üppig ausgestatteten Räume. Kurios bis kitschig präsentiert sich die im Keller eingerichtete Kultstätte der ägyptischen Göttin Isis, war doch die 2013 verstorbene Schlossherrin Olivia Robertson zugleich Oberpriesterin der New-Age-Sekte Fellowship of Isis. Vom Schloss bis hinunter zum River Derry erstrecken sich die Gärten und der romantische Landschaftspark des Anwesens.
♦ Gärten Mai-Sept. tägl. 10-17 Uhr, Eintritt 6 €. Führungen durchs Haus Mai-Sept. tägl. 14, 15, 16, 17 Uhr, März/April nur Sa/So 14, 15, 16 Uhr, Eintritt 10 €.
Die Zufahrt ist von der N 80 etwa 24 km südostlich von Carlow ausgeschildert.
Duckett’s Grove
Im Haus der mächtigen Familie Duckett wurde während des 18. und 19. Jh. über manche Schicksalsfrage des County Carlow entschieden. Ein Feuer zerstörte 1933 das neo-gotische Märchenschloss. Ruine und Park sind nun in der Obhut des Countys, das den Küchengarten und die Blumenanlagen restauriert hat. Wenn das Café geöffnet hat, darf man auch die Ruine begehen.
♦ Tägl. bei Tageslicht geöffnet. Eintritt frei. Tea Room Juli/Aug. Sa/So, sonst nur Sa 9.30-15 Uhr. Duckett’s Grove liegt an der R 418 zwischen Tullow und Castledermot. www.carlowtourism.com/duckettsgrove.
County Wicklow
Umgeben von Parks und vornehmen Landhäusern erhebt sich südlich von Dublin die einsame Gebirgslandschaft der Wicklow Mountains. Liebliche, mit Tannenwäldern aufgeforstete Täler und die kargen, zugigen Hochflächen sind das schönste Wandergebiet im Osten Irlands.
Reiter in den Wicklow Mountains
Der Gebirgsstock entstand vor ca. 400 Millionen Jahren, als die oberen Schichten aus Sedimentgestein durch heiße, flüssige Massen aus dem Erdinneren angehoben und gleichzeitig zu Glimmerschiefer verbacken wurden. Im Laufe der Zeit wurde diese weiche Deckschicht durch die Erosion weitgehend abgetragen und der darunter liegende, längst erkaltete Granit freigelegt, doch findet man auch beachtliche Reste von Schiefer, z. B. auf der Spitze des Lugnaquilla (925 m) und in den Tälern von Glenmacness, Glenmalure und Glendalough. Seinen letzten Schliff erhielt das Gebirge dann in der Eiszeit. Die Gletscher rundeten die Gipfel weiter ab, schnitten die Täler ein und ließen Gebirgsseen wie Lough Dan und Lough Bray zurück.
Während die Küstenebene und die Nordostseite des Gebirges durch ihre Nähe zu Dublin bevorzugter Platz für die Landgüter (beispielhaft Powerscourt) des englisch-irischen Adels war, hielten sich in den Bergen selbst und in den unwirtlichen, ohne Ortskenntnis kaum begehbaren Hochmooren alteingesessene, gälische Geschlechter wie die O’Tooles und die O’Byrnes. Sie, später auch Räuber sowie andere vor den Verfolgungen der Staatsgewalt Geflohene, plagten das Tiefland und seine Bewohner immer wieder mit unvermuteten Überfällen. Um diesen Banden mit größeren Truppenkontingenten nachsetzen und in den Tälern Kasernen anlegen zu können, wurde um 1800 eine Militärstraße in Nord-Süd-Richtung mitten auf dem Gebirgskamm gebaut. Radler, die Steigungen nicht scheuen, werden hier mit Einsamkeit, Panoramablick und Naturerlebnis belohnt. Der junge Beckett ging hier oft mit seinem Vater spazieren, und das Sally Gap, eine Kreuzung mitten in der Einöde, wäre der richtige Ort, um auf Godot zu warten.
Wicklow Trail
Für Wanderer gibt es den ebenfalls in Nord-Süd-Richtung über die Berge führenden Wicklow-Trail, Irlands ältesten (1981) und bekanntesten Fernwanderweg, der insgesamt 132 km lang ist. Der Weg meidet die sumpfige, nur mit Farnen und Erika bewachsene Gipfelregion und bleibt in der abwechslungsreicheren Landschaft unterhalb der Baumgrenze. Er beginnt am Marley-Park in Rathfarnam, einem Vorort Dublins (Stadtbus Nr. 47B, 48A), ist mit gelben Pfeilen auf schwarzen Pfosten markiert und endet in Clonegall, County Carlow. Im Abstand von bequemen Tagesetappen gibt es in Knockree, Glendalough, Glenmalure und Aghavannagh Jugendherbergen, in denen man die Tageseinsamkeit des Wanderers durch abendliche Geselligkeit wettmachen kann, allerdings allzu gesellige Jugendgruppen auch manchmal nervtötend laut sein können. Wer sich Zeit lässt und auch Abstecher mit einplant, ist etwa 10 Tage unterwegs. Wer es kurz machen will, begeht zwischen Enniskerry (der Trail passiert hier den Powerscourt-Wasserfall) und Glendalough nur den schönsten Abschnitt des Weges. Im Sommer Mückenschutz nicht vergessen! Gegen Abend werden die Biester zur Plage.
♦ Information: www.wicklowway.com. Karte 1:50.000 „The Wicklow Way“ von Ordnance Survey oder EastWest Maps, beide mit Wegbeschreibung. Die Karte Nr. 56 der blauen Serie (1:50.000) deckt den auf das County Wicklow fallenden Streckenteil ab, Nr. 62 den südlichen Abschnitt.
Highlights
◊ Russborough House - die Gemäldesammlung des Diamantenhändlers, oft beklaut und jetzt gut gesichert.
◊ Kevin’s Way - wandern auf alten Pilgerpfaden über die Wicklow Mountains.
◊ Powerscourt Gardens - ein Höhepunkt irischer Gartenbaukunst, überragt vom „Big House“, in dem Fürstin Gracia Patricia einst die Nacht durchtanzte.
◊ Glendalough - Naturerlebnis und die Klosterstadt des heiligen Kevin.
◊ Wicklow Gaol - ein polternder Aufseher und geknechtete Gefangene geben einen gruseligen Einblick in den Strafvollzug vergangener Zeiten.
◊ National Garden Exhibition Centre - zwanzig Ideen für den eigenen Garten oder für den Traum davon.
Westflanke der Wicklow Mountains
Die Landschaft auf der Westseite des Gebirges ist weniger dramatisch und spektakulär als ihr Gegenüber, hat aber einige Perlen: den Poulaphouca-Stausee, Landschloss und Park von Russborough, einen Steinkreis und schließlich das Imaal-Tal als Wandergebiet.
Das Gebiet ist über die Landstraße N 81 gut erschlossen. Wer es nicht eilig hat, mag statt der Autobahn diesen Weg von Dublin in den Süden nehmen. In einem halben Tag hat man alles Wesentliche gesehen.
Blessington
Das langgestreckte Dorf überblickt den (zungenbrechenden) Poulaphouca-Stausee, der Dublin mit Trinkwasser und Strom versorgt. Schmucke, fast städtische Häuser im Stil des 18. und 19. Jh. säumen die Hauptstraße, in der zweiten Reihe etwas Industrie und ein Einkaufszentrum aus den Boomjahren des keltischen Tigers. Im Zeitalter der Pferdekutschen war Blessington die letzte Etappe auf der Reise von Waterford nach Dublin, zwischen 1888 und 1932 fuhr von hier sogar eine Straßenbahn in die Hauptstadt. Das Dorf wurde 1670 am Reißbrett entworfen und gehörte zur Domäne Downshire, dem Gut des Erzbischofs von Dublin. Gut 100 Jahre später kam es in den Besitz von Russborough House.
Verbindung Von Dublin Stadtbus Nr. 65.
Übernachten Camping Moat Farm, ca. 1 Autostunde südl. von Dublin; sauberer, gepflegter Platz, ausreichende Sanitäranlagen, Aufenthaltsraum mit TV, Küche. Wanderer/Radler mit Zelt 10 €/Pers. Geöffnet Mitte März bis Sept. An der N 81 nach der Abzweigung „Donard“, Tel. 045 404 727. ♦ Lesertipp
Essen & Trinken West Wicklow House, ein Dorfgasthof mit bodenständiger Küche: Steak, Lamm, Hühnerfleisch, auch vegetarische Gerichte. Tägl. geöffnet, Mi Session, Fr/Sa Disco im Saal. Main St, www.westwicklowhouse.com.
Bio/Regional Grangecon Café, Naturkost-Restaurant in einem alten Schulhaus. Bis hin zum Schinken wird hier alles selbst hergestellt. Angeboten werden Salate, Sandwichs, Pies und leckere Kuchen. Di-Sa 9-16 Uhr. Kilbride Rd, www.grangeconcafe.blogspot.com.
Russborough House
Ein Musterbeispiel für die Landschlösser, die sich die englisch-irische Oberschicht in der Nähe Dublins anlegen ließ. Bauherr war Joseph Leeson, Earl of Miltown, der es mit einer Brauerei zu Geld gebracht hatte und sich nicht scheute, diesen Reichtum zu zeigen - damals hatte die Firma Guinness noch ernst zu nehmende Konkurrenz. Ähnlich wie in Maynooth sind zwei Seitenflügel durch halbrunde Säulengänge mit dem aus grauem Granit gefügten Haupthaus verbunden, die Fassade misst alles in allem über 200 m. Für den Innenausbau wurden die Gebrüder Francini als Stuckateure engagiert, und auch an Möbeln, Gemälden, Figuren und Silber hat der Bauherr nicht gespart. 1931 kam das Haus in den Besitz von Alfred Beit, einem Neffen des gleichnamigen Gründers und Hauptaktionärs von de Beers, der bis heute im Abbau und Handel mit Diamanten weltweit führenden Firma. Kein Wunder, dass der junge Alfred vom alten Alfred eine Sammlung erstklassiger Gemälde (darunter Goya, Rubens, Velasquez) erbte, die jetzt auch in Russborough House hängen. 1974 machte Russborough Schlagzeilen, als IRA-Sympathisanten die wertvollsten Gemälde klauten, um vom Erlös die Kasse der Organisation zu erfüllen. Die Bilder wurden später unversehrt geborgen. Nach zwei weiteren Einbrüchen, diesmal waren gewöhnliche Kriminelle am Werk, kann die Sammlung nur noch im Rahmen 45-minütiger Führungen unter strengen Sicherheitsvorkehrungen besichtigt werden. Auf eigene Faust erforschen darf man den Park mit historischem Küchengarten, Labyrinth und Abenteuerspielplatz. Am Wochenende zeigen zudem die Greifvögel der im Park beheimateten Falknerei ihre Flugkünste.
♦ März-Dez. tägl. 10-15 Uhr (Beginn letzte Führung), im Sommer erweitert. Eintritt 12 €. www.russborough.ie. Flugshow-Termine unter nationalbirdofpreycentre.ie.
Tanzplatz der Mondgöttin?
Je mehr man sich mit den etwa 1000 noch erhaltenen Steinkreisen der britischen Inseln beschäftigt, desto widersprüchlichere Befunde tauchen auf. Nur gut die Hälfte der Kreise ist tatsächlich rund. Daneben gibt es abgeplattete Kreise, „Eier“, Ellipsen und scheinbar regellos deformierte Kreise. Einige haben im Zentrum einen aufrechten (phallischen?) Stein, andere einen liegenden, manche Spuren einer Brandbestattung und wieder andere einfach nichts. Die größten Kreise haben einen Durchmesser von 400 m, die kleinsten von gerade 2 m. Je jünger, desto kleiner. Der Steinkreis um den Grabhügel von Newgrange gilt als der älteste in Irland - nach herrschender Lehrmeinung wurde er vor 5000 Jahren gebaut, während der Drombeg Circle „erst“ 2600 oder sogar nur 2000 Jahre zählt.
Eine gängige Interpretation sieht in den Steinkreisen eine Kalenderstätte, mit deren Hilfe beispielsweise die Sonnenwende, Tag- und Nachtgleiche, besondere Mondstellungen beobachtet oder Sterne fixiert werden können. Nun ergeben sich bei einem Kreis mit, sagen wir, zwölf Steinen 132 verschiedene Achsen. Rechnen wir nur vom Zentrum aus, sind es zunächst zwölf, die aber wiederum mit drei zu multiplizieren sind, da niemand weiß, ob die Achsen über rechte Seite, linke Seite oder die Mitte des Visiersteins gezogen werden müssen. Selbst wenn die vorgeschichtlichen Baumeister ihre Kreise also nach bestimmten Gestirnen oder Himmelskonstellationen ausrichteten, wozu sich eine hufeisenförmige Anordnung übrigens weit besser geeignet hätte, ist heute kaum nachvollziehbar, woran sie sich orientierten.
Die Deutung der Steinkreise durch die Frauengeschichtsforscherin Heide Göttner-Abendroth als Tanzplätze matriarchalischer, eine Mondgöttin verehrender Gesellschaften ist also kaum zu widerlegen. Es kann so gewesen sein, aber vielleicht auch ganz anders.
Kevin’s Way
Der gut markierte Wanderweg folgt weitgehend einer alten Pilgerroute zur Klostersiedlung Glendalough. In Hollywood (N 81) beginnend, überquert er in einem anstrengenden 30-km-Tagesmarsch das Gebirge parallel zur R 756 und damit das Wicklow Gap (490 m ü. M.). Ein Seitenarm des Wegs (nur diesen erreichen Sie in aller Herrgottsfrühe mit Bus 65 ab Dublin) beginnt in Valleymount am Poulaphouca-Stausee.
Steinkreise
Ein Steinkreis bleibt selten allein. War es, weil die bronzezeitlichen Priester und Baumeister die Nähe zu anderen Kultstätten schätzten? Weil sie miteinander wetteiferten? Weil sie nur in einzelnen Gebieten Irlands siedelten? Jedenfalls stehen gewöhnlich mehrere Steinkreise relativ dicht beieinander. So auch auf der Westflanke der Wicklow-Berge, die damals die wichtigste Goldader Europas bargen. Am bekanntesten sind die Athgreany Piper’s Stones, ein Steinkreis aus 14 Granitbrocken und einem weiteren außerhalb des Kreises, der sogenannte Outlier. Abergläubische Iren sehen in ihm einen versteinerten Dudelsackpfeifer, den Kreis bilden die Reigentänzer. Unweit des Kreises sind die Fundamente einer kleinen Kapelle erhalten, und es geht die Legende, dass St Kevin sich zunächst hier niedergelassen hatte, bevor er ins weit schönere Glendalough umzog. Der Grund für die Versteinerung der Tänzer war, wie es schon Frau Lot geschah, ihr weltlich ausschweifendes Treiben an diesem heiligen Ort. So belegt die Nähe von Steinkreis und Kapelle einmal mehr, dass neue Religionen just dort ihre Riten vollziehen, wo schon die alten, heidnischen Kulte gefeiert wurden: einmal heilig, immer heilig. Der Castleruddery Circle ist stärker verwittert. Hier sind die Portalsteine aus Marmor. Gleich dahinter liegt ein Brocken mit auffälligen Kerben, die vielleicht das Widerlager für irgendwelche Pfosten waren.
♦ Anfahrt: Die Piper’s Stones stehen an der N 81, 2,3 km südl. der Abzweigung zum Wicklow Gap. Von der Straße zeigt ein Hinweisschild den Weg in die Wiesen zu einer 50 m entfernten Schautafel. Von dort sind es weitere 150 m zum Steinkreis. (53°04’19’’N 6°36’46’’W). Castleruddery ist am Eingang des Glen of Imaal von der N 81 ausgeschildert, 52°59’28’’N 6°38’12’’W.
Hollywood Glen
Radler müssen sich nicht auf der Fernstraße von den Lastern in den Graben drängen lassen, sondern nehmen ab Hollywood die Nebenstraße nach Donard. Dieser Weg ist zwar etwas hügeliger, aber kaum befahren und führt zwischen steilen Felsen und sogar durch einen Wald hindurch, der ausnahmsweise nicht eingehegt ist und zu einem Spaziergang verführt.
Glen of Imaal
Das landschaftlich schönste Tal auf der Westseite des Gebirgsstocks ist nach Mal, dem Bruder des mythischen Königs Cathal Mor benannt. Zu Beginn des 19. Jh. hielt sich hier der Freiheitskämpfer Michael Dwyer versteckt. In Derrynamuck hat man ihm ein kleines Museum eingerichtet, das einen Eindruck vom Alltagsleben dieser Zeit vermittelt und den rechten Kontrast zum Luxus von Russborough bildet.
Enniskerry und Umgebung
Das gepflegte, fotogene Dorf kuschelt sich in eine dicht bewaldete Senke. Es wurde um 1830 von den Herren des benachbarten Gutes Powerscourt für die Pächter und Landarbeiter angelegt. Trotz der Nähe zu Dublin ist ihm die zügellose Urbanisierung bisher erspart geblieben.
Gemessen an den Besucherzahlen sind die Powerscourt Gardens zu Füßen des Great Sugarloaf (503 m) der beliebteste Park Irlands. Der italienische Garten, für den sich gut hundert Arbeiter zwölf Jahre abmühten, fällt vom Schloss über Terrassen zu einem künstlichen See ab. Er war eine der letzten Anlagen dieser noch vom Barock geprägten Stilrichtung des Gartenbaus. Der danach angelegte japanische Garten verdeutlicht den Wandel des Geschmacks hin zu eher „natürlichen“ Parks, und der Rest der Domäne zeigt sich dann auch wirklich weitgehend naturbelassen. Bizarr ist der Tierfriedhof, wo nicht nur Katzen und Hunde, sondern auch Lieblingspferde und eine prämierte Kuh („Eugenie, dreimal Champion von Dublin“) beigesetzt sind.
Der italienische Garten von Schloss Powerscourt
Das Schloss selbst, 1731 von Richard Cassels entworfen, brannte 1974 just bei jenem Empfang bis auf die Grundmauern nieder, mit dem der Abschluss langjähriger Renovierungsarbeiten gefeiert wurde. Erst 1997 war der „Phoenix wieder der Asche entstiegen“, wie die Lokalpresse titelte, und dient jetzt als Restaurant, Souvenirkaufhaus und Visitor Centre, in dem die jährlich gut 100.000 Besucher die Geschichte des Anwesens erfahren. Die neuerliche Instandsetzung wurde mit Geldern aus dem EU-Regionalfonds finanziert, zusätzlich verkauften die Slazengers, denen Powerscourt gehört, einen Teil des Parks als Bauland für ein Hotel. Hoffen wir, dass das Schloss nun gegen Feuerschaden versichert ist.
Im oberen Teil des Gutes fällt der Dargle in Irlands größtem Wasserfall 121 m in die Tiefe. Dort ist ein Naturlehrpfad angelegt, leider wird der Weg vom Schloss zum Wasserfall durch ein verschlossenes Tor blockiert, das den Umweg über die Straße erzwingt. Niemand empfindet es hier als anstößig, für den Besuch des Naturdenkmals Eintritt zu verlangen. Das englisch-irische Prinzip von Eigentum an Grund und Boden geht sehr viel weiter als in Deutschland, und so lassen sich selbst die meisten Bauern den Gang über ihre Felder bezahlen, auf denen ein Dolmen, ein Steinkreis oder ein ähnliches Monument steht.
Angesichts eines bevorstehenden Besuchs von König Georg IV. wollten die Herren von Powerscourt dem ihrer Meinung nach spärlichen Wasserfluss etwas nachhelfen und stauten den Bach oben mit einem künstlichen Damm, der just in dem Moment hätte gesprengt werden sollen, da der König sich anschickte, die Szenerie zu betrachten. Doch Georg, nach dem Bankett von Darmgrimmen geplagt, verzichtete auf das Spektakel. Die Unpässlichkeit rettete das königliche Leben, denn die nach der Sprengung vom Wassersturz mitgerissenen Felsbrocken zerschmetterten die Aussichtsplattform.
♦ Park: Tägl. 9.30-17.30 Uhr (im Winter bis Einbruch der Dunkelheit), Eintritt 12 € (im Winter ermäßigt). Der Eingang ist 500 m südlich des Dorfplatzes von Enniskerry. www.powerscourt.com. Wasserfall: Tägl. 9.30-19 Uhr (im Winter bis Einbruch der Dunkelheit); Eintritt 7 €. Ab dem Parkeingang ausgeschildert.
Knocksink Woods: Auf einem etwa einstündigen Spaziergang lässt sich das artenreiche Naturreservat am Glencullan River erkunden. Man geht vom Hauptplatz zunächst die Straße Richtung Glencree, bis nach der Kirche links der Eingang zu den Knocksink Woods ausgeschildert ist. Der bequeme Weg führt durch einen schattigen Buchenwald am Bach entlang zu einem Naturschutzzentrum. Nach diesem haben wir über die nächste Brücke den Forstweg verlassen und sind ein Stück am Westufer entlanggewandert, bis der Pfad wieder die Seite wechselte. Hier haben wir für den Rückweg wieder den Hauptweg eingeschlagen.
Praktische Infos
Verbindung Stadtbus Nr. 44 ab Dublin Hawkins Street; auch Bus Nr. 185 von der Station Bray der DART-Bahn. Die schmale, kurvige Straße von Bray ist stark von Lkws und Bussen befahren. Radler nehmen von Dublin nach Enniskerry besser die R 117.
Ausflüge Bus: Dublinbus (www.dublinsightseeing.ie) startet mehrmals die Woche um 10.30 Uhr am Büro 59 Upper O’Connell Street für 25 € eine Rundfahrt zum Powerscourt Garden und an die Wicklowküste.
Übernachten Summerhill House, das Landhaus mit knarrenden Dielen und Stilmöbeln steht etwa 10 Gehminuten vom Dorfplatz und ist bei Hochzeitsgesellschaften sehr beliebt. DZ 150-200 €. Bray Rd, Tel. 01 286 7928, www.summerhillhousehotel.com.
B&B Coolakay House, 3 km außerhalb von Enniskerry aussichtsreich an einem Hang. Erst auf den zweiten Blick merkt man, dass man es hier mit einem Bauernhof zu tun hat - zu sauber, zu gepflegt wirkt das Umfeld. Die Zimmer sind mit TV und Haarföhn ausgestattet, sogar mit richtiger Badewanne im Bad des großen „family room“ (mit drei Betten). Zum Haus gehört ein Restaurant, in dem auch Tagesausflügler bewirtet werden. DZ 90-100 €. Powerscourt Waterfall Road, Tel. 01 286 2423, www.coolakayhouse.ie.
B&B Ferndale, Gebaut im frühviktorianischen Landhausstil und zeitgemäß eingerichtet, steht das Haus von Josie und Noel Corcoran inmitten eines subtropisch anmutenden Gartens. DZ 90-100 €. Am Dorfplatz, Tel. 01 286 3518, www.ferndalehouse.com.
Knockree JH, der komfortable Neubau am Fuße des Knockree Mountain ist die von Enniskerry nächstgelegene Herberge am Wicklow-Trail. Alle Zimmer mit Bad. Bett 20-25 €. Lackan House, 6 km südwestl. von Enniskerry, Tel. 01 286 7981, www.anoige.ie.
Essen & Trinken Um den Dorfplatz einige ansprechende Cafés und Restaurants, z. B.:
Poppies, selbst gebackenes Brot, eigene Konfitüre und tolle Pies lassen den chaotischen Service schnell vergessen. Tägl. 8-18 Uhr.
Emilia’s serviert im 1. Stock dünne und knusprige Pizzas, außerdem die üblichen Verdächtigen wie Steaks, Cäsarsalat oder gefüllte Riesenchampignons. Di-So ab 17.30 Uhr. Tel. 01 276 1834.
Im Powerscourt Terrace Café versteht man sich perfekt auf die nahezu gleichzeitige Verpflegung ganzer Busladungen lunchhungriger Tagesausflügler - und bringt dazu noch gutes Essen auf den Tisch! Spezialität ist eine Terrine mit Aprikosen und Schweinefleisch. Tägl. bis 17 Uhr. In den Powerscourt Gardens.
Glencree
An einer Straßengabelung stehen ein paar Gebäude, die man kaum Dorf nennen kann. Eines der Häuser ist eine internationale Jugendbegegnungsstätte der Friedensbewegung. Während der Weltkriege gab es in Glencree ein Internierungslager für deutsche Soldaten, die es aus abgestürzten Flugzeugen und gestrandeten Schiffen nach Irland verschlagen hatte. Manche blieben für immer hier und wurden auf dem stillen Soldatenfriedhof am Ortsrand bestattet. Einmal im Jahr, am Volkstrauertag, kommt der deutsche Botschafter aus Dublin und legt einen Kranz nieder, ansonsten verirren sich nur wenige Besucher an den stillen Ort.
Wandern um Lough Tay
Die Landschaft um Lough Tay, den dunklen Bergsee an der Straße vom Sally Gap nach Roundwood, war Schauplatz von John Boormans Film „Excalibur“. Über einem Strand am Nordende des Sees glänzt das Lugalla House, ein Landsitz der Guinness-Familie, der nahezu das ganze Tal bis hinunter zum Lough Dan gehört. Zunächst folgt man von Enniskerry kommend der R 755 und biegt schließlich in die R 759 Richtung Sally Gap ab. Den Wagen lässt man 3,2 km nach der Abzweigung stehen, passiert links das mit „Ballinrush“ gekennzeichnete Tor und schlägt dann am Waldrand entlang den Weg Richtung See ein. Nach einer halben Stunde blockiert Privatgrund den Pfad. Er kann nach rechts zur Fahrstraße hin umgangen werden. An der Mündung des Cloghoge in den See bietet sich eine Gelegenheit zum Picknick und vielleicht auch zum Sonnenbad. Für den Rückweg der insgesamt 1,5-stündigen Tour nimmt man die Fahrstraße.
Vom gleichen Parkplatz an der R 759 ist eine Leserin auf dem Wicklow Way Richtung Djouce Mountain gewandert. „Die Route ist eine Panoramastrecke mit weiten Ausblicken in die Wicklow Mountains. Für mich war es der absolute Profiwanderweg, perfekt beschildert und klasse ausgebaut. Leider hat uns hier das schlechte Wetter eingeholt - auf dem Bretterboden wurde es ziemlich rutschig.“
Glendalough/Laragh und Umgebung
Die enthusiastische Schilderung, mit der das Ehepaar Hall vor über 150 Jahren in seinem Irland-Reiseführer dem „Tal der zwei Seen“ mit seiner mittelalterlichen Klostersiedlung zu einer Karriere als Ausflugsziel verhalf, verspricht auch heute nicht zu viel. Glendalough bietet die ideale Kombination von Naturerlebnis und Schnitzeljagd durch geschichtsträchtige Ruinen.
Das Tal war schon in der Bronzezeit besiedelt. Es wurde von eiszeitlichen Gletschern geformt und war in der Warmzeit zunächst von einem großen See gefüllt, den die vom Poulanass angeschwemmten Erd- und Geröllmassen allmählich in zwei Teile teilten. Das Granit- und Schiefergestein der umliegenden Berge birgt Adern mit Quarz, Blei-, Silber- und Zinnkerzen, und die bronzezeitlichen Siedler dürften Bergarbeiter und Schmelzer gewesen sein, die diese Vorkommen ausbeuteten. Da Glendalough nur wenige Häuser zählt, im Sommer und an den Wochenenden die Besucher aus Dublin aber busweise heraufströmen, wird es manchmal recht eng.
Ortsgeschichte: Sozusagen den Grundstein zum Ruhm des Ortes legte im 6. Jh. der Heilige Kevin, der sich hierher als Einsiedler zurückzog, ohne indes lange allein zu bleiben. Bald folgten ihm andere Einsiedler, Schüler und Mönche, ein Kloster entstand, und Glendalough mit seinen damals fast 5000 Einwohnern avancierte zum Bischofssitz. Während die meist aus Adelsgeschlechtern stammende Elite der Mönche sich mit dem Kopieren und Illuminieren der heiligen Schriften beschäftigte, sorgten die Laienbrüder mit Landwirtschaft und Handel für die materielle Grundlage des Klosterlebens.
Blick auf den Glendalough Upper Lake
Das Wirken von Lawrence O’Toole, Irlands erstem kanonischen, also von Rom anerkannten Heiligen, war Höhepunkt und Wende in der Geschichte von Glendalough. 1174 verwüstete eine Überschwemmung die klösterliche Pracht, 1398 tobten sich englische Soldaten aus, und im 17. Jh. verließen schließlich die letzten Mönche den Ort. Die Bauern der Umgebung vergaßen Glendalough jedoch nicht. Jedes Jahr kamen sie zu einer Wallfahrt herauf, auf der es, so die Chronisten, wenig christlich zuging. Dem Whiskey wurde kräftig zugesprochen, und im Suff blieben auch die üblichen Prügeleien nicht aus. Im 19. Jh. nahm man für einige Zeit den Bergbau wieder auf, bis die Vorkommen 1920 für die damalige Technologie erschöpft waren. Am oberen Ende des Upper Lake erkennt man noch die Gebäude der Mine und ihre (giftigen) Schlackenhalden. Einige Schächte führten unter dem Berg hindurch bis ins Glendassan-Tal, wo man die Öffnungen von der Straße zum Wicklow Gap aus noch sehen kann.
Die schwache Stunde des Heiligen
Viele der für Volksheilige üblichen Wundergeschichten werden auch mit St Kevin in Verbindung gebracht: Er habe glühende Kohlen, ohne Schaden zu nehmen, mit bloßen Händen angefasst, in einem hohlen Baum gelebt, sich ausschließlich von Beeren und Kräutern ernährt, und die Bäume des Waldes hätten vor dem vorbeischreitenden Heiligen in Ehrfurcht ihre Wipfel geneigt. Wie dem Heiligen Franziskus wird Kevin eine besondere Nähe zu Tieren nachgesagt. Am bekanntesten ist die Legende von der Amsel, die Kevins Hände, während er meditierte, als Nest erkoren und ihre Eier hineingelegt hatte - worauf der Heilige in seiner Kreuzvigilie, also mit ausgestreckten Armen, verharrte, bis die Jungen ausgebrütet waren. Ein andermal, als ihm sein Gebetbuch in den See fiel, rettete es ein Otter vor dem Untergang und brachte es trocken (!) an Land. Eine weitere Geschichte rankt sich um den Deer Stone. Irgendwie war der Heilige in die missliche Lage geraten, einen Säugling, noch dazu einen Abkömmling des Königshauses aufziehen zu müssen. Woher unter lauter männlichen Einsiedlern die Milch nehmen? Eine Rehkuh ließ sich jeden Tag in die Kuhle des verwitterten Steines melken, das Kind konnte genährt werden, und dem Kloster Glendalough war der Dank des späteren Königs gewiss.
Doch es gibt auch weniger schmeichelhafte Legenden über Kevin, z. B. die Geschichte der Prinzessin Kathleen. Sie hatte sich unsterblich in Kevin verliebt, doch der war nur geistigen Genüssen zugetan und wusste nichts besseres, als vor den Nachstellungen des Mädchens in seine Höhle zu fliehen. Die Prinzessin, nicht dumm, ließ sich vom Hund des Heiligen den Aufstieg zeigen. Als sie Kevin dann auch in seiner vermeintlich sicheren Behausung mit ihrer engelsgleichen Schönheit in fleischliche Versuchung brachte, warf der Eremit Kathleen kurzerhand in den See, wo sie ertrank. Das reute Kevin, und er betete darum, dass in Zukunft niemand mehr im Upper Lake ertrinken möge.
Sehenswertes
Etwa in der Mitte zwischen Laragh und Glenmalure steht auf dem südlichen Bachufer die Priory of St Saviour’s, die Lawrence O’Toole gestiftet haben soll. Mit ihren bemerkenswerten Steinmetzarbeiten (Friese mit Köpfen und Blumen, in der Apsis ein Löwe, der sich in den Schwanz beißt, und weitere Tierdarstellungen) ist sie eines der letzten Beispiele des iro-romanischen Stils.
Mittelpunkt der Klosterstadt, die man vom Hotel her wie früher durch das Pförtnerhaus betritt, ist der weithin sichtbare Rundturm, dessen Spitze von einer Restaurierung gegen Ende des 19. Jh. stammt. Der Turm diente gleichermaßen als Ausguck und Fluchtburg, der Eingang war nur über eine Leiter zu erreichen.
Die im 9. Jh. begonnene Kathedrale Peter und Paul ist das an Grundfläche größte Gebäude Glendaloughs. An der Südwestecke schließt sich der Friedhof mit dem seltsamen Priest’s House an, einer Grabkapelle oder einem Schrein: auch hier könnte Kevins Grab gewesen sein. Der Fries über dem Eingang wurde erst 1870 eingesetzt, es ist ungewiss, woher er eigentlich stammt. Auf alten Stichen erkennt man einen König oder Abt zwischen zwei demütigen Klerikern, doch in den letzten 125 Jahren sind die Figuren zur Unkenntlichkeit verwittert. Kevins Kreuz ist nicht das einzige, aber das größte Hochkreuz von Glendalough. Wer es mit beiden Armen zu umfassen vermag, dem wird der Heilige einen Wunsch erfüllen. Kevin’s Kitchen - der wohlproportionierte Rundturm auf dem Westgiebel erinnert an die Kamine alter Kloster- oder Schlossküchen - war keine Küche, sondern ebenfalls eine Kirche. Sie ist außer dem Turm das einzige noch überdachte Gebäude des Klosters. Lediglich die Fundamente sind von der dem Zeitgenossen Kevins und Abt von Clonmacnoise geweihten Kapelle St Kieran geblieben, die mit einem Schiff von gerade 6 x 4,5 m und einem Chor von 2,75 x 2,75 m recht winzig war. Etwas abseits steht, aus schweren Granitquadern gefügt, Our Lady’s Church, die zu einem Nonnenkloster gehörte.
Von der Klosterstadt führt eine Brücke über den Gleneala auf die Green Road, den alten Pilgerweg zur Anachoretensiedlung. Der Deer Stone am südlichen Brückenkopf war vielleicht ein Bullaun, ein prähistorischer Mahlstein, wie man sie oft in der Nähe irischer Klöster findet. Von diesen im Volksglauben mit übernatürlichen Kräften versehenen Steinen ist bis heute nicht klar, ob sie von den Mönchen in die Nähe der Klöster geschleppt wurden, oder ob die Klöster an Orten mit langer Siedlungskontinuität angelegt wurden, also die Steine sich schon immer hier befanden. Reefert Church, nahe dem Wasserfall des in den Upper Lake mündenden Poulanass, gilt einigen Forschern als das Grab des Heiligen. Die Kirche, in der noch andere religiöse Würdenträger und Lokalfürsten der O’Toole-Familie begraben sind, ist schwer zu datieren. Fenster- und Chorbögen sind romanisch, möglicherweise aber in schon bestehende Wände eingefügt. Kevin’s Cell, von der auf einer Felsnase nur die kaum bemerkenswerten Fundamente erhalten sind, war entgegen dem Namen keineswegs die Zelle des Heiligen. Sie dürfte auf der künstlichen Plattform Teampull na Skellig am Südufer des Upper Lake gewesen sein, die nur mit dem Boot zu erreichen ist. Zwischen Resten von Bienenkorbhäuschen steht eine in Teilen bis ins 7. Jh. zurückgehende Kapelle. Wenn ihm der Rummel in der Anachoretensiedlung zu viel wurde, zog sich Kevin, so die Überlieferung, in die Höhle namens Kevin’s Bed zurück, ein bronzezeitliches Grab. Allein der Aufstieg Kevins zu der 8 m über dem Erdboden schier unerreichbar in einer Felswand klebenden Höhle muss den Zeitgenossen als ein Wunder erschienen sein.
Impressionen aus Glendalough
Praktische Infos
Information Glendalough Visitor Centre, neben dem Glendalough Hotel; mit kleiner Ausstellung zu Glendalough und dem Klosterleben, dazu eine 20-minütige Videopräsentation über irische Klöster und das frühe Christentum. 16.3.-15.10. tägl. 9.30-18, 16.10.-15.3. tägl. 9.30-17 Uhr; Einlass bis 45 Min. vor Schließung. Eintritt 5 €. Tel. 0404 45325, www.heritageireland.ie.
Informationsbüro des Nationalparks, beim Parkplatz am Upper Lake, Mai-Sept. tägl. 10-17.30 Uhr, Febr.-April & Okt. nur Sa/So 10-17.30 Uhr, Nov.-Jan. Sa/So 10-16 Uhr; mit Ausstellung zur Naturkunde und Wandertipps. Tel. 0404 45425, www.wicklowmountainsnationalpark.ie.
Verbindung Mit St Kevin’s Coach Service (Tel. 01 281 8119, www.glendaloughbus.com) von Dublin, Mansion House, Dawson St. Abfahrten tägl. 11.30 Uhr, Halt in Bray am Rathaus; zurück nachmittags vom Parkplatz beim Visitor Centre.
Ausflüge Dublinbus (www.dublinsightseeing.ie) startet mehrmals die Woche um 10.30 Uhr am Büro 59 O’Connell Street für 25 € zu Tagestouren von Dublin zum Powerscourt Garden und nach Glendalough.
Von Dublin hoch zu Ross über das Wicklow-Gebirge mit der Brennanstown Riding School. Tel. 01 286 3778, www.brennanstownrs.ie.
Übernachten Glendalough Hotel, in Top-Lage nahe dem Kloster, der Bach fließt direkt unter dem Speiseraum hindurch. Am Ort ohne Konkurrenz, daher etwas abgewohnt und mit oft trägem Service. DZ 140-170 €. Tel. 0404 45135, www.glendaloughhotel.com.
B&B Bramble Rock, das gemütliche B&B mit ausgezeichnetem Preis-Leistungs-Verhältnis befindet sich 300 m vom Dorfplatz und einem Restaurant entfernt. Zimmer mit Teppichboden, TV und Wasserkocher, WLAN in der Lounge. DZ 80-90 €. Laragh, Tel. 0404 45075, www.bramblerock.com.
Trooperstown Wood Lodge, neue Pension mit etwa 20 Gästebetten, die Zimmer mit DVD-Player und WLAN ausgestattet. Kostenloser Transfer nach Glendalough und zum Wicklow Heather Restaurant, wo auch das Frühstück serviert wird. DZ 120 €. Laragh, Tel. 0404 45236, www.trooperstownwoodlodge.com.
Glendale Cottages, die Ferienhäuser haben jeweils 3 Schlafzimmer bzw. 6 Schlafplätze, in den Küchen freuen sich Hausfrau oder -mann über Mikrowelle und Geschirrspüler, auch an den Wäschetrockner wurde gedacht. Ferienhaus 400-800 €/Woche. Dublin Rd, Laragh, Tel. 0404 45410, www.glendale-glendalough.com.
Glendalough JH, älteres, doch gründlich renoviertes und um einen modernen Anbau erweitertes Haus, in dem sich die Mehrzahl der Schlafräume (2- bis 8-Bett-Zimmer) befindet. Die Küche ist mit Teewasserspeicher und diebstahlsicherem Dosenöffner ausgestattet und bietet die Chance, dem teuren Frühstück mit einem selbst zubereiteten Morgenessen zu entgehen. Die Herberge ist ganztägig geöffnet, die Rezeption nur morgens und abends besetzt. Bett 20-25 €, DZ ohne Frühstück 55-65 €. Ganzjährig geöffnet. 400 m vom Visitor Centre Richtung Upper Lake, Tel. 0404 45342, www.anoige.ie.
Glendalough Cillins, um eine Ahnung von Kevins Einsiedlerdasein zu bekommen, muss man nicht gleich in eine Höhle ziehen und dem weltlichen Leben auf immer Adieu sagen. Für moderne Gottessucher, Pilger und Einsiedler auf Zeit hat die örtliche Kirchengemeinde hinter McCoy’s Supermarkt an der Straße von Laragh nach Glendalough einige Häuschen mit Schlafraum, Bad und Küchenzeile errichtet, in denen man beten, meditieren und sinnieren kann. Die Gäste werden nicht nach ihrer Konfession gefragt, doch das Projekt verhehlt seinen katholischen Charakter nicht. Überraschend ist, dass die Eremitage auch Doppelzimmer hat, also auch als „Zweisiedelei“ genutzt werden kann. EZ 50 €, DZ 80 €. Laragh, Tel. 087 935 6696, www.glendaloughhermitage.ie.
Camping Im Naturschutzgebiet um das Kloster und die Seen ist wildes Zelten nicht erlaubt. Wer Natur sucht, kann weiter oben im Glendassan Valley campen.
Roundwood, (N 81), der nächste Campingplatz, ein leicht abschüssiges Wiesengelände mit befestigten Plätzen für Caravans. Überdachter Aufenthaltsraum, Laden mit Pub in Laufweite. Für irische Verhältnisse ein sehr ansprechender Platz. 2 Pers. mit Zelt 30 €. Geöffnet Mai-Aug. Tel. 01 281 8163, www.dublinwicklowcamping.com.
Essen & Trinken Wicklow Heather Restaurant, bei der Tankstelle; ein rustikal-modern eingerichteter Bungalow, die Lage hat ihren Preis. Ungewöhnlich ist der Leseraum mit Büchern von Joyce, Yeats, Heaney und anderen irischen Klassikern. Hauptgericht 15-30 €. Tägl. durchgehend geöffnet. Laragh, Tel. 0404 45157, www.wicklowheather.ie.
Greenan Farm
Der noch betriebene Hof lockt Familien mit Kindern, ja ganze Schulklassen und Pfadfindergruppen. Zu sehen gibt es ein im Stil von anno dazumal eingerichtetes Bauernhaus, eine mit alten Landmaschinen vollgepfropfte Scheune und eine Sammlung von Glasflaschen. Die Pferde Romeo und Lala lassen sich streicheln, ebenso ein geduldiger Esel. In dem mit Zypressenhecken angelegten Irrgarten werden Orientierung und Erinnerung auf die Probe gestellt. Außerdem gibt es einen großen Spielplatz und einen Picknickbereich.
♦ Juni-Aug. tägl. 10-18 Uhr, April/Mai und Sept. nur Sa/So. Eintritt 8 €. Sheeanamore Rd, Greenane. www.greenanmaze.com.
Clara Lara Funpark
Dieser Abenteuerpark spricht mit Wasserrutschen, Baumhäusern, Gokartbahn und anderen Outdoor-Aktivitäten besonders Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren an. Höhepunkt sind die Wasserschlachten mit dem Piratenboot.
♦ Juni-Aug. tägl. 10.30-18 Uhr, Mai nur Sa/So. Eintritt 13 €, Kleinkinder frei. Zwischen Laragh und Rathdrum. www.claralara.ie.
Wandern in Glendalough
Vom Upper Lake bieten sich mehrere Spaziergänge und Wanderungen an. Der Spinc Mountain Walk führt von der Reefert Church hinauf zum Poulanass-Wasserfall, dann weiter bergauf auf alten Eisenbahnschwellen durch Wald und Moor zu herrlichen Aussichtspunkten und oben auf dem Kliff um den See herum. Man überquert den jungen Gleneala und begleitet ihn entlang von Wasserfällen abwärts zum See. Links oben am Hang sieht man die hellen Abraumhalden der alten Bergwerke, kurz vor dem See passiert der Weg das verfallene Betriebsgelände einer Mine. Auf der Nordseite des Upper Lake kommt man über die Miner’s Road wieder zum Ausgangspunkt zurück. (ca. 2½ Std., 350 m Anstieg).
Anspruchsvoller ist die Tour auf den Camaderry (700 m), der höchsten, von den vorgelagerten Hügeln zunächst verdeckten Erhebung auf der Nordseite des Upper Lake. Der Pfad beginnt, von Glendalough kommend, 50 m vor dem Parkplatz am Upper Lake, führt steil den Hang hoch auf den Bergrücken, von wo man in nordwestlicher Richtung auf den gut sichtbaren Gipfel zuhält (hin und zurück 4 Std.). Diese Wanderung sollte man nicht alleine unternehmen und bei Wetterverschlechterung sofort umkehren - so einfach die Orientierung oben bei guter Sicht ist, so unmöglich wird sie, wenn man mitten in einer Wolke steht. Im Schaukasten beim Info-Büro des Nationalparks hängt eine Wetterprognose.
Zu Kevin’s Way, dem Wanderweg auf die Westseite des Gebirges.
Wicklow Gap
Am Turlough Hill, nahe dem Pass am oberen Ende des Glendassan-Tales, sind zwei Seen zu einem Speicherkraftwerk ausgebaut. Nachts, wenn der Stromverbrauch gering ist, wird mit der überschüssigen Energie Wasser in den oberen See gepumpt, um tagsüber, in Spitzenzeiten, wieder abgelassen zu werden und dabei über eine Turbine Strom zu erzeugen.
Glenmalure
Ein kaum weniger schönes Wandergebiet als das benachbarte Glendalough, doch weniger überlaufen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht zu erreichen. Vom Ende der Autostraße aus bietet sich die Tagestour an der Jugendherberge vorbei immer talauf hinüber ins Imaal-Tal auf die Westseite des Gebirges an. Die Schlucht inspirierte John M. Synge zu seinem Drama „In the Shadow of the Glen“. Ein Denkmal am Wegrand östlich der Glenmalure Lodge feiert die Schlacht von Glenmalure, in der die Wicklow-Rebellen 1580 ein ihnen nachsetzendes englisches Heer in die Falle lockten. So blieben die Berge für weitere 200 Jahre außerhalb staatlicher Kontrolle. 1798 war Glenmalure ein Schlupfloch von Michael Dwyer und einem Trupp der United Irish Men, die auf Napoleons Hilfe bei der Befreiung Irlands von den Engländern hofften. Auf dem Talgrund findet man noch die Fundamente des Militärlagers, das nach der Gefangennahme Dwyers und dem Bau der Militärstraße hier angelegt wurde.
Verbindung Ohne eigenes Auto nur zu Fuß, beispielsweise von Glendalough über den früher von den Pilgern benutzten Mess Track, dem heute der Wicklow-Trail folgt.
Übernachten/Essen Michael Dwyer Pub/Glenmalure Lodge, ein Gasthof am Taleingang mit hervorragender Küche (z. B. Lammbraten) und einigen wenigen Fremdenzimmern, die an den Wochenenden gewöhnlich über Monate hinaus ausgebucht sind. Wer ein Zelt mitbringt, kann auf der Wiese hinter dem Haus campen. DZ 100 €. Tel. 0404 46188, www.glenmalurelodge.ie.
Glenmalure JH, 1 km oberhalb des Parkplatzes, romantisch am Avonbeg River gelegen (Forellen!). Ohne Strom und Telefon, dafür mit einem Plumpsklo über den Hof ausgestattet. Auch Camping möglich. Bett 20 €. Juni-Aug. tägl. geöffnet, sonst nur Sa auf So. www.anoige.ie.
Wicklow und Umgebung
Der Hauptort des gleichnamigen Countys liegt eine halbe Autostunde südlich von Dublin an der Küste. Sehenswert ist das zum Museum umgestaltete frühere Gefängnis. Naturfreunde besuchen die Murrough Wetlands, ein bei Wasservögeln beliebtes Feuchtgebiet am Strand nördlich des Städtchens.
Im Wicklow Gaol geben ein polternder Aufseher und mehrere Gefangene Einblick in den Strafvollzug vergangner Zeiten. Mary Morris bemüht sich, den Häftlingen Lesen und Schreiben beizubringen, und wer sich immer nur wie in einer Tretmühle fühlte, kann eine solche hier live ausprobieren. Gruselig ist das Verlies, und auch die Vorstellung, wie es auf dem Sträflingsschiff des psychopathischen Kapitäns Luckyn Betts zuging, der die Rebellen von 1798 nach Australien deportierte, treibt uns einen Schauder über den Rücken. Tearoom und Souvenirshop runden den Besuch ab. Und hoffentlich haben Sie den Parkschein nicht vergessen: Das Büro der Stadtwache, heute in Gestalt von Politessen, ist noch immer gleich neben dem Gefängnis.
♦ Tägl. 10.30-16.30 Uhr. Einlass bis 15.30 Uhr; Eintritt mit Führung 10 €. Kilmantin Hill, www.wicklowshistoricgaol.com.
Gefängnismuseum Wicklow Gaol
Praktische Infos
Information Mo-Fr 9.30-13 und 14-17 Uhr. Fitzwilliam Sq, Tel. 0404 69117, www.visitwicklow.ie.
Verbindung Bus: Vor dem Grand Hotel hält die Buslinie 133 Dublin - Wicklow. Bahn: Bahnhof 10 Gehminuten nördlich des Zentrums.
Übernachten Wicklow Head Lighthouse, 3 km südlich der Stadt, hier können Sie sich ganz wie ein Leuchtturmwärter fühlen. Das ungewöhnliche achteckige Ferienhaus aus dem Jahre 1781 verfügt heute über 2 Schlafzimmer, Wohnraum, Bad und Küche - die sich allerdings 109 Stufen über dem Erdboden im obersten Stock befinden. 225-350 €/Nacht. Tel. 01 670 4733, www.irishlandmark.com.
Halpins Town House, fünf Gehminuten von der Hauptstraße, Zimmer mit WLAN und TV, teilweise mit Blick auf den Fluss, freundliche Wirtin. DZ 90 €. Bachelors Walk, Tel. 0404 69126, www.stayinginwicklow.com.
Essen & Trinken The Coffee Shop, ein Delikatessengeschäft mit einigen Tischen im Laden, an denen man außer Kaffee, Tee und Kuchen auch wechselnde Mittagsgerichte, hausgemachte Sandwichs, Quiche und Pie bekommt. Mo-Sa 9-17.30 Uhr. Fitzwilliam Sq.
Brittas Bay
Eine Nebenstraße (R 750) bringt uns von Wicklow an einen der schönsten Dünenstrände der Ostküste. Die relative Nähe zu Dublin sorgt am Wochenende für viele Tagesausflügler, manche verbringen im Sommer gar die Nacht am Strand. Es gibt Toiletten, Duschen, Umkleidekabinen, an den beiden Parkplätzen warten mobile Imbissstände und Eisverkäufer.
Verbindung Bus Eireann Linie 2 hält 2 km landeinwärts am Jack White’s Pub. Parken Mai-Sept. 4 €.
Übernachten Ballinclea House, drei Gästezimmer in einem georgianischen Herrenhaus in Laufweite zum Strand - ein echter Geheimtipp! DZ 90-100 €. Brittas Bay, Tel. 0404 47118, www.ballincleahouse.com.
Avondale-Park
Hier können Gälophile das Geburtshaus des Nationalhelden Charles Stewart Parnell besuchen. Das im Stil der viktorianischen Zeit eingerichtete Landhaus wird ab 2021 mit einer neuen Ausstellung „At Home with the Parnell’s“ wieder geöffnet, auch den Garten soll man besuchen können. Highlights im Haus sind der Speisesaal mit hübschen Rokoko-Stuckaturen der Franchini-Brüder sowie ein mächtiges Möbelstück, bei dem es sich um einen aufklappbaren Koffer-Sekretär handelt, an dem Parnells Großvater auf Reisen seine Geschäfte führte - sozusagen ein archaisches Notebook. Die unmittelbare Umgebung des Hauses war dereinst Versuchsfeld für die Wiederaufforstung der Insel. Durch das Areal führen mehrere auf einem Faltblatt erläuterte Naturlehrpfade, einzelne Bäume weisen Blechschildchen mit dem botanischen Namen auf, anderswo sind die mit verschiedenen Baumarten bepflanzten Parzellen deutlich zu unterscheiden. Demnächst soll ein Baumwipfelpfad gebaut werden. Spielplatz und Tea Room laden zur Rast.
♦ Parnell House und Arboretum: Juni-Aug. tägl. 11-17 Uhr, März/April & Sept./Okt. Di-So 11-16 Uhr; Einlass bis 1 Std. vor Schließung. Eintritt Haus 7 €. 2 km südl. von Rathdrum (R 752 zw. Wicklow und Laragh), 30 Gehminuten vom Bahnhof. www.coillteoutdoors.ie.
Mount Usher Gardens
Der 8 ha große Garten mit exotischen Pflanzen wurde um 1900 angelegt und zeigt die Gartenbaumode nach Powerscourt: eine romantisch verwilderte und möglichst naturnahe Robinsonade, die auf Statuen, Rabatten, Begonien und Geranien verzichtet. Erst beim genauen Hinsehen entdeckt man, dass in diesem „Wald“ Palmen, Erdbeerbäume und andere Exoten wachsen und die scheinbar natürliche Uferlandschaft eine große Inszenierung der Landschaftsarchitektur ist, für die Pflanzen geradeso als Dekoration eingesetzt werden wie Miniatur-Hängebrücken und künstliche Wasserfälle. Der weitgehende Verzicht auf Blumen und die Beschränkung auf nur eine Szenerie, nämlich besagte „Uferlandschaft“, enttäuschen manchen Besucher.
♦ Tägl. 10-16 Uhr; Einlass bis 15.15 Uhr; Eintritt 8 €. Der Garten ist in Ashford, an der R 750, 6 km nordwestlich von Wicklow. www.mountushergardens.ie.
National Garden Exhibition Centre
„Als Gartenliebhaber konnten wir in Irland viele Gärten besichtigen und haben dabei meist großräumige Landschaftsparks und wenige kleinräumige Hausgärten oder Cottage Gardens wie in England gefunden. Das Centre bietet in dieser Richtung mehr als jede Landesgartenschau“, loben Leser in einem Brief. Das Centre zeigt 20 Hausgärten mit ganz verschiedenen Themen, die von den führenden Gartendesignern Irlands entworfen wurden. Die einzelnen Gärten sind seit mehr als zehn Jahren in eine schöne Gesamtanlage integriert. Sehr abwechslungsreich, sehr gepflegt, gut ausgeschildert. Zur Stärkung gibt es einen Tearoom.
♦ Mo-Sa 9-18, So 11-18 Uhr; Eintritt frei. Kilquade. Von Dublin kommend N 11 bis Kilpedder, dann den Schildern zum NGEC folgen. Von Wexford kommend, muss man die Ausfahrt Newtown Mt. Kennedy nehmen. www.arboretum.ie.
Anregungen zum Besuch weiterer Gärten im County Wicklow, die ihre Tore für die Öffentlichkeit öffnen, finden Sie unter www.visitwicklow.ie → See & do → Gardens & Historic Homes.
In den Wicklow Mountains