Читать книгу Gipfelstürmerinnen - Tanja Wirz - Страница 14
ОглавлениеWANDERN IM NATIONALMONUMENT
7 «Eine Alpenspitze.» Illustration von 1861.
Die Alpen und vor allem das Hochgebirge wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gerne dazu genutzt, um zentrale Vorstellungen der damaligen Gesellschaft als «natürlich» erscheinen zu lassen: zum einen die Nation, zum andern die Idee, einer jeweils besonders überlebenstüchtigen nationalen «Volksgemeinschaft» anzugehören, die ihre Tugenden dem Überlebenskampf in der «freien Wildbahn» verdankte. Schweizer Autoren machten damals aus den Alpen ein nationales Monument; dies zeige ich im ersten Teil dieses Kapitels. Zur selben Zeit besuchten immer mehr ausländische Touristen das Gebirge. Nach einem kurzen Überblick über die Entwicklung der touristischen Infrastruktur in den Alpen untersuche ich im zweiten Teil dieses Kapitels das Beispiel zweier englischer Alpinisten, die das Bergsteigen gewissermassen als imperialistische Tätigkeit betrieben. Und schliesslich zeige ich im dritten Teil, wie der SAC versuchte, sich die nationale Erinnerungslandschaft Alpen anzueignen und zu kontrollieren, und lege am Beispiel der Jugendgruppen der Alpenclubs dar, wie Bergsteigen Anfang des 20. Jahrhunderts als Technik zur Erzeugung nationalistischer Gefühle in Mode kam.