Читать книгу Behauptung statt Wahrheit - Erwin Leonhardi - Страница 14

Hölle

Оглавление

Die Basis der Machtentfaltung der Kirche ist der professionelle Umgang mit der Angst vor Strafe durch die göttlichen Mächte. Angst verschafft Macht über andere, die Gehorsam üben, um unkalkulierbaren Strafen zu entgehen. Typischerweise sind diese Strafen abstrakt, wie beispielsweise Verdammnis der Seele, drohende Krankheit, Verfluchung der Familie, wirtschaftlicher Misserfolg usw. Sie werden zur Abschreckung in eine bildhafte Wirklichkeit transferiert. So schmoren beispielsweise im Christentum angeblich die Seelen von Sündern entsetzlich in der Hölle.

Mit ein wenig Nachdenken lässt sich der Höllengedanke, die lodernde Feuerhöhle mit speziellem Fegefeuer für Verdammte, als barer Unsinn entlarven. Laut christlicher Lehre ist die Seele körperlos. Sie entweicht direkt nach dem Tod dem Leichnam und tritt vor das Gottesgericht. Dort wird sie nach nicht nachvollziehbaren göttlichen Kriterien in den Himmel oder in die Hölle geschickt. Reuige Sünder können in den Himmel kommen, selbstgefällige Gläubige in die Hölle. Diese beiden Möglichkeiten sind wichtig, denn sie bewirken, dass sich niemand sicher fühlen kann.

Nur ein Körper mit Bewusstsein und funktionierendem Nervensystem kann Schmerz empfinden. Demzufolge kann das Fegefeuer einer leiblosen Seele nichts anhaben. Für das Empfinden von seelischem Schmerz ist ein Bewusstsein erforderlich. Das ist aber mit dem Gehirn gestorben. Das Ganze ist ein Paradebeispiel für die Einschüchterung von Menschen mithilfe von unbeweisbaren Behauptungen. Wie allein auf die immaterielle Seele wirkende Höllenqualen ernsthaft funktionieren sollen, hat die Kirche nie wirklich erklärt. Sie hat nur Bilder an ihren Altären herstellen lassen, die dem Volk die primitive Vorstellung vom Fegefeuer geben sollten. Diese Bilder waren alles, was ein Analphabet zur Kenntnis nehmen konnte. Für ihn wurden sie in Auftrag gegeben.

Vor Jahrhunderten hat die katholische Kirche für ungetaufte gestorbene Kinder die Vorhölle erfunden, die erst in jüngster Zeit unter Papst Benedikt XVI., bürgerlich Josef Ratzinger, offiziell wieder abgeschafft wurde. Der Sinn bestand darin, Zwang zu erzeugen, dass die Kinder frühestmöglich getauft und damit von der Kirche vereinnahmt werden konnten.

Wenn die Erklärungsnot zu groß wird, gibt es immer noch die Pauschalheilung mit dem Satz, die Wege des Herrn seien unergründlich. Unergründlich heißt unberechenbar. Unberechenbarkeit heißt Zufall. Da Gott angeblich das Leben seiner Kinder individuell beeinflusst, sollte Zufall nicht gelten. Eine beliebige unergründliche Macht ist für den Menschen wertlos. Es gibt keinen planbaren Erfolg, weil sich niemand auf die Beliebigkeit einer solchen Macht einstellen kann. Logisch folgt daraus, dass es müßig ist, nach einem gottgefälligen Leben zu streben. Ein Glaubender weiß nie, ob er am Ende belohnt wird, oder ob die Lebensleistung wegen irgendeiner Lappalie oder einer göttlichen Laune, die sich im AT massenhaft zeigt, verworfen wird. Eine von Menschen geschriebene Bibel und eine von Priestern gesprochene dogmatische Auslegung können keine wirkliche Grundlage sein. Sie sind nur das Ergebnis einer konstruierten Vorstellung, mehr nicht. Der zentrale Punkt ist die Vorspiegelung, die Priesterschaft wüsste, wie mit Gott umzugehen ist, und definiere einen passenden Verhaltenskodex, der vor drohenden erdachten Strafen schützt.

Es gehört eine enorme Arroganz dazu, nicht nachprüfbare abstrakte Strafen zu erfinden und sie als behauptete Wahrheit zu verbreiten. Aber es gehört auch eine entsprechende Portion respektgeprägter Angst dazu, solche sinnfreien Dinge zu glauben. Über Generationen hinweg fallen erfolgreich verführte Gutgläubige darauf herein, weil Ihnen gleichzeitig vorsorglich vermittelt wird, dass allein schon ein infrage stellen der Lehren bereits Sünde sei. So einfach funktionierte das über viele Jahrhunderte bis heute. Fakt ist: Kein einziger Mensch hat jemals eine entsprechende Erfahrung machen können. Außer von religiösem Wunschdenken getriebener Behauptung gibt es nichts.

Behauptung statt Wahrheit

Подняться наверх