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2.6Nikotinabhängigkeit 2.6.1Rauchen: Gewohnheit oder Sucht?

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Noch 1957 bewertete das Experten-Komitee der WHO selbst starkes Rauchen als Gewohnheit und nicht als Sucht. Die damals angeführten Argumente, wie zum Beispiel fehlende Beweise für eine nikotininduzierte körperliche Abhängigkeit im Tierversuch, oder die Annahme, dass die beobachteten Symptome nach Beendigung des Zigarettenkonsums keine Entzugssymptome sind, gelten heute als überholt.

Von der Tabakindustrie wurde firmenintern die suchterzeugende Wirkung von Nikotin bereits 1968 erfasst, jedoch der Öffentlichkeit gegenüber geleugnet (Haustein 2001). Da Nikotin im Gegensatz zu Alkohol und Heroin kaum psychotoxisch wirksam ist, zeigen auch stark abhängige Raucher – zumindest solange sie ausreichend mit Nikotin versorgt sind – nur geringe soziale Auffälligkeiten. Dieser Umstand trug sicherlich dazu bei, dass die Nikotinabhängigkeit erst seit 1978 von der WHO aufgeführt wird, 1980 nahm die American Psychiatric Association (APA) sie im DSM-III auf.

Tatsächlich sind viele der mit dem Rauchen zusammenhängenden Phänomene besser auf der Basis eines Sucht- oder Abhängigkeitskonzepts zu verstehen als auf der einer lieb gewordenen Gewohnheit. Fragt man z. B. einen Raucher nach dem Grund für sein Tun, so wird die Antwort in den wenigsten Fällen lauten: »Ich rauche gern«; in Befragungen geben über 80 % der Raucher an, nicht gern zu rauchen, aber nicht aufhören zu können. Die meisten von ihnen haben denn auch mehrere erfolglose Versuche, abstinent zu werden, hinter sich; im Jahr 2000 haben Schätzungen zufolge fast 8 Millionen Raucher versucht, das Rauchen zu beenden – größtenteils erfolglos.

Einleuchtend ist in diesem Zusammenhang eine Notiz im Schwäbischen Tagblatt vom 27. 06. 1999: »Angesichts von immer mehr Randalierern in Flugzeugen hat die Pilotenvereinigung Cockpit eine Lockerung des Rauchverbots auf Langstreckenflügen gefordert, denn 566 dieser Vorfälle mit sogenannten ‚unruly passengers’ seien auf das strikte Rauchverbot zurückzuführen.« Bloßer Verzicht auf eine Gewohnheit scheint ein solches »unruly« Verhalten nur unzureichend zu erklären, Sucht schon eher!

Inzwischen gibt es wissenschaftliche Argumente, die am Vorhandensein einer physischen Nikotinabhängigkeit keinen Zweifel mehr lassen. Versuchspersonen drückten zum Beispiel einen Hebel häufiger, wenn dadurch eine Nikotininfusion ausgelöst wurde, als eine Vergleichsgruppe, welcher eine Salzlösung verabreicht wurde (Henningfield 1983). Und in Rattenversuchen wurde nachgewiesen, dass zumindest ein Teil der Tiere eine Abhängigkeit entwickelt, die durch die schnelle Anflutung des Alkaloids im Gehirn erzeugt zu werden scheint (Haustein 2001).

Um das Vorhandensein einer Nikotinabhängigkeit diagnostisch zu belegen, wurden unterschiedliche Kriterien entwickelt.

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