Читать книгу Irland Reiseführer Michael Müller Verlag - Ralph Raymond Braun - Страница 9
ОглавлениеUnterwegs in Irland
Dublin
Irlands Hauptstadt ist eine mondäne, schillernde Metropole, in der Glanz und Elend untrennbar miteinander verwoben scheinen - und die sich am Tresen des Pubs doch sogleich in ein heimeliges, vertrautes Dorf verwandelt. Wer Dublin nur als Durchgangsstation auf dem Weg in die irische Landschaft betrachtet, lässt sich viel entgehen.
Im Sauseschritt vorbei an den Government Buildings: Beim Speed-Ranking der europäischen Metropolen belegen Dublins Fußgänger immerhin den dritten Platz.
Als wolle der Pilot zunächst die beeindruckende Lage der Stadt vorführen, schwebt das von der Irischen See kommende Flugzeug über der Halbinsel Howth und macht noch einen Schwenk. Auf einer weiten Ebene, geteilt vom River Liffey, schmiegt sich die Stadt im Dreiviertelkreis an die Bucht. Aus der Vogelperspektive ist sie ein aus unzähligen Versatzstücken gewebter Flickenteppich, geht in die Fläche, aber nicht in die Höhe: Nicht Hochhäuser, sondern Kirchtürme und Schlote bestimmen zwischen gleichförmigen Reihenhäusern die Skyline.
Taucht der Besucher später in die Metropole ein, erscheint Dublin launisch und wechselhaft wie das Wetter. Ein abgetragenes Kleidungsstück, an dem nur noch wenige Stellen glänzen, das viel mitgemacht hat und viel erzählen könnte, für das man sich manchmal schämt und an das man doch sein Herz so sehr verloren hat, dass man sich von ihm nicht trennen will. Liebes, dreckiges Dublin. Banker, Makler und IT-Arbeiter strömen aus polierten georgianischen Backsteinhäusern oder den polierten Glaspalästen der Docklands und eilen achtlos an jenen vorbei, die als lebende Hinweistafeln für Boutiquen und Kartenlegerinnen werben.
Die Stadt ist ein Sammelbecken der Vielfalt und unterschiedlichen Interessen: Für die einen ist sie Wiege der irischen Nation, war Dublin doch vor gut hundert Jahren Schauplatz des Osteraufstands, der das Land in die Unabhängigkeit führte. Andere sehen in Dublin die heimliche Welthauptstadt der englischsprachigen Literatur. Man muss seinen Ulysses nicht gelesen haben, um, nach der Mode von anno dazumal kostümiert, an einem 16. Juni mit tausenden Gleichgesinnten auf den Spuren des Romanhelden Leopold Bloom durch Dublin zu flanieren.
Für manche Jugendclique ist die Stadt ein Reiseziel, um fern der Heimat unerkannt die Sau rauszulassen. Andere lockt die vielfältige Musikszene: Sei’s eine Session mit dem Fiddler im Pub, ein Rockkonzert im Club oder der Auftritt von Weltstars auf großer Bühne. Dublin ist ein schier unerschöpflicher Nährboden für neue Bands und Musikstile.
Dann ist da noch diese prächtige Kulisse georgianischer Architektur. Die Reihenhäuser mit ihren Backsteinfassaden und farbenfrohen Eingangstüren sind geradezu ein Markenzeichen der Stadt. Auch die Moderne kann sich sehen lassen. In den Jahren des keltischen Tigers entstand in den zuvor maroden Docklands ein neues Stadtviertel mit zeitgenössischen Bürotürmen und Apartmenthäusern aus viel Stahl und Glas; das neue Viertel ist auch Schaufenster vom Aufstieg und Niedergang der Spekulation, denn manche Wohnung steht leer, weil sich zu wenige die Mieten leisten können.
Zuallererst aber ist Dublin eine Stadt der unvermuteten Begegnungen, des Gesprächs und Witzes, geprägt von der Schlagfertigkeit und dem Charme seiner Menschen - Leben pur.
Was anschauen?
Trinity College und Book of Kells: Schlendern Sie über den Campus von Irlands angesehenster Universität, bevor Sie sich in die Schlange vor dem Book of Kells einreihen. Die begleitende Ausstellung erzählt die Geschichte des herrlich illuminierten Meisterwerks aus dem Frühmittelalter.
Saint Stephen’s Green und Merrion Square: Georgianische Baukunst rund um immergrüne Parkanlagen.
Guinness Storehouse: Das Firmenmuseum der Guinness-Brauerei ist die am meisten besuchte Sehenswürdigkeit der Stadt. Erzählt wird die Fabrikgeschichte, anschaulich erläutert wird der Brauprozess. Den Rundgang krönt ein Pint in der Gravity Bar mit tollem Stadtpanorama.
Kilmainham Gaol: Grusel in der Kathedrale des viktorianischen Strafvollzugs, dem einst gefürchtetsten Gefängnis der Insel.
National Gallery: Eine beeindruckende Sammlung von Meisterwerken irischer und europäischer Malerei aller Epochen. Highlights sind etwa Bilder von Vermeer, Caravaggio, Picasso, van Gogh und Monet.
Epic Ireland: Die außergewöhnliche Ausstellung rund um das Thema Auswanderung wurde zu Europas führenden Touristenattraktionen 2019 gekürt.
Was unternehmen?
Bloomsday: Am 16. Juni pilgern Fans aus aller Welt auf den Spuren einer Joyce’schen Romanfigur.
Hop-on Hop-off Bus Tour: Entdecken Sie Dublin in Ihrem eigenen Tempo bei einer Stadtrundfahrt mit dem Hop-on-Hop-off-Bus.